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Abschied nehmen

1. FC Magdeburg – VfB Auerbach, 24.05.2014, 30. Spieltag

Das war es nun also, das letzte Heimspiel der Saison 2013/2014 und gleichzeitig auch das letzte Punktspiel der diesjährigen Runde. Zu Gast zum Saison-Halali war mit dem VfB Auerbach jener Verein, der seinerzeit auch die erste Punktspielaufgabe des damals neuen und nun scheidenden FCM-Trainers Andreas Petersen darstellen sollte. Witzig, wie der Fußball manchmal Schicksal spielt und sich der Kreis letzten Endes schließt. Gut in Erinnerung habe ich auch noch die „Aktion 10.000“ unseres Block U zum Saisonstart 12/13 und den Versuch, trotz des miserablen Abschneidens in der Vorsaison 10.000 Magdeburger_innen zum Saisonauftakt gegen die Voigtländer ins Stadion zu locken. Ganz geklappt hatte es nicht (ich meine, es waren letztlich so um die 7.000), die Geschichte steht aber beispielhaft für die vielen schönen Aktionen, die sich unsere Ultras für den Verein und die Mannschaft immer wieder einfallen lassen.

Auerbach also. Während das Spiel selbst eher weniger Spannung und Spektakel versprach (was die Heimseite zumindest in der ersten Halbzeit auch eindrucksvoll vorlebte), stand neben dem sportlichen vor allem der personelle Aspekt im Vordergrund: erstmalig seit einer gefühlten Ewigkeit wurden neben dem Trainergespann mal wieder Spieler ordentlich verabschiedet, die keinen neuen Vertrag erhalten und den Club ergo zum Saisonende verlassen werden. Neben den mehr oder weniger erwartbaren Streichkandidaten (Tobias Friebertshäuser, Telmo Teixeira, Danilo Dersewski, leider aufgrund der schon länger im Raum stehenden Sportinvalidität auch Patrick Bärje) waren mit Kevin Nennhuber, Tino Schmunck und Florian Beil auch Namen dabei, die mich, zumindest im ersten Moment, doch ein wenig verwundert hatten.

Die aufmerksame Leserschaft wird wissen, dass ich Schmunck bei den Einsätzen, die ich von ihm gesehen habe, eigentlich immer recht solide fand und insbesondere vor dem Hintergrund der schweren Verletzung von Fabio Viteritti war ich erstaunt, seinen Namen auf der Streichliste zu finden. Letzten Endes lässt das aber vermuten, dass man da wohl gleichwertigen bzw. hochwertigeren Ersatz im Auge hat – man darf gespannt sein, wen. Gleiches gilt im Prinzip für Kevin Nennhuber, der nie wirklich überragend war, den aber zum Beispiel qualitativ Welten von einem Tobias Friebertshäuser trennen, dessen Nicht-Verlängerung mir sofort einleuchtete (auch wenn ich es persönlich schade finde für Friebe). Ich hätte Nennhuber gern als Backup-Innenverteidiger weiter bei uns gesehen, gehe aber auch hier mal davon aus, dass die Vereinsführung für die Innenverteidigerposition noch (mind.) einen exponierten Namen (Bankert?) präsentieren wird. Bei Florian Beil bin ich zugegebenermaßen zwiegespalten, vor allem auch, weil mit ihm ein unheimlich flexibler Spieler den Verein verlässt. Möglicherweise ist aber auch genau das Teil der Ursache, so richtig unersetzlich ist er nämlich auf keiner der vom ihm bekleidbaren Position. Aber wer weiß, letzten Endes kann über die Gründe der Trennungen nur spekuliert werden und außerdem soll es ja durchaus auch Spieler geben, die anderswo bessere Perspektiven hinsichtlich Spielzeit etc. sehen. Schwer vorstellbar, klar, aber durchaus ja denkbar. Allen Spielern auf jeden Fall viel Erfolg und alles Gute auf dem weiteren Weg, sportlich wie privat!

