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Auftakt nach Maß

1. FC Magdeburg – VfB Germania Halberstadt, 17. Spieltag, 4-0 (3-0)

Auftakt ins Pflichtspieljahr 2015? Check. Und wie! Mit 4-0 behielten die Größten der Welt gegen den VfB Germania Halberstadt vor reichlichen 9.372 Zuschauern die Oberhand. 9.372 Zuschauer wohlgemerkt, die das Spiel bei knackigen Temperaturen auch bequem von der heimischen Couch aus hätten schauen können, weil der MDR die Partie nämlich live übertrug. Haben sie aber nicht, und so gab es für das erste Spiel nach 7 Wochen Winterpause gleich eine amtliche Kulisse, die unsere Blau-Weißen ordentlich für sich zu nutzen wussten. Spielerisch war dabei zwar noch einige Luft nach oben, aber wer will bei einem 4-0 schon meckern. Von Halberstadt war dagegen so gut wie gar nichts zu sehen; die Vorharzer präsentierten sich erschreckend schwach und werden in dieser Form sicherlich noch ganz schön beißen müssen, um die Klasse zu halten.

Trainer Härtel schickte seine Mannen mit einer recht offensiven Aufstellung ins Spiel – neben Beck und Fuchs lief Nicolas Hebisch als dritter Stürmer auf. Torge Bremer übernahm die Position des verletzten Niklas Brandt im defensiven Mittelfeld und spielte somit von Beginn an neben Kapitän Sowislo; in der Defensive ließ Härtel nominell mit einer Fünferkette agieren, die aber eigentlich nur eine Dreierkette war, weil die Außenverteidiger Fabian Zittlau (links) und Nico Hammann (rechts) derart hoch standen, dass man eigentlich ein 3-4-3 auf den Rasen brachte. Und das funktionierte gleich von Beginn an ordentlich – die ersten Minuten gehörten ganz klar den Hausherren.

Folgerichtig dann auch nach 12 Minuten mit der ersten richtig zwingenden Gelegenheit das 1-0 für den FCM: Beck von der linken Seite völlig unbedrängt mit einer schönen Hereingabe auf Nico Hammann, dieser mit einem beherzten Schuss gegen den Lauf des Torhüters und schon schlug die Kugel unhaltbar hinter Pascal Nagel im Halberstädter Kasten ein. Wenig später gleich das 2-0, diesmal war es Beck selbst, der den Ball nach einem Freistoß unnachahmlich im Tor versenkte. Zu diesem Zeitpunkt waren gerade einmal 17 Minuten gespielt und im Prinzip waren hier schon alle Messen gesungen – Halberstadt zeigte angesichts dieses Doppelschlages Wirkung und brachte selbst gar nichts vor das Magdeburger Tor. Interessant übrigens auch die erstaunlich geringe Anzahl an Fans im Gästeblock; wenigstens können sich die Daheimgebliebenen in Anbetracht des Spielverlaufs damit trösten, alles richtig gemacht zu haben.

In der 44. Minute kam es dann noch dicker für die Gäste: Wieder war Christian Beck zur Stelle und zack! stand es pünktlich zum Pausentee 3-0 für die Guten. Was auch gar nicht so schlecht war, weil unsere Elf nach der 2-0-Führung nämlich erst einmal einen halben Gang zurückschaltete und die Halberstädter zumindest mal ein wenig mehr in Tornähe kommen ließ, ohne, dass es allerdings wirklich gefährlich wurde. So aber ging es mit einem beruhigenden Polster in die Pause. Die ich diesmal entgegen sonstiger Gepflogenheiten auf meinem Platz verbrachte, weil die Nordtribüne nämlich pickepackevoll war, wie auch der Verein auf seinem offiziellen Twitter-Kanal begeistert hervorhob:

