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“Wie man sich zum Holz macht” in 30 Minuten…

…oder: warum wir dringend einen Knipser im Kader brauchen.

Irgendwann ist ja für alles irgendwie das erste Mal – und so trug es sich zu, dass ich tatsächlich am Freitag erstmals einen Heimspielbeginn am Liveticker verfolgen musste, obwohl ich mich quasi in der Nähe des HKS oder besser: auf dem Weg dorthin befand.  Schuld waren meine Freunde von der Deutschen Bahn, die es dank offenbar maroder Technik und daraus resultierender technischer Störung an der Strecke schafften, mich statt in 100 Minuten in etwa 3 Stunden in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt anreisen zu lassen. Aber gut, so bekam ich wenigstens (trotz Stechschritts auf den letzten Metern) mal die Gelegenheit, die Erhabenheit eines flutlichtbeleuchteten Stadions nebst Block-U-Fangesängen von außen zu erleben. Und was soll ich sagen: trotz des Ärgers über die Verspätung und den dadurch verpassten Spielbeginn gab es schon so ein bisschen Gänsehaut ;-).

Endlich am Stadion angekommen, musste ich mir erst mal einen dummen Spruch vom Ordner am Einlass gefallen lassen, der mich süffisant grinsend darüber informierte, dass ich gerade ein Tor verpasst hätte – angesichts des deutlich vernehmbaren lauten Jubels ungefähr 30 Sekunden vorher wäre ich da allerdings auch alleine drauf gekommen. Also Spruch geschluckt, Dauerkarte gezeigt und ab Richtung Nordtribüne, vorbei an unzähligen weißen Luftballons, die offensichtlich den letzten Rest oder die Überbleibsel einer Choreographie bildeten, die Block U mal wieder sensationell inszenierte und die im Stadion selbst folgendermaßen ausgesehen hat:

Pyrotechnik, so eingesetzt, ist übrigens kein Verbrechen, lieber DFB! Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich am Freitag irgendjemand, der im Stadion war, durch die Bengalos und die Choreo in irgendeiner Weise bedroht oder gefährdet gefühlt hat. In diesem Sinne an dieser Stelle, auch wenn ich selbst die Aktion eben knapp verpasst habe, einen Riesendank an die (vom DFB gern so bezeichneten) “Schwerverbrecher”, die für dieses super geile Bild der Nordtribüne gesorgt haben <3!

Zurück zum Spiel: auf der Nord angekommen, herrschte Euphorie pur, und das lag neben der Einlaufchoreo und der 1-0-Führung am Spiel und Auftreten der Blau-Weißen. Powerfussball vom allerfeinsten und Chancen über Chancen im Minutentakt. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt, wir spielen ein Trainingsspiel unter Flutlicht. Von Cottbus war gar nichts zu sehen, die Gegenwehr der Gäste stellte sogar noch das nahezu völlige spielerische und kämpferische Unvermögen eines gewissen Torgelower SV Greif in den Schatten. Nachdem dann folgerichtig auch das 2-0 fiel (Friebe, wer sonst) war eigentlich allen im Stadion klar: hier kann es heute im Prinzip nur darum gehen, ordentlich was für die Tordifferenz zu tun. Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild, was mich dann noch zu dem meinerseits dummen Spruch veranlasste, man könne doch eigentlich in unserer Verteidigungshälfte noch 2 Tore aufbauen und auf Kleinfeld spielen lassen, während die erste Mannschaft vorne den Ball um den Cottbuser Strafraum zirkulieren lässt. Hätte ich mal nur meine Klappe gehalten.

So ab der 55. Minute verflachte unser Spiel dann allmählich, und an der einen oder anderen Aktion war vielleicht auch abzulesen, dass man nun teilweise (Viteritti z.B.) doch ein wenig überheblich wurde. Die letzte Konsequenz fehlte, die Pässe wurden ein wenig schlampiger, und hier und da schlich sich der eine oder andere “Hacke-Spitze-1,2,3”-Versuch ein. Dazu wurden die Cottbuser jetzt wach, beziehungsweise wechselten vom Tief- in den leichten Schlaf. Nächster dummer Spruch meinerseits: “Wir müssten jetzt mal das 3-0 machen, so ein 2-0 ist immer irgendwie ein gefährlicher Spielstand.” Eine väterliche Weisheit, die ich bis dato nie richtig verstanden habe. Jetzt verstehe ich sie besser.

Es kam natürlich, wie es kommen musste: plötzlich steht es 2-1. Gut, nicht so wild, mein Tipp war ja ein 4-1, also alles noch im Plan. Außerdem war es ja nicht so, dass wir nicht weiter satte Chancen zu verzeichnen gehabt hätten. Oder plötzlich wirklich schlecht spielen würden. Nur wollte die Pille eben vorne nicht über die Linie. Andreas Petersen wechselte dann und brachte unter anderem Dawid Krieger, der Michel Harrer ersetzte, den ich allerdings am Freitag hätte durchspielen lassen. Die Lokalpresse sollte Harrers Auftritt später als “unglücklich” bezeichnen, ich fand aber, dass er ein gutes Spiel gezeigt hat und die Dinge gut erledigte, die man auch von einem Spielertypen wie ihm erwarten würde: Kopfballduelle gewinnen, den Ball abschirmen und auch mal tropfen lassen oder wahlweise vorne im Strafraum wühlen und versuchen, zum Abschluss zu kommen. Aber nun gut, ob Michel Harrer an diesem 23.11.2012 sein erstes Punktspieltor für den Ersten FC Magdeburg erzielt hätte, können wir an dieser Stelle nur mutmaßen. Für ihn also Krieger, der als Joker zuletzt in Rathenow traf und in den letzten Tagen unter anderem im Fanforum ganz schön Kritik einstecken musste, weil er eben einfach – allerdings ebenso wie alle seine Mitspieler – zu viele Chancen braucht, um sein Tor zu machen. Die stille Hoffnung meinerseits, dass in Rathenow möglicherweise der viel zitierte Knoten geplatzt war und Krieger das Spiel nun für uns nach hause schießt, erfüllte sich allerdings nicht. Neben einem schwer zu nehmenden Ball unmittelbar nach seiner Einwechslung versiebte er einen für einen Stürmer seiner vermeintlichen Güte einfachen Kopfball kläglich, später scheiterte er noch aus ungünstigem Winkel und in Rücklage mit einer weiteren Kopfballaktion.

Besser machten es da schon die Cottbuser, die nach einem Riesenbock von Tobias Friebertshäuser (der beim Versuch, einen langen Pass zu klären, eigentlich völlig frei am Ball vorbeigrätscht) und der darauf folgenden Konfusion im Magdeburger Strafraum das 2-2 markieren – das Spiel war binnen 25, 30 Minuten völlig auf den Kopf gestellt. Letzten Endes können wir sogar noch froh sein, wenigstens einen Punkt im HKS behalten zu haben, hatten die Gäste doch in den Schlussminuten noch einige Einschusschancen Marke “Hochkaräter”. Für unsere Farben gab es tatsächlich auch noch Möglichkeiten, aber, richtig: ohne zählbaren Erfolg. Und wie hätte ich es dem Cottbuser Torwart gegönnt, zum Schluss noch mal so ein richtig schönes Ding zu fangen: klar, Feuerzeuge schmeißen ist hirnlos, scheiße und einfach so unnötig wie ein Kropf, aber wie ein kleiner Junge, der petzend zu seiner Mama rennt und rumbarmt, wie gemein doch die anderen Kinder zu ihm sind und dass das doch nicht gehe und mimimimi, ist mindestens genauso peinlich. Solche überzogenen Einlagen, die noch dazu das Spiel unnötig verzögern, sind einfach das allerletzte und lächerlich. Und vielleicht, lieber Marvin Gladrow, wäre die Schauspielschule doch eher was für Dich, da es zu einer erfüllten Karriere als Profi-Torwart sehr wahrscheinlich sowieso nicht reichen wird.

