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(Fast) ohne Worte

1. FC Magdeburg – TSG Neustrelitz, 10. Spieltag, 1-2 (0-2)

Die guten Dinge zuerst: das Wetter war super, es gab Sonne satt und die obligatorische Bratwurst vor dem Stadion schmeckte gewohnt lecker. Außerdem konnte ich mal wieder die neu gestalteten Wände hinter der Nordtribüne bewundern, die wirklich toll geworden sind.

1965

Noch ist Magdeburg nicht verloren…

Das wäre es dann an sich auch schon mit positiven Eindrücken vom letzten Heimspiel des 1. FC Magdeburg gegen den Vorjahres-Staffelsieger aus Neustrelitz. Was die Mannschaft nämlich auf dem Rasen an diesem Tag bot, geht in meinen Augen gut und gerne als völliger Offenbarungseid durch. Oder um es noch deutlicher auszudrücken: Das letzte Mal, dass ich eine Magdeburger Mannschaft derart mutlos, konzeptlos, planlos, kampfschwach und einfach nur schlecht gesehen habe, war in der Saison 2011/2012. In jener Spielzeit beendeten wir die Punkterunde auf dem letzten Tabellenplatz.

Dem Spiel gingen nicht nur eine 3-Spiele-Niederlagenserie, sondern auch, wie im Spieltagsvorschau-Post erwähnt, reichlich viele schöne Worte von Mario Kallnik als Präsidiumsmitglied und Schatzmeister voraus. Um die einzelnen, markigen und deutlichen Ansagen jetzt noch mal im Einzelnen zu recherchieren und wiederzugeben fehlt mir im Moment einfach die Zeit, aber angesichts der Reaktion bzw. Nicht-Reaktion der Mannschaft, die auf Kallniks Auftritt auf dem Fanabend am zurückliegenden Donnerstag folgte, können sie eigentlich fast nur als blanker Hohn aufgefasst werden. Sinngemäß war da häufig die Rede von der richtigen Einstellung, der richtigen Mentalität, der Gier, unbedingt gewinnen zu wollen, dem absoluten Willen, den Profifußball zu erreichen usw.. Und eben auch, und das vergisst vielleicht der eine oder andere enthusiatische Facebook- und Forumskommentator: von der absoluten Überzeugung des Mario Kallnik, mit der Kaderzusammenstellung und der Wahl des Übungsleiters genau jene Attribute auch prinzipiell bereits im Club zu wissen und ergo alles (oder zumindest ziemlich vieles) richtig gemacht zu haben – nur die Ergebnisse würden das im Moment einfach nicht wiederspiegeln wollen. Nach dem Gesehenen am 10. Spieltag darf man sich allerdings fragen, von welcher Mannschaft genau da eigentlich die Rede war…

Blau-Weiß begann mit Marcel Schlosser von Beginn an, Christopher Handke spielte in der Innenverteidigung neben Torge Bremer und Steffen Puttkammer rückte für Marius Sowislo ins zentrale Mittelfeld. Letztgenannter kam dafür auf der rechten Mittelfeldseite zum Einsatz, einer Position, die er auch anfangs unter Andreas Petersen mal bekleidet hat (allerdings mit mäßigem Erfolg). Die ersten 10 Minuten waren dann auch zumindestens mal okay (sofern man den Rest des Spiels als Maßstab nehmen will), wenngleich die Neustrelitzer bereits in dieser Phase 2 Konterchancen liegen ließen, indem sie sie einfach nicht sauber aus- bzw. zuende spielten. Richtig gute Mannschaften machen da schon 2 Tore. Die Offensivbemühungen der Hausherren blieben derweil überschaubar, so richtig gefährlich wurde es in der ersten Halbzeit eigentlich nur etwa in der 26. Minute, als ein Torschussversuch von Marcel Schlosser abgeblockt wurde. Danach war es das mit konsequenten Offensivbemühungen und es sollte bis zur 63.(!) Minute dauern, bis der Neustrelitzer Keeper wieder ernsthaft eingreifen musste. Mehr muss man zu unserer Spielanlage eigentlich nicht wissen.

Die Gäste aus dem Norden spielten an sich einfach clever – was reichte, weil von den Hausherren ja auch nichts zu befürchten war. Einen schlimmen Querpass von René Lange im eigenen Strafraum schob Nikola Trkulja (der aus meiner Sicht ein starkes Spiel machte) überlegt gegen den Lauf des machtlosen Jan Glinker in die linke Torecke, wenig später erhöhte René Pütt per leicht abgefälschtem Kullerball Freistoß auf 2-0 aus Sicht der Gäste. Besagter Trkulja spielte im Übrigen im Sommer bei den Größten der Welt vor, wurde dann aber für nicht gut genug befunden, uns auf der Spielmacherposition entscheidend weiterhelfen zu können. Tja nun.

Zur zweiten Halbzeit brachte Jens Härtel gleich 3 neue Kräfte; Christian Beck, der an diesem Tag völlig indisponierte René Lange und Steffen Puttkammer mussten für Nils Butzen, Kevin Kruschke und Nicolas Hebisch Platz machen. Letzten Endes hätte das Trainerteam vermutlich an diesem Tag aber auch den Physiotherapeuten oder den Platzwart einwechseln können – wesentlich besser wurde es nicht. Dass Lars Fuchs noch zum Anschlusstreffer kam, war einer Schlafeinlage der Neustrelitzer und Fuchs’ individueller Klasse zu verdanken, dass der FCM an diesem Tag mit einem Freistoß gegen Spielende fast noch den Ausgleich erzielt hätte, ist eigentlich ein Treppenwitz. Und wenn es wirklich stimmt, was man so munkelt, dass nämlich das Trainergespann die Halbzeitpause im Innenraum verbrachte, während die Mannschaft das Gekicke in den ersten 45 Minuten allein in der Kabine auswertete, darf man angesichts des dann vorgenommenen Dreifachwechsels schon mal stärker die Stirn runzeln.

Aber auch so ist es insgesamt erschreckend, und das muss ich an der Stelle so sagen, mit wie wenig Spielidee bzw. Spielanlage die Mannschaft aufgetreten ist. Phasenweise wirkte das wie Boltzplatzgekicke: im Gestochere irgendwie den Ball erobert und dann lang und möglichst dolle irgendwie nach vorne. Irgendwann in der zweiten Halbzeit (als durch Christopher Handkes Platzverweis mit gelb/rot vermutlich auch die letzten unverbesserlichen Optimisten einsehen mussten, dass das heute nichts werden würde) wurde mal jeder erfolgreiche Pass von einem sarkastischen “Hey!” seitens der Zuschauer begleitet – mehr als 3-4x in Folge waren jene Rufe allerdings nicht zu hören, dann war der Ball wieder weg.

Um die ganze Sache abzukürzen: ich bin auch mehr als 24 Stunden nach dem Spiel noch einigermaßen angefressen und ehrlich entsetzt und habe überhaupt gar keine Idee, wie wir aus dieser Negativspirale zeitnah wieder herauskommen wollen. Glücklicherweise werde ich aber auch nicht dafür bezahlt, in dieser Situation Lösungen zu präsentieren. Das obliegt nun Mario Kallnik, Wunschtrainer Härtel und der von beiden zusammengestellten Mannschaft.

“Noch ist Magdeburg nicht verloren!” heißt es auf einer Wand hinter der Nord – Wohl wahr. Wenn die Mannschaft aber weiter so auftritt wie am Sonntag gegen Neustrelitz, verlassen wir die Liga womöglich wirklich noch baldigst – nur eben in die falsche Richtung.

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