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Wo wir stehen

“Wo wir stehen | kann jeder sehen | es ist allgemein bekannt…”
(Tocotronic – Näher zu Dir)

Die Hinrunde der Regionalligasaison 2014/2015 ist beendet, am 15. Spieltag schlugen die Größten der Welt den FC Viktoria 1889 Berlin mit 1-0 (was sogar dem MDR einen etwas mehr als 10minütigen “Sport im Osten”-Beitrag wert war). Damit liegt jetzt nicht nur eine komplette Saisonvorbereitung, sondern auch eine vollständige Halbserie unter Trainer Jens Härtel hinter uns. Zeit also, nach der Drittelbilanz ein zweites Mal zu schauen, wie es im Moment beim 1. FC Magdeburg so aussieht, bevor es am 09. Dezember gegen die Zweitvertretung vom 1. FC Union Berlin noch im alten Jahr zur ersten Rückrundenpartie kommt.

Die Mannschaft steht nach der Hälfte der in dieser Saison zu absolvierenden Punktspiele auf dem 3. Tabellenplatz und hat auf den FSV Zwickau auf Rang 2 vier, auf Spitzenreiter Nordhausen sechs Zähler Rückstand. Insgesamt errang die Mannschaft von Jens Härtel 26 Punkte bei 28:17 Toren. Noch nicht berücksichtig sind jetzt hier mögliche Auswirkungen der Insolvenz des VFC Plauen, die, sollte das Insolvenzverfahren während der Saison eröffnet werden, die Annullierung aller bisherigen Ergebnisse mit Plauener Beteiligung zur Folge hätte (so meine ich zumindest).

In der vergangenen Saison stand man nach dem 15. Spieltag mit 33 Punkten sieben Zähler hinter der TSG Neustrelitz auf Platz 2 (allerdings bei einem Spiel mehr – die Rückrundenpartie gegen Zwickau wurde vorgezogen und war da schon gespielt). Wenn man die letztjährige Halbserientabelle um das Zwickau-Spiel bereinigt, steht man 2014 von der Ausbeute her etwas schlechter da, hat dafür aber einen geringfügig kleineren Abstand zum Platz an der Sonne. Das ist insofern etwas ärgerlich, als dass es in dieser Saison keine Übermannschaft in der Liga gibt bzw. kein Team, das (wie Neustrelitz im letzten Jahr) eine Fabelserie auf den Rasen zaubern konnte. Vielmehr ist es so, dass wohl unter anderem der Trainer- und damit auch der System- und Spielphilosophie-Wechsel zunächst den einen oder anderen zusätzlichen Punkt gekostet haben dürfte. Die gute Nachricht aber gleich hinterher: Es hat den Anschein, als hätten unsere Blau-Weißen Jens Härtels Vorstellungen von der Art und Weise, Fußball zu spielen, inzwischen voll verinnerlicht – das zeigt ja auch nicht zuletzt die tolle Serie von fünf Punktspielsiegen in Folge. Insofern lässt sich der Befund, dass es in dieser Saison keine Übermannschaft gibt, gleich positiv wenden und macht Hoffnung, dass da in Richtung Tabellenspitze in der Rückrunde noch einiges geht.

Lässt man die einzelnen Spiele nacheinander Revue passieren, könnte man die Hinrunde in drei gleich große Abschnitte einteilen: den Saisonauftakt, die Negativserie und den Aufwärtstrend. Einem 3-2-Heimerfolg gegen Union Berlin II folgte ein böser 2-4-Ausrutscher bei Germania Halberstadt, dann wieder ein knapper Heimsieg gegen Babelsberg, ein Unentschieden in Plauen und ein erneuter Heimsieg gegen Meuselwitz. Die auf den Saisonauftakt dann folgende Pause von 19 Tagen bekam den Blau-Weißen eher schlecht und läutete eine unschöne Serie von nur einem Punkt aus den nächsten fünf Spielen ein, die mit der schlimmen Begegnung zuhause gegen die TSG Neustrelitz ihren Höhepunkt fand. Danach ging es nach Bautzen zum bis dato ziemlich starken Aufsteiger, den der FCM zu diesem Zeitpunkt eher unerwartet mit 6-0 besiegen konnte. Es endete in dieser Begegnung nicht nur die Torflaute des Christian Beck (bis dahin nur ein Tor in 10 Begegnungen, inzwischen 7 in 15), sondern die Mannschaft hat seither in der Liga keine Punkte mehr abgegeben und endlich auch auswärts Dreier eingefahren.