Irgenwie sprach- und fassungslos und sicherlich auch enttäuscht verließen wir dann nach 90 Minuten das Stadion. Eigentlich kann man sich so wie an diesem Abend nicht zum Holz machen. Nicht gegen Cottbus II, den für mich ersten sicheren Absteiger aus der Regionalliga Nordost der Spielzeit 2012/2013. Kann man der Mannschaft groß einen Vorwurf machen? Hmmm, schwierig. Die Spielanlage war ja ordentlich, an Engagement und Willen hat es auch nicht gefehlt. Woran es allerdings tatsächlich gemangelt hat, ist eben ein Knipser. Einer, der mal nur 2 Chancen für 1 Tor braucht und nicht 10-15, wie Dawid Krieger. Ob man so einen findet und dann auch bezahlen kann und das vor allem möglichst schon in der Winterpause, ist mehr als fraglich. In der letzten Zeit wird ja der Name Christian Beck in Fankreisen recht hoch gehandelt, der immerhin eine Halberstädter Vergangenheit hat und ja wohl über gute Anlagen verfügen soll. Ich bin da ja eher skeptisch, zumal selbiger Herr Beck ja nun schon viel zu lange keine Spielpraxis mehr hatte, um uns schnell helfen zu können. Und wie es potentiellen Heilsbringer-Winterverpflichtungen so ergehen kann, hat ja zum Beispiel ein gewisser Shergo Biran vor nicht allzu langer Zeit mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt…

Lustige Anekdote zum Schluss: der junge Mann, der die Mitfahrgelegenheit angeboten hatte, die mich letztlich ein wenig zu spät im Stadion ankommen ließ, war Teil der “Amateure Supporters”, also des Fanclubs der Zweiten Mannschaft von Energie, und auch mit Reiseziel “HKS” Richtung Magdeburg unterwegs. Das wusste ich vorher nicht, war aber trotzdem ganz lustig, weil wir dann auf unserer Verspätungsfahrt natürlich gut was zu erzählen hatten; unter anderem habe ich so erfahren, dass unser Dawid Krieger in seiner letzten Saison in Cottbus nach dem letzten Spiel für die anwesenden Fans Kartoffelsalat und Buletten servierte. Sympathisch ist er ja, unser Chancentod…

Zweite lustige Anekdote zum Schluss: selbiger Cottbuser Fan schrieb mir nach dem Spiel auf meine “Glückwunsch zum Punktgewinn”-SMS zurück, dass wohl das gesamte Spiel über irgendein Halberstädter die ganze Zeit den Gästeblock vermessen hätte O_O. Und da die Germania ja unser nächster Gegner am kommenden Samstag ist, darf man da wohl auf eine kleine Würstchen-Choreo gespannt sein :-P. Vielleicht bin ich ja dann auch wieder pünktlich im Stadion, um mir selbst ein Bild davon zu machen…

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Das wohlige Bauchgefühl der Weiterentwicklung

Tja, so ist das manchmal – kaum ist das Knaller-Heimspiel gegen RasenBallsport Leipzig vorbei und kaum hat man noch so gedacht:  “Geiler Tag, geiles Spiel – da kommt auf jeden Fall ein Blogbeitrag drüber!”, ist tatsächlich wieder eine Woche rum und auch das auf das Heimspiel folgende Auswärtsspiel schon wieder Geschichte. Ein Blick auf die aktuelle Situation beim Ersten FC Magdeburg unter dem im (Trainer)Team und Umfeld derzeit gern genutzten Stichwort ‘Weiterentwicklung’ rechtfertigt aber, so denke ich, trotzdem auch nach einer Woche noch mal einen Blick zurück auf den 11.11.2012 – gerade auch vor dem Hintergrund des letzten Spiels beim FSV Optik Rathenow am gestrigen Samstag. Und siehe da – die Aktualität im Blog ist damit gewissermaßen und wie von Zauberhand von hinten durch die Brust ins Auge wieder hergestellt. Heureka!

RasenBallsport also. Das Spiel, auf das ich mich aus ganz verschiedenen Gründen doch recht stark gefreut habe und ein Tag, der letzten Endes nicht enttäuschen sollte, auch wenn das reine Spielergebnis von 1-4 zunächst vielleicht etwas anderes vermuten lassen würde.

Zum einen war da natürlich der Reiz, den souveränen Tabellenführer der Regionalliga Nordost ein wenig zu ärgern. Zum anderen gab es die Aussicht auf eine für diese Liga doch verhältnismäßig volle Hütte. Und schließlich sollte sich für mich an diesem Tag auch die Möglichkeit ergeben, einige dieser ‘Internetmenschen’ kennenzulernen, von denen man in der Vergangenheit schon so das eine oder andere gelesen und mit denen man auch schon die eine oder andere Diskussion im virtuellen Raum geführt hatte. Soziale Medien in Reinform quasi. Dass die sportliche Konstellation vor dem Spiel dank des alles andere als grandiosen Auftritts der Blau-Weißen im Zentralstadion am 31.10. nun nicht mehr ganz so günstig war – geschenkt. Und eigentlich war es, rückblickend betrachtet, auch gar nicht so schlimm, dass man sich ausgerechnet gegen die Lokomotive aus Probstheida den bis dato mit Abstand schlechtesten Saisonauftritt leistete, gab es doch in besagtem Heimspiel gegen den Ligaspitzenreiter die Möglichkeit, vor eigenem Publikum einiges wieder gut zu machen.

Die Anreise zum Spiel erfolgte diesmal völlig entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten, weil erstens mit dem Auto und zweitens, Achtung: mit Auswärtsfahrern! In anderen Konstellationen wäre so etwas vermutlich äußerst ungesund, vielleicht auch töricht, in diesem speziellen Fall war es aber wirklich angenehm. Oder, um mal einen (meinem Kenntnisstand nach vor allem im Leipziger Raum) weit verbreiteten T-Shirt-Spruch zu zitieren: “In den Farben getrennt – in der Sache vereint.” Nur dass ich mich an der Stelle eben nicht auf einen eher unreflektierten Hass gegen bestimmte Sportmarketingkonstrukte beziehe, sondern einfach auf ein gemeinsames Interesse am Fußballsport im Allgemeinen und einem guten Spiel an besagtem Tag im Speziellen. In anderen Sportarten sind solche Gepflogenheiten ja gang und gäbe und ich finde es eigentlich zunehmend belastender, dass sich der gemeine Fußballfan da im Normalfall so unheimlich einen abbricht (außer natürlich, es geht um das Gesocks aus Süd-Sachsen-Anhalt 😛 ). Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt ;-). Wie dem auch sei, ich hab die gemeinsame Anreise und den Austausch mit den Herren @rotebrauseblog und @axel_wird_gut jedenfalls nicht bereut und freue mich schon auf das Rückspiel im kommenden Jahr ;-).

Am Stadion angekommen, war relativ schnell klar, dass es heute ein wenig voller werden würde als sonst und auch Block U hatte sich eine schöne Geschichte ausgedacht, um den Auswärtsfahrern im Block gegenüber und der eigenen Mannschaft auf dem Rasen gleich mal zu zeigen, wer hier zumindest stimmlich und zahlenmäßig Herr im HKS ist (ein Video in besserer (Sound-)Qualität war ‘aus dem Stand’ leider nicht aufzutun):

Auch auf dem Rasen war, sehr zur Freude der gemeinen Anhängerschaft, ein druckvoller, einsatzfreudiger und kämpfender FCM zu sehen. Allein, das muss man an dieser Stelle eben auch mal sagen: die abgezocktere Truppe kam an diesem Tag aus Leipzig und wer aus relativ wenig Chancen derart trocken und humorlos 4 Tore macht, wird wohl am Ende der Saison auch mit einem komfortablen Vorsprung ganz oben stehen. Das größte (und vielleicht auch einzige gravierende) Manko der Blau-Weißen an diesem Tag war nämlich, wie leider bisher schon viel zu oft, die schlechte Chancenverwertung. Sicherlich ist das in gewisser Weise eine Qualitätsfrage, aber allein die Tatsache, in welcher Art und Weise die Torchancen für den FCM zustande kamen, lässt (Vor)Freude aufkommen und insbesondere die zweite Hälfte – vielleicht die bisher stärkste der ganzen Saison – hat mit Sicherheit nicht nur bei mir Lust auf mehr geweckt. Wenn nämlich im weiteren Entwicklungsverlauf der Mannschaft dann auch noch die Klasse dazukommt, vielleicht mal statt jeder gefühlten zehnten jede zweite Chance zu verwerten, muss uns um erfolgreichere Zeiten nicht bange werden.

So aber wurde es die (zugegebenermaßen nicht unerwartete) Heimniederlage, wobei das Ergebnis sicherlich 2 Tore zu hoch ausfällt. Das 1-3 fällt in einer Phase, in dem wir dem Ausgleich recht nahe waren und ihn uns auch redlich verdient gehabt hätten und das 1-4 war ein Freistoßknaller mit Tor-des-Monats-Potential, was leider von einem der beiden Leipziger Akteure erzielt wurde, dem ich solche Aktionen mal so gar nicht gönne. Aber gut.

