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Fußball ist ein einfaches Spiel

1. FC Magdeburg – Chemnitzer FC, 5. Spieltag, 2-0 (1-0)

“Dieser Fußball, den wir spielen, passt in diese Stadt und in dieses Stadion zu diesen Leuten. Und den werden wir versuchen, diese Saison durchzudrücken.“ – Jens Härtel nach dem Sieg gegen Chemnitz

11 Punkte nach 5 Spieltagen, mal wieder Tabellenführer, als Aufsteiger weiterhin ungeschlagen – wenn mir das vor der Saison jemand angeboten hätte, ich hätte sofort unterschrieben. Auch im dritten Heimspiel der noch recht jungen Drittligaspielzeit bleiben die Punkte an der Elbe und gewinnen die Größten der Welt letzten Endes verdient gegen den bisher vielleicht stärksten Kontrahenten der neuen Spielklasse. Dabei sorgte die Mannschaft gleich für zwei Premieren: Erstmals in dieser Saison ging man vor eigenem Publikum in Führung und erstmals überhaupt blieb man im Profifußball ohne Gegentor. Verantwortlich dafür waren einmal mehr eine überragende kämpferische Leistung, das nötige Quäntchen Glück, das wir im Moment eben auch haben, eine haarsträubende Chancenverwertung aufseiten der Gäste und Niklas Brandt, der dem Chemnitzer FC in einer Phase, in der bei uns so gar nichts laufen wollte, mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze den K.O. versetzte.

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Der Spieltag begann mit einer Maßnahme, die ich eigentlich nur aus der Anfangszeit im neuen Stadion und von so genannten ‘besonderen’ Spielen (gegen z.B. Dortmund oder Schalke) kannte: An den Aufgängen zu den Blöcken wurden (zumindest an der Nordtribüne, vermutlich aber auch in anderen Bereichen des Stadions) nochmals die Tickets kontrolliert und nur diejenigen auf die Nord gelassen, die auch eine entsprechende Karte vorweisen konnten. Prinzipiell ein gleichermaßen nachvollziehbarer wie alberner Schritt. Nachvollziehbar deshalb, weil Sicherheit nun mal vorgeht und man es als Verein nicht verantworten kann, dass Menschen in unkontrollierten Mengen auf eine Tribüne strömen, auf der gern auch mal gehüpft und gesprungen wird. Albern, weil man eigentlich davon ausgehen können sollte, dass Menschen, die sich ein Ticket für einen bestimmten Block kaufen, dort am Ende auch ankommen. In einer perfekten Welt… aber lassen wir das.

Das weitaus größere Problem auf der Nordtribüne ist ohnehin, dass während des Spiels viel zu viele Leute auf den Treppen stehen und an ein Durchkommen, z.B. in der Halbzeitpause oder direkt nach Abpfiff, so gut wie gar nicht zu denken ist. Man möchte sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn z.B. irgendwo in Reihe 24 mal ein Stadiongänger abklappt und evtl. schnell medizinisch versorgt werden muss. Und diese Problematik löst man, mit Verlaub, auch nicht durch das Kontrollieren der Zugangsberechtigung zum Block.

Aber zurück zum Spiel. Jens Härtel wählte für die Begegnung gegen den Tabellenzweiten eine etwas überraschende Anfangsformation und ließ Ahmed Waseem Razeek (rechts) und Manuel Farrona-Pulido (links) gemeinsam auflaufen. Im der Defensive kehrte Michel Niemeyer nach überstandener Verletzung in die Mannschaft zurück und besetzte die Position des linken Verteidigers. André Hainault spielte rechts und ersetzte dort Nils Butzen, den seine lädierte Nase zu einer Auszeit zwang. Tarek Chahed bekam von Trainer Härtel eine Pause verordnet und stand nicht einmal im Kader.

In der ersten Hälfte entwickelte sich dann das, was der neutrale Beobachter wohl “eine attraktive Begegnung” nennen würde. Beide Teams verzichteten auf ein großes Abtasten und spielten munter drauf los, hüben wie drüben ergaben sich Torgelegenheiten und wenn es zur Halbzeit nicht 1-0, sondern 0-1 aus Magdeburger Sicht gestanden hätte, hätte man sich darüber auch nicht beschweren dürfen. Für das aus Sicht der Hausherren erfreuliche Halbzeitergebnis sorgte in der 20. Minute einmal mehr Christian Beck: Einen Magdeburger Angriff bekommt der Chemnitzer FC nicht geklärt, irgendwie fällt der Ball dann Beck vor die Füße und der tut das, wofür er vorrangig bezahlt wird – den Ball versenken. Der Chemnitzer Keeper (und nicht nur der) stocksauer, und weil unsere Abwehr sich in der Folgezeit in jeden Ball warf und ansonsten spätestens bei Jan Glinker Schluss war mit Chemnitzer Angriffsbemühungen, geht es eben mit einem Tor Vorsprung in die Halbzeit.