Verabschiedung von Spielern und Trainer

Ja, und dann gäbe es da noch Stephan „Charlie“ Neumann. Schon krass: seitdem ich den FCM so richtig bewusst und aktiv verfolge, war Stephan Neumann (mit Ausnahme einer Saison) immer Teil des Kaders der ersten Mannschaft. Die eine Konstante eines großen Teils meiner FCM-Sozialisation quasi. Und die Wahrscheinlich, dass wir (um es mit den Worten des Block-U-Capos zu sagen) „so jemanden nicht noch mal wieder bekommen“, ist schon relativ hoch. Dementsprechend fand ich das extra Spruchband, verbunden mit „Steeeephan Neumann“-/ „Stephan, wir danken Dir!“- und „Wir sind alle Magdeburger Jungs!“-Sprechchören und Gesängen seitens der Nordtribüne nicht nur mehr als angemessen, sondern auch irgendwie bewegend.

Spruchbänder für Stephan Neumann (Bild von @OlliMD)

Spruchbänder für Stephan Neumann (Bild von @OlliMD)

Wer aber 288 Spiele und 24.032 Minuten für den Ersten Fußballclub Magdeburg seine Knochen hingehalten hat, hat so einen Abschied auch wirklich verdient. Spaßiger Fakt am Rande: es soll ja Mannschaften im Profibereich geben, die schon allein aufgrund der Dauer ihres Bestehens keinen Spieler haben können, der auf so viele Pflichtspieleinsätze kommt. Ähem… ;-).

Die Geschichte des letzten Punktspiels 2013/2014 selbst ist eigentlich mal wieder relativ schnell erzählt: die erste Halbzeit zog sich wie Kaugummi und war grausam, folgerichtig führten die Gäste aus dem Vogtland auch vollkommen verdient mit 1-0. Der Club in einigen Situationen im kollektiven Tiefschlaf und mit viel Glück, dass die Auerbacher nicht viel mehr Kapital aus den riesigen Räumen geschlagen haben, die sich da teilweise auftaten. In der Offensive wurde es aus dem Spiel heraus eigentlich gar nicht gefährlich, lediglich der eine oder andere Standard sorgte für Unruhe im Strafraum des VfB Auerbach. Abgesehen davon, dass in so einem Spiel sicher auch mal die notwendige mentale Frische und letzte Konzentration fehlen kann, wurde wieder einmal ziemlich deutlich, wie wenig lebendig unser Offensivspiel mitunter ist, wenn ein Lars Fuchs nicht mit auf dem Feld steht. Und: auch ein Telmo Teixeira, der bereits nach 22 Minuten für Christopher Handke ins Spiel kam vermochte es nicht, selbigem seinen Stempel aufzudrücken – wenngleich er das eine oder andere nette Kabinettstückchen zeigte und hier und da mit klugen Pässen und guter Übersicht zu überzeugen wusste.

Die Geschichte des Spiels aber dürfte der verletzungsbedingte Ausfall des – Achtung – Schiedsrichters sein, der dazu führte, dass die zweite Halbzeit erst mit ordentlich Verspätung angepfiffen werden konnte, nachdem man sich per Stadionlautsprecher auf die Suche nach Ersatz begab (und glücklicherweise auch fand). Kuriose Sache und für mich auf jeden Fall ein Novum bei meinen bisherigen Stadionbesuchen. Fast konnte man meinen, die Saison sollte einfach partout nicht zu Ende gehen ;-). Die längere Pause schien unserer Elf auf jeden Fall ganz gut getan zu haben, kam man doch noch zum Ausgleich und letzten Endes sogar noch zur viel umjubelten Führung. Das Tor zum 2-1, das letztlich Beck machte, hätte ich auch Matthias Steinborn sehr gegönnt, der den Ball im Strafraum super behauptet und abzieht, dem aber (wie schon häufiger) einfach das Quäntchen Glück fehlte. Solange man aber einen Christian Beck hat, der im Strafraum eben einfach immer genau da steht, wo er stehen soll, lässt sich so etwas sicher verschmerzen.

