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„Döp, döp, döp…“

31. Spieltag

Chemnitzer FC – 1. FC Magdeburg, 31. Spieltag, 1:1 (0:0)

Es hätte alles so schön sein können. Flutlichtspiel in Chemnitz, ein voller und richtig lauter Gästeblock, eine sehr gute Magdeburger Mannschaft, eine rassige Partie und irgendwann das verdiente Tor für die Größten der Welt. Wenn, ja wenn da nicht diese verdammten letzten 3 Minuten wären, die man in Zukunft bei einer knappen Führung für Blau-Weiß in einem Auswärtsspiel vielleicht einfach weglassen sollte. 1:1 trennten sich der Chemnitzer FC und der 1. FC Magdeburg am 31. Spieltag schließlich noch, weil Berkay Dabanli nach einer Ecke für die Sachsen in der 88. Minute am zweiten Pfosten vollkommen ungestört einköpfen kann und Tarek Chahed mit der letzten Aktion des Spiels die Riesenchance auf die erneute Führung liegen lässt. Ärgerlich, das, wobei es ja auch mal wieder einigermaßen schräg ist: Vor der Partie hätte man einen Punktgewinn in Chemnitz in der Mitte der englischen Woche sicher sehr bereitwillig unterschrieben. So bleibt irgendwie das Gefühl, doch eher zwei Zähler verloren als einen gewonnen zu haben. 

Jens Härtel baute seine erste Elf für die Partie erwartungsgemäß erneut um und ließ erstmals in dieser Saison Piotr Cwielong von Beginn an spielen. Er nahm vorne links die Position von Florian Kath ein, der mit einem Syndesmoseband-Anriss wohl zwei Wochen ausfallen wird. Im Sturmzentrum startete Julius Düker für Christian Beck, vorn rechts übernahm Tarek Chahed wieder den Startelf-Posten von Manuel Farrona Pulido. Auf den Außenbahnen im Mittelfeld änderte sich nichts; links begann Tobias Schwede, rechts Nils Butzen. Zentral rückte Jan Löhmannsröben für den ebenfalls verletzten Charles Elie Laprevotte (Muskelfaserriss) in die Startformation, daneben spielte Kapitän Marius Sowislo. In der Dreier-Abwehrkette ersetzte Steffen Puttkammer Richard Weil, der sich im Spiel gegen Erfurt einen Lendenwirbelbruch zugezogen hatte. Links lief Nico Hammann, rechts Christopher Handke auf. Im Tor, wie gewohnt, Leopold Zingerle.

Die ersten Spielminuten setzten gleich den Grundton für die gesamte Partie, und zwar sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen. Dank des überdachten und mit über 1.500 Clubfans an einem Dienstagabend sehr, sehr ordentlichen gefüllten Gästeblocks wurde es vom Start weg direkt mal richtig laut und auch auf dem Rasen entwickelte sich ein schnelles, intensives Drittliga-Spiel. Die Anfangsphase gehörte dabei, was so vielleicht nicht unbedingt zu erwarten war, den Gästen, die nach einem Foul an Nils Butzen auf der linken Seite durch einen Hammann-Freistoß nach 10 Minuten erstmals aussichtsreicher vor das Chemnitzer Tor kamen. Der CFC antwortete direkt mit zwei schönen Angriffen über die eigene rechte Seite, bei denen der FCM Glück hat, dass die scharfen Hereingaben in der Mitte nicht verwertet werden konnten.

