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Finger weg vom Panikbutton

Panikbutton

1. FC Magdeburg – MSV Duisburg, 5. Spieltag, 1:2 (1:2)

Vier Spiele, drei Niederlagen, drei von 12 möglichen Punkten. Soweit die harten Fakten nach der Begegnung gegen den MSV Duisburg. War man gegen Fortuna Köln einfach schlecht und leistete man sich gegen Osnabrück drei ordentliche Schlafeinlagen, war man dem MSV an diesem fünften Spieltag (die 2. Runde holt der 1. FC Magdeburg bekanntermaßen am kommenden Donnerstag in Zwickau nach) schlicht und ergreifend in zu vielen Dingen unterlegen. Was prinzipiell erst mal nicht schlimm ist, weil es schon mit dem Teufel zugehen muss, wenn der MSV Duisburg nicht bis zum Saisonende ganz oben mitspielt, während der Auftrag des 1. FC Magdeburg im zweiten Jahr nach dem Aufstieg definitiv nur “Klassenerhalt” heißen kann.

Allerdings entwickelt sich insbesondere die Defensive, letzte Saison noch stabil und einer der Garanten für eine hervorragende erste Saison im Profifußball, zunehmend zum Sorgenkind, was in der 3. Liga (und vermutlich in jeder anderen auch) ziemlich problematisch ist. Oder anders ausgedrückt: Es ist im Moment verdammt einfach, gegen den 1. FC Magdeburg Tore zu erzielen. Alles, was man als gegnerische Mannschaft im Wesentlichen tun muss, ist, entweder einen Eckball oder einen Freistoß in der Nähe des 16-Meter-Raumes zugesprochen zu bekommen und zack! hat man sehr gute Karten, den Ball letztlich auch im Tor unterzubringen. Klingt einfach und ist es auch, was nicht zuletzt wiederum die harten Fakten belegen. Von 8 (!) Gegentoren in 4 (!!) Spielen fielen 4 nach Standards; bei einer Quote von 50% kann man da nicht mehr von Zufall sprechen. So gewinnst Du, zumal, wenn dann das Offensivspiel noch recht ausrechenbar ist, keinen Blumentopf. Und das darf dann schon auch mal Sorgen machen.

Dabei begann die Partie aus Magdeburger Sicht eigentlich recht ordentlich, weil man sich zunächst auf eine Strategie verlegte, die man bisher in der Saison bereits einige Male mit Erfolg praktiziert hatte, auch wenn bisher zu wenig Punkte dabei heraussprangen. Durch frühes Stören und Auf-den-Füßen-stehen galt es, Bälle zu jagen, schnell umzuschalten und dann möglichst auf die Flügel zu spielen, wo an diesem Tag Maurice Exslager und Tobias Schwede agierten und vermutlich Christian Beck mit Flanken füttern sollten. Was aber deshalb nur mäßig gelang, weil die Pässe mitunter viel zu unpräzise auf die Außen kamen und die langen Bälle aus der Defensive (Puttkammer!) auffallend häufig im Seitenaus statt beim Mitspieler landeten. Kamen sie doch an, waren an diesem Tag Tobias Schwede bei Nico Klotz und Maurice Exslager bei Kevin Wolze in den besten Händen und konnte zumindest Erstgenannter an diesem Abend seine technischen Fähigkeiten kaum auf den Rasen bringen. Was von Exslager zu halten ist, bleibt weiterhin unklar. Zwar spielte er diesmal von Beginn an, konnte aber keinerlei Akzente setzen und wurde völlig zu Recht in der Halbzeitpause ausgewechselt. Bisschen mau für einen Spieler, der zuletzt in einem BILD-Beitrag so ein ganz klein wenig am Trainer herumkritteln durfte, der Meinung ist, Jens Härtel müsse ihn vielleicht so nehmen, wie er ist und dass er überhaupt ja eigentlich bereit wäre für die Startelf. Tja nun.

Trotzdem fällt die Führung für die Guten dann nach 13 Minuten nicht unverdient, weil man sich eben durch das konsequente Erobern des Balles wenigstens in der Anfangsphase des Spiels immer wieder in recht aussichtsreiche Ausgangspositionen für eigene Angriffsbemühungen bringen konnte. Keeper Flekken im Duisburger Tor honorierte den Fleiß des Gegners dann auch dementsprechend, indem er so freundlich war, einen Kullerball von Christian Beck durch die Handschuhe flutschen zu lassen. Ein Slapstick-Tor, was ihm so vermutlich nicht noch mal passiert, aber hey – dem Jubel im Stadion tat das natürlich überhaupt keinen Abbruch.

