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Die Grenzen des derzeit Möglichen

Ingolstadt

1. FC Magdeburg – FC Ingolstadt 04, 18. Spieltag, 0:2 (0:1)

Jeff Saibene ist schon ein Fuchs. Nach der Partie im Heinz-Krügel-Stadion sagte der Trainer des FC Ingolstadt sinngemäß, dass der Matchplan für seine Mannschaft darin bestand, dem FCM den Ball zu überlassen und dann selbst möglichst präzise und effizient zu agieren. So einfach kann es sein, gegen den 1. FC Magdeburg 2019/2020 erfolgreich Fußball zu spielen (was er allerdings nicht dazu sagte). Ein Blick auf die Anzeigetafel nach dem Spiel belegte: Ingolstadts Ansatz hat ziemlich gut funktioniert. Die Treffer von Beister und Eckert Ayensa besiegelten jedenfalls eine 0:2-Niederlage des FCM im letzten Heimspiel des Jahres und zeigten außerdem ziemlich gut auf, wo für die Größten der Welt die Grenzen des derzeit Möglichen liegen. Bis zu einem echten Drittliga-Spitzenteam ist es dann eben doch noch ein kleines Stück.

Die Mannschaft, der Stefan Krämer das Vertrauen schenkte, war im Wesentlichen die, die es zuletzt ja durchaus gut gemacht hatte: Morten Behrens hütete das Tor, Leon Bell Bell, Tobias Müller, Brian Koglin und Dominik Ernst bildeten die Viererkette, im Mittelfeld liefen zunächst Jürgen Gjasula, Thore Jacobsen, Rico Preißinger (der nach seiner abgesessenen Gelbsperre Björn Rother ersetzte) und Sören Bertram auf. Tarek Chahed und Christian Beck bildeten, wie auch schon in den letzten Spielen, das Angriffsduo.

Hase und Igel

Bei irgendwie hässlichem Wetter, dafür aber guter Stimmung, hatte der Club die ersten zwanzig Minuten der Partie vollkommen im Griff. Das Spiel fand fast ausschließlich in der Ingolstädter Hälfte statt, große Torchancen blieben allerdings (über die gesamten 90 Minuten übrigens) Mangelware. Nach zwei Minuten testete Tarek Chahed Ingolstadts Fabijan Buntic mal mit einem Schüsschen, nach fünf Minuten legte er bei einem Konter quer auf Beck, der den Ball aber ebenso wenig am Keeper vorbeibringen konnte. Thore Jacobsens Abschluss aus der zweiten Reihe in Spielminute 16, der nicht aufs Tor kam, war dann auch schon die letzte nennenswerte Offensivaktion in der Anfangsphase. Okay, abgesehen vielleicht noch von ein paar Ecken, die gegen die aufmerksame und groß gewachsene Innenverteidigung der Gäste aber keinerlei Gefahr erzeugen konnten. Warum spielen wir solche Situationen eigentlich nicht mal kurz und flach? 11:2 lautete am Ende der Partie die Eckenbilanz; weiß man dann noch, dass lediglich aus einer von ihnen eine Torchance entstand, bei der sich Buntic mal ordentlich strecken musste, ist über unsere Standard-Gefährlichkeit in dieser Partie eigentlich alles gesagt.

Der FC Ingolstadt, auch das gehört zur Geschichte dieses Spiels, machte es dem FCM aber auch ordentlich schwer, sich mal vernünftig durchzuspielen. Die Gäste standen gut und machten die Räume eng; „Lass’ die hier bloß nicht in Führung gehen, dann wird es ganz schwer!“, war so ein Gedanke, der mir nach ungefähr einer Viertelstunde durch den Kopf schoss. Naja, und nach 21 Minuten hatten wir dann den Salat und genau die Situation, die in dieser Partie die denkbar schlechteste darstellte: Der FC Ingolstadt erzielte quasi aus dem Nichts das 1:0. Ernst hatte sich bei einem Pass auf seiner rechten Defensivseite mächtig verschätzt, sodass Ingolstadts Marcel Gaus mit reichlich Wiese vor sich in Richtung Grundlinie marschieren und ungestört in die Mitte spielen konnte. Dort kam, mit etwas Sicherheitsabstand höflich von Rico Preißinger begleitet, Maximilian Beister eingelaufen, der die Kugel dann stark über die Linie bugsierte. Erster richtig gefährlicher Ingolstädter Angriff, erstes Tor – die Gäste im Stile einer Spitzenmannschaft, die Magdeburger Defensive im Schlafwagenmodus.