Ausgesprochen positiv fiel auf, dass auch in einer Phase, in der das Spiel mit 1-3 quasi entschieden war, konsequent weiter gekämpft, gegrätscht und gearbeitet wurde. Dafür bekommt diese Magdeburger Mannschaft von mir ein ganz dickes “Daumen hoch!” und auch in diesem Punkt ist eine deutliche Weiterentwicklung zum labilen Bocklos-Haufen der letzten Saison zu erkennen. Stichworte hier: Charakter und Leidenschaft, und diese beiden Aspekte wiegen dann auch mal vier Gegentore gegen den Tabellenführer auf. Und wenn selbst der Gegner ob des abgelieferten Spiels und der Stimmung lobende Worte übrig hat, kann man wahrlich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

Die Heimreise am Sonntag stand dann ebenso wie die Hinfahrt im Zeichen der Pflege bis dato virtueller Kontakte, nur dass der Gesprächspartner diesmal ganz deutlich dem eigenen Lager zuzurechnen war ;-). Auch hier kann ich nur sagen: coole Rückfahrt, super Gespräche, vielen Dank für’s Mitnehmen – und noch mal einen schönen Gruß an die gute Frau auf der Autobahn, die der Meinung ist, mal eben mit 80 durch Sachsen-Anhalt gondeln zu müssen… ;-).

Gestern nun ging es für unser Rasenakrobaten nun also nach Rathenow zum dortigen FSV Optik. Die Frage lautete nun natürlich, wie die Mannschaft die Niederlage gegen beide Leipziger Vereine in den letzten Punktspielen verarbeitet hatte, ob das zu hohe Ergebnis gegen RasenBallsport richtig eingeordnet wurde und ob an die tolle Leistung vom vorhergehenden Spieltag angeknüpft werden konnte. Ich denke, ohne das Spiel live gesehen zu haben, dass ein Ergebnis von 3-0 diesbezüglich eine deutliche Sprache spricht. Offenbar lässt sich die Mannschaft durch Negativerlebnisse nicht mehr so einfach aus der Bahn werfen und Trainer Petersen gelingt es ganz offensichtlich, die Entwicklung der Truppe ganz unaufgeregt, aber konsequent voranzutreiben. Und das ist angesichts der vergangenen Spielzeiten irgendwie mehr wert, als man in Ergebnissen und Zahlen ausdrücken kann. Ich jedenfalls habe ein verdammt gutes Bauchgefühl und bin gespannt, wie der nächste Schritt, den die Mannschaft hoffentlich gegen die zweite Mannschaft des FC Energie Cottbus am kommenden Freitag unter Flutlicht gehen wird, wohl aussieht.

Was soll ich abschließend noch sagen – der FCM macht derzeit einfach wieder richtig Spaß :-)! Und das kann auch gern noch eine ganze Weile so bleiben.

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Quo vadis, FCM?

Da haben wir sie nun also, die erste – wenn man so will – ‘Minikrise’ des Ersten Fussballclubs Magdeburg in der Regionalligasaison 2012/2013. Was gegen fussballerisch arg limitierte Torgelower am 9. Spieltag noch gerade so gut ging, ging auswärts bei der Lokomotive aus Leipzig gründlich daneben. Die Schnittmenge beider Ereignisse bildet eine Personalien, die im erstgenannten Spiel gar nicht und im zweitgenannten vielleicht zu früh wieder auf dem Platz stand. Aber der Reihe nach.

Da wäre zunächst das Heimspiel gegen den Torgelower SV Greif am 9. Spieltag. Wie im letzten Beitrag hier schon beschrieben, auf dem Papier eine klare Angelegenheit: Platz 2 gegen Platz 16. Die Aufstellung allerdings ließ bereits neugierig aufhorchen – anstelle von Kapitän Marco Kurth spielte, ich geb’s ja zu, mein ‘ganz spezieller Freund’ Fabian Burdenski von Anfang an. Kurth hatte sich im Training eine Verletzung zugezogen und war damit zum Zuschauen verdammt. Die Frage also lautete: wie geht die Mannschaft ohne ihren Leitwolf, der nicht nur fussballerisch, sondern auch verbal in dieser Saison auf dem Platz deutlich den Ton angibt, in dieses Spiel? Nun, um es mal vorweg zu nehmen: Burdenski machte keine so katastrophale Partie, wie befürchtet. Im Gegenteil: er spielte seinen Part sogar recht ordentlich. Nach all meiner (vornehmlich im Stadion geäußerten) Kritik an seinen bisher gezeigten Leistungen muss ich das vielleicht an dieser Stelle tatsächlich mal so deutlich hervorheben. Das Problem über die gesamten 90 Minuten allerdings war, daran konnte auch Dieters Sohn nichts ändern, dass dem Spiel der Blau-Weißen deutlich die Struktur, die Ordnung, und eigentlich auch die Ideen fehlte(n.) Man war individuell klar besser als der Gast aus Mecklenburg-Vorpommern (obwohl die tatsächlich einen Balotelli-Klon dabeihatten 😉 ), allerdings haperte es doch recht deutlich erkennbar an durchdachten und vor allem konsequent zu Ende gespielten Offensivaktionen (Stichwort: Chancenverwertung). Aber immerhin: es gab Chancen (das sollte sich im darauf folgenden Spiel ändern) und die Torgelower hätten sich eigentlich nicht beschweren können, deutlicher als 2-0 zu verlieren. Schöne Randnotiz: Dawid Krieger erzielte das 1.500ste Heimspieltor der Clubgeschichte, was ich ihm wirklich sehr gönne. Was der Mann im Spiel rackert und ackert, ist aller Ehren wert, und in diesem Fall kann man wirklich sagen: das Tor hat er sich mehr als erarbeitet. Und dennoch: zu den anderen, eben nicht verwerteten Chancen kamen offensichtliche Abstimmungsprobleme, was das In-Szene-setzen unserer Stürmer betraf, die – vor allem in Halbzeit zwei – sehr häufig in deutlich sichtbaren Abseitspositionen angespielt wurden.

Torgelow wurde das ganze Spiel über eigentlich nie so wirklich gefährlich, sprich: ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass wir das Ding ernstlich noch abschenken würden; allein, der 2. Treffer fiel und fiel und fiel nicht – bis letztendlich Ali Moslehe, der vorher (neben seinem unermüdlichen Bearbeiten der rechten Außenbahn) vor allem durch besagte Abseits-Pässe in Erscheinung trat, die für ihn in diesem Spiel vielleicht schwierigste Situation mit dem Treffer zum 2-0 löste. Gerade noch mal gut gegangen sozusagen – ich kann mich sehr gut an Spiele erinnern, in denen wir bei identischem Spielverlauf ziemlich sicher gegen Ende noch den Ausgleich kassiert hätten. Dennoch war das meiner Meinung nach die bis dato schwächste Saisonleistung. Wohl gemerkt: bis dato. Aber nun gut – die Mannschaft wurde nach dem Spiel von der Kurve erlöst gefeiert und mit einem klaren Auftrag in die Kabine geschickt: Auswärtssieg beim Derby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig.

Gestern hieß es dann nun also: alle ins Zentralstadion! Der Aufforderung folgten nach grober Schätzung ungefähr 2.500 Magdeburger, was, nebenbei bemerkt, bei einer Zuschauerzahl von knapp 5.300 Bände und nicht gerade für die selbst ernannten Bewahrer der Leipziger Fußballtradition aus Probstheida spricht. Überhaupt, die Zuschauer – was war das denn eigentlich bitte? Musste man zunächst befürchten, dass der Lok-Block (welch schöner Reim) nahezu vollständig leer bleibt (siehe nebenstehendes Bild) , bewegte sich etwa 20 Minuten vor Anpfiff eine Traube Hallenser Ackerbatzen in den Block – den hässlichen Lappen der “Saalefront”-Ultras vor sich her schleppend. Und wieder bezeichnenderweise waren auch vor allem diese, äh, Gestalten es, die das Spiel über offenbar im Block den Ton angaben. Mal ehrlich, Lok, wie armselig ist das denn? Da lasst Ihr Euch vom “großen Bruder” aus dem Ghetto an der Saale beim eigenen Heimspiel die Stimmungs-Butter vom Brot nehmen? Tief ist er gesunken, der angebliche Leipziger Traditionsfussball…

Naja, wie dem auch sei: viel kam da nicht von Lok. Vielleicht auch, weil da nicht mehr viel ist von Lok. Also, bis auf bestimmte Gruppierungen, auf die der Verein ganz offensichtlich nicht verzichten kann/will/darf (?): gemeint ist hier “Scenario LOK”. Nicht nur, dass es da wohl allzu offensichtliche Verbindungen in die rechtsextreme Szene gibt, nein, auch ein Spruchband durfte gezeigt werden:

“Man macht uns zu Verbrechern, zu finsteren Gestalten – doch selbst wenn Lok Leipzig fällt werden wir die Stellung halten. Scenario LOK”

Na dann ist ja alles klar…

Zurück zum Spiel: Kapitän Kurth durfte wieder mitmischen und im Mittelfeld die Fäden ziehen, ansonsten sahen wir die gleiche Truppe wie gegen Torgelow. Auch Benjamin Boltze, der im Heimspiel am Sonntag massiv auf die Knochen bekommen und trotzdem sein bestes Spiel im blau-weißen Dress abgeliefert hatte, konnte von Beginn an auflaufen. Was der FCM in diesem Spiel allerdings zeigte, war eigentlich schon fast eine Frechheit. Oder um es mit den Worten unseres Trainers zu sagen: “Es ging bei uns gar nichts. Es gibt so Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben und nichts anfassen. Ich entschuldige mich bei den Fans, die von diesem Ostklassiker zu Recht viel mehr erwartet hatten. Bereitschaft, Begeisterung, Einsatzwille – all das ist uns abhandengekommen.” (Volksstimme vom 01.11.2012)  Sorry Jungs, aber so kann man nicht in ein Derby gehen. So kann man in überhaupt gar kein Fussballspiel gehen. Und wir reden hier nicht von einer Übermannschaft, gegen die man hoffnungslos unterlegen war – wir reden vom 1. FC Lokomotive Leipzig 2012/2013, die für mich diese Saison definitiv ein Abstiegskandidat sind. Und dieses Spiel völlig verdient gewonnen haben. Weil, und hier muss man dem Gegner auch Respekt und Anerkennung zollen: was fussballerisch nicht ging, wurde durch Kampf, Einsatz und die richtige Einstellung wettgemacht. Kurz: Lok war einfach geiler auf 3 Punkte. Mehr möchte ich an der Stelle über unsere “Leistung” mal nicht schreiben, und da hab ich nun schon eine Nacht über das Erlebte geschlafen ;-). Ich denke außerdem auch, dass die Tweets vom gestern für sich sprechen – von einer Spur vorfreudiger Arroganz über Besorgnis bis hin zu blankem Entsetzen, aber so ist das nun mal, wenn die eigene Elf einen das erste Mal in dieser Saison wirklich enttäuscht. Was ich übrigens nicht verstehen konnte, war, dass die Mannschaft nach dem Schlusspfiff vor der Kurve noch beklatscht wurde – das war der Moment, in dem ich mich endgültig dazu entschieden hatte, dass es das für mich gestern gewesen sein sollte im Zentralstadion. Klar, wir sollen Geduld haben und nicht sofort meckern und so, ist auch alle richtig. Genauso richtig finde ich es dann aber auch, nach einem extrem schlechten Spiel, in dem vor allem die Einstellung nicht gestimmt hat, eben mal ein bisschen Liebesentzug zu geben ;-).

Okay, bei aller Enttäuschung: was lehren uns die beiden Partien und wohin bewegt sich der FCM im Moment?

Zunächst mal kann man wohl sagen, dass die Formkurve derzeit eher nach unten zeigt. Was schade ist, weil mit RB Leipzig im nächsten Heimspiel vielleicht das letzte Mal in dieser Hinrunde eine Mannschaft im HKS gastiert, die für eine verhältnismäßig volle Hütte sorgen kann. Nur wird man mit der gezeigten Leistung gegen Torgelow und vor allem jetzt gegen Lok all denen gute Argumente geliefert haben, die meinen, sich den FCM vorerst nicht live im Stadion angucken zu müssen.

Was wir auf jeden Fall auch noch gelernt haben ist, dass wir, wie schon oft gesagt, definitiv in dieser Saison nicht die Mannschaft sind, die RasenBallsport Leipzig da oben wirklich gefährlich werden kann. Insofern ist es vielleicht gut, Umfeld und Mannschaft durch die letzten beiden Spiele wieder ein wenig geerdet zu haben.

Letzter Punkt: die Spiele lieferten meiner bescheidenen Meinung nach interessante Erkenntnisse über unseren Kader:

Durch die Verletzung von Stephan Neumann fehlt uns hinten unser etatmäßiger Linksverteidiger, was bedeutet, dass Christopher Reinhard derzeit für die Position abonniert ist. Ist auch in Ordnung, das kann er spielen – aber noch bessere Wirkung hat er diese Saison als linker Mittelfeldspieler entfaltet – mit ebenjenem Pipi Neumann als Absicherung dahinter. Offenbar gibt unser Kader diese Variante mit einem anderen Linksverteidiger als Neumann nicht her – das raubt uns Offensivkraft und Kreativität.

Dann ist es nach längerem Überlegen doch relativ bedenklich, wie abhängig wir von Kapitän Kurth sind: spielt er nicht, so wie gegen Torgelow, fehlt es unserem Spiel an Ordnung und Struktur. Spielt er schlecht, so wie gestern, macht er die ganze Mannschaft schlechter. Warum? Was gestern oft passierte, war, dass Kurth zwar die Bälle im Mittelfeld forderte, dann aber entweder das Spiel häufig unnötig verlangsamt oder eben beim Weiterspielen oft die falschen Entscheidungen getroffen hat. So kam es zum Beispiel, dass unser bisher recht ordentliches Flügelspiel kaum stattgefunden hat, weil die dazu benötigten Bälle einfach viel zu selten kamen. Kamen sie doch, wurden sie entweder von Lok clever abgelaufen oder aber im ‘klein-klein’ leichtfertig wieder hergeschenkt. Das soll jetzt nicht heissen, dass die gestrige Niederlage allein auf Marco Kurths Kappe ging – außer Torwart Tischer, der bei allen drei Toren machtlos war, hat eigentlich kein Spieler so etwas wie Normalform erreicht – aber es fällt eben doch auf, dass wir auf der neuralgischen Position im Mittelfeld keine Alternative aufbieten können, wenn der Käpt’n mal einen schlechten Tag erwischt. Und ganz ehrlich: ich sehe momentan auf der Bank niemanden, der kurzfristig in diese Position hineinwachsen könnte. Burdenski nicht, und Podrygala, die einzige wirklich große Enttäuschung bei den vielen Neuzugängen, schon gleich gar nicht.

Und um abschließend noch mal auf den Titel des Beitrags zurückzukommen: der Weg des Ersten Fussballclubs Magdeburg durch die Regionalligasaison 2012/2013 wird sehr wahrscheinlich doch eine größere Achterbahnfahrt, als der Saisonauftakt erhoffen ließ. Das Schöne ist aber, dass uns der Spielplan am Sonntag gleich die nächste Bewährungsprobe beschert, wenn unsere Magdeburger Jungs im Landespokal auf den TSV Völpke treffen. Also nicht viel Zeit, um groß zu grübeln, aber genügend Zeit, um trotzig zu bleiben und gleich eine ordentliche Reaktion zu zeigen. Also:

“Auf geht’s, Blau-Weiß, kämpfen und siegen!”

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Von Jägern, Gejagten, kleinen und großen Namen

Torgelow also. Genauer: Torgelower Sportverein Greif e.V.. So heißt der nächste Gegner des Ersten Fussballclubs Magdeburg im kommenden Heimspiel am Sonntag. Auf dem Papier eine klare Sache, spielt doch der Zweitplatzierte gegen den Tabellenletzten. Sichere Angelegenheit, sollte man meinen. Die drei Punkte sind schon im Sack. Eigentlich braucht man auch gar nicht erst anzutreten und kann den Sportskameraden aus Mecklenburg-Vorpommern die Anreise auch ersparen.

Allerdings, auch wenn ein Großteil des Umfelds das möglicherweise ein wenig anders sieht, sollte man auch den kommenden Gegner keinesfalls unter- und vor allem die eigene Leistungsstärke nach wie vor nicht überschätzen. Klar, der zweite Platz ist eine schöne Momentaufnahme und sicher ist es medial und euphorietechnisch auch ganz großartig, dass uns zumindest das Informationsblättchen mit den vier großen Buchstaben zum RB-Jäger Nummer Eins hochstilisieren möchte, dennoch täuscht die Platzierung eventuell und nach wie vor ein wenig über den tatsächlichen Leistungsstand bzw. vielleicht besser: das tatsächliche, durchschnittliche Leistungsvermögen unserer Elf hinweg.