Bei diesem Bild blieb es zunächst: Beide Mannschaften gingen jeweils hohes Tempo und arbeiteten sich mit schnellen Vorstößen immer wieder in die Nähe der jeweiligen Strafräume, trafen dort aber auf Abwehrreihen, die nur wenig zuließen. Die erste richtig gute Gelegenheit für den Club ergibt sich nach 16 Minuten dann folgerichtig auch nach einer Standardsituation: Nico Hammann bringt eine Ecke von links, Marius Sowislo nimmt den Ball in der Mitte direkt, setzt ihn dann aber doch ein gutes Stück über den Kasten. Danach beruhigte sich die Partie zunächst ein wenig, ohne aber an Intensität zu verlieren, wenngleich die Teams nun gefühlt einen Gang herunterschalteten und es statt schnellem Spiel eher mit ruhigem, geordneten Spielaufbau versuchten. Nach einer guten halben Stunde dann die nächste Gelegenheit für Blau-Weiß: Der starke und erneut enorm fleißige Tarek Chahed findet Julius Düker im Zentrum, der mit der Ballannahme allerdings ein Stückchen zu weit nach links gedrängt wird und dessen Flachschuss für Kevin Kunz im Chemnitzer Tor letztlich kein Problem darstellt.

Diejenigen Stadionbesucher, die es mit der Heimmannschaft hielten, dürften nach 37 Minuten erstmals den Torschrei auf den Lippen gehabt haben: Aus dem Mittelfeld gibt es einen Steilpass zur Grundlinie, bei dem sich Nico Hammann und Steffen Puttkammer kurz nicht einig sind, wer ihm hinterher gehen soll. Philip Türpitz kümmert das wenig, er nutzt den Sekundenbruchteil Vorsprung, um sich den Ball zu erlaufen und völlig frei in den Strafraum zu marschieren. Dort eröffnen sich ihm nun gleich mehrere Optionen; statt aber aus 5 Metern selbst abzuschließen, entscheidet er sich für den Pass in die Mitte, wo Dennis Mast aus gut 16 Metern frei zum Schuss kommt und Christopher Handke trifft, der goldrichtig steht und auf der Linie klären kann. Großes Glück für den FCM – eigentlich muss da das erste Tor der Begegnung fallen.

Diese Szene war für die ersten 45 Minuten so ein wenig symptomatisch: Wenn es durch den Chemnitzer FC gefährlich wurde, dann vornehmlich über die linke Magdeburger Abwehrseite, auf der es den Hausherren immer wieder gelang, mit viel Tempo zu gefährlichen Pässen in den Strafraum zu kommen. Jetzt mag die Wahrnehmung dadurch, dass sich das Geschehen in diesen Fällen direkt vor dem Gästeblock abspielte, etwas verzerrt sein; man konnte sich aber des Eindrucks nicht erwehren, dass sich der CFC diese Seite irgendwann ordentlich ausgeguckt hatte. War die überspielt, stand die Innenverteidigung aber sicher, sodass sich weitere Großchancen nicht ergaben und Schiedsrichter Daniel Siebert pünktlich zum Pausentee bat.

Im zweiten Durchgang sollte eine ohnehin schon äußerst unterhaltsame Partie dann noch einmal ein gutes Stück weiter Fahrt aufnehmen, Strafraumszenen gab es jetzt fast im Minutentakt. Direkt nach Wiederanpfiff spielt Chemnitz einen langen Ball in Richtung Magdeburger Sechzehner; Steffen Puttkammer und Leopold Zingerle klären allerdings gemeinschaftlich vor dem spekulierenden Chemnitzer Angreifer. Fast im direkten Gegenzug kommt Nils Butzen von rechts zur Flanke und Kapitän Sowislo mit dem Kopf an den Ball, kann ihn aber nicht gefährlich genug in Richtung Tor drücken. Die nächsten Minuten gehörten dann mehr oder weniger Tobias Schwede: in kurzer Folge kann er sich auf seiner linken Seite gleich mehrfach durchsetzen und den Ball in die Mitte bringen, findet dort aber keinen Abnehmer. Die vielleicht beste Gelegenheit in dieser Phase hat Tarek Chahed nach 56 Minuten: Über Tobias Schwede und Marius Sowislo wandert der Ball auf die rechte Seite, wo Butzen flach auf den gut einlaufenden Chahed spielt und dessen Direktabnahme einen gute Meter über die Latte pfeift.

