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3 Punkte für die Ewigkeit

Ewigkeit

SV Sandhausen – 1. FC Magdeburg, 8. Spieltag, 0:1 (0:0)

Es gibt Momente im Fan-Leben, da muss man halt auch mal richtig schlimme Fußballspiele feiern. Der Abpfiff der Partie gegen den SV Sandhausen am 8. Spieltag war so ein Moment. Machen wir uns nichts vor: fußballerisch war das überwiegend ganz, ganz schwere Kost, die beide (!) Mannschaften über 90 Minuten angeboten hatten. Aber: Das war ganz egal, denn am Ende stand klar und deutlich ein 0:1 auf der Anzeigetafel. Die Jungs um Trainer Jens Härtel haben es endlich geschafft – der 1. FC Magdeburg hat den ersten Zweitliga-Sieg der Vereinsgeschichte verbuchen können und schickte damit nicht nur über 1.500 Reisefreudige, sondern sicherlich auch noch den einen oder anderen Clubfan an den Empfangsgeräten zuhause in einen freudentaumelnden Extase-Zustand. Endlich! Endlich der erste Dreier. So kann man trotz eines eher anstrengenden Spiels durchaus mal mit einem fetten Dauergrinsen in die neue Woche starten. 

Jens Härtel nahm erneut einige Änderungen an seiner Anfangsformation vor, was angesichts der Belastung in der englischen Woche durchaus verständlich ist. Alexander Brunst hütete das Tor (als Ersatz war Mario Seidel mitgekommen, weil Jasmin Fejzic sich krank gemeldet hatte), die Dreierkette vor ihm bildeten Steffen Schäfer, Abwehrchef-Rückkehrer Dennis Erdmann und Romain Brégerie. Das linke Mittelfeld besetzte diesmal Nico Hammann, in der Zentrale spielten Björn Rother und Aleksandar Ignjovski, rechts startete Kapitän Butzen. Marcel Costly begann vorn links, zentral Christian Beck. Auf der rechten Seite kehrte Philip Türpitz in die Startaufstellung zurück.

Rasenschach

Die ersten gut 7 Minuten der Partie musste die Mannschaft ohne Support auskommen – Block U war zu Spielbeginn nämlich noch damit beschäftigt, am Zaun hinter dem Tor anzuflaggen. Das lag aber nicht daran, dass man übermäßig spät am Stadion eingetroffen wäre, sondern an offenbar sehr restriktiven Zaunfahnen-Regularien seitens des gastgebenden Vereins. Die Idee war da wohl, dass jede Fahne einzeln kontrolliert werden sollte, und zwar in einem abgetrennten Raum am Einlass. Anschließend wurde man einzeln in den Innenraum eskortiert, um seine Fahne dann dort anzubringen. Wie lange das bei einer entsprechenden Anzahl an Clubfans und Zaunfahnen dauert, kann man sich vorstellen. Kurzum: Was für ein Affentanz.

Sportlich passierte derweil im durchaus schmucken Hardtwaldstadion nichts wirklich Aufregendes. In der Anfangsphase versuchte der SV Sandhausen erst einmal, das Spiel zu ordnen; vom Club gab es in den ersten 10 Minuten keine Aktionen nach vorn. In Spielminute 7 hätte man sich über einen Rückstand nicht beklagen können: Die Gastgeber über links, der Ball rutscht zu Fabian Schleusener durch. Dessen Schuss geht dann aber direkt auf Alexander Brunst, der gut pariert, den Ball allerdings nicht festhalten kann. Gouaida bekommt somit im Nachsetzen noch mal eine Kopfballchance, kann den Abschluss aber nur auf das Tornetz setzen.

