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Budenzauber “Magdeburger Art”

15. Matthias-Pape-Gedächtnisturnier, 09. und 10.01.2016

Da ist es auch schon wieder Geschichte, das 15. Matthias-Pape-Gedächtnisturnier, das ja auch gern (und zu Recht) als inoffizielle deutsche U15-Hallenfußballmeisterschaft bezeichnet wird. Und allen, die nun denken “Na klar, jetzt auch noch ein Jugendfußball-Hallenturnier!” sei gesagt, dass sich der Besuch in der GETEC-Arena, in der die Veranstaltung dieses Jahr erstmalig stattfand, auf jeden Fall gelohnt hat. Es gab nämlich nicht nur richtig tollen Fußball, sondern auch eine großartige Atmosphäre zu erleben, von der sich so manche ähnliche Veranstaltung im Herrenbereich die eine oder andere Scheibe abschneiden kann. Und: es ist schon Wahnsinn, wie sehr einen auch ein Hallenkick der eigenen U15 emotional mitnehmen kann. Nicht umsonst ist das Turnier inzwischen fest im Winter-Terminkalender eingetragen und längst deutlich mehr als nur eine Ersatzbefriedigung während der lästigen Winterpause. 

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Zugegeben, die Veranstaltung 2016 hatte durch den Umzug aus der Hermann-Gieseler-Halle in die GETEC-Arena ein ganz anderes Flair als noch ein Jahr zuvor. Alles wirkte (natürlich) größer, moderner und eben irgendwie auch eine Spur professioneller. Machten bisher (auch) die uralte Hallenkneipe und der Kuchenstand mit Selbstgebackenem das familiäre Ambiente des Turniers aus, gab es in diesem Jahr eben ein offizielles Hallen-Catering mit zwar nicht utopischen, allerdings auch nicht unbedingt fanfreundlichen Preisen, eine ordentliche Videowand unter der Hallendecke und Klappsitzreihen statt ewig alten Holzbänken, die schon ganze Generationen Magdeburger Sportgeschichte gesehen haben. Letzten Endes waren aber Umfeld, Organisation und Versorgung des Anspruchs, ein hochklassiges Jugendfußballturnier ausrichten zu wollen, wirklich würdig; über 8.000 (!) Zuschauer insgesamt an beiden Tagen und durchgehend positives Feedback der teilnehmenden Mannschaften im Rahmen des Turnierabschlusses lassen erkennen, dass sich das Risiko des Umzugs gelohnt und das Matthias-Pape-Gedächtnisturnier den nächsten Entwicklungsschritt erfolgreich gemeistert hat.

Sportlich los ging es am Samstag bereits um 10.00 Uhr mit der Partie des Haldensleber SC gegen die Eintracht aus Frankfurt; auch der zweite Qualifikant, der 1. FC Lok Stendal, war zusammen mit den übrigen 9 Mannschaften der ersten beiden Gruppen am Vormittag im Einsatz. Da der 1. FC Magdeburg erst am Nachmittag in das Turniergeschehen eingriff, blieb also genug Zeit, erst einmal in der neuen Umgebung anzukommen und ganz in Ruhe die ersten Eindrücke zu sammeln. Schon in den Auftaktpartien wurde deutlich, dass das sportliche Niveau sehr ordentlich war und dass auch in diesem Jahr die regionalen Qualifikanten wohl keine Chance auf das Viertelfinale am nächsten Tag haben würden. Tapfer mitgespielt haben sie aber trotzdem und mit einem 17. Platz in der Endabrechnung konnte zumindest der 1. FC Lok Stendal auch tatsächlich ein kleines Ausrufezeichen setzen, ließ man doch den Haldensleber SC als zweiten Qualifikanten, die Braunschweiger Eintracht und die Altersgenossen von Hannover 96 hinter sich. Der Sieg im Spiel um Platz 17 gegen den BTSV bedeutete übrigens – so Stadionsprecher Hallensprecher Torsten – den ersten Sieg eines Qualifikantenteams gegen die U15-Vertretung eines Proficlubs in der schon 15jährigen Geschichte des Turniers. Hut ab!