Ich hatte es an anderer Stelle bereits geschrieben und wiederhole es gern noch einmal: viele Spiele in dieser Saison gingen auch ein kleines bisschen glücklich an uns (okay – auch das Glück muss man sich mitunter erarbeiten) und mit Ausnahme von Meuselwitz wurde bisher eigentlich kein Gegner so wirklich richtig über mehr als eine Halbzeitlänge dominiert. Kann man meiner Meinung nach auch von einer Mannschaft in einem Entwicklungs- und Lernprozess nicht jedes Spiel erwarten, aber gleichzeitig heißt das auch: RB-Jäger Nummer Eins sind wir mit Sicherheit nicht. Immer noch nicht. Können es aber werden. Zum Beispiel dann, wenn die Truppe Negativerlebnisse wie das 0-2 zuhause gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC Berlin oder die gefühlte Niederlage gegen die TSG Neustrelitz vom vergangenen Wochenende richtig verarbeitet, einordnet und daran wächst. Insofern ist Torgelow am Sonntag sicher ein besonderes Spiel (ja, ich weiß, mal wieder), denn: die Erwartungshaltung ist schon allein aufgrund der Tabellensituation überall spürbar hoch, alles andere als ein deutlicher Sieg wäre also eher eine große Überraschung. Die Mannschaft konnte bisher, auch zuletzt in Neustrelitz, das größte bisher bestehende Manko, nämlich die mangelnde Chancenverwertung, nicht abstellen – was dann zu einer Kopfsache werden kann, wenn man möglicherweise am Sonntag quasi nur auf ein Tor spielt, die Bude aber nicht macht und vielleicht – durch was für einen dummen Zufall auch immer – einen Gegentreffer frisst. Schliesslich ist es in gewisser Weise auch eine Charakterfrage für die junge und in der Entwicklung begriffene Truppe, das Spiel gegen einen Tabellenletzten genauso engagiert zu bestreiten wie gegen die größeren Nummern der Liga. Ansprüche und auch die eigenen Wahrnehmung verändern sich ja mit einem gewissen Erfolg. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf das Auftreten der Blau-Weißen am Sonntag, müsste mich doch aber sehr täuschen, wenn es Andreas Petersen nicht schaffen sollte, zumindest für die richtige Einstellung auf dem Rasen zu sorgen. Was die Jungs dann draus machen, obliegt ja dann leider nicht mehr dem Trainer, sondern den elf Kollegen auf dem Platz.

Was mich in dem Zusammenhang aber insgesamt unheimlich positiv stimmt und auch – ich geb’s ja zu – einigermaßen überrascht, ist die Tatsache, dass im Moment auch nach kleinen Rückschlägen, wie zum Beispiel einer eher unnötigen Heimniederlage, die notorischen Mauler, Meckerer und Pfeifer im Umfeld doch einigermaßen die Füsse stillhalten. Einigermaßen deshalb, weil es natürlich trotzdem die eine oder andere deutliche Unmutsbekundung im Stadion gibt, wenn man nicht schon 4-0 führt zur Halbzeit oder vielleicht in der einen oder anderen Szene auch mal zu weit weg steht vom Mann. Aber hey, das ist Magdeburg und einigermaßen normal. Man ist halt schnell verwöhnt und wird vermutlich auch in 100 Jahren noch der große Europapokalsieger von 1974 sein. Nur: noch vor gar nicht allzu langer Zeit wäre die Mannschaft viel, viel schneller und vor allem noch viel großflächiger niedergemacht, wären einzelne Spieler massiv an den Pranger gestellt worden. Was jetzt passiert, ist zum Beispiel, dass Block U die Mannschaft auch nach einer Niederlage noch einmal mit ihren Gesängen aus der Kabine holt und ganz deutlich klar macht: “wir stehen hinter Euch als zwölfter Mann”…

Das ist großartig, das spürt die Mannschaft, und das gibt die Mannschaft den Fans auch mit Leidenschaft, Einsatz und nicht zuletzt auch eben einem zweiten Tabellenplatz zurück.

Nun, wie gesagt, Torgelow. Auch ich würde, trotz aller oben stehenden Mahnungen, schon mal davon ausgehen wollen, dass die drei Punkte am Sonntag in Magdeburg bleiben. Im Normalfall müsste da schon ziemlich viel Käse zusammenkommen, dass da etwas schief geht. Aber man ist ja mittlerweile so einiges gewohnt und hat als Mitleidender schon viel zu viel gesehen…

Zusammen mit den fest eingeplanten drei Punkten gegen die Lokomotive aus Leipzig am kommenden Mittwoch wäre die Mannschaft dann mit 21 Punkte nach 10 Spieltagen auf jeden Fall mehr als im Soll. Auch wenn, ja ja Herr Petersen, 21 Punkte am Ende im Normalfall immer noch den Abstieg bedeuten würden. Schöner Nebeneffekt: als dann-wahrscheinlich-immer-noch-oder-vielleicht-tatsächlich RB-Jäger Nummer Eins wird am 11.11. das heimische HKS sicher gerappelt voll. Es gab bereits Fragen von einzelnen Herren, wann wir denn zum letzten Mal ausverkauft waren, was ich ja schon als kleine Ansage verstehen wollen würde ;-).

Warum ich die drei Punkte gegen die Probstheidaer übrigens voll einplane, ist schnell erklärt: Auch wenn der gemeine Magdeburger Fussballanhänger ja offenkundig in RasenBallsport Leipzig den erklärten Todfeind in dieser Saison und für den Fussball generell gefunden zu haben glaubt, bringe ich der Lok aus Leipzig deutlich mehr Antipathie entgegen, als ich sie für RB jemals aufbringen könnte. Das ergibt sich schon allein aus der Vergangenheit und der Geschichte, die beide Mannschaften noch immer miteinander teilen. Beides hat RB nicht vorzuweisen (was auch nicht schlimm ist, sondern in der Natur der Sache liegt), von daher sind die Bullen aus Leipzig aus dieser Perspektive eigentlich gänzlich uninteressant. Mal ganz davon abgesehen, dass sie uns wohl nur noch diese Saison als Gegner begleiten und dann erst mal auf Jahre hinaus in ganz anderen Ligen unterwegs sein werden, also eher eine, naja, kurzfristige Begleiterscheinung darstellen – der Rotebrauseblogger möge es mir verzeihen, es aber vielleicht gar nicht mal so anders sehen ;-).

Nein, was Lok für mich so überaus unsympathisch und unschön macht, ist natürlich die enge Verbandelung der Fanszene mit dem widerwärtigen Volk aus dem Süden Sachsen-Anhalts. Davon abgesehen, ist mir bisher noch kein der landläufigen Meinung nach als ‘normal’ zu bezeichnender Lokfan unter die Augen gekommen. Ehrlich nicht. Kein Spaß. Ganz ernsthaft. Wirklich. Diejenigen, die mir mitunter täglich über den Weg laufen, gehören eher zur ‘Generation Blechbrötchen’ bzw. treten als Gewalttäter und/oder Rechtsradikale in Erscheinung (ein entsprechender Medienbericht findet sich zum Beispiel hier). Und solche Leute und die entsprechende mediale Präsenz des Themas prägen nun auch einfach mal das Bild eines Vereins, auch wenn ich beileibe nicht ausschließen möchte, dass auch auf Seiten der Blau-Gelben vernünftige Personen unterwegs sind, die mit ihrer Seite genauso leiden, wie ich mit meiner. Dennoch hoffe ich inständig, dass wir da am Mittwoch im Zentralstadion stimmgewaltig und vor allem bitte gewaltfrei zeigen werden, wer auf den Rängen den Ton angibt, während unsere Rasenakrobaten den Lokisten auf dem Rasen die Farbe aus dem Trikot schiessen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Ich werde dank gütiger Mithilfe vom @h0rtkind am Mittwoch auf jeden Fall dabei sein und möglicherweise zeitnah berichten, wie es mir dabei ergangen ist. Ist ja schließlich Feiertag, nicht?

In dem Zusammenhang ergibt sich dann vielleicht auch die Möglichkeit, endlich mal über die Seele eines Fussballvereins zu philosophieren (Gedanken und Meinungen dazu nehme ich nach wie vor gern entgegen und werde sie einbauen) und außerdem einige Gedanken zum aktuellen Kader nach gut einem Drittel der laufenden Saison zu äußern. Wenn, ja wenn mir nicht das echte Leben mit allen seinen nervigen Verpflichtungen (wieder) einen Strich durch die Rechnung macht. In diesem Sinne: Sport frei!

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“Keiner wird es wagen, keiner wird es wagen…”

So (schnell) kann es gehen. Verpflichtung hier, Aufgabe dort, Reise hierhin, Rückreise dorthin, Deadlines, Erwerbsarbeit, Zeuch – und schon reduziert sich die Zeit, sich seinem Verein und dem eigenen – selbigen Verein betreffenden – Blog zu widmen, auf ungefähr null.

