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Lausitzer Nullrunde

Der FCM wird mit seinen eigenen Waffen geschlagen

FC Energie Cottbus – 1. FC Magdeburg, 30. Spieltag, 2-0 (2-0)

“Wenn man die Anfangsphase verschläft, muss man sich nicht wundern, dass man eben mit leeren Händen nach Hause fährt” (Jens Härtel in der Pressekonferenz nach der Partie)

Und wenn so dieses ‘befreite Aufspielen nach dem Klassenerhalt’ aussieht, möchte ich bitte ganz schnell das fleißige Punktesammeln gegen den Abstieg zurück. Der 1. FC Magdeburg bekleckert sich in der Lausitz mal so gar nicht mit Ruhm und verliert trotz bester Chancen zumindest in der ersten Halbzeit letzten Endes sang- und klanglos beim immer noch stark abstiegsbedrohten FC Energie. Das Kuriose dabei: Die Spielweise, die die Cottbuser an den Tag legten, dürfte denjenigen rund 2.300 von knapp 8.400 Stadionsbesuchern, die es mit den Größten der Welt hielten, einigermaßen bekannt vorgekommen sein, wurde man doch vom Gastgeber im Prinzip mit den eigenen Waffen geschlagen. So war eigentlich schon zur Halbzeitpause klar, dass es für Blau-Weiß an diesem kühlen Nachmittag in Brandenburg mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts zu holen geben würde. Und wenn man es sich an einem Tag, an dem gefühlt 74% der Mannschaft offenbar mit dem falschen Fuß aufgestanden waren, dann noch leistet, die wenigen klaren Gelegenheiten und Halbchancen, die sich trotzdem boten, zu vergeben, tja, dann verliert man eben auch beim Tabellen-Achtzehnten. 

Jens Härtel schickte gegen das Heimteam, das von Vasile Miriuta (wie auch schon im Hinspiel) hervorragend eingestellt worden war, die gleiche Elf auf den Rasen, die am letzten Spieltag gegen den F.C. Hansa Rostock ein grandioses 4-1 erreichte: Michel Niemeyer verteidigte links, Nico Hammann rechts, David Kinsombi und Christopher Handke bildeten das Innenverteidigerduo. Unterstützung erhielten sie zentral von Jan Löhmannsröben, der sich zunächst aus dem defensiven Mittelfeld immer mal wieder mit auf die letzte Linie zurückfallen ließ. Sein Mittelfeld-Partner hieß, wie immer, Marius Sowislo, den offensiven Part übernahmen zunächst Manuel Farrona-Pulido, Sebastian Ernst und Tarek Chahed, im Sturmzentrum, klar, Christian Beck. Dass es dieses Mal allerdings ganz anders laufen könnte als gegen Rostock, zeigte sich bereits in der allerersten Spielminute, in der der Ball vom Cottbuser Anstoß weg (!) nur deshalb nicht den Weg ins Tor findet, weil Jan Glinker gegen den einschussbereiten Michel in höchster Not rettete. Energie von Beginn an die deutlich wachere Mannschaft und der FCM mit großen Problemen in der Defensive, die sich in den ersten fünf Minuten abwechselnd in slapstickhaften Klärungsversuchen zum Gegner und angewurzeltem Stehenbleiben bei längeren Bällen äußerten, während sich ringsrum die Offensivkräfte des Gegners die Bälle erliefen.

Einer dieser Diagonalbälle führte dann in der 8. Minute auch zum ersten Treffer der Partie. Das Cottbuser Mittelfeld sucht den langen Richard Sukuta-Pasu als Zielspieler (eine Spielidee, die man ja auch an der Elbe ganz gut kennt), der sich zwar ins Abseits bewegt, hinter dem aber in aller Seelenruhe Sven Michel einlaufen kann. Von der Magdeburger Defensive vollkommen ignoriert, kommt er an den Ball, ist frei vor Jan Glinker und macht das, wofür ein Stürmer bezahlt wird: den Ball im Tor versenken. Die Führung für Cottbus absolut verdient, wobei für diese Abwehrleistung mindestens ein halber Scorerpunkt auch an die blau-weiße Defensive geht.