Gegen Mittag füllte sich die Arena dann allmählich deutlich und in den Bereichen, in denen sich Block U versammelt hatte, wurden die ersten Choreo-Vorbereitungen getroffen. Ja, Choreo-Vorbereitungen und ja, bei einem U15-Hallenturnier. In Magdeburg wird halt nicht gekleckert. Und nachdem man sich mit einem ordentlich lauten “Hier regiert der FCM!” zwischenzeitlich schon mal bemerkbar gemacht hatte, legte man mit dem ersten Turnierauftritt unserer Jungs richtig los – Konfetti, kleine Schwenker in blau und weiß, Blockfahne, das ganze Programm:

Hallenfußball. U15. Noch irgendwelche Fragen?

Ein von nurderfcm.de (@fcmblog) gepostetes Foto am

Während ich noch kurz überlegte, ob so eine Stimmung und so eine Kulisse einen 14jährigen Fußballer nicht auch ganz schön lähmen können, klingelte es gleich mal im Kasten von Eintracht Braunschweig, dem ersten Gegner in der Gruppe. Der Club legte los wie die Feuerwehr, das ganze Spiel über gab es eigentlich keinen ernstzunehmenden Abschluss für den Gegner, sodass die kleinen Größten der Welt am Ende völlig verdient mit 4-0 die Oberhand behielten. Die Halle kochte, sang und sprang, die Eltern und übrigen Anhänger der Mannschaften aus den Bundesliga-Nachwuchsakademien machten große Augen und jede Menge Fotos und Block U hatte nach diesen ersten 10 Minuten schon bewiesen, dass man eben auch Halle kann. Also den Spielort jetzt, nicht die Mannschaft, bei der sich die blau-weiße Dominanz ja von selbst versteht.

Im zweiten Gruppenspiel bekamen es unsere Jungs mit der U15 des 1. FC Nürnberg zu tun und mussten leider direkt die erste Niederlage einstecken, die aber ziemlich unglücklich zustande kam und mit 1-2 knappestmöglich ausfiel. Die Nürnberger halt die Spur abgezockter und vor allem mit der besseren Chancenverwertung, aber: Der Club war da, hatte seine Möglichkeiten und deutete schon an, in der Gruppe ein gehöriges Wörtchen mitsprechen zu wollen. Durch die Niederlage und die anderen Ergebnisse war Begegnung Nummer 3 gegen Cambridge United schon so etwas wie das klassische 6-Punkte-Spiel. Es war klar: würde man das verlieren, wäre man ausgeschieden. Und es wurde natürlich gleich dramatisch: Auf die frühe Führung der Engländer folgte irgendwann das 2-0, die jungen Club-Kicker mitunter zu hastig und – wie in fast allen Spielen – mit zu wenig Präzision im Abschluss. Dann aber doch der Anschlusstreffer und plötzlich die Möglichkeit, die Kiste vielleicht doch noch zu drehen. Allein, die Uhr tickte… genauso, wie die Halle explodierte, als in der allerletzten Spielminute tatsächlich der viel umjubelte Ausgleich gelang.  Das Unentschieden im dritten Spiel bedeutete, dass man nun zwar auf Nürnberger Schützenhilfe angewiesen war, aber eben noch die Chance hatte, den ersten Turniertag als Viertelfinalist zu beenden.