Nach 13 Minuten gegen eine sehr gute Mannschaft bei tropischen Temperaturen in Führung liegen? Prinzipiell eine gute Sache, wäre da nicht die Geschichte mit den Standards, bei denen es inzwischen mit schöner Regelmäßigkeit irgendwo in der Magengegend zu ziehen beginnt, sobald das gegnerische Team zum ruhenden Ball schreitet. Und richtig: Die erste Ecke für Duisburg bringt dann in Spielminute 20 den Ausgleich für die Gäste. Torschütze Bajic kann mutterseelenallein einlaufen und entspannt einköpfen, während Nico Hammann im Anschluss zwar energisch und frustriert mit den Armen wedeln kann, bei der Aktion selbst aber nicht entscheidend eingreift und den Gegenspieler gewähren lässt. Katastrophales Abwehrverhalten, das aber mit dem 1:2 in der 40. Minute noch getoppt werden konnte. Duisburg hat 10 Meter vor dem Strafraum allen Platz der Welt, das hohe Anspiel aus dem Halbfeld wird von einem Spieler des MSV noch geschickt und vollkommen ungehindert in die Schnittstelle weitergeleitete, Tugrul Erat kann den Ball mit vollem Tempo mitnehmen, weil kein Clubspieler in der Nähe steht, der ihn irgendwie hätte bremsen können und schon führt der Gast, weil auch Jan Glinker wohl auf dem falschen Fuß steht und beim Schuss dann machtlos ist. Das ging alles viel, viel zu schnell für unsere Defensive – ein Umstand, der im weiteren Spielverlauf einige Male ins Auge fiel.

Weil Duisburg das Spiel spätestens nach dem 1:1 vollständig im Griff hatte, dem 1. FC Magdeburg bis auf wenige Ausnahmen, an denen vor allem Nils Butzen beteiligt war, kaum etwas einfiel und ansonsten die Defensive des MSV zur Stelle war, wenn es für den Club doch mal aussichtsreich wurde, ging es mit einem dem Spielverlauf entsprechenden Rückstand in die Kabine. Das einzige andere Highlight der ersten 45 Minuten war neben dem Führungstreffer das Anstimmen der “FCM, Du wunderschöne…”-Hymne auf der Nordtribüne. Lange nicht gehört, immer wieder schön und so ein bisschen auch ein Indikator dafür, wer von den Tribünengängern schon ein wenig länger dabei ist…

Zum zweiten Durchgang wechselte Jens Härtel und ließ neben Maurice Exslager auch Steffen Puttkammer auf der Bank. Es kamen Manuel Farrona Pulido und Gerrit Müller, gespielt wurde nun mit Viererkette und im 4-4-2. Interessanterweise rückte aber nicht Pulido neben Beck in den Sturm, sondern Gerrit Müller. Durchaus spannende Variante, die man für den weiteren Saisonverlauf ruhig mal im Hinterkopf behalten kann.

Auch wenn es offensiv jetzt ein wenig besser aussah, bekam Mark Flekken im Gästetor nur wenig zu tun, weil die blau-weiße Offensivherrlichkeit zumeist nur bis maximal zum Strafraum reichte und diejenigen Abschlüsse, die man hatte, nicht auf den Kasten kamen. Überhaupt dauerte es bis zur 60. Minute, eher es vor der Südtribüne, auf die die Größten der Welt nun spielten, mal wieder gefährlich wurde. Christian Beck legte sich aber den Ball zu weit vor, was dem Gästekeeper letztlich wenig Probleme bereitete, den Angriff zu stoppen.

Derweil auf der Nordtribüne: Während Duisburg ohne große Mühe die Führung verwaltete und der FCM versuchte, irgendwie zum Ausgleich zu kommen, wurde im laufenden Betrieb mal eben neues Liedgut eingeübt. Dass das Ganze nach 2 Durchgängen gleich saß, bedarf sicherlich keiner weiteren Erwähnung.

