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Ein Spiel, zwei Perspektiven: Borussia Dortmund II (H)

Der Ball fliegt zum 1:0 gegen Dortmund II ins Tor

Auch die Zweitvertretung von Borussia Dortmund stellt für den 1. FC Magdeburg auf dem Weg in die 2. Liga kein Hindernis dar: Souverän und ungefährdet siegt der Club am 27. Spieltag zuhause mit 2:0. Unsere Blicke auf das Geschehen:

Meine Erwartungen vor der Partie:

Nicole:

Gegen solch eine spielerisch und technisch gute Mannschaft gegenhalten. Der Sturm, der über das Land fegte, erweckte die Hoffnung in mir, dass wir flache Passstafetten sehen und kein „Hoch und weit bringt Sicherheit“-Spiel. Zudem erwartete ich zwei Mannschaften, die ordentlich Gas geben, auf beiden Seiten. Kein Mauern der Dortmunder, sondern ein Offensivspektakel hüben wie drüben. Die jungen Spieler der Gäste haben eine wahnsinnige Qualität und das sieht man auch in der Tabelle und in den Ergebnissen, von daher stapelte ich tief, aber mit dem Wissen, dass unsere Jungs da gut mitspielen würden. Einen Punkt mindestens, das stand für mich fest … drei Punkte waren aber auch genauso gut drin.

Dass ich mich in der Taktik aber so irren sollte, nun denn …

Alex:

Tja, mit zweiten Mannschaften ist das ja so eine Sache … in der Regel top ausgebildet, aber sehr jung, fußballerisch stark, aber eben auch oft Marke „Wundertüte“ – insofern erhoffte ich mir mehr, als dass ich das erwartete, dass unsere Jungs relativ schnell zeigen würden, wer Herr im Haus ist und dementsprechend zwingend als Sieger vom Platz gehen muss. Darüber hinaus las ich im Vorfeld von der Kulisse, die für dieses Spiel zu erwarten war, und wertete die als Pluspunkt für uns. Kurzum: Die Erwartung war, dass wir auch diese Partie siegreich würden gestalten können und dazu noch guten, technisch anspruchsvollen, temporeichen Fußball zu sehen bekämen.

So habe ich das Spiel verfolgt:

Nicole:

An diesem Spieltag durfte ich die Tastatur gegen die Kamera tauschen. Für mich ist diese Abwechslung wirklich toll. So habe ich immer wieder verschiedenste Eindrücke und ich stelle jedes Mal fest, dass man Spiele an der Rasenkante ganz anders wahrnimmt, als wenn man von oben schaut und inmitten der Fans sitzt.

Also war mein Platz heute direkt am Spielfeldrand, die Fans im Rücken und vor mir ein Spiel, was mich anfangs nicht vom Fotokoffer riss. Ich war enttäuscht über das Defensivverhalten der Dortmunder. Wieso stellt sich so eine Mannschaft tief hinten rein und versucht, über Fehler in Konterläufe zu kommen? Sie haben doch genug Qualität in ihren Reihen. Auch wenn es so klingt, ich bin kein Fan des generischen Vereins, doch ich mag im Allgemeinen Mannschaften, die technisch richtig guten Fußball spielen. Die kein Gebolze anbieten, sondern spielerische Lösungen erarbeiten. Da schlägt mein Herz höher. So, wie es unser Club aktuell macht. Was hatten wir schon für Chancen in Halbzeit Eins. Ich tippte mit meinem Nebenmann, wann denn das erste Tor fallen würde und ich sagte die 23.Minute voraus. Hätte fast geklappt, leider scheiterte unser Stürmer Ito da gerade knapp.

Auch wenn es torlos in die Halbzeit ging, sagte mir mein Bauchgefühl, dass wir das hier locker über die Bühne bekommen. Irgendwann würde dieses Tor schon fallen. Chancen hatten wir genug. Unsere Offensivkräfte wirbelten und liefen, was das Zeug hielt. Der Torwart Unbehaun hatte immer wieder ordentlich zu tun, doch beim Elfmeter war er machtlos und schaute einfach nur dem Ball hinterher. Danach hatten wir das Spiel noch mehr im Griff und die stürmischen Anfangsminuten der Gäste waren erneut verflogen. Danach das zweite Tor – eine Mischung aus Condes Rutschen und Eigentor durch Abwehrversuch, ließ das Stadion beben. Mein persönliches Highlight war, dass Torschütze Atik in meine Richtung jubelte und ich auch den zweiten Treffer so eingefangen hatte, dass der Ball hinter der Linie war und ich den VAR hätte mimen können. Nun denn, nach dem 2:0 war das Ding entschieden. Die Gäste nahmen ihr Schicksal an.