Allerdings war das mit der Schützenhilfe so eine Sache. Als besonders ehrfürchtige Gäste hatten sich die Nürnberger bis dato nicht präsentiert und das letzte Gruppenspiel war, solange Cambridge nicht verliert, für beide Mannschaften im Prinzip bedeutungslos. Entsprechend verhalten dann auch das Geschehen auf dem Feld; die Franken macht nicht wirklich den Eindruck, unbedingt auf Sieg spielen zu wollen und Cambridge war darauf bedacht, eben nicht zu verlieren. Irgendwann setzte dann Block U ein und sang das alte “Schieß ein Tor, Club!” – eigentlich ein FCM-Lied, aber in diesem konkteten Fall zufällig auch eine passende Bezeichnung für den 1. FC Nürnberg. Geholfen hatte es leider nichts: Cambridge und Nürnberg trennten sich 4-2, sodass bereits vor dem letzten Vorrundenspiel gegen Köln feststand, dass man das Viertelfinale nicht erreichen würde.

Trotzdem hieß es jetzt natürlich, noch einmal alles zu geben, schließlich würde der 3. Platz in der Gruppe zur Qualifikationsrunde um den 9. Rang berechtigen. Noch dazu sollte die Begegnung gegen die Domstädter den ersten Turniertag beschließen – logisch, dass man sich da mit einem Sieg standesgemäß verabschieden will. Allerdings galt es erneut, erst wieder einen Rückstand auszugleichen, was nach zweieinhalb Minuten Spielzeit glücklicherweise auch gelang. Der 2-1-Siegtreffer dann ein letztlich doch versöhnlicher Abschluss eines tollen ersten Turniertages, an dessen Ende man sich schon ein wenig ärgern konnte, dass zwei Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage nicht zum Weiterkommen gereicht haben. Letzten Endes ist aber auch das ja nur ein Indiz für die hohe Qualität des 2016er Teilnehmerfeldes.

Nach dem Spiel bedankte sich unsere U15 noch artig mit kleinen Plakaten für die sensationelle Unterstützung durch Block U und natürlich durfte auch das obligatorische gemeinsame Einklatschen und das donnernende “Fußballclub Magdeburg!” nicht fehlen. Großartiges Bild, das einmal mehr in Fußball-Deutschland seinesgleichen suchen dürfte. Als dann die Mannschaft noch auf die Ränge kletterte, man sich gemeinsam ordentlich feierte und schließlich auch gleich mal noch einen kleinen verbalen Gruß an unsere Freunde von der Saale schickte, war der erste Turniertag rund.

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Übrigens: Die aktive Szene nutzte den Hallenauftritt nicht nur zur Unterstützung der eigenen U15, sondern gleich noch zum Einüben eines neuen Liedes mit irgendwie argentinischem (Trommel-)Rhythmus und ordentlich Ohrwurmpotential. Bleibt zu hoffen, dass man die folgenden Zeilen in Zukunft noch öfter im Stadion zu hören bekommt:

“Unser Club ist unbesiegbar! | Niemand kann uns aufhalten! | Die ganze Welt kennt Deinen Namen! | Mein großer 1. FCM!”

Der zweite und letzte Turniertag ließ sich dann um einiges gemächlicher an, nicht zuletzt auch, weil es durch die Nicht-Qualifikation für das Viertelfinale keinen organisierten blau-weißen Fanblock mehr gab. Für die kleinen Größten der Welt ging es gleich im ersten Spiel trotzdem schon wieder ums Ganze bzw. genauer: um den 9. Rang im Turnier. Gegen die Altersgenossen aus Mönchengladbach ließ man dann zunächst auch wieder die eine oder andere gute Möglichkeit aus, setzte sich aber letztlich mit 2-1 durch.

Im zweiten Spiel des Tages dann so ein bisschen der Fremdschäm-Moment des Turniers, als es sich Stadionsprecher Torsten nicht nehmen ließ, vom Kommentatorenplatz aus einen Fangesang anzustimmen und das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Kann man, ähm, mal machen. Tore fielen trotzdem erst relativ spät: Zunächst konnte der Vorjahressieger aus dem Pott nach 7 Minuten in Führung gehen, nur um dann eine Minute später den Ausgleich hinnehmen zu müssen. Weitere Tore wollten beiden Mannschaften nicht gelingen und so musste das Neunmeterschießen die Entscheidung bringen. Erstmals wurde es an diesem Tag richtig laut in der Halle, die eigene Mannschaft rhythmisch nach vorn geklatscht und die Dortmunder Schützen gnadenlos ausgepfiffen – was allerdings wenig nutzte: Schwarz-Gelb setzte sich durch und so ging es für den 1. FC Magdeburg nur noch um den 11. Rang.

