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Nullrunde

32. Spieltag

1. FC Magdeburg – SSV Jahn Regensburg, 32. Spieltag, 1:2 (0:0)

Tja, irgendwann geht halt jede Serie mal zu Ende. Und besser jetzt in der 32. Runde gegen eine sehr gute Regensburger Mannschaft, die damit in der Aufstiegs-Verlosung bleibt, als vielleicht am allerletzten Spieltag gegen die Sportfreunde aus Lotte, für die es zu jenem Zeitpunkt höchstens noch um die goldene Ananas gehen dürfte. Mit 1:2 verliert der 1. FC Magdeburg vor 19.627 Zuschauern jedenfalls nicht ganz unverdient gegen den SSV Jahn, gibt damit nach zuletzt 6 Spielen ohne Niederlage wieder sämtliche Zähler an den Gegner ab und rutscht auf den 3. Tabellenplatz, auf dem man letztmalig nach dem 22. Spieltag stand. Das ist ärgerlich, weil man es im eigenen Stadion nicht nur zuließ, dass die Gäste die Partie nach dem Führungstreffer für Blau-Weiß noch drehen konnten, sondern weil man auch eine knapp 15minütige Überzahl nicht für einen eigenen Torerfolg nutzen konnte. Immerhin stimmte die kämpferische Leistung und hatte man Glück, dank des Unentschieden von Holstein Kiel gegen den SC Preußen Münster den Spieltag lediglich aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem neuen Tabellenzweiten auf Rang 3 zu beenden.

Bei bestem Frühlingswetter war nicht nur der Heimbereich, sondern auch der Gästeblock (in Anbetracht der von Regensburg zurückzulegenden Strecke) relativ gut gefüllt und gefiel der Regensburger Mob über die gesamte Spielzeit durch einen kompakten Auftritt. Zu hören waren die Gäste freilich erst nach Abpfiff, ordentlich anzuschauen war Block 14 allerdings die gesamte Partie über. Schöne Geste auch vom Stadionsprecher, sich bei den Gästen vor Anpfiff noch einmal für die Beleidsbekundung zum Tod von Hannes im Rahmen des Hinspiels zu bedanken. Die Regensburger Kurve hatte damals eine weiße Tapete mit blauer Schrift gezeigt, auf der “Ruhe in Frieden Hannes” zu lesen war.

Zum Sportlichen: Erwartungsgemäß stellte Jens Härtel seine Anfangsformation zum Abschluss der englischen Woche erneut um. Vor Leopold Zingerle verteidigten Nico Hammann, Steffen Puttkammer und Christopher Handke, im zentralen Mittelfeld lief diesmal Niklas Brandt neben Marius Sowislo auf. Die Außenbahnen besetzten Tobias Schwede und Nils Butzen, in der Offensive wirbelten Michel Niemeyer, Christian Beck und Manuel Farrona Pulido.

Die Partie begann mit ordentlich Schwung für Magdeburg; in der ersten Viertelstunde hatten die Hausherren das Geschehen auf dem Rasen eigentlich ganz gut im Griff. Gleich in der 1. Minute prüft Christian Beck Regensburgs Torwart Pentke mit einem abgefälschten Schuss, 8 Minuten später ist es erneut der Mittelstürmer, dem ein eigentlich geklärter Ball über Sowislo auf Niemeyer vor die Füße fällt, dessen Abschluss dann aber nicht druckvoll genug gerät. Was in der Anfangsphase auffällig war: Vieles ging (mal wieder) über unsere linke Offensivseite, auf der Tobias Schwede und Michel Niemeyer immer wieder gut in Szene gesetzt wurden, erfolgreich die Lücken suchten, dann aber für ihre Pässe ins Zentrum zu selten einen Abnehmer fanden.