Unten auf dem Rasen kam in der 67. Minute Ahmed Waseem Razeek für Tobias Schwede; ein positionsgetreuer Wechsel, der an der taktischen Grundordnung nichts änderte und wohl mit der Hoffnung verbunden war, mit Razeek vielleicht noch den einen oder anderen Überraschungsmoment ins Spiel zu bringen. Tatsächlich baute der Club dann um die 70. Minute herum noch einmal so etwas wie Druck auf, insgesamt mussten die Gäste in Halbzeit 2 aber nicht so wahnsinnig viel tun, um die drei Punkte von der Elbe zu entführen. Auch auffällig war, dass trotz der Einwechslung von Razeek auf rechts vor allem die linke Seite bespielt und dort vornehmlich Manuel Farrona Pulido gesucht wurde. Wahrscheinlich so etwas wie der Fluch der guten Tat und prinzipiell aufgrund der bisherigen Leistungen des Deutsch-Spaniers auch nachvollziehbar, allerdings eben auch sehr leicht auszurechnen. Zumal dann, wenn sowohl Torhüher als auch Innenverteidiger bei der Spieleröffnung die rechte Seite nahezu vollständig ignorieren. Überraschungsmomente können sich so kaum ergeben.

Der Rest des Spiels ist dann schnell erzählt: Zwar gab es hier und da noch (Halb-)Chancen für Blau-Weiß, die aber entweder kläglich (Beck nach 68 Minuten und toller Vorarbeit von Pulido, Hammann mit einem Freistoß in die Mauer (83.)), überhastet oder einfach nur unglücklich (Pulido-Kopfball, 85., Butzen-Abschluss, 92.) vergeben wurden. So blieb es bei einer verdienten Niederlagen gegen ein Drittliga-Spitzenteam, von dem der 1. FC Magdeburg in der derzeitigen Verfassung noch ein gutes Stück entfernt ist.

Was kann man aus der Begegnung gegen den MSV Duisburg nun trotzdem an positiven Aspekten mitnehmen? Einerseits war erneut gut zu sehen, dass das Team taktisch variabel agieren kann und der Kader eben mehrere Optionen hergibt, die im Spielverlauf auch noch einmal für den einen oder anderen Impuls sorgen können. Andererseits war es ja nun auch nicht so, dass die Mannschaft lediglich das Spielfeld auffüllte, damit das anderen Team 11 Gegenspieler hat. Der 1. FC Magdeburg verfügt über eine klar erkennbare Spielphilosophie, nur ist es im Fußball eben manchmal so, dass man halt auf Mannschaften trifft, die besser sind als man selbst, das dann einfach auch gut auf den Platz kriegen und auf den eigenen Ansatz die passende Antwort parat haben.

Darüber hinaus gab es mitunter sehr ordentliche spielerische Ansätze, bei denen eben einfach die letzte Präzision fehlte oder in Sekundenbruchteilen die falsche Entscheidung getroffen wurde. Und, so blöd das klingt: Auch den Umstand, dass die Gegentore beide nach Fehlern bzw. Nichtagieren in der Hintermannschaft fielen, kann man positiv sehen, denn: All das kann man trainieren und in der nächsten Partie schon besser machen. Für den Panikbutton ist es daher sicherlich immer noch ein wenig zu früh, auch wenn man bei drei Punkten aus vier Spielen inzwischen von einem ordentlichen Fehlstart in die Spielzeit sprechen muss. Und Fakt ist: Im Nachholspiel gegen Zwickau sollte man schon dreifach punkten, um mal wieder etwas durchschnaufen zu können. Auf eine sehr, sehr lange Saison, auch das ist jetzt schon klar, werden wir uns wohl ohnehin einstellen dürfen.

 

Beitragsbild: “PANIK” (geändert) von Michael Mayer, Lizenz: CC BY 2.0

3 Kommentare

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  2. Herr Exslager – wie wir ihn in Duisburg kennen – braucht viel Platz für sein Spiel. Er war schnell, sollte es noch immer sein, war technisch limitiert, aber durchsetzungsstark, wenn er denn das halbe Spielfeld vor sich hatte. Auf eine positionierte Defensive hin zu spielen, gefiel ihm nicht. Da blieb er gerne am nächsten Defensivspieler hängen. Jetzt habt ihr einen Basiseindruck und könnt sehen, ob er sich irgendwohin entwickelt hat. Im Spiel gegen den MSV gab es nun einmal nicht das halbe Spielfeld vor ihm für ihn. Die eine Qualität ließ sich also nicht beurteilen. Bei den anderen entsprach er meinen Erwartungen.

    • Danke für Deine Einschätzung! Um diese Eigenschaft(en) sollte man bei uns vor seiner Verpflichtung eigentlich ja gewusst haben. Umso interessanter, dass Exslager dann ausgerechnet in diesem Spiel zu seinem Startelf-Debüt kam… Man darf gespannt sein, wie diese Geschichte weitergeht.

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