Zugute halten muss man den Mannen von Jens Härtel, dass sie nach dem Gegentor weiter versuchten, nach vorn zu spielen, und in der Konsequenz auch zu einigen Gelegenheiten kamen. So erreicht Tarek Chahed im direkten Gegenzug eine schöne Kopfballablage von Christian Beck nur ganz knapp nicht und scheitert unser Torjäger vom Dienst in der 34. Minute selbst mit einem eigentlich gut angesetzten Kopfball am überragend parierenden Daniel Lück im Cottbuser Kasten – die vielleicht beste Chance und Phase für die Größten der Welt, zumal Jan Löhmannsröben unmittelbar im Anschluss den Ausgleich auf dem Fuß hat, Cottbus aber auf der Linie klären kann.

Zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr auf dem Feld war Manuel Farrona-Pulido – er durfte bereits nach 15 Minuten auf der Bank Platz nehmen, für ihn war Nils Butzen in die Partie gekommen. Was dem zuletzt gut aufgelegten Dribbelkünstler so überhaupt gar nicht geschmeckt haben dürfte, brachte zumindest ein gutes Stück dringend benötigte Stabilität ins Magdeburger Spiel: Michel Niemeyer war auf den linken Flügel vorgerückt, David Kinsombi gab dahinter den Linksverteidiger, Nico Hammann übernahm dessen Position in der Mitte und Nils Butzen verteidigte fortan hinten rechts. Cottbus kam dadurch nun nicht mehr zu allzu großen Gelegenheiten, blieb aber gefährlich, zumal unsere Abwehrspieler es den Hausherren auch weiterhin viel zu einfach machten. Die erste Halbzeit war wirklich merkwürdig: Vorn war man durchaus bemüht, aber einfach glücklos, hinten dafür zum Teil offen wie ein Scheunentor. So gewinnst Du in der 3. Liga keinen Blumentopf.

Konnte das Team im ersten Durchgang auf dem Rasen nur so mäßig gut überzeugen, gelang das der blau-weißen Auswärtsmeute auf den Rängen dafür umso besser. Begünstigt durch einen merkwürdig dreigeteilten Gästeblock, gab es ordentlich lautstarke Unterstützung und den einen oder anderen Wechselgesang dergestalt, dass abwechselnd die (natürlich stehende) Sitzplatzfraktion, der überdachte Stehplatzbereich und schließlich der unüberdachte Block in der Ecke ein “Vorwärts, Magdeburger Jungs!” anstimmten. Das ersehnte Tor gelang kurz vor dem Pausentee allerdings den Gastgebern: Nach einem Eckball ist es Joni Kauko, der im Strafraum am höchsten steigt, relativ unbedrängt an den Ball kommt und diesen – für Jan Glinker erneut nicht haltbar – in die Maschen drückt.

Für Cottbus dürfte es bis zu diesem Zeitpunkt vermutlich das perfekte Spiel gewesen sein: Man musste, bedingt durch den Tabellenstand, im eigenen Stadion unbedingt Punkte holen, begann auch dementsprechend engagiert, nutzte zwei der zum Teil hochkarätigen eigenen Chancen eiskalt, hatte bei einigen Gelegenheiten des Gegners einfach auch Glück und konnte nun in der zweiten Hälfte tief stehen, auf Konter lauern und ansonsten mit etwas Geschick die Führung verteidigen. Kommt das vielleicht irgendjemanden bekannt vor?