Regensburg trat erst nach 13 Minuten erstmals gefährlicher in Erscheinung. Auf der linken Seite kann sich Alexander Nandzik kurz vor dem Strafraum gut gegen Nils Butzen durchsetzen, zieht ab und schießt aber relativ zentral auf Leopold Zingerle, der keine Probleme hat, den Ball festzuhalten. In der Folgezeit sind es dann vor allem Standardsituationen, mit denen der SSV Jahn Regenburg vor das Magdeburger Tor kommt – oder unglückliche Abwehraktionen wie die von Nico Hammann in der 20. Minute, der den Ball in recht zentraler Position direkt auf einen Regensburger Spieler klärt. In der Mitte wird Andreas Geipl bedient und sucht direkt den Abschluss, findet aber in einem glänzend reagierenden Leopold Zingerle seinen Meister.

So ein wenig war das rückblickend vielleicht der Startschuss für die Gäste, nun ihrerseits das Heft in die Hand zu nehmen und den Druck langsam, aber merklich zu erhöhen. Der FCM antwortete darauf erst einmal eher suboptimal, indem man den Gegner spielen ließ und in der Offensive selbst nicht mehr allzu viel Kontrolliertes auf den Rasen brachte. Nach 29 Minuten ist es dann allerdings Innenverteidiger Christopher Handke, der im Stile eines Klassestürmers den Ball im Mittelfeld gewinnt, für Christian Beck auflegt, selbst einfach mal zentral durchläuft, dort den Pass zurückbekommt und im Strafraum in die Mitte ablegt – wo dann allerdings niemand steht, um die gute Hereingabe zu verwerten. Fünf Minuten später dann Eckball für den Club und erneut ist es ein Innenverteidiger, der im Fokus steht: Steffen Puttkammer kommt im Strafraum per Kopf zum Abschluss, zielt auf die von Regensburg-Keeper Pentke gesehen rechte Ecke und kann den Ball aus kurzer Distanz nicht am Torwart vorbeibugsieren. Schade – das war schon eine Torgelegenheit höherer Güte.

Viel passierte dann in Hälfte 1 nicht mehr, sieht man von einem Kopfball von Christopher Handke nach 34 Minuten (deutlich links vorbei) und einem Flachschuss von Nico Hammann vier Minuten vor dem Pausentee einmal ab, der nach einem Ballgewinn nebst Dribbling im Mittelfeld nicht kraftvoll genug abschließen kann. Zwar drückte auch Regensburg noch mal, richtig gefährlich wurde es aber nicht, sodass der angenehm unauffällige, dafür aber sehr souveräne Schiedsrichter Siewer beide Teams pünktlich in die Kabine bat.

Was in der Halbzeitpause passiert, ist ja hier im Blog aus Gründen völliger Belanglosigkeit normalerweise kein Thema, allerdings hatten sich Verein und Sponsoren für dieses Spiel etwas ganz Besonderes ausgedacht, was zumindest kurz Erwähnung finden soll. Es gab: ein Sponsoren-Maskottchen-Wettrennen auf dem Rasen des Heinz-Krügel-Stadions, begleitet von einem satten Pfeif- und Buh-Konzert aus Richtung der Nordtribüne. Klar, es war “Kindertag”, natürlich müssen auch Sponsoren irgendwie mal prominenter in Erscheinung treten dürfen und sicher kann man über die Form der Unmutsbekundung trefflich streiten, aber mal ehrlich: erwachsene Menschen in überdimensionierten Plüschkostümen passen so sehr ins HKS wie Zuschauerzuspruch und Fankultur nach Halle. Bleibt zu hoffen, dass die akkustische und schriftliche Rückmeldung der aktiven Fanszene in den Führungsgremien des Vereins Gehör findet und derlei Unsinn in unserem Stadion als Halbzeitunterhaltung in absehbarer Zeit nicht noch einmal stattfindet.

