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Hallo, 2. Liga!

2. Liga

Da sitze ich nun, knapp sieben Wochen nach der Drittliga-Meisterschaft bei den Sportfreunden Lotte, und schreibe völlig ironiefrei „1. FC Magdeburg – FC St. Pauli“ in den Kalender. Wenig später steht da unter anderem auch irgendwo noch „Hamburger Sportverein – 1. FC Magdeburg“ und „1. FC Magdeburg – VfL Bochum“. Stück für Stück bekommt das Leben wieder Struktur und steht mein Fahrplan für die nächsten Monate: Mein Verein spielt in der 2. Fußball-Bundesliga und ich werde dabei sein. Bei jedem Spiel. So jedenfalls der Plan.

Was irgendwie witzig ist: Aus irgendwelchen Gründen versucht die Autokorrektur gleich beim ersten Eintrag, mir ein „FC St. Pauli II“ ins Eingabefeld zu schummeln. FC St. Pauli II. Das ist lange her, eine gefühlte Ewigkeit. Tatsächlich aber war das noch in der Spielzeit 2011/2012 ein ganz reguläres Punktspiel. Eins, das wir zuhause übrigens nicht gewinnen konnten – 2:2 stand es am Ende vor 3.200 Zuschauern, Tobias Becker hatte mit einem Handelfmeter in der 53. Minute die Führung durch Kurczynski ausgeglichen. Zehn Minuten später hatte Dawid Krieger das Spiel mit seinem Treffer gar gedreht, die drei Punkte blieben trotzdem nicht an der Elbe: In der 90. Minute ist es erneut Kristoff Kurczynski, der für St. Paulis Reserve trifft. Pauli II. 3.200 Zuschauer. Meine Fresse.

Und jetzt also die 2. Liga. Es sind Momente wie die, als mit reichlich Bohai der Spielplan 2018/2019 veröffentlicht wurde und der 1. FC Magdeburg da tatsächlich als einer von 18 Zweitligisten in schöner Regelmäßigkeit an jedem Spieltag auftauchte, die deutlich machten: Der Traum ist endgültig Realität geworden. Mein Verein steht endlich in dem Rampenlicht, das er mindestens mal verdient hat. Es gab weitere solcher Momente: Beim #tkschland (dem deutschlandweiten Fußballtwitterer-Treffen) in Dortmund zum Beispiel, als es in Gesprächen mit Kölner*innen, Hamburger*innen und Dresdner*innen auch immer mal wieder darum ging, dass man ja bald gegeneinander spielt und das schon irgendwie eine ziemlich runde Sache ist. Oder als die Verpflichtung von Aleksandar Ignjovski verkündet wurde. Über 100 Bundesliga-Spiele. Mit 27. So einer kickt jetzt für uns. Weil wir eben nicht mehr unter „ferner liefen“ antreten, sondern halt im Fußball-Unterhaus. Kinder, Kinder, was für eine großartige Zeit, am Leben zu sein.

Insgesamt heißt das aber auch, dass es vielleicht doch langsam Zeit wird, sich einmal etwas intensiver mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Und sich mit den Gedanken vertraut zu machen, dass es in der kommenden Spielzeit vielleicht nicht bei nur 7 Niederlagen bleiben wird. Wie wird der Club überhaupt sportlich mithalten in einer Liga, in der schon allein bei den TV-Geldern zwischen den Erstliga-Absteigern aus Köln und Hamburg und einem Neuling wie dem FCM eine zweistellige Millionenlücke klafft? Schlagen die Neuzugänge so ein wie in den vergangenen Jahren? Wie wird der Verein den Spagat hinkriegen zwischen der vermeintlichen Notwendigkeit, auf so vielen Wegen wie möglich und nötig Einnahmen zu generieren, um den Profi(t)fußball in Liga 2 zu finanzieren und aber gleichzeitig die Anhängerschaft mitzunehmen und das Miteinander zu bewahren, das uns überhaupt erst bis zu diesem Punkt gebracht hat?

Keine Frage, viele Dinge werden sich ändern. Die sportlichen Ansprüche, die Ziele für die Auswärtsfahrten, vermutlich in vielen Fällen (und zumindest so lange, wie es sportlich gut läuft) auch die Anzahl an Leuten, die die Gästekurven der Republik bevölkern werden. Oder wollen. Auswärtsticket-Vergabe-Diskussion, ick hör’ Dir trapsen… Die 2. Liga ist und bleibt eine großartige Sache, klar. Zumindest am Anfang werden wir schon alle mit großen Augen und reichlich Euphorie zu den Spielen pilgern. Und wenn der Saisonstart gelingt und der Club nicht gleich unten drin steht, wird diese Euphorie auch noch eine ganze Weile anhalten können. Union, der HSV, Dynamo im Gästeblock, geraderüber die pickepackevolle Nordtribüne. Stellt Euch das einfach nur mal vor! Da kann sich einem schon das eine oder andere Nackenhaar aufstellen.

Bei aller Euphorie wird die 2. Liga aber eben auch eine richtig große Herausforderung. Sportlich und strukturell sowieso, aber auch für die Fanszene, die natürlich in den letzten Jahren sehr vom anhaltenden Erfolg profitiert hat. Jetzt wird sich zeigen, wie gut und groß der Zusammenhalt wirklich ist, wenn es vielleicht mal nicht so läuft. Oder wenn die Kommerzialisierungskrake versucht, auch noch den letzten Winkel des Heinz-Krügel-Stadions zu erobern. Das Schöne aber ist: Ob wir es schaffen, diese spezifischen Herausforderungen gemeinsam zu meistern, liegt nur und ausschließlich an uns. Oder besser: An jeder und jedem Einzelnen von uns. Und auch wenn das jetzt merkwürdig klingt, ist das bei der ganzen Unsicherheit, die sich mit Blick auf die Saison als Aufsteiger nun mal nicht leugnen lässt, irgendwie ein recht beruhigender Gedanke.

Auch nurderfcm.de startet nun mit diesem kleinen Beitrag hier in das Abenteuer 2. Liga, wenngleich, die Ausführungen oben lassen es vielleicht erahnen, das Label „Zweitliga-Blogger und -Podcaster“ noch nicht so recht angekommen ist im Oberstübchen. Das macht aber nix, schließlich habe ja auch ich jetzt 9 Monate Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Abstand zum Champions-League-Titel wieder ein Stückchen kleiner geworden ist. Und eins sei an dieser Stelle auch schon einmal angemerkt, liebe Mannschaft: Wenn ich mich einmal an die 2. Liga gewöhnt habe, möchte ich mich nicht gleich wieder umgewöhnen müssen – es sei denn, natürlich, es geht noch einmal eine Etage weiter nach oben. Das wär’ schon okay. Ich für meinen Teil wäre allerdings auch vollkommen zufrieden, wenn wir nach der aktuellen gleich noch eine zweite Zweitliga-Saison dranhängen würden. Deal?

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