Die letzte Heimbegegnung gegen den Vogtländischen Fussballclub Plauen habe ich zwar live im Stadion verfolgen können, aber anschließend nicht mal die Zeit gehabt, gemeinsam mit der Kurve die Mannschaft zu feiern und am Zaun der Nord abzuklatschen, denn, man ahnt es bereits: es stand schon wieder die nächste Verabredung an. So blieb mir in den vergangenen Wochen, eigentlich seit dem Pokalspiel in Wolfen, nur die Möglichkeit, den Verein quasi aus der Ferne, sprich über die Presseartikel und gelegentliche, hektische Blicke ins Forum oder zu Facebook zu verfolgen. Umso mehr freue ich mich nun auf den morgigen Tag, an dem es wieder ins heimische HKS geht, um unsere erste Herrenmannschaft gegen Hertha, Berliner Sport-Club (Zweite Mannschaft), zu unterstützen. In der Zwischenzeit hat der Erste Fussballclub Magdeburg seinen beachtlichen Saisonstart bestätigt und seine Serie auf bisher 6 Spiele ohne Niederlage, 14 Punkte, 9 Tore und nur ein Gegentor in der Liga ausgebaut. Am vergangenen Wochenende gab es auch den ersten Auswärtsdreier mit einem – dem Ergebnis nach – souveränen 3-0 beim Ersten Fussballclub Union Berlin (Zweite Mannschaft).

Mit den Hertha-Bubis wartet morgen nun eine Mannschaft, gegen die wir in der Vergangenheit erstens nicht wirklich gut aussahen und zweitens kaum was geholt haben. Letzte Saison gab es zwei berechtigte Niederlagen, die zweite sogar gegen eine bessere A- und B-Jugend-Auswahl. Man darf also gespannt sein, wie sich unsere Jungs morgen schlagen, zumal eventuell unsere komplette linke Seite auszufallen droht und Herthas “Erste” bereits gestern ran durfte und somit eventuell der eine oder andere Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft die Reise nach Magdeburg mit antritt. Weitere Fakten und Infos zum Spiel sind bei Sportfotos-MD zu finden.

So gelungen der Saisonstart auch war und so groß die Freude über die bisher gesammelten 14 Punkte gegen den Abstieg auch ist (selbstverständlich auch bei mir), hat die entstandene Euphorie aber eben auch ihre Schattenseiten. Magdeburg wäre nämlich nicht Magdeburg, wenn sich nicht Einige schon wieder auf Augenhöhe und in ernsthaftem Konkurrenzkampf mit den Spitzenteams der Liga, also eigentlich DEM Spitzenteam der Liga, nämlich RasenBallsport Leipzig, sehen würden. Interessant zu beobachten waren in dem Zusammenhang verschiedene Reaktionen auf der Nordtribüne beim vergangenen Heimspiel, als unter anderem auch aus dem Leipziger Zentralstadion Zwischenergebnisse eingeblendet wurden – bestand doch die reale Möglichkeit, bei einem Ausrutscher der Leipziger und eigenem Sieg von der Tabellenspitze zu grüßen. Relativ groß war da die Enttäuschung über jedes Tor der Sachsen – und ich bin mir ziemlich sicher, dass da nicht nur die mittlerweile normative und unreflektierte “Kommerz”-Antipathie eine Rolle spielte, sondern tatsächlich auch der Anspruch, da sportlich mithalten zu können.

Um es an dieser Stelle auch noch mal ganz klar, und mit den Worten unseres Coaches Andreas Petersen, zu sagen: “Mit 14 Punkten steigen wir ab!” – Ziel diese Saison ist der Nichtabstieg, wünschenswert und durchaus okay wäre eine Position im gesicherten Mittelfeld und eine deutlich sichtbare Weiterentwicklung der Mannschaft, alles andere ist purer Bonus, aber keinesfalls erwartbar und darf schon gleich gar nicht in irgendeine Form von Anspruchsdenken ausarten!

Nun kann man natürlich gewissen Parallelen ziehen zur Fast-Zweitligaaufstiegssaison 2006/2007, als wir, selbst Aufsteiger in die Regionalliga, mit einem beispiellosen Lauf und unter gütiger Mithilfe der Konkurrenz ganz deutlich hörbar an die Tür zu Deutschlands zweithöchster Spielklasse geklopft haben. Damals war das Ziel ebenfalls Nichtabstieg, damals hatten wir ebenfalls eher eine Mannschaft der Namenlosen, damals hatten wir auch einen Riesen-Zusammenhalt in Verein und Umfeld und so weiter und so fort. Klar. Und ich denke, keiner mit blau-weißem Blut hätte etwas dagegen, wenn wir so etwas ähnliches, nur mit erfolgreicherem Ausgang, noch mal hinkriegten. Aber genau da liegt vielleicht auch die Gefahr: “es lief schon mal in die Richtung, also können wir es wieder so weit schaffen.” Möglicherweise ist das sogar so, aber ich glaube, wir würden alle gut daran tun, diesen Gedanken erst mal noch ganz weit wegzuschieben.

Fakt ist nämlich auch: bisher hatten wir in verschiedenen Spielen einfach auch das gewisse Quäntchen Glück (was uns letzte Saison an vielen Stellen fehlte)  und so richtig wirklich über 70, 80, 90 Minuten dominant waren wir auch in keinem Spiel. Jedenfalls in keinem, was ich gesehen oder mit dem ich mich näher beschäftigt habe – Meuselwitz mag da eine Ausnahme gewesen sein. Außerdem überzeugt die zweite Reihe bisher nicht – was aber in einer potentiell langen Saison dringend nötig wäre.

Ich glaube daher, dass uns morgen auch mit den (eventuellen) Ausfällen von Charly Neumann (gute Besserung auch an der Stelle noch mal!) und Christopher Reinhard die erste echte Bewährungsprobe diese Saison ins Haus steht, denn morgen wird es nicht möglich sein, die “Etablierten” auf den Positionen einzuwechseln und damit für neuen Schwung zu sorgen, wie es beispielsweise in den letzten beiden Landespokalpartien der Fall war. Außerdem erwartet uns morgen die bisher vielleicht größte “Wundertüte” der bisherigen Saison. Ich bin echt sehr gespannt, wer da bei den Berlinern morgen auf dem Spielberichtsbogen erscheint.

Mein Tipp für morgen lautet 2-2 vor knapp 6.500 Zuschauern und einen kleinen Dämpfer der möglicherweise nicht immer nur gesunden Euphorie. Gern lasse ich mich in Form eines Heimsieges aber auch eines Besseren belehren ;-). Denn klar ist auch:

“Keiner wird es wagen, keiner wird es wagen, uns’ren FCM zu schlagen!” 😀

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Die Größten der Welt zu Gast in Wolfen – FSA-Pokal, 2. Runde, 08.09.2012

Landespokal also. Nachdem ich ja nun den großartigen Sieg über den in der Vergangenheit nahezu übermächtigen Zipsendorfer Fussballclub Meuselwitz und die damit verbundene Tabellenführung (!!!) nach dem 3. Spieltag nicht live im Stadion erleben konnte, machte ich mich am vergangenen Samstag auf ins schö-, naja, ähm, also nach Wolfen. Hier sollten die Größten der Welt in der 2. Runde des Landespokals gegen den frisch gegründeten 1. FC Bitterfeld-Wolfen im Jahnsta-, naja, ähm, also jedenfalls auf einem Rasenplatz antreten. Wolfen begrüßte mich wetter- und ortschaftstechnisch eher trostlos und per pedes ging es vom Bahnhof in Richtung Spielstätte. Lustig wurde es das erste Mal beim Versuch, den Eingang zum Gästebereich zu finden. Über einen mehr schlecht als recht gepflasterten Weg, gesäumt von Dickicht, Büschen und einem kleinen Mannschaftsbus von Team Green mit seeeeeehr entspannten Staatsdienern (“Hier geht’s lang!” – “Ist das Euer Ernst?!” – “Naja da können wir ja nun nix für!” *raucht weiter auf den Fahrersitz gelümmelt an ihrer Zigarette*) sowie einen Trampelpfad ging es zum Einlass. Dort wurde der geneigte Fan von Security-Personal empfangen, was den Anabolika- und Steroide-Handel in und um Wolfen sicher florieren lässt. Kurzzeitig dachte ich, ich wäre im Krieg oder in Halle, aber nach einer recht gründlichen Kontrolle durfte ich für fanfreundliche 6 Euro dann doch aufs Geläuf. Was ich zunächst für den Neben- oder Aufwärmplatz hielt, stellte sich bei genauerem Hinsehen als der tatsächliche Ort des späteren Geschehens heraus. Kurzum: willkommen in der ganz üblen Fussballprovinz. Der Gedanke, der an diesem Nachmittag bei mir mehr als einmal aufkam, lautete: Bitte, lieber Fussballgott, lass die Größten der Welt hier NIE, NIE, NIEMALS zu einem Punktspiel antreten müssen.