Spannend war natürlich nun die Frage, wie der Club auf diesen Rückstand reagieren würde. Zunächst spielte das Team einfach kontrolliert weiter, die besseren (oder überhaupt) Gelegenheiten ergaben sich aber für Ingolstadt. So musste Rico Preißinger nach 24 Minuten auf der Linie retten; vier Minuten später konnten sich die Gäste dann mit einem einfachen, aber starken Diagonalball auf die eigene linke Angriffsseite erneut durch die blau-weiße Abwehr spielen, nur, um den folgenden Abschluss dann ordentlich zu vertändeln. Der Club nun offensiv eher ratlos und immer dann in Schwierigkeiten, wenn Ingolstadt das Tempo ein bisschen anzog.

Lief der Ball dann aber mal über mehr als eine oder zwei Stationen, konnten auch die Größten der Welt in ganz ordentliche Abschlusssituationen kommen. So auch nach 36 Minuten, als man das Spiel mal geduldig breit gemacht und schließlich Kapitän Beck in der Mitte mit einem guten Pass versorgt bekam. Zwei Ingolstädter Verteidiger sorgten dann allerdings dafür, dass Beck den Ball nicht aufs, sondern nur über das Tor bringen konnte. Die beste Gelegenheit in Halbzeit 1 ergab sich schließlich nach 41 Minuten und dem oben schon kurz angesprochenen Eckball. Beck steigt hoch, köpft auch platziert rechts aufs Tor, findet dann aber in Buntic seinen Meister. Im Anschluss dann noch mal Preißinger mit einem satten Schuss, der aber ziemlich deutlich links vorbeiging.

Die letzte Aktion in Halbzeit 1 gehörte dem erneut guten Thore Jacobsen. Mit einem Schlenzer aus vielleicht 15, 20 Metern lud er Buntic noch mal zum Fliegen ein. Der Keeper der Gäste ließ sich nicht zweimal bitten und pflückte den Ball nach einer schönen Einlage problemlos herunter. Irgendwie war das sinnbildlich für die erste Hälfte: Der Club engagiert, aber glücklos, während Ingolstadt immer schon irgendwie da war, wo der FCM hin wollte und die gefährlichen Situationen dann in aller Ruhe und Abgezocktheit löste.

„Die Tage zieh’n ins Land …“

Gleich nach Wiederanpfiff dann aber der FCM wieder mit einer (eher ungewollt) gefährlichen Aktion: Der Ball läuft über rechts auf die eigene Kurve zu, die Flanke in die Mitte segelt dann allerdings sowohl an Freund und Feind als auch knapp am linken Pfosten vorbei. Ärgerlich, dass in so einer Situation nicht mal ein Ingolstädter Spieler (un)glücklich abfälscht oder eine Furche im Rasen dem Ball die entscheidende Wendung gibt .. Tja nun. Im Anschluss ging es dann für ein paar Minuten munter hoch und runter, bis schließlich etliche Nicklichkeiten und Foulpfiffe den Spielfluss zunächst zum Erliegen brachten. Ein Freistoß von Jürgen Gjasula rauschte in der 50. Minute knapp über den linken Knick, nach 55 Minuten und guter Ballbehauptung im Mittelfeld fasste sich schließlich Brian Koglin mal aus der Distanz ein Herz. Sein Schuss wurde zur Ecke abgefälscht, die … ach, lassen wir das. Ihr könnt es Euch denken.

