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Abschlussfahrt

37. Spieltag

VfB Stuttgart II – 1. FC Magdeburg, 37. Spieltag, 0:1 (0:0)

Kinder, wie die Zeit vergeht! Hatten wir uns nicht gerade erst im Glutofen ‘Bruchwegstadion’ am 2. Spieltag der Saison 2015/2016 den ersten Fußball-Sonnenbrand der neuen, sehr aufregenden Spielzeit geholt? Gegen den VfB Stuttgart II gab es nun erneut einige knallrote Gesichter (und Oberkörper), aber nicht, weil die Größten der Welt beschämend schlechten Fußball gespielt hätten, sondern weil uns abermals die vollen 90 Minuten die Sonne ins Gesicht strahlte – diesmal allerdings beim letzten Auswärtsauftritt in unserer Drittliga-Premierensaison. Schon irre. Wusste man damals noch gar nicht so recht, was man von der Liga und vor allem dem Leistungsstand des eigenen Teams im Vergleich zur Konkurrenz so halten sollte, hat man nun sogar das Erreichen des 4. Tabellenplatzes am Saisonende in der eigenen Hand. 1:0 endete die Partie am 37. Spieltag aus Magdeburger Sicht, und das bei sommerlichen Temperaturen gegen eine bereits abgestiegene Stuttgarter Zweitvertretung auch vollkommen verdient.

Das Endergebnis spiegelt dabei ziemlich gut das Spielgeschehen wider, war die Stuttgarter U23 schließlich keinesfalls angetreten, um dem 1. FC Magdeburg die Punkte fein säuberlich verpackt und mit einer hübschen Schleife versehen auf dem goldenen Tablett zu servieren. So entwickelte sich vor 1.400 Zuschauern, von denen etwa 1.100 den Blau-Weißen die Daumen drückten, ein regelrechtes Kampfspiel, bei dem die äußeren Bedingungen sicherlich auch ihren Teil dazu beitrugen, dass im schmucken Stadion auf der Waldau nicht die ganz große Fußballkunst zu bewundern war. Jens Härtel hatte sein Elf im Vergleich zur letzten Begegnung gegen Großaspach auf einer Position verändert und ließ Niklas Brandt anstelle von Sebastian Ernst von Beginn an anlaufen. Hinten in der Dreierkette verteidigten zunächst David Kinsombi, Steffen Puttkammer und Nico Hammann, das Mittelfeld bildeten Michel Niemeyer, Jan Löhmannsröben, besagter Niklas Brandt und Nils Butzen, im Offensivbereich wirbelten Manuel Farrona Pulido, Christian Beck und Marius Sowislo. Bzw. wirbelten in der Anfangsphase eigentlich erst einmal die Stuttgarter, während Blau-Weiß in den ersten 15 Minuten Mühe hatte, den berühmten Zugriff auf die Begegnung zu bekommen. Das wiederum lag vor allem daran, dass es den jungen Schwaben auffallend oft gelang, sich aus engen Situationen spielerisch gut zu befreien, aber okay: Dass die Jungs alle hervorragend ausgebildet sind und richtig ordentlich kicken können, kann eigentlich niemanden überraschen.

Den ersten gefährlichen Abschluss für unsere Farben gab es schließlich in Spielminute 21: Der erneut (man braucht es ja eigentlich gar nicht mehr zu schreiben) auffällige Farrona Pulido kann sich auf seiner linken Seite gut durchsetzen und scharf in die Mitte spielen, wo Christian Beck zwar noch den Schlappen an den Ball, diesen aber nicht kontrolliert bekommt. Nur eine Minute später eine ganz ähnliche Szene, der ein langer Ball aus dem Mittelfeld und ein starkes Dribbling des Mannes mit der Nummer 9 vorausging; diesmal findet seine Hereingabe allerdings keinen Abnehmer. Von Stuttgart in dieser Phase nicht mehr viel zu sehen, was sich bis zum Pausenpfiff auch nicht wesentlich ändern sollte. Stattdessen weiter der Club im Vorwärtsgang: In Spielminute 33 verpassen nach einem Freistoß von rechts gleich 3 Spieler in aussichtsreicher Position den Kopfball, vier Minuten vor der Pause zieht Farrona Puldio einfach mal aus der zweiten Reihe ab und verfehlt das von Niklas Bolten gehütete Tor nur knapp. Inzwischen war auch Christopher Handke auf dem Feld, der seinen Vertrag ja jüngst um eine weitere Spielzeit verlängerte und in der 41. Minute Michel Niemeyer ersetzte, der mit einer Platzwunde über dem Auge ausgewechselt werden musste. Die Niemeyer-Position im linken Mittelfeld wurde von Nico Hammann übernommen, Handke rutschte in der Dreierkette auf die rechte Position. Und während im Block alle noch mutmaßten, wie sich das jetzt wohl auf das Spiel auswirken würde, weil so Sachen wie die Spieleröffnung jetzt nicht unbedingt zu den großen Stärken des Christopher Handke zählen, leitete der mit seinem ersten Ball aus der Abwehr gleich mal einen schönen Angriff ein, der zur letzten, allerdings ungenutzten Torchance in den ersten 45 Minuten führte.

