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Ein Spiel, zwei Perspektiven: Hallescher FC (A)

HFC

Es war klar, dass der 1. FC Magdeburg nicht plötzlich jedes Spiel gewinnen wird. Weniger klar ist allerdings, warum es das Trainerteam bei einem Kader, der 32 Spieler umfasst, innerhalb von acht Tagen drei Mal mit der nahezu identischen Startformation versucht. Man braucht vermutlich kein Sportwissenschaft-Studium, um zu verstehen, dass auch bei den besten konditionellen Grundlagen dann irgendwann mal die Körner fehlen. Tja, und wenn man hinten raus nicht nur Zweikämpfe, sondern auch noch das Duell auf der Trainerbank verliert (zum zweiten Mal), steht man eben zum Rückrundenauftakt mit leeren Händen da. Der Blick auf die Begegnung am 20. Spieltag:

Meine Erwartungen vor der Partie:

Nicole:

Anknüpfen an die vergangenen zwei Siege und gerade gegen den Konkurrenzverein des Landes. Das Hinspiel wurde ja auch verloren und so erhoffte ich mir eine Wiedergutmachung im Rückspiel. Ansonsten war ich froh, dass diese Partie auch vor leeren Rängen ausgetragen werden musste. Es reichte mir schon im letzten Jahr, dass hier so viele Vereinsangehörige im Stadion saßen, die richtig Radau machten. Auch in diesem Spiel wollte ich einfach nur, dass sie nichts zum Jubeln hatten.
Aufgrund des straffen Programms aktuell muss ich aber auch sagen, dass meine Erwartungen stark heruntergeschraubt waren. Drei Siege in Folge wären natürlich ein Traum, aber die Körper der Spieler sind auch fertig und brauchten eine Pause. Aber die Spieler wollten. Die Hereinnahme von Maximilian Franzke in den Kader machte mir Mut, dass wir den Lucky Punch setzen konnten.

Alex:

So blöd das jetzt im Nachhinein klingt, aber: Ich habe tatsächlich eine wenigstens mal mittelgroße Rotation erwartet und war sehr erstaunt, dass lediglich Alexander Bittroff (ausgerechnet der!) eine Pause erhielt und für ihn Brian Koglin von der Tribüne in die Startformation rotierte. Naja, und ansonsten hoffte der irrationale Clubfan-Teil in mir natürlich darauf, dass das Team seinen kleinen Lauf fortsetzen könnte und wir den Auftakt in die Rückrunde erfolgreicher gestalten würden als den Start in die Punktspiele im September des letzten Jahres. Zuversicht war jedenfalls vorhanden und mit Punktegarant Steininger in der Startelf statistisch ja auch legitimiert – schade nur, dass die zweite Halbzeit dann mal wieder zeigte, wo in dieser Spielzeit ein größerer Teil unserer Probleme liegt.

So habe ich das Spiel verfolgt:

Nicole:

Ich durfte dem Spiel im (fast) leeren Erdgas-Sportpark beiwohnen. Rechts hinter mir die nicht nominierten Spieler des Gegners. Und drum herum überall verstreut eine Menge an heimischen Anhängern. Das spürte man, wenn sie auf unser Tor zugingen. Es wurde lauter und lauter.

Meine Finger tickerten, was das Zeug hielt. Für mich gab es vor dem Spiel nur zwei klare Varianten. Entweder wir gewinnen das Ding oder wir verlieren es so richtig doof. Und so kam es ja leider auch. Mit einem Unentschieden hatte ich zwischenzeitlich schon fast abgeschlossen. Die Nachspielzeit war, meines Erachtens, nur den vielen Wechseln geschuldet. Doch warum konnte der Fussballgott heute nicht auf unserer Seite sein? Ich wusste die Antwort: Er will es, wie jedes Jahr, spannend machen.

Das Spiel selbst war ausgeglichen. Zu Beginn machten wir mehr, aber die Müdigkeit bei einigen war spürbar. Irgendwann spielte der Gegner dann mit und war in den Torchancen zwingender. Unser Angriffsspiel wurde zeitig unterbunden, wir bekamen keine Räume, um uns mehr zu entfalten. Ich denke, dass war letztlich auch der ausschlaggebende Punkt. Einige Spieler konnten nicht an die Power anknüpfen, was aber auch völlig normal ist. Als wir dann die Großchance am Ende hatten, Maximilian Franzke den Ball am rechten Torpfosten um den Torwart spielen wollte und sowohl Beckus als auch Bertram diesen nicht ins Tor bekamen, da war einem klar: Mist – wenn Du den nicht rein machst, dann verlierst Du noch. Zum Schluss war nur noch wahnsinnige Enttäuschung zu spüren. Bei uns allen. Bei den Spielern, beim Trainerstab, bei den Betreuern … und auch bei mir. Diese Jubelszenen gingen mir sowas von auf den Keks und ab jetzt werde ich jeder Gegnermannschaft des Clubs hier noch mehr die Daumen drücken.