Um den zu erreichen, galt es, die spielstarke Vertretung aus Freiburg zu schlagen; erneut fiel den jungen Clubkickern allerdings die eigene Chancenverwertung auf die Füße. Das Spiel schnell und mit vielen Torszenen hüben wie drüben, die Breisgauer Jungs aber eben den Ticken cleverer. Zweimal ging Blau-Weiß in Führung, zweimal konnte der SC Freiburg quasi direkt mit dem Wiederanpfiff ausgleichen. Mit 2-3 musste man sich schließlich geschlagen geben und beendete das 15. Matthias-Pape-Gedächtnisturnier somit, wie schon im Vorjahr, auf dem 12. Platz. Insgesamt geht der wohl auch in Ordnung, wenngleich es im gesamten Turnierverlauf ein paar Mal richtig knapp war und eine noch bessere Platzierung mit ein bisschen mehr Fortune durchaus im Bereich des Möglichen gewesen wäre; letztlich waren es tatsächlich Kleinigkeiten, die den Ausschlag gaben. Aber sei es drum: Unsere Farben haben die Jungs wirklich würdig vertreten, alles gegeben und sich daher den abschließenden Applaus auch mehr als redlich verdient. Und was vielleicht noch viel wichtiger ist: Eine wahnsinnig große Lücke zu den Nachwuchskickern der Bundesligisten war eigentlich nicht zu erkennen.

Auch wenn der Club mit dem Spiel um Platz 11 einigermaßen zeitig seinen letzten Auftritt hatte, wurde natürlich trotzdem weiter Fußball gespielt und wurden einem im weiteren Verlauf noch einige hochklassige Begegnungen geboten. Das Finale, das Hertha BSC und der VfL Wolfsburg bestritten, war mit Sicherheit eine davon, die – wie eigentlich alle Ausscheidungsspiele – denkbar eng verlief und am Ende mit den Hauptstädtern einen knappen, aber verdienten Sieger fand. Dritter wurden, für viele überraschend, die überaus sympathischen Engländer von Cambridge United, die mit Ben Worman auch gleich noch den besten Torschützen des Turniers stellten. Bester Spieler wurde Faride Alidon vom Hamburger SV (man merke sich diesen Namen), Lino Björn Kasten (KASTEN!) vom VfL Wolfsburg wurde zum besten Torhüter des Turniers gekürt.

Natürlich gab es auch beim Pape-Cup 2016 neben dem eigentlichen Spielgeschehen selbst wieder jede Menge Nebengeschichten, die den Rahmen dieses ohnehin schon langen Beitrags allerdings bei weitem sprengen würden. So könnte man noch über die Frisuren-Konformität der Wolfsburger, das hochmotivierte Coaching des einen oder anderen Trainers, den überaus fairen Umgang der Spieler miteinander oder den Abschuss zweier Zuschauerinnen schreiben, die den Ball, der da in irgendeinem Spiel mit Schmackes über die Bande segelte, so gar nicht haben kommen sehen. Aber wie gesagt, das wäre dann noch einmal Stoff für die nächsten knapp 2.000 Wörter. Die Aufforderung kann daher nur lauten, im nächsten Jahr einfach selbst in die fairen 10 Euro für ein Turnierticket zu investieren und sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, was U15-Hallenfußball in Magdeburg mit FCM-Beteiligung bedeutet.

Den Organisatoren, Helfern, Betreuern, Sponsoren und nicht zuletzt natürlich auch allen Mannschaften ein großes “Dankeschön!” für zwei sehr kurzweilige Tage und auf ein Wiedersehen zur 16. Ausgabe im Januar 2017!

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