Nicht vergessen werden soll bei der Hinrundenbilanz natürlich auch der DFB-Pokal, in dem die Größten der Welt zwei mehr als respektable Auftritte hinlegten. Nachdem in der ersten Runde der FC Augsburg mit 1-0 geschlagen werden konnte, gastierte die Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen im schönen HKS – mit bekanntem Ausgang. Ich glaube ja immer noch, dass dieses Spiel trotz oder gerade wegen all seiner Tragik sowohl für die Mannschaft als auch für das Umfeld ganz wichtig war und noch mal auf eine ganz besondere Weise zusammengeschweißt hat. Ganz nebenbei bescherte mir die Begegnung meinen ersten ‘Auftritt’ in einem Podcast, durfte ich doch bei den Jungs vom Neverkusen-Podcast über den FCM und das DFB-Pokalspiel erzählen.

Woran es nun letztendlich wirklich lag, dass der Start eher holprig war, dass wir zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine kleine Niederlagenserie erleben mussten und dass wir erst im letzten Hinrundendrittel ordentlich Fahrt aufgenommen haben, darüber könnte man nun trefflich philosophieren. Fakt ist aber (auch wenn man das sicher nicht als Entschuldigung anbringen kann), dass der Saisonauftakt auch von einigem Verletzungspech gekennzeichnet war. So musste mit Silvio Bankert einer der vermeintlichen Schlüsseltransfers relativ lange aussetzen und kehrte ebenso wie Felix Schiller und Christoph Siefkes erst gegen Bautzen wieder so richtig in die Mannschaft zurück. Auch sonst gab es immer mal wieder kleinere Ausfälle und Verletzungen, die Jens Härtel bei den jeweiligen Mannschaftsaufstellungen zu Umstellungen zwangen. Dazu kam dann noch die (zumindest nach außen hin) seltsame, tja, Formkrise? des Marcel Schlosser, die eigenartigerweise ziemlich genau mit der Negativserie in der Mitte der Hinrunde zusammenfiel. Seitdem es bei Schlosser läuft, läuft es irgendwie auch beim Club – oder eben umgekehrt, je nach Blickwinkel. In den letzten 4 Begegnungen war er jedenfalls 4x von Beginn an dabei und spielte davon 3x durch. Das macht zusammen mit der Einwechslung gegen Bautzen insgesamt 362 Spielminuten im Vergleich zu ganzen 172 in der Phase, in der man in fünf Spielen lediglich einen Punkt einfahren konnte.

Ein weiteres Ereignis, was (zufällig?) mit dem einsetzenden Aufwärtstrend zusammenfällt, ist der Wechsel auf der Torwartposition von Matthias Tischer als langjähriger Nummer Eins hin zu Jan Glinker, der vor der Saison von Union Berlin kam. Letztgenannter rückte in der grusligen Partie gegen Neustrelitz ins Magdeburger Tor und hielt nach diesem 1-2 zuhause in den nächsten 5 Punktspielen seinen Kasten 4x sauber. Das wäre natürlich grundsätzlich auch Matthias Tischer zuzutrauen gewesen, dennoch spricht die Bilanz an der Stelle doch eindeutig für den neuen Mann (auch wenn manch einer das möglicherweise nicht allzu gern hört). Überhaupt war es eigentlich erstaunlich, dass der Torwartwechsel mit so verhältnismäßig wenig Getöse vonstatten ging, was vermutlich aber einfach auch daran lag, dass er sich – wie die Statistiken belegen – ausgezahlt hat. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sich auch mit Jan Glinker im Tor keine Ergebnisverbesserung eingestellt hätte.

Insgesamt zeigt sich, dass vor allem das erfolgreiche Einbauen der auffälligeren bzw. bekannteren Neuzugänge die gute Serie zuletzt in der Liga zumindest ein großes Stück weit mit begünstigt hat, was nicht nur für die Spieler, sondern auch für die Kaderplanung seitens der sportlichen Leitung spricht. Ein weiterer Aspekt, den ja nicht zuletzt auch ich hier im Blog durchaus schon kritisch kommentiert habe, kommt dazu: Die volle Überzeugung der Vereinsführung (vor allem in Person von Mario Kallnik) mit der Verpflichtung von Jens Härtel den richtigen Weg gegangen zu sein und den Verein zukunftsfähig und erfolgreich aufgestellt  zu haben. Und das schlägt sich dann eben auch darin nieder, dass man auch in nicht so erfolgreichen Zeiten irgendwelche Zweifel gar nicht erst aufkommen lässt, sondern ganz im Gegenteil an verschiedenen Stellen noch mal deutlich bekräftigt, gemeinsam und in Ruhe weiterzuarbeiten. Im Moment jedenfalls geben die Ergebnisse keinen Anlass, diese Herangehensweise zu kritisieren. Hoffen wir einfach, dass das auch weiterhin so bleibt.

Fazit: So, wie es im Moment läuft, darf es gern weitergehen und sofern alle gesund und bei Laune bleiben, ist dem 1. FC Magdeburg in der Rückrunde der Saison 14/15 definitiv noch einiges zuzutrauen.

Ich meine, hey – wenn wir jetzt sogar schon in Berlin gewinnen, wer will uns denn da noch aufhalten?

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