Alex:

Ich gebe gern zu, dass das mal wieder so ein Spiel war, bei dem es mir nicht leicht fiel, die ganze Zeit zu 100% aufmerksam mit den Augen am Fernseher zu kleben. Warum? Weil die Rollenverteilung einfach schnell klar war und der Club halt sein Ding machte, was über kurz oder lang unweigerlich zu einem Tor führen musste. Auf eine merkwürdige Weise war das ärgerlich, weil, wie Nicole schon schrieb, von der jungen Dortmunder Truppe eigentlich etwas anderes zu erwarten gewesen wäre. Aber hey, wir marschieren mit großen Schritten in Richtung 2. Liga, da ist es vielleicht auch verständlich, wenn sich der Gegner eher defensiv sortiert und sein Glück dann eben in Kontern sucht.

Der erfolgreich verwandelte Strafstoß von Atik war dann, nach viel Balldominanz, aber im Verhältnis dazu zu wenig klaren Abschlüssen, der viel zitierte Dosenöffner – beim 2:0 fand‘ ich vor allem das Anspiel von Conteh großartig. Im Endeffekt war das so eine Partie, die eigentlich nie in Gefahr stand, verloren zu gehen, auch wenn die U23 des BVB natürlich auch die eine oder andere ganz gute Gelegenheit hatte, einen Treffer zu erzielen. Nur ist es in dieser Spielzeit sehr oft einfach so: Entweder, der Gegner ist nicht in der Lage, eine vielversprechende Szene ordentlich zu Ende zu spielen (Grüße gehen an der Stelle nach Kaiserslautern), oder an Dominik Reimann ist kein Vorbeikommen. Also, sehr vereinfacht gesprochen. Insofern bleibt für mich unter dem Strich ein völlig verdienter, souveräner Heimsieg, dessen entscheidende Szenen mir vermutlich nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben werden.

Der auffälligste Spieler:

Nicole:

Aus meiner Perspektive haben heute zwei Spieler die Nase vorn. Einmal in der Offensive unser kleiner Flitzer Ito, der die Abwehr das eine oder andere Mal schwindelig gespielt hat. Zum Zweiten unser Andi Müller, der sowohl hinten ausgeholfen hatte, aber dennoch mal wieder Offensivmomente generieren konnte. Klasse, was er heute wieder auf den Platz gebracht hat. Da ich mich nicht entscheiden kann, nehme ich heute diese beiden Spieler.

Alex:

Ich entscheide mich in dieser Partie für Andi Müller. Was der Mann zum Teil an Pässen aus dem Fuß zaubert, ist sensationell. Dazu defensiv stabil, immer anspielbar … sehr, sehr guter Kick von ihm mal wieder.

Die Partie in maximal fünf Worten:

Nicole:

Ein schöner, taktisch geprägter Heimsieg.

Alex:

Souveräner, nie gefährdeter Heimsieg. Läuft.

Das bleibt in Erinnerung:

Nicole:

Es waren 15.000 Fans im Stadion. Von überall kamen wieder Rufe und Gesänge. Wenn man weiter oben sitzt, dann nimmt man das komplette Stadion wahr. Unten an der Rasenkante unterscheidet es sich doch extrem. Wenn es ruhiger ist, dann hörst du einzelne Rufe aus dem Publikum und nur unterschwellig den Rest. Wenn dagegen das ganze Stadion beginnt, dann fliegen dir schon mal die Ohren weg. Das nehme ich heute als Erinnerung mit. Zudem die Hoffnung und das Wissen aus den Verordnungen, dass nun immer mehr ins Stadion dürfen. Dieses Spiel war der Anfang von etwas, was wir „Normalität“ nennen. Volles Haus und hoffentlich bald wieder organisierter Support.

Alex:

Wenig, ehrlicherweise. Wenn ich das so schreibe, meine ich das wirklich nicht despektierlich, aber es gab jetzt weder richtig strittige Szenen, noch irgendwie sensationell spektakuläre Treffer oder so. Der Club hat halt „Der-Club-im-Aufstiegsjahr“-Dinge gemacht, den Gegner bis auf wenige Ausnahmen im Griff gehabt und sein Spiel erfolgreich durchgezogen. Fertig. Ein weiterer Heimsieg auf dem Weg zum Ziel, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist ja durchaus auch ein Wert an sich.

Das Foto des Spieltags:

Der Ball fliegt zum 1:0 gegen Dortmund II ins Tor

(c) 1. FC Magdeburg / Nicole Otremba

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