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Das Glück des Tüchtigen

SV Babelsberg 03 – 1. FC Magdeburg, 18. Spieltag, 1-2 (1-1)

Mit dem ICE zum Auswärtsspiel (jedenfalls ein Stück) – für einen kurzen Moment fühlte sich die Fahrt nach Babelsberg ins Karl-Liebknecht-Stadion an wie die große, weite Welt des Profifußballs. Dass sich der 1. FC Magdeburg auch nach diesem Spiel weiter Hoffnung machen kann, in näherer Zukunft nicht mehr nur regional, sondern vielleicht bald wieder deutschlandweit unterwegs zu sein, hat er in letzter Konsequenz Nicolas Hebisch zu verdanken. Der Mann mit der 18 war es, der den Ball in der 82. Minute mit etwas Glück über die Linie drückte, nachdem die Mannschaft vorher bereits Großchancen vergeben hatte, mit denen man normalerweise 3 Spiele gewinnen kann. Verdient war die Führung zu diesem Zeitpunkt aber allemal und so verließen die Größten der Welt nach einigen bangen Minuten Restspielzeit, die gefühlt wieder 5 Jahre dauerten, an diesem 18. Spieltag den Platz zum achten Mal in Folge als (verdiente) Sieger.

Bei eigentlich angenehmem Fußballwetter – direkt zu Anpfiff kam sogar die Sonne raus – begann der FCM mit der gleichen Anfangself wie gegen Halberstadt. Meine Vermutung, dass Nicolas Hebisch vielleicht wieder auf die Bank wandert, hatte sich also nicht bewahrheitet. Glücklicherweise, muss man nach seinem Siegtor ja eigentlich sagen. Die ersten Minuten gehörten auch gleich uns; die Mannschaft versuchte, da anzuknüpfen, wo sie gegen Halberstadt aufgehört hatte. Allerdings war auch relativ schnell klar, dass der SV Babelsberg ein etwas anderes Kaliber war; die Brandenburger hielten kämpferisch ordentlich dagegen und konnten sich im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit sogar ein leichtes Übergewicht erspielen. Erst musste Jan Glinker im Tor einen Freistoß von der Strafraumkante über die Latte lenken, dann zappelte der Ball wenig später in den Maschen, allerdings stand der vermeintliche Torschütze im Abseits. Als der Club gerade wieder mehr Struktur ins eigene Spiel brachte und wieder stärker wurde, fällt in der 32. Minute dann doch die zu diesem Zeitpunkt insgesamt nicht unverdiente Führung für die Gastgeber. Scharfe Hereingabe von der linken Seite, Uzun hält den Fuß dran und zack! steht es 0-1.

Glücklicherweise musste wir uns nicht allzu lange ärgern: Es gibt kurze Zeit später Freistoß für die Guten direkt vor dem Gästeblock, Hammann läuft an und zirkelt die Kugel über die Mauer hinweg in die rechte Ecke. Kollektives Ausrasten im Gästeblock, schönes Freistoßtor und Ausgleich zum 1-1. Mit diesem Spielstand ging es dann auch in die Pause. Der Halbzeit-Einschätzung des Clubs konnte man sich eigentlich nur anschließen:

Nach Wiederanpfiff dann der FCM doch recht deutlich spielbestimmend und mit den besagten etlichen Großchancen, die aber an diesem Tag alle nicht den Weg ins Tor finden sollten. Die krasseste versiebte Christian Beck, der frei vor Gladrow auftauchte und vermutlich einfach zu viel Zeit hatte, zu überlegen, wo genau in diesem riesigen Tor er den Ball eigentlich versenken möchte. Das Ergebnis war dann ein Schuss, der ziemlich deutlich rechts am Tor vorbei ging. Unfassbar. Das Ding macht er im Training mit verbundenen Augen und barfuß. Als dann irgendwann nur noch knapp 10 Minuten zu spielen waren und die Partie einen inzwischen auch qualitativ nicht mehr wirklich vom Hocker haute, begann ich mich so langsam an den Gedanken zu gewöhnen, dass wir hier wohl mit einem Unentschieden nach hause fahren würden. Aber, und auch das ist dann vielleicht eine gewissen Qualität, die wir in der vergangenen Spielzeit so noch nicht hatten, wir blieben wach, es ergab sich tatsächlich noch einmal eine Möglichkeit und die nutzte der vorher eher wieder glücklos agierende Hebisch zur viel umjubelten Führung. Mit tatkräftiger Unterstützung eines Babelsberger Abwehrspielers allerdings, der den Ball für Gladrow im Babelsberger Kasten unhaltbar abfälscht. Aber egal – erneutes kollektives Ausrasten hinter dem anderen Tor und die Führung 8 Minuten vor Schluss, die dann letztendlich auch zum Auswärtssieg reichen sollte. Das ist es wohl, was Trainer immer meinen, wenn sie sagen, dass sich die Mannschaft für entsprechenden Aufwand irgendwann auch mal belohnen muss.

