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Wille schlägt Talent

1. FC Magdeburg – 1. FC Union Berlin II, 1. Spieltag, 3-2 (1-2)

​War er nicht gleich wieder denkwürdig, der Punktspielauftakt in die Regionalligasaison 14/15? 3-2-Sieg nach 0-2-Rückstand, eine proppevolle und fast durchweg stimmgewaltige Nordkurve, ein durchgeschwitzter und heiserer Autor dieser Zeilen und vier Neuzugänge in der Startelf, von denen 3 bereits ordentlich zu überzeugen wussten. Kurzum: gute Unterhaltung bei bestem Wetter. Aber schauen wir doch, wie üblich, mal wieder ein bisschen genauer hin.

Es geht wieder los!

Es geht wieder los!

Der Spieltag begann, zumindest bei mir, mit einer ordentlichen Portion Aufregung und: einem richtig lauten Lacher. „Endlich wieder HKS!“ hieß es nach einer viel zu langen Sommerpause ohne blau-weißen Fußball, also als allererstes morgens mal die übliche Ausflugsbekleidung rausgelegt und die einschlägigen sozialen Medien nach den letzten Updates durchsucht. Und siehe da: selbst die netten Herrschaften von der Saalefront stellten den Größten der Welt ihre Webseite zur Verfügung, um allseits einen guten Start in die Saison zu wünschen 😀 (hier eine Meldung zu der Aktion auf HalleSpektrum.de). Sie haben es im Moment halt einfach auch nicht leicht, die drei aus Merseburg-Nord… Aber zurück zu den wirklich wichtigen Dingen.

​Schon auf dem Weg zum Stadion wurde deutlich, dass heute eine ganz ordentliche Anzahl Zuschauer den Weg in die Arena finden würde (am Ende sollten es 6.438 werden). Zumindest war die Schlange am obligatorischen Würstchenstand trotz des recht frühen Zeitpunkts, zu dem wir am Stadion waren relativ lang und dem Vernehmen des Begleiters nach, der nicht im Besitz einer Dauerkarte ist, waren wohl ganze Reihen in unserem Block auf der Nordtribüne komplett ausverkauft, sodass (zumindest Ticket-technisch) auf eine Reihe in den 20ern ausgewichen werden musste. Hatten wir so auch schon länger nicht mehr. Kaum auf der Tribüne, gab es dann kurze Zeit später sowohl beim Einlaufen der Mannschaften als auch bei den anschließenden „Matthias Tischer“-Sprechchören mal wieder so richtig Erpelpelle und dann konnte sie auch gleich losgehen, die wilde Fahrt, die sich da „Punktspielauftakt“ nannte.

​In der Startelf standen mit Kruschke, Reimann, Bankert und Schlosser gleich vier Neue, wobei Reimann für Brandt spielte (und seine Sache gut machte), weil sich Härtels (vermeintlicher) Königstransfer zum Ende der Vorbereitung leicht verletzt hatte und keinen zu frühen Einsatz riskieren wollte. Damit stimmte die Startelf fast sogar mit meiner prognostizierten überein, mit Ausnahme von Tischer, der sich letztlich doch gegen Jan Glinker im Kampf um die Nummer Eins durchsetzte und eben besagten Niklas Brandt.

​Die Anfangsphase war, vielleicht auch dem Umstand der üblichen Nervosität bei einem Auftaktspiel geschuldet, eher verhalten bis mäßig, den ersten großen Aufreger bzw. die erste klare Aktion gab es erst in der 20. Minute: zunächst konnte Christian Beck einen vielversprechenden Angriff nicht abschließen (was von der Nordtribüne aus verdächtig nach Elfmeter aussah, den Fernsehbildern von „Sport im Osten“ nach zu urteilen wohl aber eher eine Schwalbe von Beck war), dann brachte der nächste richtig ansehnliche Spielzug zwar einen Torschuss, aber auch nicht den gewünschten Erfolg. Immerhin schien jetzt was zu gehen. Mehr oder weniger im Gegenzug erreichte dann allerdings ein langer Ball einen Berliner Spieler auf unserer linken Seite, Schlosser versucht zu stören, tut dies aber nicht konsequent genug, Tischer entscheidet sich nicht so richtig, ob er nun zum Ball gehen oder sich lieber auf Schlosser verlassen soll und zack! steht es nach einem cleveren Lupfer des Berliners 0-1. Da sahen Tischer und Schlosser beide nicht so richtig gut aus, ein Tor der Marke „unnötig wie ein Kropf“. Aber nun gut, weiter ging es.

