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Ein Spiel, zwei Perspektiven: MSV Duisburg (H)

Schuler

Zweiter Anlauf, erster Heimsieg! Vollkommen verdient gewinnt der 1. FC Magdeburg am 4. Spieltag im Heinz-Krügel-Stadion gegen den MSV Duisburg, macht es hinten raus gegen weitgehend biedere Gäste aber unnötig spannend. Aber hey, wenn das zum Teil fast schon aufreizende Verbaseln sehr, sehr aussichtsreicher Offensivaktionen derzeit der Aspekt im Magdeburger Spiel ist, über den man sich nach dem Abpfiff am meisten ärgert, sagt das doch eigentlich viel über das Wohlfühl-Level des geneigten FCM-Fans in der aktuellen Saison … Unser Blick auf’s Spiel:

Meine Erwartungen vor der Partie:

Nicole:

Ich hatte es im Gefühl, dass es ein schwieriges Spiel werden würde. Duisburg hat gut eingekauft und mit Trainer Dotchev kann da schon eine ganze Menge draus werden. Daher war mein Gefühl vor dem Spiel eher „semi“. Es konnte alles passieren. Wir könnten Räume bekommen, da Duisburg erfahrungsgemäß nicht nur hinten eine 8-Mann-Kette parken würde.

Daher ging ich ohne Erwartungen in die Partie und wollte einfach nur die Stimmung genießen. Die Atmosphäre im Stadion ist nach den Geisterspielen in der Coronazeit wirklich das Highlight, was man einfach aufsaugen muss. Daher lechzte ich förmlich danach und war gespannt, wie der Trainer die Spieler auf die Duisburger Mannschaft einstellte.

Ach – und ich war natürlich gespannt, ob Sissi Conteh eure Kasse wieder mehr füllen würde. 😉

Alex:

Ich erwartete einen Heimsieg, weil ich in der Liga so gut wie immer erwarte, dass die Mannschaft ihre Partien auf heimischen Geläuf zieht, war aber einen Ticken angespannter als sonst. Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie war der Kick gegen Duisburg für mich so etwas wie das erste kleine Schlüsselspiel der noch sehr jungen Saison. Der Auftakt gegen Mannheim war beeindruckend, das Spiel gegen Freiburg ein merkwürdiges Unentschieden, gegen Havelse tat sich der Club lange schwer und die Frage war für mich schon so ein bisschen, in welche Richtung die Nadel gegen den MSV wohl ausschlagen würde. Schaut man auf die nächsten Aufgaben, wäre ein Heimsieg (und am besten noch ein souveräner) schon wichtig; würde man die Partie verlieren, könnte es möglicherweise die ersten kritischeren Stimmen geben – wenn ich jetzt mal die Unruhe im Gästeblock so ab der 70. Minute gegen Havelse zugrunde lege. Gut also, dass dieses Szenario dank des 2:1 am Ende gar nicht erst in der Realität erprobt werden musste.

So habe ich das Spiel verfolgt:

Nicole:

Im Stadion, an meinem angestammten Platz, mit dem Laptop vor der Nase und der Hoffnung, dass ich gute Einträge tickern durfte.

Das Stadion war super gefüllt. Bereits vor der Partie wurde ein neues Lied in Block U einstudiert. Da bekam man mal so richtig schön mit, wie das geht und wie schnell die Fans sich Texte einprägen können. Natürlich hatten sie auch ihren Spaß dabei.
Das Spiel selbst begann nicht so gefällig, wie wir es sonst von den letzten Partien gewohnt waren. Es war ein offenes Spiel mit nicht so einer Durchschlagskraft unserer Offensive. Der erste Wachrüttler war dann auch gleich die Großchance von Bouhaddouz nach 6 Minuten und erst da, muss ich gestehen, hatte ich die Szene des letzten Aufeinandertreffens wieder vor Augen. Aber Bittroff und Bouhaddouz hatten im ganzen Spiel so gar keine Berührungspunkte.

Nach 20 Minuten, die fast schon entäuschend für uns verwöhnte Fans waren, nahm unser Team Fahrt auf, was in dem schönen Tor von Luca Schuler mündete. Danach waren die Dämme gebrochen und man hatte es wieder selbst in der Hand. Unsere Spieler sorgten für noch mehr Torgefahr und der zweite Treffer durch Sissi Conteh zählte, trotz Abseitsstellung. Das beruhigte mich schon, dennoch ärgerte ich mich wieder über die dürftige Chancenverwertung. Konter, die super herausgespielt wurden, werden fahrig vergeben.