Während sich die Mannschaften warm machten, gab es erst mal eine leckere, ungekühlte Cola, gefolgt von der Suche nach einem guten Platz, von dem aus ich das Spiel später gut würde verfolgen können. Ich möchte mal so sagen: der Riesenandrang herrschte jetzt nicht:

Platz und Gesellschaft fand ich dann auf der Gegengerade, an derem (von meinem Standpunkt aus) rechten Ende sich auch Block U samt Zaunfahnen positionierte. Supportet wurde, wie bei den ersten Pokalrunden üblich, allerdings nicht. Das hatte aber auch seine Vorteile, wie überhaupt die Tatsache, dass sich lediglich etwa 530 Interessierte auf dem Jahnsportplatz versammelt hatten: man war nah dran am Geschehen auf dem Platz und konnte gut, oder jedenfalls anders als auf den Rängen im heimischen HKS üblicherweise, die Anweisungen und Abstimmungen der Spieler untereinander verfolgen. Irgendwie noch mal eine andere, nicht unangenehme Art, Fußball live zu gucken.

Die erste Hälfte begann Blau-Weiß der Aufstellung nach sehr offensiv mit Harrer und Krieger im Sturmzentrum, dazu Viteritti und Beil auf den Flügeln. Podrygala erhielt seine Chance im zentralen Mittelfeld neben Kapitän Marco Kurth, auf den Außenverteidigerpositionen anders als in den vorhergehenden Punktspielen Charly Neumann (links) und Fernando Lenk (rechts), letzte Saison noch Stammspieler, nun aber nur noch die Nummer 2 auf der Position hinter Nils Butzen. In der Innenverteidigung mit Hackenberg und Friebertshäuser die üblichen Verdächtigen, Dersewski ersetzte – wie im Pokal mitunter üblich, Stammtorhüter Tischer. Also quasi so etwas wie die zweite Garnitur, was auch damit zu tun hatte, dass einige Stammkräfte verletzungsbedingt ausfielen. Besonders gefreut hatte ich mich eigentlich auf Michel Harrer, der in der Vorbereitung einige Tore erzielt hatte, dann aber kurz vor Saisonbeginn verletzungsbedingt ausfiel und sich jetzt langsam wieder in die Mannschaft zu kämpfen versucht. Leider konnte er mich in der ersten Halbzeit nicht überzeugen und nahm in der zweiten dann auf der Bank Platz. Es war aber zu erkennen, wie das Spiel mit einem bulligen Stürmer wie Harrer aussehen kann, der vorne Bälle behauptet und auch mal abtropfen lassen kann. Die Abstimmung passte an diesem Tag aber noch nicht so gut, es gab viele Missverständnisse und eigentlich in der ganzen ersten Halbzeit nicht eine vernünftig herausgespielte Torgelegenheit. Das jetzt ausschließlich Michel Harrer anzulasten, wäre natürlich großer Blödsinn; auffällig war aber, dass sich unser Spiel in Halbzeit zwei mit Boltze für Harrer und Krieger und Beil dann im Sturmzentrum deutlich verbesserte. Ich schiebe das jetzt aber mal auf Harzers geringe Spielpraxis und die Tatsache, dass wir in HZ 2 unsere “etablierte” Offensivabteilung auf dem Platz hatten (auch wenn Krieger bisher immer nur eingewechselt wurde). Da passen die Laufwege natürlich schon eher. Trotzdem, noch mal, gefällt mir auch die Variante mit einem spielenden (Koschwitz, Beil, ansatzweise auch Krieger) Stürmer und einem ‘Brecher’ wie Harrer und ich glaube, das wird auch im Verlauf der Saison noch eine echte Alternative.

Für einen Paukenschlag sorgte in der ersten Halbzeit aber erst mal der Gastgeber, der nach gut 12 Minuten und einem blitzsauber vorgetragenen Konter nebst schönem (Lupfer-)Abschluss das 1-0 erzielte. Hier sahen sowohl Lenk als auch Dersewski nicht sonderlich gut aus, wobei die Hauptverantwortung hier bei Lenk gelegen haben dürfte, der den Angriff eigentlich unterbinden kann, den Spieler aber geschmeidig laufen lässt und dem technisch gut gemachten Abschluss ehrfürchtig hinterherschaut. Also Führung Bitterfeld-Wolfen. Der FCM zwar mit viel Initiative, aber eben auch ohne Ideen und, wie schon erwähnt, mit nicht einer ordentlich herausgespielten Torchance im ersten Durchgang. Nach 2 Podrygala-Freistößen und mit noch 2 min. auf der Uhr ging es für mich erst mal Richtung Würstchenstand. Und es kam, wie es kommen musste: kaum bin ich in der Schlange, höre ich unsere Seite jubeln – Krieger hatte in der 45. Minute zum Ausgleich eingenetzt. Mit einem nicht ganz so miesen Gefühl ging es damit also in die zweite Halbzeit.

Hier ist die Geschichte schnell erzählt: ein völlig verwandelter Erster Fussballclub Magdeburg ließ den Gastgeber aus Bitterfeld-Wolfen noch 4 Tore fressen und gewann letzten Endes standesgemäß mit 5-1. Besonders gut gefallen hat mir über das gesamte Spiel hinweg unser Kapitän, der lautstark seine Leute stellte, Hinweise und Anschisse (“Vitti, was soll das?! Was suchst Du denn da?!”, “Man ey, Lenker!!”) verteilte und eine sehr engagierte Figur abgab. Positiv auch Peter Hackenberg, der die Abwehr gut dirigierte und eigentlich jedes Kopfballduell für sich entscheiden konnte (meine Fresse, kann der Mann hoch springen!). Positiv auf jeden Fall auch, dass alle Tore der Blau-Weißen von Stürmern erzielt wurden. Letzte Saison wäre das noch fast einem Wunder gleichgekommen :-P. Auch Marcel Brendel, von der Spielweise her ja (ich geb’s ja zu) einer meiner Lieblingsspieler, mit ein paar guten Szenen nach seiner Einwechslung, nur leider ohne Fortune beim Abschluss.

Eher weniger positiv dürfte die Erkenntnis sein, dass unser zweiter Anzug noch nicht wirklich passt und Spieler wie Podrygala, Lenk und auch Dersewski (noch) keine vollwertigen Alternativen zum derzeitigen Stammpersonal sind. Ich hoffe aber und wünsche es dem derzeitig auf “Bank” abonnierten Personal, dass die Jungs im Laufe der Saison noch einen Sprung machen und zeigen, was sie zweifelsohne drauf haben. Insofern ist es vielleicht auch gar nicht schlecht, dass wir dank unseres ehemaligen Super-Sportdirektors noch ein paar Sinnlos-Altlasten-Testspiele haben, in denen der 1b-Kader mit Sicherheit noch Gelegenheit bekommt, Spielpraxis zu sammeln und sich zu zeigen.

Insgesamt kann ich den Ausflug nach Wolfen dann wohl doch als gelungenen Fussballnachmittag bezeichnen. Ich bin gespannt, wo uns das Los im Achtelfinale hinführt und würde mich freuen, wenn uns der Hässliche FC aus dem Süden noch die eine oder andere Runde erspart bleiben würde. An manchen Mannschaften muss man sich einfach nicht die Finger schmutzig machen, vielleicht erledigt das für uns ja auch eine der anderen noch verbliebenen sachsen-anhaltinischen Fussballgroßmächte :-D.

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Gewalt ist scheisse – immer und überall! Ein Rant

*Achtung! Dieser Beitrag könnte Spuren von Überzeichnung, Pauschalisierung und Stereotypisierung enthalten!!*

Um das gleich mal vorneweg ganz klar zu sagen: was Kevin Pezzoni vom, naja, ehemals 1. FC Köln widerfahren ist, ist schlimm und durch nichts zu entschuldigen. Menschen, die andere Menschen derart angehen und dafür sorgen, dass diese um der eigenen körperlichen und seelischen Unversehrtheit Willen ihren Arbeitsplatz aufgeben müssen, betreiben Mobbing, was einen Straftatbestand darstellt. So weit, so gut.