​Leider allerdings auf der falschen Seite des Feldes, auf der vor allem Felix Schiller einen richtig schlechten Tag erwischt hatte. Schlechtes Stellungsspiel, ärgerliche Fehler in der Vorwärtsbewegung bzw. der Spieleröffnung und offenbar auch das eine oder andere konditionelle Problem. Am krassesten dann aus meiner Perspektive eine Szene in der 29. Minute, in der er den bärenstarken Berliner Zejnullahu freundlich nebenher trabend über fast das halbe Feld begleitet, nur um dann dabei zuzusehen, wie ebenjener Spieler mit dem unaussprechlichen Namen den Ball ungehindert in die Mitte spielt, wo der Stürmer den Ball nur noch zum 0-2 ins Tor schieben muss. Was er dann auch tat und eine kurze, kollektive Schockstarre auf der Nordtribüne auslöste.

​Aber, und das war gestern wirklich stark und positiv: sofort kam die Ansage vom Capo an die Kurve, jetzt trotzdem und erst echt richtig Gas zu geben und die Mannschaft nach vorne zu peitschen. Leider waren zu dem Zeitpunkt einige unverbesserliche Dauermotzer schon ausgestiegen und hatten endlich wieder Gelegenheit, ihrem Alltagsfrust durch massive Pöbeleien in Richtung Spielfeld Ausdruck zu verleihen. Daher und quasi stellvertretend hier nun auch noch einmal ein paar ganz persönliche Zeilen an Dich (hoffentlich volltrunkenen) Vollidioten ein paar Reihen hinter mir: man kann ja mitunter mal seinen Missmut über die Leistungen unserer Spieler äußern, von mir auch lautstärker und deftiger. Okay. Passiert mir auch. Aber nach dem 0-2 über einen Zeitraum von mindestens mal 10 Minuten lauthals grölend zu verkünden, unsere Mannschaft wäre das Letzte und die Spieler, die unsere Farben tragen, noch dazu als „Dreckspack“ zu bezeichnen, was gefälligst „um sein verschissenes Leben zu rennen habe“, wenn es für uns spielt und so weiter und so fort? Sorry, aber solch ein Niveau mag man vielleicht bei den Sachsen oder in Merseburg-Nord an den Tag legen, bei den Größten der Welt hat so etwas mal so rein gar nichts verloren. Meinen lautstarken Kommentar in Deine Richtung, dass wir hier nicht in Dresden wären, hast Du wohl überhört. Vielleicht auch, weil Du beim 1-2 durch Kevin Kruschke mit am lautesten gejubelt hast. Trotzdem: trink doch bitte das nächste Mal vor dem Spiel vielleicht das eine oder andere Bier weniger. Du würdest Dir und den Leuten um Dich herum damit einen wirklich großen Gefallen tun.

Der Club nun nach dem zweiten Treffer völlig von der Rolle und die Berliner deutlich am Drücker; eigentlich muss sogar noch das 0-3 fallen: erst nagelt ein Berliner Angreifer den Ball sträflich freistehend an die Latte, dann vergibt sein Kollege noch viel sträflicher freistehend den Nachschuss ins leere Tor mit einem beherzten Schuss in den Magdeburger Nachmittagshimmel. Glück gehabt. In der Zwischenzeit machte sich vor unserer Tribüne schon mal Christopher Handke warm, der offensichtlich zur zweiten Halbzeit Felix Schiller ersetzen sollte.

Vielleicht ein wenig glücklich fiel kurz vor der Pause noch der eben schon erwähnte Anschlusstreffer durch Kevin Kruschke, der einen Abpraller der Berliner Abwehr beherzt und unter Mithilfe des Berliner Keepers ins Tor hämmerte. Sein erster Treffer für die Größten der Welt und gleich ein ganz wichtiger. In der Kabine muss es dann in der Halbzeitpause wohl ein wenig deftiger zugegangen sein, zumindest sprach Trainer Härtel auf der anschließenden Pressekonferenz davon, dass es schon „ein wenig geraschelt“ habe. Sehr sympathisch :-D.  In jedem Fall kam Handke in den zweiten 45 Minuten erwartungsgemäß für den indisponierten Schiller, der wohl Gerüchten zufolge auch das Stadion zu Beginn der zweiten Hälfte verlassen haben soll…