Noch ein kurzer Blick in den „Planet MD“ und dann ging es auch schon weiter im HKS. Die Halberstädter Mannschaft war deutlich vor dem FCM wieder auf dem Rasen; die Halbzeitansprache von Henri Fuchs, der in dieser Partie sein Pflichtspiel-Trainerdebüt für die Vorharzer gab, muss wohl dementsprechend kurz ausgefallen sein. Es waren noch keine fünf Minuten gespielt, da schlug Christian Beck erneut zu und erzielte seinen dritten Treffer der Begegnung. Ein Tor, das aber zu mindestens 50% Nicolas Hebisch anzurechnen ist. Der nämlich tauchte zentral rechts allein vor Keeper Nagel auf und kann eigentlich auch selbst den Abschluss suchen, sieht aber den mitgelaufenen Beck und legt selbstlos auf den Mannschaftskollegen ab, der daraufhin nur noch einschieben muss. Unser Torjäger vom Dienst wusste folgerichtig auch gleich, bei wem er sich zu bedanken hatte und tat das dann auch – in solchen Szenen und Momenten erweist sich ja ganz gut, ob man da unten auf dem Rasen eine echte Mannschaft oder nur eine Ansammlung von Individualisten sieht. Für mich eigentlich der eindrucksvollste Moment der Begegnung.

Den Rest der zweiten Halbzeit waren dann die Blau-Weißen dem 5-0 einige Male deutlich näher als Halberstadt dem Ehrentreffer, wenngleich im Verlauf der zweiten 45 Minuten die spielerische Linie doch ein ums andere Mal verloren ging. Das mag auch an den Wechseln gelegen haben – für Felix Schiller kam positionsgetreu Christopher Handke ins Spiel, Marcel Schlosser ersetzte Lars Fuchs und gegen Ende kam auch Kevin Kruschke für Christian Beck noch zu seinem Einsatz. Dieser erntete bei seiner Auswechslung natürlich verdientermaßen ordentlich Applaus – bester Spieler war er für mich aber trotz seiner drei Buden nicht, sondern ziemlich eindeutig Steffen Puttkammer. Als ‚zentraler Innenverteidiger’ dirigierte er lautstark seine Vorder- und Nebenleute, spielte in der Defensive nahezu fehlerfrei und leitete ein ums andere Mal mit klugen ersten Pässen Offensivaktionen ein. Großartig auch eine Szene in der zweiten Halbzeit, in der er im gegnerischen Strafraum einen scharfen Pass geschickt weiterleitet und so Nicolas Hebisch, der bis auf seine Vorlage auf Beck einigermaßen blass blieb, eine gute Torchance ermöglichte. Puttkammer sah man sein Selbstvertrauen regelrecht an; für mich, auch wenn ich mich da jetzt vielleicht etwas weit aus dem Fenster lehne, eines seiner besten Spiele für die Größten der Welt. Weiter so, Putti!

Ein ordentliches Debüt im blau-weißen Dress gab auch Fabian Zittlau, der ja gleich in der ersten Elf stand und seine Sache überwiegend gut machte. Am Anfang noch mit der einen oder anderen Schwierigkeit (vielleicht war er ja auch ein wenig nervös und ganz sicher beeindruckt von der Kulisse), mit fortschreitender Spieldauer immer sicherer, kompromisslos in der Defensive und mit einigen guten Aktionen nach vorne – in einer taktischen Variante, wie sie gestern gespielt wurde, wird es bei solchen Leistungen von Zittlau für einen Marcel Schlosser sicher erst einmal eng.

Insgesamt war es nach einer viel zu langen Pause einfach ein großartiger Tag, an dem inklusive des Ergebnisses alles stimmte und an dessen Ende wir tatsächlich als Tabellenführer der Regionalliga Nordost in die neue Woche gehen. So kann es von mir aus jetzt sehr, sehr gern weitergehen! Im nächsten Spiel verschlägt es die Größten der Welt nach Babelsberg und auch ich werde mir die Chance nicht nehmen lassen, endlich mal das Karl-Liebknecht-Stadion von innen in Augenschein zu nehmen. Wer weiß schließlich schon, wann wir dann das nächste Mal dort spielen werden…

Kleine Notiz noch am Rande: Dank meines Buchprojektes lernte ich vor und nach dem Spiel gegen Halberstadt auch erstmals die Arbeit des FanRat e.V. an Spieltagen etwas näher kennen. Absolut beeindruckend, mit wie viel Herzlichkeit, Engagement und Herzblut die ehrenamtlichen Helfer bereits weit vor Anpfiff und noch weit nach Abpfiff bei der Sache sind – an dieser Stelle auch noch einmal vielen Dank an Claudia und Appel für die ‚Gastfreundschaft’, die vielen Einblicke, den Kaffee und die gute Zeit!

2 Kommentare

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