Mit dem einsetzenden Gäste-Support hatte man dann das Gefühl, dass auch der Club stärker werden würde, wenngleich es gegen defensiv hervorragend eingestellte Sandhäuser schwer war, Lücken im dichten Abwehrverbund zu finden. Hinzu kamen die inzwischen leider schon gewohnten Probleme im Passspiel, whoscored.com sollte am Ende eine Passerfolgsquote von 59% (!) ausweisen. Naja, und dann wird es eben schwer, die wenigen Räume, die der Gegner anbietet, adäquat zu bespielen, zumal in dieser Liga wohl jeder Gegner die Spielaufbau-Alternative “lang und dolle” relativ souverän verteidigt bekommt…

Trotzdem kam der 1. FC Magdeburg im weiteren Verlauf zu Möglichkeiten. Nach 13 Minuten war es Christian Beck, der eine scharfe Hammann-Flanke von links mit dem Kopf mitnahm, aber nicht aufs Tor bringen konnte. Nach einer halben Stunde (ja, so lange) dann Marcel Costly: Beck hatte im Sandhäuser Strafraum stark den Ball erkämpft und ihn so gefährlich gemacht. Die Defensive konnte nicht klären, sodass der Ball schließlich links bei Costly landete. Der versucht sich an einem Schlenzer, den Niklas Lomb (ein Mann mit Hallenser Vergangenheit) dann aber parieren konnte.

Wie schon erwähnt, war alles recht zäh und mühsam, was sich da auf dem satten Grün abspielte. Die schnellen Außen des FCM kamen kaum mal ins Laufen, phasenweise hatte Alexander Brunst Schwierigkeiten, Zielspieler für den Abschlag zu finden, weil sich einfach wenig bewegte. Uff. Dafür übernahm Blau-Weiß im Verlauf der ersten Hälfte die Kontrolle über die Partie und war zumindest feldüberlegen. In der 36. Minute konnte Nico Hammann von rechts flanken und während Christian Beck am Fünfmeterraum verpasste, hätte Marcel Costly in dessen Rücken locker einschieben können. Dazwischen stand aber noch ein Sandhäuser, der den Ball irgendwie aus der Gefahrenzone bugsierte.

Auf der anderen Seite wurde es lediglich in der 44. Minute noch einmal gefährlich, und daran hatte Romain Brégerie einen ordentlichen Anteil. Sandhausen kann über die linke Seite hoch in den Strafraum spielen, wo unsere Nummer 33 dann einigermaßen knapp am kurzen Pfosten vorbei ins Toraus klärte. Mal völlig unabhängig vom konkreten Spieler hätte ein Eigentor zugunsten der offensiv doch recht limitierten Gastgeber perfekt ins Bild des bisherigen Saisonverlaufs gepasst… Naja, es war ja glücklicherweise nichts passiert. Und da auch die anschließende Ecke keinen Ertrag brachte, ging es mit einem 0:0 in die Halbzeitpause.

Beck mit Köpfchen und ins Glück

Zweite Hälfte, gleiches Spiel, mit dem Unterschied, dass zunächst der SV Sandhausen zu Abschlussgelegenheiten kam. In der 52. Minute verlor der FCM den Ball in der Vorwärtsbewegung und hatte großes Glück, dass Sandhausen den daraus resultierenden, eigentlich vielversprechenden Konter nicht sauber ausspielte. Nur zwei Minuten später kann sich Brégerie in einer weiteren Kontersituation nur mit einem Foul helfen; es gibt Freistoß für die Hausherren aus gut 20 Metern links. Der Ball wird auf Schleusener am langen Pfosten gelupft, dort reicht es dann glücklicherweise aber nur für ein Schüsschen auf die kurze Ecke, mit dem Brunst keinerlei Probleme hatte. Wieder drei Minuten später stand Brunst erneut im Mittelpunkt, als er eine Kopfballchance der Sandhäuser nach Flanke von rechts parierte. Inzwischen konnte man sich schon wieder ein bisschen Sorgen machen und die Frage war: Wann kommt eigentlich der Club?