Nach 60 Minuten war der Arbeitstag dann für Tarek Chahed beendet, der in einigen Situationen erneut etwas unglücklich agiert hatte, wie immer aber äußerst laufstark und engagiert zu Werke ging und nun für Manfred Osei Kwadwo Platz machen musste. Das ist übrigens auch so eine Geschichte der bisherigen Saison (später kam noch Roczen für Preißinger, 75.): Wann konnten wir bisher in dieser Spielzeit eigentlich mal so nachlegen, dass dadurch noch mal richtig Schwung und Energie von der Bank kamen? Die Einwechslungen von Kwadwo und Roczen brachten jedenfalls in diesem Spiel keinen erkennbaren Mehrwert, außer natürlich, dass nun vier frische Beine auf dem Platz standen. Und die wurden Zeuge, wie Christian Beck in der 65. Minute die Art von Einsatz vorlebte, die wir in Magdeburg ja sehr mögen: Einen etwas verunglückten Lupfer erläuft er an der Grundlinie noch ganz stark und spielt raus auf Bell Bell; die anschließende Flanke von links wird so ein bisschen zum Pingpong-Ball im Strafraum. Letzten Endes fehlte auch hier das Spielglück, Sören Bertram kommt zwar hin, kann die Kugel aber nicht mehr druckvoll auf’s Tor bringen.

Die Uhr tickte nun, und sie tickte selbstverständlich für die Gäste, die erst nach 68 Minuten mal wieder den Weg zum Tor suchten. Einen Fernschuss von Björn Paulsen konnte Morten Behrens allerdings zur Ecke lenken, die in diesem Fall die Ingolstädter nicht verwertet bekamen. Besser, viel besser lief es aus Sicht von Jeff Sabenes Team schließlich in Spielminute 81, die im Wesentlichen dann auch das letzte Fünkchen Resthoffnung begrub, dass hier vielleicht noch etwas gehen könnte. Der Ball lief für Ingolstadt (und vom Club kaum herausgefordert) von der linken Seite bis zu Björn Paulsen in der Mitte, wo er auf Eckert Ayensa durchstecken konnte. Das sah aus, wie im Training. Müller und Bell Bell schauten nur zu, Ingolstadts Nummer 7 sagte “Dankeschön”, Morten Behrens verhielt sich auch irgendwie unglücklich und schon führten die Gäste hier mit zwei Toren. Wahnsinn, wie einfach das war.

Danach ging dann nichts mehr. Ein abgefälschter Schuss von Thore Jacobsen küsste in der 85. Minute zwar noch mal die Latte, der Treffer wäre wohl allerdings nur noch Ergebniskosmetik gewesen. Das 0:2 am Ende war für die Gäste aus Ingolstadt sicherlich auch in der Höhe nicht unverdient.

Fazit:

Gegen den FC Ingolstadt waren sie wieder da, unsere drei Probleme: zu wenig Tempo, zu wenig Präzision und zu wenige Ideen gegen einen defensiv eingestellten, hervorragend organisierten Gegner. Man werfe dann noch eine Spitzenmannschaft in den Mix, die in der Lage ist, aus wenigen Gelegenheiten das Bestmögliche herauszuholen und zack! stehst Du eben als 1. FC Magdeburg im letzten Heimspiel des Kalenderjahres mit leeren Händen da. Sicher, die Partie und vor allem das Ergebnis werden sich der überwiegende Teil der 16.598 Stadiongänger*innen ganz anders vorgestellt haben. Lange über den Spielausgang geärgert habe ich mich allerdings nicht, denn: Die Mannschaft hat nicht übermäßig schlecht gespielt, im Gegenteil, Einsatz und Willen konnte man ihr auch nicht absprechen.

Offenbar ist die gezeigte Leistung gegen ein Drittliga-Topteam das, was derzeit, an einem normalen Tag, eben möglich ist. Und dann gibt es halt so Partien, in denen der Gegner einfach besser ist und Dir zeigt, an welchen Stellen noch eine Menge Arbeit zu erledigen (oder ggf. personell nachzulegen) ist. Das Spiel gegen Ingolstadt war so eins. Passiert. Wird sicher auch nicht das letzte Mal gewesen sein (also, bis wir dann soweit sind, alles zu dominieren und in Grund und Boden zu schießen). In diesem Sinne: Mund abputzen, weitermachen und am Freitag gegen Münster die nächste, kleine Siegesserie starten.

Schönen 2. Advent!

1 Kommentar

  1. Pingback: Taumelnd ab - nurderfcm.de

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