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Die verlorene Folge oder: Im Gespräch mit Nils Butzen

Nils Butzen

Teil 6/7: Abgänge | Vorschau Erfurt | Stadionatmosphäre

[TH]: Gegen Münster hat er rechts gespielt.

[AS]: OK, dann erstmal nicht gegen Dich. Redet Ihr vorher oder wie ist das?

[NB]: Ich bin, als er noch hier gespielt hat, super mit ihm klargekommen, aber ich hab jetzt privat nicht viel mit ihm gemacht. Ich glaub, da sind andere Spieler bei uns, wie Tarek, die da deutlich mehr Kontakt mit ihm haben. Vielleicht schick ich mal eine Nachricht rüber, aber das ist mir dann auch nicht so wichtig, darüber nochmal mit ihm zu kommunizieren. Das Spiel an sich ist wichtig genug, unabhängig davon, ob er nun dort spielt. Es ist schön, dass er einen Verein in der Nähe gefunden hat, das freut mich auch für ihn, weil das ein guter Junge ist. Vor oder nach dem Spiel werden wir bestimmt das eine oder andere Wort wechseln, aber eher nicht vorher per SMS. Wer schreibt eigentlich noch SMS? WhatsApp!

[AS]: Wollt ich grad sagen!

[TH]: Aber das ist ja auch auffällig. Fast alle Abgänge, die wir als FC Magdeburg jetzt hatten, sind mehr oder weniger alle in der Dritten Liga untergekommen und haben am Wochenende auch alle gespielt. Das ist schon…

[NB]: Ja. Das ist auch schön. Ich denke, das hängt auch mit dem Erfolg der Mannschaft in den letzten beiden Jahren zusammen. Es ist schon was anderes, wenn Du von einer Mannschaft kommst, die knapp den dritten Platz verpasst hat, als wenn Du von einer kommst, die vielleicht knapp den Abstieg verhindert hat. Das ist schon lukrativ für andere Vereine wie Jena, so als Aufsteiger, oder auch Meppen, wo Putti ist, das ist auch das, was der Trainer immer sagt: Auch die, die nicht spielen, profitieren davon, dass die Mannschaft Erfolg hat. Selbst, wenn der Vertrag irgendwann ausläuft. Verantwortliche von anderen Vereinen sagen sich dann: „OK, da haben wir einen Guten, der hat seine Spiele bei einem ambitionierten Verein gemacht, der jetzt schon das zweite Jahr oben in der Liga mitgespielt hat.“ Unabhängig von der Leistung denke ich, dass das auch eine Sache ist, die eine Rolle spielt. Es gibt viele Vereine, die drittligaerfahrene Spieler haben wollen. Vielleicht spielen auch das Stadion und die Fans eine Rolle – das sind dann Spieler, die das abkönnen, unter Druck zu stehen. Ich denke schon, dass das eine Rolle spielt bei den Transfers anderer Vereine. Und es zeigt sich ja, dass viele Spieler gut untergekommen sind.

[AS]: Ja, auf jeden Fall. Jetzt geht man also mit einer 4:1-Hypothek – kann man das sagen? Nee, oder? – in das erste Heimspiel.

[TH]: Das war jetzt ein Spiel. Es sind noch 37.

[AS]: Genau. Was erwartest Du denn so vom ersten Heimspiel, Thomas?

[TH]: Nils hat es ja schon angesprochen. Ich denke auch, es wird eine Reaktion geben, ganz klar. Auch wenn es sicherlich unglücklich war vom Ergebnis her – ein 4:1 war das einfach nicht vom Spielverlauf… Trotzdem ist man ja angefressen. Und grad in einem Heimspiel… Ich meine, Erfurt ist ja auch ein „Ostderby“. Aber das ist schon ein interessantes Spiel, auch für uns Fans. Ich persönlich rechne da schon mit mindestens 18.500 Zuschauern am Samstag. Das ist von der Atmosphäre schon eine Hausnummer, Erfurt wird sicherlich auch etwas mitbringen. Und da erwarte ich schon, dass die Mannschaft, wie sie es halt immer macht, von Anfang an Vollgas gibt. Und ich glaube auch – ach, was heißt „ich glaube“? – ich gehe davon aus, dass Ihr das Ding zieht am Samstag und dann mit drei Punkten nach dem ersten Heimspiel unsere Saison anfängt. Ganz einfach.