Alex:

Vor dem Fernseher, im Skype-Call mit dem besten Kumpel und mit dem MDR, der das Spiel neben MagentaSport ja auch übertrug. Die erste Hälfte war eigentlich ganz okay, vor allem unsere rechte Seite ziemlich gefällig und Abschlussgelegenheiten gab es ja auch – wenngleich die Gastgeber irgendwie die gefährlichen Möglichkeiten hatten. Einig waren wir uns trotzdem: Die Mannschaft reißt zwar gerade keine riesigen Bäume aus, das 0:0 zum Pausentee geht aber klar.

Durchgang 2 war dann leider einmal mehr FCM-Fußball zum Abgewöhnen, was auch daran lag, dass der gegnerische Trainer seinen Spielern in der Halbzeitpause offenbar Lösungen an die Hand geben konnte, die unser Offensivspiel weitgehend zum Erliegen brachten. Auf unserer Seite gab es derweil vor allem Probleme: Probleme, den Ball mal länger als drei Pässe in den eigenen Reihen zu halten, Probleme, den Ball auf’s gegnerische Tor zu bringen und Probleme auch, die fünf erlaubten Wechsel so zu nutzen, dass sie unserem Spiel die nötigen Impulse geben. Kurzum: Es war wieder ein weitgehend freudloses Schauen in der zweiten Halbzeit, das dann natürlich vom mehr als ärgerlichen Gegentor getoppt wurde. So ein richtiger Tiefschlag war der Treffer für mich aber tatsächlich nicht – dafür hatten wir vorher schon ein paar Mal viel zu viel Glück, dass die Gastgeber im Strafraum einfach zu blind zum Toreschießen waren.

Die Partie in maximal fünf Worten:

Nicole:

Mist. Doppelter und Dreifacher Mist.

Alex:

Kopf hoch, Morten! Passiert.

Das bleibt in Erinnerung:

Nicole:

Eine unnötige Niederlage in Merseburg-Nord. Kein Sieg in dieser Saison und pure Enttäuschung. Etwas Positives bleibt – die Rückfahrt ist nur kurz und die Luft in der Heimat eh schöner.

Alex:

Die Jubelpose von Terrence Boyd, der erst in den leeren „Fan“-Block brüllte und sich irgendwann später noch eine farblich sehr unangenehme Fahne schnappte. Das war schon ein bisschen ärgerlich.

Ansonsten bleibt eben der zweite Durchgang in Erinnerung, in dem wenig passte und nach dem ich mir jetzt die Frage stelle, ob die Herrlichkeit nicht vielleicht schon wieder vorbei ist. Ich meine, Florian Schnorrenberg wird nicht der einzige Trainer bleiben, der unsere Spielanlage ausgeguckt hat und entsprechend drauf reagieren konnte. Gleichzeitig sind großartige Veränderungen „von innen heraus“ nach allem, was bisher in der Saison so zu sehen war, bei uns ja nicht zu erwarten. Und da Otmar Schork dem Kader nicht unbegrenzt neue Spieler zuführen kann, die uns sofort weiterhelfen, wird es eben spannend sein, zu sehen, ob Thomas Hoßmang und sein Team bei der Lotterie „11 auf 32“ in den nächsten Tagen und Wochen ein glückliches Händchen haben.

Überhaupt: 32 Spieler (mit ein paar Verletzten, klar), nur englische Wochen im Januar und kaum mal Rotation. Worüber sagt das eigentlich mehr aus? Über die Kaderplanung im Sommer, die Mario Kallnik und Thomas Hoßmang in enger Abstimmung gemeinsam vorgenommen haben, über das Vertrauen des Trainers in seine Spieler oder über ein, nun ja, recht eigenes Verständnis von Belastungssteuerung? Ist schon alles sehr merkwürdig, mal wieder (oder immer noch). Und ich bin wirklich sehr gespannt, was gegen 1860 München so passiert …

Das Foto des Spieltags:

HFC

(c) Nicole Otremba

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