An den mitgereisten Clubfans lag es jedenfalls nicht, dass sich der FCM in den ersten Minuten des zweiten Durchgangs schwer tat. Anders noch als phasenweise in Paderborn stimmte diesmal der Sound der Kurve, mit angenehm brachialen Gesängen wurde die Mannschaft immer wieder nach vorn gepeitscht. 65 Minuten waren gespielt, als Blau-Weiß mal in eine gute Umschaltsituation kam und Philip Türpitz seinen Flügelsturm-Kollegen Costly in die Tiefe schicken konnten. Der wiederum war frei durch, zögerte aber einen Ticken zu lange mit dem Abschluss und konnte so vom aufrückenden Tim Kister abgelaufen werden. Zwar kam Costly in der Szene zu Fall, ein Elfmeter war das aber nicht. Schade, sehr schade, das hätte gut und gern das 1:0 für die Größten der Welt sein können. Ärgerlich war es vor allem deshalb, weil sich inzwischen (Achtung, Phrase) längst herauskristallisiert hatte, dass hier wohl diejenige Mannschaft gewinnen würde, die das erste Tor erzielt.

Nach 70 Minuten war dann für Nils Butzen Schluss, Michel Niemeyer kam für ihn in die Partie. Und war direkt mal an der nächsten, entscheidenden Torszene beteiligt: Einwurf Türpitz, über Nico Hammann kommt der Ball zu eben jenem Niemeyer. Der versucht, die Kugel direkt zu nehmen; sein Aufsetzer wird aber nicht zum Torschuss, sondern zur Vorlage für Beck: Kopfball in die lange Ecke und zack! steht es 1:0 für die Guten. Bierbecher fliegen, Menschenknäule bilden sich und lösen sich wieder und sofort geht der Blick zur Uhr auf der Anzeigetafel: Geil, 1:0 in Führung, aber noch 20 Minuten zu spielen. Würde das diesmal reichen? Bitte, es musste diesmal reichen.

Der SV Sandhausen reagierte erwartungsgemäß: Mit erhöhtem Druck und viel Verkehr vor Alexander Brunst. Glücklicherweise hatte der FCM aber zu seiner defensiven Stabilität zurückgefunden und bot nun seinerseits kaum Lücken. Was für ein Nervenspiel jetzt! In der 76. Minute haute Schleusener aus Nahdistanz über das Tor, im weiteren Verlauf kam der Ball ein ums andere Mal ins letzte Sandhäuser Drittel, wurde dann dort aber überwiegend gut wegverteidigt. Christian Beck und Aleksandar Ignjovski hatten dann irgendwann Feierabend, Marius Bülter und Richard Weil kamen in die Partie. Highlights gab es aber keine mehr – zwar erhielt Sandhausen in der 93. oder so Minute noch mal einen Freistoß, konnte den aber nicht nutzen. Abpfiff durch Schiedsrichter Heft, erleichtertes Ausrasten im Block und die Gewissheit: Hier wurde einmal mehr Geschichte geschrieben und wir waren dabei, um davon erzählen zu können.

Fazit

Nein, ein Leckerbissen war diese Partie wahrlich nicht. Und so unschön die Erkenntnis auch ist: Wir werden uns wohl im weiteren Saisonverlauf noch auf mehr Spiele dieser Güte einrichten dürfen. Was im Endeffekt auch völlig okay ist, wenn dafür dann auch die drei Punkte auf unser Konto wandern. Am Wochenende wartet nun das ewig junge Duell mit der SG Dynamo Dresden und angesichts der aktuellen Ereignisse dort sowie unserem ersten Sieg könnten die Vorzeichen wahrlich schlechter sein. Trotzdem wird auch dieses Spiel ein richtig hartes Brett, genau wie die folgenden und vermutlich auch alle anderen in dieser Saison. Dementsprechend kann es nur heißen, weiter gemeinsam alles reinzuhauen und eben jeden verdammten Punkt dreckig, hart und laut zu erkämpfen. Bevor es aber in ein paar Tagen wieder in den Tunnel geht, sollten wir diesen Moment hier schon noch ein paar Augenblicke genießen. Der FCM ist wieder da! Und dass wir gekommen sind, um zu bleiben, muss an dieser Stelle wohl nicht noch einmal betont werden.

Gegnerperspektive:

Spielbericht auf der Homepage des SV Sandhausen

1 Kommentar

  1. Pingback: „Dy, dy, düdüm“ - nurderfcm.de

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