[AS]: Genau.

[NB]: Würd ich unterschreiben.

[As]: Ich hab ja im Prinzip auch schon den Neustart ausgerufen im Blog. Wir machen das einfach nochmal neu und vergessen das letzte Spiel. Ja, ich glaube tatsächlich, dass es vielleicht noch mehr werden als 18.500 und ich hab richtig Bock. Dass Erfurt auch ein paar Leute mitbringt, hatte ich bis eben paradoxerweise gar nicht auf dem Schirm. Natürlich bringen die auch zwei, drei Menschen. Ja, ich freu mich drauf, das wird auf jeden Fall eine gute Geschichte. Was müsst Ihr denn anders machen als gegen Großaspach? Ist schwierig, oder? Eigentlich sagst Du ja selbst, dass das spielerisch eigentlich alles OK war…

[TH, flüstert]: Toreschießen.

[AS]: Jaaa, bis auf das Toreschießen – ist das eine Phrase? Kommt das ins Phrasenschwein?

[TH]: Nein.

[Lachen]

[AS]: Schade eigentlich.

[NB]: Wie ich schon gesagt habe: Was in der ersten Halbzeit ein bisschen gefehlt hat, war der letzte Punch. Man muss aus den Möglichkeiten, die man hat, dann auch was machen. So, dass der letzte Ball ankommt. Wir hatten gegen Großaspach zwei, drei Aktionen über außen – wenn da der Ball dann auch in die Mitte kommt… Da standen drei Mann von uns in der Mitte und nur noch ein Verteidiger und vielleicht ein zweiter, der gerade noch hätte hinkommen können… Wenn da der Ball einigermaßen in die Mitte kommt, dann sind das auch richtige Großchancen. Aber das haben wir halt an dem Tag nicht geschafft und zu ungenau gespielt. Das ist genau der Punkt, der am Wochenende besser sein muss. Ich denke, wir müssen schon auch wieder diszipliniert verteidigen, wie eigentlich auch in Großaspach, und vorne dann Tore schießen. Das ist schon wichtig, so gewinnt man Spiele.

[AS]: Ja, ohne wird’s schwer.

[TH]: Aber vielleicht noch eine Frage zum persönlichen Eindruck. Ich hab immer so den Eindruck, Ihr traut Euch nicht, mal aus der zweiten Reihe abzuziehen. Das sieht man relativ selten bei uns.

[NB]: Ja, das kann schon sein.

[TH]: Ist das vielleicht auch Vorgabe vom Trainer? Dass er sagt: „Aus der zweiten Reihe lieber nicht wegen geblockten Bällen und Kontersituationen“, oder kommt einem das nur so vor?

[NB]: Nein, das ist keine Vorgabe. Es kann schon sein, auch jetzt am Wochenende haben wir gesagt, wir hätten vielleicht öfter mal draufziehen müssen aus 18 Metern. Vielleicht wäre da auch mal einer in den Winkel geflogen. Aber an dem Tag wahrscheinlich nur bei denen. Aber insgesamt ist das keine Vorgabe. Vielleicht ist es, wenn man immer wieder flach und kurz spielt, auch OK, dass man mal einen draufhaut. Man muss es halt machen und es gibt Spieler, die können das besser und welche, die können es weniger. Aber insgesamt ist es schon richtig: Wer nicht schießt, kann keine Tore schießen. Das kommt ins Phrasenschwein.

[AS]: Das ist eine Phrase! Und ich mach hier gleich nen Strich für Gäste… Jetzt mach ich hier echt nen Strich, ich bin ja völlig bescheuert. Ich kann doch einfach aufschreiben: „Phrase Nils Butzen“. [Lachen] Oh, Mann. Soweit ist es jetzt schon. Aber es ist auch schon spät, alles gut. Wir tippen auch gleich die Aufstellungen, also Thomas und ich. Nils nehmen wir da aus Gründen raus.

[TH]: Ich würde sagen, Nils fängt an. Der hat vielleicht Insiderinfos, die wir nutzen können.

[AS]: Ja, Du hast wahrscheinlich heute noch nicht mit dem Jens Härtel telefonieren können, Thomas, weil wir ein bisschen früher dran sind. Aber Du hast es ja schon angesprochen, Nils, Stichwort „Atmosphäre“ und so. Ihr habt ja jetzt ein paar Jungs in der Mannschaft, zum Beispiel den Kollegen Rother, die vor so einer Kulisse als Heimmannschaft noch nicht gespielt haben. Bereitet Ihr die irgendwie besonders vor? Oder sagt Ihr: „Hier ist die Youtube-Playlist, guckt Euch das an.“ Wie läuft das?