Nach einer erneut eher wackligen Anfangsphase kam dann, auch angetrieben von einer engagierten Kurve, endlich richtig Fahrt in das Magdeburger Spiel. Böse Zungen (okay, also eigentlich nur meine) behaupteten gar, Christopher Handke hätte unser Offensivspiel ordentlich belebt :-P. Dem Ausgleich durch Christian Beck nach dem bewährten Muster „Ecke – Kopf – Tor“ folgte, ebenfalls nach einer Standardsituation, der 3-2-Führungs-und-letztendlich-auch-Siegtreffer durch Rückkehrer Silvio Bankert, der sich über dieses Tor mal so richtig gefreut hat. Kommt ja auch nicht so oft vor, dass der Kollege mal eine Bude macht (transfermarkt.de verzeichnet ganze 11 in 241 Einsätzen insgesamt).

​Die Nordtribüne mittlerweile ordentlich ekstatisch mit Hüpfeinlagen und Blockpolonaise, was aber, wie gesagt, auch dem erneut großartigen Einsatz des Capos geschuldet war, der in den kritischen Situationen stets die richtigen Worte fand und die Kurve ordentlich motivieren konnte. Wenn das der Mindeststandard für die Saison war, wird das noch sehr, sehr, sehr unterhaltsam in den Blöcken 3-5!

​Ein Wort vielleicht noch zur Schiedsrichterleistung: normalerweise bin ich ja eher nicht jemand, der sich übermäßig über den Unparteiischen aufregt, weil die Hintertorperspektive sicherlich nicht die optimale ist, um immer jede Situation richtig erkennen und dementsprechend auch bewerten zu können. Trotzdem war ich mitunter entsetzt über die Spielleitung gestern. Die jungen Unioner leisteten sich eine ganze Reihe an Nicklichkeiten und Provokationen, die aus meiner Sicht viel eher mal hätten mit einer Karte geahndet werden müssen. Der Höhepunkt dann eine klare Tätlichkeit im Rücken des Schiedsrichters bei einem ruhenden Ball in der zweiten Halbzeit, die auf jeden Fall zumindest der Linienrichter sehen muss und die nur glatt Rot zur Folge hätte haben können sowie eine Notbremse eines Berliner Spielers kurz darauf, für die es nur Gelb gab – die aber immerhin zu dem Freistoß führte, der uns den Siegtreffer bescherte. Müsste ich eine kicker-Note vergeben, würde der Unparteiische für die gestrige Leistung von mir insgesamt maximal und mit viel gutem Willen eine 4 kriegen.

Was die Leistung der Neuen angeht, haben eigentlich alle einen guten bis sehr guten Job gemacht, was sich ja nicht zuletzt auch in den Toren von Kruschke und Bankert ausdrückt. Überraschend wenig beeindruckt hat mich allerdings Marcel Schlosser, von dem ich mir irgendwie noch deutlich mehr versprochen habe. Was vielleicht ein bisschen unfair ist, weil er ohnehin schon mit jeder Menge Vorschusslorbeeren bedacht wurde und damit per se schon unter stärkerer Beobachtung steht als beispielsweise ein Kevin Kruschke oder ein Sven Reimann. Trotzdem: mitunter nicht konsequent genug, hier und da mit erstaunlichen Schnitzern bei der Ballannahme, wenige (zumindest bei mir hängengebliebene) Impulse nach vorn, das kann (und wird sicherlich) noch deutlich besser werden!

​Fazit: ein verdienter Heimsieg gegen einen wirklich starken Gegner aus Berlin dank einer großen Willensleistung, der Mut macht für die kommenden Aufgaben. Und wenn man Jens Härtels Aussage aus seiner Dienstantrittspressekonferenz ernst nimmt, dass Wille stets Talent schlägt, war das gestern angesichts der schwierigen Bedingungen mit 0-2-Rückstand und barbarisch hohen Temperaturen auf dem Feld sicherlich ein sehr guter Beleg dafür. Hier und da gab es noch die wohl nicht vermeidbaren Abstimmungsprobleme (zum Beispiel beim 0-1), aber man bekommt durchaus schon eine ganz gute Idee davon, wie Härtel Fußball spielen lassen möchte; ich glaube, dass wir an dieser Mannschaft in dieser Saison noch jede Menge Spaß haben werden! Weiter geht es am kommenden Wochenende gegen Halberstadt, bevor dann am 17.08. auch schon der FC Augsburg im DFB-Pokal wartet.

Forza FCM – so kann es weitergehen!

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