Einen kleineren Aufreger gab es dann auch noch rund um die rote Karte für einen Auerbacher, der einen unserer Spieler ziemlich unsanft zu Boden brachte und einen Fan der älteren Garde umgehend dazu motivierte, über die Mauer zu klettern und wutschnaubend in seine Richtung zu stürmen. Glücklicherweise konnte er relativ schnell vom Sicherheitspersonal gestoppt werden – und mit Glück meine ich in diesem Fall Glück für den Auerbacher Spieler, dem die körperliche Ermahnung ebenjenes Kollegen sicher nicht allzu gut bekommen wäre…

Nach gefühlten zwei Stunden war dann Schluss, und letztlich erhielten bis auf Tobias Friebertshäuser alle nicht verletzten Spieler, die vor dem Spiel verabschiedet wurden, noch einmal Spielzeit und eine Chance, sich zu zeigen. Schade, dass Friebe nicht noch einmal randurfte, aber auch das ist eben das ‚System Petersen/König’, wenn man so will: durchziehen bis zum Schluss, und dann ist eben auch ein Sieg in einem völlig bedeutungslosen Spiel im Zweifel wichtiger als sentimentale Abschieds-Auftritte scheidender Spieler. Muss man nicht unbedingt gut finden, kann man aber so machen.

Und so verabschieden sich die Spieler des Ersten FC Magdeburg mit einem 2-1-Heimsieg und insgesamt wohl mit einem guten Gefühl in die wohl verdiente Sommerpause. Hier im Blog wird es in der nächsten Zeit vermutlich auch ein wenig ruhiger zugehen, als in den letzten Wochen und Monaten, so richtig Sendepause wird aber nicht herrschen. Zum einen gibt es noch einen kleinen Saisonrückblick, mit dem vermutlich zum Ende der Woche bzw. zum Wochenende zu rechnen ist. Außerdem kann man ja davon ausgehen, dass noch der eine oder andere Neuzugang präsentiert wird, der dann drüben im ‚Kader 2014/2015’-Teil des Blogs entsprechend gewürdigt werden soll. Es geistern ja schon einige illustre Namen durch die Weiten des Internets, die Gerüchteküche köchelt zumindest ein bisschen und man darf gespannt sein, wer dann letzten Endes wirklich vorgestellt wird. Rein von den Abgängen her zu urteilen, dürften da ja mindestens ein Innenverteidiger und ein Offensivspieler für den linken Flügel dabei sein, dazu gern noch ein zentraler Mittelfeldspieler, ein weiterer Torhüter und ggf. jemand für den Sturm. Aber wie heißt es so schön: kommt Zeit, kommt Rat.

Außerdem bietet so eine anstehende Sommerpause immer auch die Gelegenheit, das eine oder andere Thema mal etwas ausführlicher zu betrachten, das im Laufe der Saison irgendwie nie so richtig reingepasst hat. Ich denke da zum Beispiel an die Frage, wie viel Rivalität gesund ist und warum man beispielsweise jemandem, den man persönlich sehr schätzt, dessen Verein man aber grundlegend ablehnt, nicht einfach von Herzen viel Erfolg im entscheidenden Abschiedsendspiel wünschen können soll. Oder was wohl passieren würde, wenn man Freunde, die ihres Zeichens Anhänger_innen eines prominenten und in Magdeburg auch nicht ganz unbekannten Zweitligisten sind, als solche deutlich erkennbar zu einem Heimspiel ins Heinz-Krügel-Stadion einlädt.

Insgesamt wird es also sicherlich nicht langweilig und außerdem weiß man ja nie so wirklich, mit welchen kleineren und größeren Geschichten unser aller Herzensverein als nächstes um die Ecke kommt… in diesem Sinne: eine schöne Woche, Derbysieger!

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