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Ein Spiel, zwei Perspektiven: SG Dynamo Dresden (H)

Dynamo Dresden

Drei Spiele, drei Niederlagen, 0:5 Tore, so die bisherige Bilanz des 1. FC Magdeburg in der Rückrunde. Auch im Duell mit dem alten Rivalen aus Dresden gab es für den Club nichts zu holen, wenngleich das Team von Trainer Thomas Hoßmang auf dem Acker im Heinz-Krügel-Stadion nicht so sang- und klanglos unterging wie noch zuletzt gegen den TSV 1860 München. Am Ende waren es schlechte Entscheidungen vor dem Tor und eine Slapstick-Abwehr-Situation, die die Punkte kosteten. Irgendwie passt das perfekt in das Bild, das der 1. FC Magdeburg derzeit abgibt. Es ist traurig. Der Blick auf das Duell mit der SG Dynamo Dresden:

Meine Erwartungen vor der Partie:

Nicole:

Wie sagte ein Kumpel so treffend vor dem Spiel? „Mir ist gar nicht nach Derby und ich habe gar keine Erwartungen“. So erging es mir auch. Das Stadion immer gleich leer zu sehen und dann mit den negativen Unkenrufen vorab, macht die Situation nicht besser. In solch einer bescheidenen Lage braucht es unabdingbar die Fans, die noch ein wenig mehr pushen. Doch die Coronazeit ist eine Zeit, die uns hier echt alles abverlangt. So auch vor diesem Derby, was vorher immer Kribbeln verursacht hatte. Doch heute war es irgendwie wie immer. Alles gleich. Und immer alles gleich deprimierend.

Alex:

Das Interview mit Otmar Schork bei „Neues vom Krügel-Platz“ war für mich der letzte emotionale Sargnagel in diese Saison. Wenn der Sportdirektor die derzeitige Lage wirklich so sieht, wie er sie ja nun schon zum wiederholten Mal dargestellt hat, und wenn das auch intern Konsens ist, ist der Club wohl verloren. Insofern beschäftigen mich im Moment ganz andere Dinge (die AOMV zum Beispiel) als so ein eigentlich ja schönes, weil traditionsreiches und emotionales Duell mit der SGD. Sprich: Derbystimmung kam bei mir überhaupt nicht auf und die Erwartung war, dass Dresden uns ordentlich einen einschenken wird. Auf eine Niederlage gehofft, aus Gründen, hatte ich trotzdem nicht. Ich möchte nicht, dass mein Verein absteigt, und wäre mit einem Unentschieden gegen den Tabellenführer wohl zufrieden gewesen.

So habe ich das Spiel verfolgt:

Nicole:

In der leeren MDCC-Arena. Im Eisschrank. Wie gefühlt bei jedem Heimspiel. Meine Finger waren schon vor Anpfiff zu Eis gefroren. Dennoch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben und die Jungs auch permanent angefeuert. Und es begann ja auch recht druckvoll. Viel Ballbesitz und dann ist Sissi Conteh in der 9. Minute frei vor Torhüter Kevin Broll und vergibt. Unsere Köpfe hingen und versuchten dennoch immer wieder etwas Motivation auf den Rasen zu transferieren. Die Jungs wollten und Dresden war heute anfällig, was unsere Chance war. Doch, wie immer, machten wir irgendwie nichts draus. Der Gegner stand immer im Weg, kam wieder und wieder irgendwie mit dem Zehnagel an den Ball und durchschlug unsere Torchancen. Der Rasen war in keinem guten Zustand und ähnelte eher einer Sandpiste. Meine Hoffnung fror aber nicht ein wie meine Finger und je länger das Unentschieden auf der Anzeigetafel stand, um so mehr wünschte ich mir den verdienten Punkt. Bis Tobi Müller über den Ball tritt und Heinz Mörschel dies zum Siegtreffer ausnutzte. Wieso passiert das nicht dem Gegner? Wieso bekommen wir keinen Handelfmeter? Immer wieder diese Fragen und ich fühle mich im Strudel festgehalten, versuche herauszuschwimmen und stecke fest. Wie mein großer 1.FC Magdeburg.

Alex:

Mal wieder in der Skype-Konferenz mit den Freunden aus dem Fanclub. Dass wir uns in der ersten halben Stunden eigentlich ausschließlich über US-Sport und den anstehenden Super Bowl unterhielten, lag auch am Spiel, mehr noch aber daran, dass wir uns im Moment halt wenig sehen und einfach mal wieder das Bedürfnis hatten, zu quatschen. Und es war schön; die Partie im TV und auf dem Geläuf, das früher wohl mal ein Rasen gewesen sein muss (die Älteren erinnern sich), gab ja auch nicht so furchtbar viel her, über das man hätte diskutieren können …

… was der Mannschaft gegenüber vermutlich nicht so ganz fair ist. Immerhin hatte Conteh in Halbzeit 1 eine gute Möglichkeit, auf 1:0 für seine Farben zu stellen und immerhin trat Dynamo bei weitem nicht so dominant auf, wie zumindest ich das erwartet hatte. In der Halbzeitpause hatte ich jedenfalls das Gefühl, dass was gehen könnte. Naja, und dann gab es irgendwann den inzwischen ja schon obligatorischen Gegentreffer, den die Jungs im Skype-Call wieder 30 Sekunden eher sahen. Das war interessant, weil die Reaktionen durchaus unterschiedlich ausfielen. Als die Szene dann endlich auch bei mir ankam, schlug ich nur noch die Hände über dem Kopf zusammen. Klar, dass wir in unserer Situation genau solche Tore fressen. Das gibt es einfach alles gar nicht mehr, Horrorshow und kein Ende … Dann die vermeintliche Elfmetersituation, späte Wechsel – und nach Abpfiff erst einmal die Übersprungshandlung, lieber die inzwischen fertig gewordene Wäsche aufzuhängen, als noch groß in die sozialen Netzwerke zu schauen.

Die Partie in maximal fünf Worten:

Nicole:

Wir schlagen uns immer selbst.

Alex:

Große Chance vertan. Mal wieder.

Das bleibt in Erinnerung:

Nicole:

Eine sandiger Rasen. Ein leeres Stadion. Das gleiche doofe Gefühl nach Abpfiff. Ich will einmal nicht diese laute und furchtbare Musik aus der Gästekabine hören. Das Feiern und Grölen. Ich will auch wieder feiern und freudestrahlend meinen Heimweg antreten. In Erinnerung von diesem Spiel bleibt mir damit nur das, was mir auch schon bei den letzten Heimspielen in Erinnerung blieb. Fussball in der Coronakrise ist einfach ganz schwere Kost.

Alex:

Die erschreckende Emotionslosigkeit, mit der ich die Niederlage zur Kenntnis genommen habe. Siehe oben, seit dem Interview mit Otmar Schork haben sich „Hoffnung“ und „einfach nur noch ertragen“ irgendwie die Klinke in die Hand gegeben. Ist aber vielleicht auch gar nicht so verwunderlich, wenn neue Impulse von außen vom Sportdirektor grundsätzlich ausgeschlossen werden und das Ergebnis irgendwelcher Analysen Populismusvorwürfe und dreimal ausgelutschte Phrasen und Durchhalteparolen sind. Mich holt das alles nicht mehr ab.

Weiter geht’s jetzt gegen Türkgücü, wenn das Wetter mitspielt. Vielleicht klappt es ja dort mit Punkten. Wir werden sehen.

Das Foto des Spieltags:

Dynamo Dresden

(c) Nicole Otremba

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