Was unseren Siegtorschützen betrifft, bin ich mir übrigens immer noch nicht so richtig sicher, was ich aus ihm und seiner Leistung in den vergangenen beiden Spielen eigentlich machen soll. Klar, Hebisch arbeitet unheimlich viel für die Mannschaft und geht zum Teil sehr weite Wege, aber dann gibt es auch immer wieder diese ein, zwei Szenen, in denen es so wirkt, als… naja, als hätte er irgendwie nicht so richtig Bock. Oder würde mit angezogener Handbremse spielen oder so. Gerade bei seinen Offensivaktionen habe ich manchmal das Gefühl, er könnte noch viel mehr draus machen, wenn er einfach entschlossener und konsequenter agieren würde. Vielleicht ist das aber auch einfach alles nur eine Frage des Stürmer-typischen Selbstvertrauens, das durch seinen Treffer jetzt in jedem Fall wieder ein kleines bisschen gewachsen sein dürfte. Gerechtfertigt hat Hebisch seine Aufstellung mit diesem Treffer letztendlich ohnehin allemal.

Tja, und sonst noch? Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass sich der SV Babelsberg 03 als ziemlich sympathischer Gastgeber für die reichlichen 2.000+ Blau-Weißen erwies. Vor Spielbeginn wurde nicht nur völlig unironisch unser „Heyja FCM“ über die Stadionlautsprecher abgespielt, auch die wohl unvermeidlichen „Arschloch“-Rufe aus unserer Kurve beim Verlesen der heimischen Mannschaftsaufstellung wurden augenzwinkernd unter anderem mit einem „Nee, ooch falsch!“ kommentiert. Ich mag es ja immer, wenn sich Leute (in diesem Fall der Stadionsprecher) selbst nicht so ernst nehmen und es dabei aber gleichzeitig schaffen, sich nicht völlig zum Apfel zu machen. Auch von der ganzen Atmosphäre her war das alles eher in die Kategorie „chilliger Fußballnachmittag“ einzuordnen. Auf gestochenes Hochdeutsch wurde bei Ansagen zugunsten des lokalen Einschlags verzichtet, die Musik, die vor dem Spiel über die Boxen kam, war von der Lautstärke her so, dass man sich mit seinem Nebenmann noch ordentlich unterhalten konnte und auf irgendwelche Werbeeinspieler wurde verzichtet, zumindest kann ich mich an keine erinnern. Dazu noch ein schmuckes, kleines Stadion und ein propppevoller, gut gelaunter blau-weißer Gästeblock, der nach Spielende mit der Mannschaft einen Auswärtssieg feiert – was will man eigentlich mehr?

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Unabhängig davon, ob man die Tabelle jetzt mit oder ohne den VFC Plauen liest, bleibt man also auch nach dem zweiten Pflichtspiel 2015 oben dabei. Beste Voraussetzungen somit für ein großes Fußballfest am kommenden Wochenende, wenn es unter so schrägen Slogans wie „Wir machen den Frauentag zum Plauentag“ oder „Beck statt Bio!“ gegen die insolventen und trotzdem-oder-immer-noch-oder-wieder-oder-wie-auch-immer spielberechtigten Vogtländer geht. Für Frauen, SchülerInnen und StudentInnen ist der Eintritt frei und sollte das Wetter mitspielen, könnte es erneut eine sehr, sehr ansprechende Kulisse geben. Das wird schön, also kommt alle!

2 Kommentare

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