Durchgang 2 begann auf beiden Seiten ohne Wechsel, dafür aber mit einer Regensburger Mannschaft, die deutlich besser aus der Kabine kam als die Gastgeber. Vier Minuten waren gespielt, als bereits mehrere Standardsituationen geklärt und eine Erfolg versprechende Regenburger Konterchance über links vereitelt werden musste. Der FCM brauchte eine ganze Weile, um sich zu schütteln und in der zweiten Halbzeit anzukommen; ein Konter über Schwede, der zentral geschickt wird und dann rechts, allerdings ein Stück zu lang, auf Michel Niemeyer ablegt, war die erste Offensivaktion für Blau-Weiß in den zweiten 45 Minuten. Ganz anders Regensburg: der Gast am Drücker, ballsicherer, zielstrebiger und mit einigen guten Versuchen im Spielaufbau, die aber allesamt nicht in hochkarätigen Abschlüssen mündeten. So ein wenig hatte man den Eindruck, dass man diese Drangphase der Gäste möglichst unbeschadet überstehen sollte, wollte man hier als Sieger vom Platz gehen.

Und dann steht es plötzlich 1:0 für die Größten der Welt.

In der 62. Minute gibt es eine Ecke von der linken Seite. Der Ball segelt hoch in den Strafraum und findet am langen Pfosten vollkommen ungedeckt Abwehrchef Steffen Puttkammer, der zum viel umjubelte Führungstreffer einnicken kann. Bierbecher flogen (auf die gute Art), Menschen lagen sich in den Armen und der eine oder andere mag sich bei der Entstehung des Tores an Chemnitz und Kiel erinnert gefühlt haben – nur eben früher im Spiel und diesmal für die richtige Mannschaft. Der Spielverlauf in der 2. Halbzeit war zu dem Zeitpunkt zwar ziemlich auf den Kopf gestellt, aber das war in diesem Moment natürlich vollkommen egal: “Olé, FCM!” und jetzt das Ding mal über die Zeit bringen.

Und Regensburg? Machte einfach genau da weiter, wo sie vor dem Gegentreffer aufgehört hatten, nur mit noch einem Ticken mehr Engagement und vielleicht ja auch ein bisschen Wut im Bauch. Und das sollte sich bezahlt machen: Gute zwei Minuten waren nach Puttkammers Treffer gespielt, da steht es auch schon 1:1. Ein Regensburger Eckstoß wird in den Rückraum auf Benedikt Saller gespielt, der schießt, den Ball perfekt trifft und ihn unhaltbar für Leopold Zingerle in die vom Torwart aus rechte Ecke versenkt. Der Ausgleich zu diesem Zeitpunkt eigentlich konsequent und, wenn man da so frei zum Schuss kommen darf und eben auch vorher schon deutlich mehr vom Spiel hatte, absolut verdient. Alles zurück auf Anfang also, für den Moment jedenfalls.

Jetzt ging es rund, weil nun der FCM seinerseits einiges nach vorn warf und dementsprechend auch zu Chancen kam: In der 65. Minute scheitert Christian Beck, von Marius Sowislo klug bedient, am insgesamt hervorragenden Philipp Pentke, zwei Minuten später ist es erneut Steffen Puttkammer, der nahezu analog zum 1:0 zum Kopfball kommt, Pentke aber ebenfalls nicht überwinden kann. Und gerade, als man dachte, dass demnächst eigentlich mal ein Ball durchrutschen könnte, klingelte es erneut auf der anderen Seite: nach einem Einwurf von Regensburg kommt Erik Thommy an der Strafraumgrenze an den Ball, nimmt ihn direkt und trifft Sonntagsschuss-mäßig, aber technisch brilliant zum 1:2.

Jetzt war es an Jens Härtel, zu reagieren, und das tat er auch: In der 75. Spielminute wechselte er zum ersten Mal, Julius Düker kam für Michel Niemeyer; Manuel Farrona Pulido machte für Ahmed Waseem Razeek Platz. Und der hatte gleich großes Glück, dass sein Arbeitstag nicht schon nach 2 Minuten verletzungsbedingt wieder beendet war. 77 Minuten sind gespielt, als Andreas Geipl und eben Razeek versuchen, einen freien Ball im Mittelkreis zu erlaufen. Beide gehen mit voller Geschwindigkeit, aber aus unterschiedlichen Richtungen in den Zweikampf, und während Razeek tatsächlich an den Ball kommt, räumt Geipl lediglich den Gegenspieler ab. Thorben Siewer zögert nicht allzu lange und zeigt glatt rot – der FCM nun also 13 Minuten plus Nachspielzeit in Überzahl.