Wie es dann immer so ist, wenn eine Mannschaft Tempo macht, ergaben sich aber auch für den Chemnitzer FC einige Räume und gute Kontergelegenheiten. So zum Beispiel nach 57 Minuten: ein schneller Gegenstoß wird sofort und schnörkellos von rechts aufs Tor gebracht, Zingerle ist irgendwie noch dran, kann den Ball auch abwehren, aber nicht festhalten und hat insgesamt ein wenig Glück, dass kein Chemnitzer Spieler mitgelaufen war und den vor der Chemnitzer Kurve herumeiernden Ball einfach über die Linie drückt. Jetzt war richtig Geschwindigkeit im Spiel und auch der Support im Gästeblock zog noch einmal ordentlich an. Nur eine Minute nach der Konterchance ist es erneut der FCM, der aussichtsreich vor das Tor kommt. Tarek Chahed geht aggressiv auf den spieleröffnenden Chemnitzer Innenverteidiger, erläuft sich den Ball im Strafraum, kommt zum Abschluss und fällt – Kevin Kunz im Chemnitzer Tor hatte aber vorher stark pariert und trifft Chahed wohl nicht Elfmeter-würdig. Schiedsrichter Siebert entscheidet jedenfalls sofort auf „weiterspielen“ und lag damit vermutlich auch richtig.

Nach einer Stunde war der Arbeitstag für Piotr Cwielong beendet, der bei seinem Startelf-Debüt recht blass blieb, für ihn kam Manuel Farrona Pulido in die Partie. Richtig interessant wurde es erst zwei Minuten später wieder, allerdings aus Magdeburger Sicht auf der falschen Seite. Es gibt zunächst Freistoß für Chemnitz, den der CFC dreimal probieren darf, bis er dann endlich auch regulär ausgeführt wird. In der Mitte kommt Daniel Frahn an den Ball und köpft zum viel umjubelten 1:0 für die Gastgeber ein. Das Stadion rastet aus (jedenfalls nach den Maßstäben, die man in Chemnitz wohl anlegen muss), die Tormusik ertönt – Siebert und sein Linienrichter machen aber die Spielverderber und entscheiden auf Abseits. Eine Fehlentscheidung, wie die Fernsehbilder und einige WhatsApp-Nachrichten der Daheimgebliebenen nahelegen. Auf der Rückfahrt später ist man sich allenthalben sicher: Gibt Siebert den Treffer, wird es für den 1. FC Magdeburg ganz, ganz schwierig.

Derweil im Gästeblock: Auf den ersten Schock folgt die Erleichterung folgt die Häme, und das in nur ungefähr einer Minute. Großartig auch: Weil die Stadionregie die Tormusik nicht rechtzeitig abgestellt bekommt, tönt das Scooter-„Döp, döp, döp“ noch durchs weite Rund, als das Tor längst aberkannt ist – verstärkt durch 1.500 Magdeburger, die da nun natürlich bereitwillig einstimmen. Es konnte zu dem Zeitpunkt ja auch noch keiner ahnen, dass es kurz vor Spielende noch die Retourkutsche geben sollte…