Duisburg kam mit mehr Willen aus der Pause zurück und ich spürte, dass die Stimmung kippen könnte. Doch dann hatten wir wieder mehr Ballbesitz, kamen sehenswert vor das Duisburger Tor, doch dann … immer und immer wieder machten wir nicht das dritte oder
vierte Tor. Der Konter von Conteh, von Leo Weinkauf unsanft vor dem Strafraum gestoppt, war dann der Aufreger in Minute 70. Normalerweise glatt rot, wenn er den Freistoß für uns gibt. Er zog aber nur die gelbe Karte und entfachte dennoch hitzige Diskussionen im Nachgang. Dem Clubfan war es letztendlich egal, wir haben uns nur um die Chance betrogen gefühlt, denn natürlich standen wir die letzten Minuten hinten drin und verteidigten unsere Führung. Am Ende tunnelte Ademi gleich Malachowski und Reimann im Verbund, was im Amateursport mindestens einen Kasten (Brause) nach sich ziehen würde.

Alex:

Ich verfolgte das Spiel zweigeteilt. Die erste Halbzeit konnte ich live im Fernsehen schauen, den zweiten Durchgang erst spät am Samstagabend aus der Konserve gucken.

Was die Einschätzung der Partie betrifft, würde ich von drei verschiedenen Abschnitten sprechen wollen. In den ersten 30 Minuten war das nicht gut vom Club; für meinen Geschmack gab es viel zu selten klare Offensivaktionen und wenn mal was ging, war der letzte Pass oft zu ungenau. Dafür konnte sich Blau-Weiß in der Kategorie „Effektivität“ steigern: Das 1:0 lag nicht unbedingt in der Luft, war aber trotzdem richtig gut gemacht. Duisburg in der Folge völlig von der Rolle, der FCM mit dem Schwung der Führung und so bis ungefähr zur 75. Minute dann eigentlich mit einer komplett souveränen und erfreulich reifen Vorstellung. Fand ich jedenfalls. Plötzlich lief der Ball, und er lief so gut, dass sich Sirlord Conteh einen überragenden, ja, was eigentlich? Aussetzer? vor dem Tor leisten konnte, bevor er dann nach Vorarbeit von Luca Schuler doch noch zum 2:0 einschob.

Insgesamt richtig gut gefallen hat mir das konsequente Anlaufen des Gegners und das Stressen derjenigen Akteure auf Duisburger Seite, die für den Spielaufbau verantwortlich waren, was in einige Ballverluste des MSV und die einleitend schon erwähnten, aussichtsreichen Offensivaktionen mündete. Allein, die Größten der Welt machten einfach nichts draus, weil erneut so ein bisschen die letzte Präzision fehlte und man den Gegner ergo noch ein wenig am Leben ließ. Das führte dann zu Phase 3 im Spiel, in der der FCM den Vorsprung die letzten 15 Minuten wohl verwalten wollte, den MSV aber auch immer mal wieder dazu einlud, das Ergebnis aus Gästesicht ein wenig erfreulicher zu gestalten.

Auszeichnen konnte sich in dieser Phase Dominik Reimann, der zweimal gut rettete, beim Einschlag zum 2:1 in der Nachspielzeit dann aber getunnelt wurde, was natürlich immer so ein bisschen blöd aussieht. Aber hey, passiert, und ist ja am Ende auch nicht noch teuer geworden. Ergo war ganz hinten raus wieder Zittern angesagt, wobei ich bei mir auf der heimischen Couch natürlich den großen Vorteil hatte, das Ergebnis schon zu kennen – was im Übrigen zu einem ganz eigenartigen Fußballschauerlebnis führt, aber gut. Ich hoffe jetzt einfach mal, dieses „Vergnügen“ nicht allzu oft zu haben. Ich meine, TV-Fußball emotionalisiert mich eh schon nur wie eine halb gare Bockwurst, sich Teile des Spiels dann aber ein paar Stunden nach Abpfiff noch mal aufgewärmt reinzuziehen ist schon irgendwie, naja, schräg …

Unter dem Strich war der Sieg natürlich verdient, weil der Club an diesem Nachmittag einfach die bessere Mannschaft stellte und der MSV ein bisschen zu spät noch mal richtig viel versuchte. Und da braucht mir dann ein Pavel Dotchev auch nicht mehr mit seinem Märchen vom bösen Schiedsrichter zu kommen, wenngleich ich natürlich auch nicht unglücklich war, dass dem Gespann die Abseitsstellung von Conteh vor dem 2:0 so gar nicht auffallen wollte.