Dann war Pause, und die kam wohl nicht nur für die Akteure auf dem Rasen, sondern insbesondere auch für den Stehplatzblock in der prallen Sonne hinter dem Tor gerade zur rechten Zeit. Die Stimmung war zwar gewohnt gut, eine gewisse Mattheit konnte man aber schon nicht von der Hand weisen. Und so dauerte es diesmal auch verhältnismäßig lange, bis man sich nach Wiederanpfiff geschlossen aufraffte und die Unterstützung der Mannschaft wieder aufnahm. Gut durchgebacken, fiel dann in Spielminute 46 auch direkt das Tor des Tages vor unserem Block: Erst klatscht ein Hammann-Freistoß an den Pfosten, dann gibt es ein bisschen Gewühl und Gestocher im Strafraum und schließlich ist es Kapitän Sowislo, der am schnellsten schaltet und den Ball zur Führung in die Maschen spitzelt. Das Tor jetzt so etwas wie der ‘Dosenöffner’ für die bis dahin eher zähe Begegnung; innerhalb einer Viertelstunde gab es auf beiden Seiten guten Gelegenheiten, fehlte aber jeweils das Abschlussglück. Nach zwei vielversprechenden Möglichkeiten für die Hausherren, im Zuge derer sich die Mannschaft insbesondere in der 52. Minute bei Jan Glinker bedanken darf, dass dieser gegen Owusu stark pariert, ist es zunächst Manuel Farrona Pulido, der auf 2:0 für seine Farben stellen kann: einen abgeblockten Ball nimmt er außerhalb des Strafraums aus dem Stand volley, jagt die Kugel aber wenige Zentimeter über den Kasten. Da hätte der Stuttgarter Torhüter keine Chance mehr gehabt. Ähnlich nur eine Minute später, als Niklas Brandt mit seinem Pfund an der Latte scheitert.

Nach 60 Minuten drängte sich so langsam der Eindruck auf, dass jetzt ruhig mal das zweite Tor fallen darf – dass der VfB Stuttgart II auch spät noch zuschlagen kann, hatten wir schließlich bereits im Hinspiel schmerzhaft erfahren müssen. Bis zur 75. Minute tat sich dann allerdings nichts mehr groß, hatte Blau-Weiß die Partie eigentlich gut im Griff und entstanden gute Situationen für den Gegner eigentlich nur, wenn man sich im Spielaufbau eine kleine Konzentrations-Auszeit gönnte. So zum Beispiel in der 80. Spielminute, in der Nils Butzen den Ball auf der rechten Seite ziemlich leichtfertig verliert, Stuttgart sofort umschaltet und den Konter läuft, den Ball aber schließlich nicht am glänzend reagierenden Jan Glinker vorbei bekommt.

Die Uhr tickte weiter herunter, Stuttgart warf noch mal tapfer alles nach vorne und dann war es da wieder, dieses Gefühl, nur noch diesen einen Stopp, diesen einen abgewehrten Ball zu benötigen, um hier als Sieger vom Platz zu gehen. Wie viele Jahre Lebenszeit inzwischen zum Ende von Spielen mit Magdeburger Beteiligung schon draufgegangen sind, möchte ich vermutlich gar nicht so genau wissen. Gefühlte 10 (tatsächlich wohl eher 3) Minuten nach dem Ende der regulären Spielzeit war es dann endlich soweit: Schiedsrichter Bokop beendete die Partie und ein schneller Blick auf die übrigen Drittliga-Ergebnisse ließ den 1:0-Auswärtserfolg gleich noch ein gutes Stück wertvoller erscheinen – der 1. FC Magdeburg hatte tatsächlich den 4. Tabellenplatz erobert!

Aktuell und damit eine Runde vor Schluss ist der große 1. FC Magdeburg damit unter den 40 besten Profiteams Deutschlands. Wenn mir das zu Saisonbeginn, zum Beispiel am Mainzer Bruchweg, jemand gesagt hätte, hätte ich das sofort unterschrieben. Besser noch: Am letzten Spieltag geht es nun gegen die Würzburger Kickers, die ihrerseits den 3. Platz und damit die Relegationsspiele zur 2. Bundesliga perfekt machen konnten. Natürlich darf man erwarten, dass die Würzburger sich im letzten Punktspiel der Saison noch einmal ordentlich und sportlich fair präsentieren und zeigen wollen, dass sie zu Recht auf dem 3. Platz stehen. Wenn ich Trainer wäre, würde ich allerdings mindestens schon mal mit einem halben Auge auf die Relegation schielen und mir sehr genau überlegen, ob ich unbedingt nochmal die beste Elf aufs Feld schicken und von den Jungs 110% Einsatz erwarten würde… Allerdings sind solcherlei Gedankenspiele ohnehin müßig. Wir haben es nun selbst in der Hand und können am 38. Spieltag mit einem letzten Heimsieg aus einer sehr, sehr guten ersten Drittliga-Saison eine ziemlich großartige machen. Von daher: Kommt ins Stadion, unterstützt die Mannschaft und macht am 14.05. das, was das Team vermutlich auch tun wird – noch einmal alles raushauen und gemeinsam den 4. Platz verteidigen. Dann kann in der nächsten Spielzeit Großes passieren, denn klar ist auch und besonders an einem Tag wie heute: Wer Pokal sagt, meint den 1. FC Magdeburg!

2 Kommentare

  1. Pingback: Abschlussfahrt | re: Fußball

  2. Schöner Bericht, schönes Wetter, schöne Ausgangslage. Auf dem Rückweg vom Stadion habe ich noch den Sonderzug nach Magdeburg gesehen, mit dem es hoffentlich keine Probleme gab (siehe Dynamo Dresden vor einiger Zeit).

    Ziemlich gut hat mir Kinsombi gefallen, der sehr sicher wirkte und heikle Situation oft spielerisch löste, was seine Klasse deutlich macht. Vielleicht klappt es ja nicht beim KSC und er kommt dann wie Hammann im Winter zurück.

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