Weiter 0:0 jedenfalls und nun erneut der FCM am Drücker. Zunächst ist es Nico Hammann, der aus dem zentralen Mittelfeld einen guten Ball auf Julius Düker schlägt, dessen Kopfball zur Ecke geklärt wird. Für Düker war es die letzte Aktion, kurz darauf verlässt er das Spielfeld und macht Platz für Christian Beck. Zwei Eckbälle später dann die zu diesem Zeitpunkt absolut nicht unverdiente Magdeburger Führung: Den hohen Ball von rechts erreicht Marius Sowislo zuerst, trifft mit der Schulter nicht nur mitten ins Chemnitzer Herz, sondern auch zum 1:0 für seine Farben und sorgt im Gästeblock direkt mal für eine ordentliche Eskalation. Es folgen weitere gute Aktionen für die Größten der Welt, bei denen allerdings immer entweder ein Chemnitzer im letzten Moment stören kann oder kein Blau-Weißer an der entscheidenen Stelle steht, um die Hereingaben (unter anderem von Farrona Pulido und der linken Seite) zu verwerten. Jens Härtel wird in der Pressekonferenz nach dem Spiel davon sprechen, dass es nach der Führung einfach nicht gelang, den berühmten Sack zuzumachen. Was natürlich stimmt und ärgerlich ist, weil selbstverständlich auch die Chemnitzer noch mitspielten, mit zunehmender Spieldauer immer aggressiver drückten, allerdings auch aus der Partie heraus keine großen Ideen entwickeln konnten, wie man die Magdeburger Abwehr wohl knacken könnte.

Wie so oft, ging nun ungefähr alle 30 Sekunden der Blick zur Uhr; die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Chemnitz spielt geduldig, der Club steht hinten drin, dafür aber sicher und bekommt die Angriffe der Hausherren eigentlich immer ganz gut geklärt. Nach 88 Minuten gibt es dann einen Eckball für Chemnitz. Standardsituation. Klar. Noch einmal ordentlich verteidigen, das Ding raushauen und gut ist. So eine Situation wie in Kiel wird ja hoffentlich nicht innerhalb weniger Wochen fast deckungsgleich zweimal passieren. Der Ball kommt hoch in den Strafraum – und am langen Pfosten steht Berkay Dabanli mutterseelenallein und hat selbstverständlich keine Probleme, den Ball mit Wucht über die Linie zu nicken. 1:1. Es war nicht zu fassen. Und mitten in den Ärger erneut das „Döp, döp, döp“, nur, dass es diesmal die Chemnitzer Anhängerschaft war, die inbrünstig mitsang.

Der Chemnitzer FC hatte nun natürlich Momentum und wollte noch ein kleines bisschen mehr als einfach nur den einen Punkt. In der 90. Minute gibt es noch einmal Freistoß links an der Magdeburger Strafraumkante – der Ball geht aber deutlich in die Mauer und wird anschließend aus der Gefahrenzone befördert. Durchatmen. Dann die allerletzte Aktion, wir sind schon in der Nachspielzeit. Wie schon x-mal zuvor läuft Tarek Chahed die Chemnitzer Innenverteidigung beim Spielaufbau an. Auch diesmal hat er wieder Erfolg, gewinnt den Ball und schaltet mit selbigem am Fuß sofort in Richtung Chemnitzer Strafraum um. In der Mitte läuft Christian Beck mit, der den Ball nur auf den Fuß serviert bekommen muss und wer weiß, wie das Spiel ausgeht, wenn Chahed nicht viel zu lange zögert und schließlich am (allerdings auch clever agierenden) Dennis Grote hängen bleibt, statt entweder selbst abzuschließen oder eben den Assist auf seinen Mittelstürmer zu bringen. Der Ball jedenfalls geklärt und kurz darauf, na klar, der Schlusspfiff. Große Enttäuschung natürlich im Block und – den Gesten nach zu urteilen – einiger Gesprächsbedarf unten auf dem Rasen.

Unter dem Strich bleibt ein sehenswertes, spannendes und den Traditionsduell-Umständen angemessen intensives Drittliga-Spiel, in dem der Chemnitzer FC völlig verdient einen Punkt gewinnt und der 1. FC Magdeburg im Aufstiegskampf zwei liegen lässt. Tabellarisch ändert sich allerdings nichts – auch im wichtigen Duell gegen Jahn Regensburg wird es wieder gelten, den zweiten Platz zu verteidigen.

Es bleibt also spannend. Nur noch 7!

Die Pressekonferenz zum Spiel (via YouTube)

2 Kommentare

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