[NB]: Ich hab ja schon erzählt, dass ich denen gesagt habe, was hier so los ist. Aber das kann man ja nicht nachspielen. Ich kann einen ja nicht mit FCM-Liedern anschreien…

[AS]: Ihr stellt also im Training nicht dicke Boxen auf…

[NB]: Aber zum Beispiel, weil Du gerade Björn Rother angesprochen hast: Das ist sowieso ein Mensch… Ich glaube, der ist so unaufgeregt, den juckt das nicht. [Lachen]

[AS]: Das merkst Du auch im Spiel.

[NB]: Der ist wirklich so, auch privat. Ich glaub, manchmal muss er aufpassen, dass er nicht einschläft beim Laufen. [Lachen] Also wirklich sehr unaufgeregt, ein cooler Typ. Ich glaub, so einen juckt das nicht so. Auch ein Türpitz ist jetzt aus Chemnitz gekommen, der hat auch schon ein paar Drittligaspiele gemacht, auch in großen Stadien. Und ich glaube, mir fällt jetzt kein Name ein, den das wirklich hemmen könnte.

[TH]: Als welche von denen, die da immer Rambazamba machen, reden wir uns das ja immer gerne ein: Ist das tatsächlich was, was einen Spieler beeindruckt? Also gerade als Gegner oder auch, wenn man das Heimpublikum hinter sich hat? Oder schaltet man das im Moment des Anpfiffs aus?

[NB]: Also ich muss sagen, wenn Du gerade Auswärtsspiele ansprichst: Ich mag es schon, auch mal irgendwo zu spielen, wo die Fans gegen einen sind. Ich bin der Meinung, dass es schon immer irgendwie eine Rolle spielt, wenn der Gegner aufs Tor schießt, oder der Ball kullert aufs Tor oder die spielen sich mal außen durch, dann wird’s ja laut im Stadion. Und das macht irgendwie Eindruck, weil man merkt, es sind wirklich alle gegen einen. Aber das ist halt auch nur am Anfang so, kann ich aus meiner Erfahrung sagen. Irgendwann im Lauf des Spiels blendet man das komplett aus. Und ich glaube, so ist das auch bei den Mannschaften, die hierher kommen. Die haben vielleicht am Anfang einen gewissen Respekt, aber irgendwann merken die: „Was haben wir denn zu verlieren? Dann haben wir in Magdeburg verloren. Vor 20.000. Rechnet sowieso keiner damit, dass wir gewinnen.“ Und das ist vielleicht auch ein bisschen das Tückische an dem Stadion. Der FSV Frankfurt hat hier letztes Jahr nochmal ein richtig gutes Spiel gemacht. Die haben davor und danach nichts auf die Reihe gekriegt. Wir haben vielleicht auch nicht unser bestes Spiel gemacht, aber die haben an dem Tag nochmal eine Top-Leistung abgerufen, mit der sie wahrscheinlich nicht abgestiegen wären. Die haben sich vielleicht gesagt: „Noch einmal in Magdeburg, heut haben wir nochmal Bock.“ Das ist keine Ausrede, weil man die Fans ja hinter sich hat, aber das pusht vielleicht auch mal einen Gegner, wenn man nicht gerade am Anfang gleich ein Tor schießt. Das ist auch immer eklig, auch auswärts, wenn ein Tor geschossen wird, und die Mannschaft spielt sich in einen Rausch… so war es in Offenbach, als wir das 1:0 gekriegt haben. Da haben wir schon gemerkt, die Mannschaft wurde durch das Publikum beflügelt. Und so ist das bei uns auch: Du schießt ein Tor und auf einmal ist man anders drauf, von der Körpersprache, der Kopf geht nochmal ganz anders nach oben, die Zuschauer sind lauter und das ist dann irgendwie so eine Symbiose zwischen beiden, die schon dazu führt, dass das auch einen Gegner beeindruckt. Aber wenn es dann nicht so läuft, dann kommt auch mal so ein leichtes Pfeifen oder Raunen und Stöhnen im Stadion, wo man dann auch merkt, dass die Stimmung kippen kann.

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