Härtel setzte nun verständlicherweise voll auf Offensive und brachte in der 80. Minute Gerrit Müller für Niklas Brandt. Allein, die zündenden Ideen nach vorn wollten sich auch mit dieser Einwechslung nicht so richtig einstellen. Im Gegenteil hatte es den Anschein, als wolle der FCM vor allem schnell zum Ausgleich kommen, was zur Folge hatte, dass man die durchaus vorhandenen Offensivaktionen einfach nicht konsequent und geduldig genug zu Ende spielte. Da lief hier mal ein Pass ins Leere, dort mal ein Teamkollege nicht mit und/oder in die Gasse – alles wertvolle Zeit für Regensburg, die der Gast natürlich (ohne es allerdings zu übertreiben) mit den üblichen Mitteln für sich zu nutzen wusste.

Zwei Gelegenheiten sollten sich für Blau-Weiß trotzdem noch ergeben: In der 84. Minute flankt Nils Butzen von rechts in den Strafraum zu Christian Beck, der auf Steffen Puttkammer ablegen kann. Dessen Schuss hält Philipp Pentke dann aber stark. Nach 88 Minuten ist es Beck selbst, der mit der Riesengelegenheit zum Ausgleich scheitert. Diesmal von Regensburg und einem Abwehrfehler auf der linken Seite in Szene gesetzt, fliegt sein Abschluss nur knapp am rechten Pfosten vorbei. Es war verhext; man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein zweiter Treffer für die Größten der Welt an diesem Nachmittag einfach nicht mehr fallen wollte. Drei gute Kontergelegenheiten für Regensburg und ein Abseitstor von Julius Düker nach elegantem Lupfer über Philipp Pentke später war dann auch Schluss. Regensburg feierte verdient, während sich im weiten Rund naturgemäß erst mal Ernüchterung breit machte.

Wie lässt sich die Partie nun unter dem Strich bewerten? Festzuhalten bleibt am Ende des Tages vermutlich, dass man das Spiel nicht verlieren muss, wenn man wenigstens eine der sehr ordentlichen Gelegenheiten, die beileibe nicht nur aus Standards resultierten, einfach mal nutzt. Festzuhalten bleibt ebenfalls, dass man an diesem 32. Spieltag auf eine hervorragend eingestellte Regensburger Mannschaft traf, die eben auch den einen oder anderen exzellenten Kicker im Kader hat und gegen die ein für Drittligaverhältnisse hochklassiges Match schon auch mal verloren gehen kann. Festzuhalten bleibt schließlich aber auch, dass man solche Spiele im Aufstiegskampf in dieser Phase der Saison gegen direkte Konkurrenten schlicht und ergreifend gewinnen sollte, will man seine Ansprüche auf die 2. Liga wirklich zementieren.

So hat man das Klassement sechs Runden vor Schluss noch einmal ein Stück weit spannender gemacht, Holstein Kiel aufgrund der deutlich besseren Tordifferenz vorbeiziehen lassen und den direkten Aufstieg aus eigener Kraft erst einmal aus der Hand gegeben – was beileibe (noch) kein Beinbruch ist, die jetzt anstehende Aufgabe bei Hansa Rostock allerdings auch nicht wirklich einfacher macht. Aber sei es drum. An Aufgaben kann man wachsen. Und wenn es hinten raus so läuft wie in der Hinrunde, müsste es schon mit dem Teufel zugehen, wenn aus einer sehr guten Saison nicht noch eine herausragende wird. In diesem Sinne: nur noch 6!

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