Der auffälligste Spieler:

Nicole:

Für mich war erneut Raphael Obermair einer der Stärksten auf dem Platz. Der Junge wuselt ja auf den Außenbahnen so unwahrscheinlich gut herum, er ist überall und hat immer wieder ein Bein in der Abwehr dazwischen oder leitet kurz darauf eine Torchance ein. Mich würde mal interessieren, ob er die meisten Kilometer im Team pro Spiel läuft.
Kurz danach folgt aber auch schon der kleine Andi Müller. Immer zur Stelle und mit seiner Körpergröße im Defensivbereich so in die Zweikämpfe zu gehen. Das ist schon richtig sehenswert.

Alex:

Allein für die Aktion vor dem 1:0, mit der er die Torchance großartigst einleitet, muss ich hier Amara Condé nennen. Das ist ein ganz feiner Fußballer und ich glaube, jetzt schon sagen zu dürfen, dass wir uns glücklich schätzen können, ihn in dieser Spielzeit in unseren Reihen zu haben. Weiter so!

Die Partie in maximal fünf Worten:

Nicole:

Erster Heimsieg der Saison. Check.

Alex:

Geiler Support, verdienter Heimsieg.

Das bleibt in Erinnerung:

Nicole:

Ein neues Lied in Block U, was ein weiterer Ohrwurm sein wird. Ein gut gelauntes blau- weißes Meer an Clubfans, die die Dezibel im Stadion so dermaßen nach oben trieben, dass einige Ohren danach noch Geräusche abgaben.

In Erinnerung werden mir aber auch die grasgrünen Trikots der Duisburger bleiben. Da frage ich mich jedes Mal, wer bloß bei der Farbauswahl den entscheidenden Haken setzt. Aber da haben auch schon andere Vereine in einen komischen Farbtopf gegriffen.
Zudem freute ich mich aber irgendwie auf den Auftritt von Marvin Bakalorz. Ein toller Spieler. Aber das ist eher privater Natur. Ein paar Minuten konnte ich ihn ja auf dem Platz erleben. In Topform hätte er uns sicherlich mehr Probleme bereitet.

Sei es drum – wir haben Duisburg erneut geschlagen, Trainer Dotchev hat mal wieder eine erwartete Pointe in der Pressekonferenz losgelassen, die sicherlich noch für Aufruhr beim Schiedsrichtergespann sorgte. So kennen wir ihn.

Als Letztes bleibt in Erinnerung, dass Alex Bittroff heute ganz zahm auf dem Platz war. Keine Diskussionen, keine Neckereien mit Bouhaddouz, keine gelbe Karte, genau so muss das sein. Tolles Spiel auch von ihm.

Alex:

Das Ding von Sirlord Conteh vor dem 2:0. Meine Güte. Ich bin sehr, sehr froh, dass Luca Schuler ihm den Ball noch mal vor die Füße servierte und Conteh dann nicht mehr groß fackelte, sondern das Tor einfach macht. Nicht auszudenken, was sonst schon wieder los gewesen wäre. Sehr interessieren würde mich übrigens, und das meine ich vollkommen ernst und wirklich komplett ironiefrei, wie Conteh selber diese Szene in einer Wiederholung kommentieren würde.

Ansonsten bin ich wirklich beeindruckt vom Anlaufverhalten unserer Mannschaft und werde das sicher mindestens mal bis zum Saarbrücken-Spiel gut in Erinnerung behalten. Und wer weiß? Vielleicht gibt es ja da den dritten Auswärtssieg in Folge … Der Hype-Train rollt jedenfalls und meinethalben kann die erfolgreiche Zeit, die wir gerade erleben, ruhig noch ein kleines bisschen anhalten.

Das Foto des Spieltags:

Schuler

(c) Norman Scholz

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