Wer jetzt dachte, die Größten der Welt würden im zweiten Durchgang wie die Feuerwehr aus der Kabine kommen und mit aller Macht auf den Anschluss drängen, sah sich getäuscht. Nachdem Jan Glinker in der 50. Minute zunächst einen Cottbuser Freistoß im letzten Augenblick noch an die Latte lenken kann, dauert es bis zur 58. Spielminute, ehe sich Blau-Weiß die Riesenchance auf den Anschlusstreffer eröffnet: Sebastian Ernst kommt nach einer Ecke auf der anderen Seite vollkommen frei zum Kopfball, setzt die Kugel aber gänzlich unbedrängt neben das Tor. Wenn man allerdings ehrlich ist, konnte man an diesem Tag wohl ruhigen Gewissens davon ausgehen, dass wir auch in 120 Minuten vermutlich keinen Treffer erzielt hätten. Es war halt einer dieser Tage, an dem so richtig nichts zusammen gehen will; symptomatisch dafür eine Szene kurz vor Ende der Begegnung, in der der inzwischen für Michel Niemeyer eingewechselte Waseem Razeek an etlichen Gegenspielern vorbei bis in den Strafraum dribbelt, sich dort eine gute Schussgelegenheit erarbeitet – und den Ball dann fast aufs Stadiondach jagt. Andere Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit äußerten sich ansonsten höchstens noch über gelegentliche Flanken in Richtung Christian Beck, der aber, sofern die Bälle nicht gleich zu kurz beim Gegner landeten, bei den Cottbuser Innenverteidigern Christopher Schorch und Uwe Möhrle in den besten Händen war. Außerdem war noch ein Sowislo-Schuss aus der zweiten Reihe in Minute 82 zu verzeichnen, der für Lück aber keine allzu große Herausforderung darstellte.

Ein wenig ketzerisch könnte man fast meinen, dass der 1. FC Magdeburg sein Spiel in der zweiten Halbzeit wenigstens nervenschonend aufzog – Verdacht, die Begegnung noch einmal richtig spannend zu machen und zwingend ein Tor erzielen zu wollen, erregte die Leistung in den zweiten 45 Minuten jedenfalls nicht. So blieb Zeit, sich auch ein wenig mit dem Drumherum zu beschäftigen und zum Beispiel festzustellen, dass der Sanitäterin im ansonsten gesperrten Oberrang auf der Osttribüne unsere “Fußballclub Magdeburg”-Hüpfeinlage offenbar so gut gefiel, dass sie gleich per Handyvideo festgehalten werden musste. Oder dass Vasile Miriuta in jedem zweiten Fanblock dieser Republik wohl einen recht passabler Einklatscher geben würde. Oder dass die Cottbuser ‘Nordwand’ irgendwie merkwürdig aussieht, wenn diejenigen, die da kontinuierlich mitmachen, so etwas wie ein “Z” formen, weil mitunter doch recht deutliche Lücken auszumachen waren. Vielleicht ist das aber auch alles so gewollt, weil sich aus einem “Z”, gedreht und mit etwas Phantasie, ja auch so etwas wie ein Blitz machen lässt, was zu Energie wiederum ganz gut passen würde…

Solcherlei Gedanken nachhängend, trudelte die Begegnung dann irgendwie aus, weil Cottbus recht sicher verteidigte und dem 1. FC Magdeburg 2015/2016 schlicht und ergreifend die spielerischen Mittel fehlen, gegen einen kompakten und defensiv gut organisierten Gegner einen Zwei-Tore-Rückstand noch umzubiegen. Schlimm ist das als Aufsteiger an sich nicht, nur eben auch nicht sonderlich schön anzusehen, sodass die Jungs im nächsten Spiel den Schalter gern wieder von Beginn an umlegen dürfen, hoffentlich das Spiel aufziehen, das uns bis hierher so stark gemacht hat und es erst gar nicht dazu kommen lassen, dass wir uns ein Loch buddeln, aus dem wir (noch) nicht wieder selbst herausfinden können. Von daher: Mund abputzen, weitermachen und am nächsten Wochenende Kiel aus dem Heinz-Krügel-Stadion schießen. Warum? Weil wir es können. Und es sich für die Größten der Welt auch einfach so gehört.

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