Für Durchgang zwei war relativ klar, dass der Tabellenzweite aus Sachsen nun den Druck weiter würde erhöhen müssen, wollten sie an diesem Abend noch etwas zählbares mitnehmen. Und genau das taten sie dann auch, unterstützt von einer solide gefüllten Gästekurve, die die zweite Hälfte mit einer kleinen Blinkershow einleitete.

Die blau-weißen Angriffsbemühungen blieben bis zur 77. Minute recht überschaubar bis eigentlich nicht vorhanden, was schlicht und ergreifend daran lag, dass man viel zu selten den Ball hatte. Konnte man ihn von stetig stärker werdenden Chemnitzern doch mal gewinnen, war er in der Regel nach dem ersten oder spätestens zweiten Pass gleich wieder weg und lief der nächste Angriff auf unser Tor. Gut für uns in dieser Phase, dass die Gäste ihre Angriffe entweder nicht clever genug zu Ende spielten oder ganz einfach das Abschlussglück fehlte. Dem für Fuchs eingewechselten Niklas Brandt war es dann vorbehalten, den Spielverlauf in Abschnitt 2 doch einigermaßen auf den Kopf zu stellen: Endlich mal ein wenig Entlastung, Brandt schnappt sich den Ball im Mittelfeld, kommt in aller Seelenruhe bis an den Sechzehner der Gäste, kann sich den Ball dort ungestört zurechtlegen und ausholen –  und die Kugel passgenau und unhaltbar für den Chemnitzer Keeper in die linke untere Ecke des Tores nageln. Eine schöne, grafisch untersetzte Analyse zur Entstehung des 2-0 findet sich übrigens bei fussballinsachsen.de.

Natürlich wird der Chemnitzer Kapitän Anton Fink nach dem Spiel zu Recht (sinngemäß) sagen, dass wir im Verhältnis zu den Gästen kaum Torchancen hatten. Sein Trainer Karsten Heine ordnet aber ebenso korrekt (und angenehm nüchtern) ein, dass das 2-0 nur fallen kann, weil es schlicht und ergreifend nicht verteidigt wurde. Und dann, lieber Anton Fink, verliert man eben so ein Spiel.

Das 2-0 war natürlich in dieser Phase ein absoluter Wirkungstreffer für die Gäste aus Sachsen, denen in der Folgezeit nicht mehr so wahnsinnig viel einfiel, den Abstand noch zu verkürzen. Viel diskutiert noch eine Szene ziemlich zum Schluss, in der es eigentlich Elfmeter für Chemnitz geben muss, der Pfiff aber ausbleibt und die Größten der Welt somit das erste Mal ein Drittliga-Punktspiel ohne Gegentor beendeten.

Warum der Sieg nun nach einem Chancenplus für Chemnitz und so gut wie keinem eigenen Ballbesitz in Halbzeit 2 verdient war? Weil der Einsatz, die Leidenschaft und die Einstellung zum Spiel stimmten, die gesamte Mannschaft gemeinsam (!) nach hinten gearbeitet hat, jeder einzelne Spieler den extra Meter für den anderen mitlief und: Weil wir ganz einfach in exakt den richtigen Momenten die Tore gemacht haben. Das kann man glücklich nennen oder einfach nur clever, aber am Ende ist Fußball ein ziemlich simples Spiel, an dessen Ende die Mannschaft gewinnt, die eben mehr Tore erzielen konnte als der Gegner. Und das waren auch im dritten Heimspiel 2015/2016 die Größten der Welt.

In der Spieltagsvorschau zur Begegnung schrieb ich sinngemäß, dass die Partie gegen Chemnitz eines der Spiele ist, nach denen man möglicherweise gut wird abschätzen können, wohin die Reise gehen kann in dieser Saison. Und wenn die Begegnung eins gelehrt hat, dann, dass wir uns in unserem Heinz-Krügel-Stadion vor niemandem verstecken müssen.

Dennoch denke ich, wir tun alle gut daran, trotz der momentan überragenden Ergebnisse schön auf dem Teppich zu bleiben. Wir brauchen jetzt noch etwa 33 Punkte gegen den Abstieg (müssen also nur noch 11x gewinnen :-P) und es dürfte einigermaßen klar sein, dass das Momentum in dieser verrückten Liga auch ganz schnell mal in die andere Richtung kippen kann. Solange es aber auf unserer Seite ist, sollten wir mitnehmen, was geht und einfach den Moment genießen.

Nächster Halt: Köln!

 

 

Beitragsbild: „Time to play“ (geändert) von Marina del Castell. Lizenz: CC BY 2.0

2 Kommentare

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