Was mich aber eigentlich noch wütender macht als die Tatsache, dass so etwas im Fussball – oder generell – überhaupt passieren kann, ist die schablonenartige, vorgefertigte Berichterstattung über die so genannte “Fangewalt im Fussball” in den überregionalen Medien. Es ist nämlich, so meine erste These, ein Riesenunterschied, ob wir von einem Spieler des 1. FC Köln (oder von mir aus auch Münster, Sonnenhofen Großaspach oder Paderborn) oder einem vom, sagen wir mal, 1. FC Magdeburg reden.

Wie ich da drauf komme? Nun: Der Spieler Pezzoni wird von, Zitat “einige[n] wenige[n] Störer[n] und Chaoten”, von denen sich der 1. FC Köln natürlich umgehend distanziert, vor der eigenen Haustür bedroht und löst daraufhin seinen Vertrag bei besagtem Verein auf. Die Medienmaschinerie läuft an, man spricht von der schlimmen Situation für Kevin Pezzoni (kurz) und vom schlimmen Gewaltproblem im deutschen Fußball (schon viel ausführlicher). Aufhängen tue ich mich da vor allem an diesem Beitrag hier auf Sport1.de.

Reinhard Rauball, nach meinem Eindruck eher ein besonnener Zeitgenosse, bringt die Angelegenheit gleich in Verbindung mit der leidigen Stehplatzdebatte, weil ihm bzw. den Vereinsoberen generell die Innenminister im Nacken sitzen, für die solche Ereignisse natürlich Wasser auf die Mühlen ist. Kleine Randnotiz: hier zeigt sich schön die Hysterie und Ahnungslosigkeit, mit der die Hardliner der deutschen Innenpolitik die “Fangewalt”-Debatte führen. Frei nach dem Motto: “Stehplätze raus aus den Stadien, dann erledigt sich auch das Gewaltproblem”. Wie schief diese Diskussion ist, mag jeder für sich selbst ermessen. Aber gut, zurück zum Thema:

Die mediale Bühne ist also da, der arme 1.FC Köln kann sich das alles selbstverständlich gar nicht erklären, alle sind völlig entrüstet und sich sofort einig: so etwas ist scheisse, schlimm und gehört sich nicht. Es geht aber ganz schnell um Fussballfangewalt allgemein und, noch mal Zitat, das Machwerk “einiger weniger Chaoten und Störer” (die in der Stehplatzkurve beheimatet sind und sich, bevor sie zuschlagen, erst mal an Bengalos und Rauchbomben aufgeilen müssen – nur, um das Bild mal komplett zu haben).

Schnitt, Rückblende: wir sind im November 2011. Der Spieler Daniel Bauer vom 1. FC Magdeburg wird – angeblich – vor (oder an? Hier gehen die Aussagen, nicht zuletzt auch von Herrn Bauer selbst, auseinander…) seiner Haustür von – angeblichen – Hooligans bedroht und löst daraufhin, nicht ohne eine entsprechende Schlammschlacht zumindest in den regionalen Medien, seinen Vertrag in Magdeburg auf. Auch hier läuft die Medienmaschinerie an, aber der Ton ist ein ganz anderer. Jetzt geht es plötzlich um einen ehemaligen Europapokalsieger (den 1. FC Magdeburg) als Paradebeispiel für marode ostdeutsche Fanszenen, die nahezu ausschließlich von perspektivlosen Jugendlichen, skrupellosen Schlägern und Neonazis dominiert werden. Spannenderweise interessieren sich die überregionalen Medien in keinem Moment für die Frage, in welcher Situation diese Geschichte plötzlich hochkocht (Bauer als Kapitän abgesetzt, schlechte sportliche Leistungen der ganzen Mannschaft, Unzufriedenheit bei den Spielern und im Umfeld und so weiter und so fort) und was eigentlich der Verein tut bzw. getan hat, um den Vorkommnissen zu begegnen und Daniel Bauer als Spieler zu unterstützten (was z.B. hier ziemlich ausführlich nachgeschaut werden kann.)

Interessant ist, dass die beiden die entsprechenden Medienreaktionen auslösenden Vorkommnisse sich – nach dem, was bekannt ist – fast 1:1 gleichen. Spannend ist aber, wie solche Sachen offenbar allgemein gesellschaftlich aufgenommen werden und warum. Meine nächste These: die Taten werden vor mehr oder weniger feststehenden, von den Medien willfährig bedienten Projektionsflächen gelesen und damit natürlich unterschiedlich bewertet. Letzten Endes wird also mit zweierlei Maß gemessen:

Projektionsfläche 1: “Das Werk einiger weniger Chaoten und Störer”, die quasi die heile Bundesliga-Show-Event-Kommerzwelt stören, in der das Fussballspiel zum allwöchentlichen Familienfest mutiert. Emotionen ja, aber bitte nicht allzu überschwänglich und nur mit alkoholfreiem Bier in der einen und Klatschpappe in der anderen Hand. Das saubere Image gerät in Gefahr, die Frackträger in politischer Verantwortung und die Geldzähler in Vereinen und Fernsehanstalten geraten in Panik, es tritt ein reflexartiges Phrasendreschen ein, man beruft Konferenzen ein, alle sind ein bisschen peinlich berührt, weil es die “Idioten” in der heilen Bundesliga-Show-Event-Kommerzwelt eigentlich gar nicht geben kann. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Projektionsfläche 2: der bereits angesprochene und ohnehin schon marode Fussballosten: “Captain-No-Future”-Fans ohne Job und Perspektive, die straßenschlachtenähnlich pöbelnd und brandschatzend Spieltag für Spieltag durch die Innenstädte und Stadien traditionsreicher, ehemals erfolgreicher ostdeutscher Viert- und Fünftliga-Fussballstandorte ziehen. Gott sei Dank bleibt dieses Phänomen nach der großartigen Regionalligareform auf das Entwicklungsgebiet Ostdeutschland beschränkt, bei Auswärtsfahrten bleiben die sauberen, schönen und bürgerlichen Innenstädte der westdeutschen Fussballprovinz davon nun verschont. Dort wiederum passiert so etwas eben gar nicht, oder es wird nicht darüber berichtet (was im Endeffekt auf das Gleiche hinausläuft – wenn es nicht in der Zeitung steht, ist es auch nicht passiert) und wenn doch, wie z.B. in Sachen Ultras Aachen, gibt es auch hier einen peinlich berührten Verweis auf einschlägige politische Lager, Probleme innerhalb von Szenen und tendenziell eher eine “Du Du Du”-Debatte. Mal ganz davon abgesehen, dass eine übermäßige überregionale Berichterstattung natürlich nicht eintritt.

Natürlich gibt es hier im Osten immer wieder Chaoten und Vollidioten, die die Auseinandersetzung suchen – z.B. nach dem Viertligaderby zwischen RasenBallsport und dem 1. Lokomotive Leipzig letzten Sonntag (und hier ein nahezu sensationeller Kommentar zu den Geschehnissen von der Leipziger Internet Zeitung). Keine Frage. Und das ist scheisse und solche Leute gehören lebenslang aus allen Stadien ausgesperrt und zivilrechtlich richtig empfindlich belangt. Auch keine Frage. Nur triggern die eben (und das ist diesen Kaspern, wie so vieles andere, leider nicht bewusst) das bereits bestehende Bild bzw. die Projektionsfläche, die – und das ist mein Punkt – von Medien und Politik mit Macht und Vehemenz aufrecht erhalten wird. Wäre ja auch langweilig ohne Feindbilder.

Die Idioten, die den Pezzoni bedroht haben, bedienen unbewusst auch eine Projektionsfläche, aber eben die erste. Auch hier wird von allen Seiten versucht, ebendiese – Potemkinsche Dörfer-mäßig – aufrecht zu erhalten.

Und hier stoßen wir aus meiner Sicht auf das eigentliche Problem. Können wir das Kind nicht einfach beim Namen nennen? Leute, die sich wie im Fall Pezzoni oder im Fall Bauer (wenn es denn so stimmt) derart erdreisten, in Bereiche einzugreifen, in denen sie mal überhaupt nichts verloren haben, sind kriminelle Arschlöcher. Punkt. Und ein Verein, der in seinem Umfeld Personen hat, die in der Lage sind, derartige Macht auf einen Verein und seine Angestellten auszuüben, hat ein Problem. Punkt. Und da ist es scheissegal, ob der Verein seinen Sitz in Köln, Magdeburg, Erding, Neuruppin oder Wanne-Eickel hat.

Was man gegen solche Vorkommnisse wie in Köln oder Magdeburg tun kann? Tja, keine Ahnung. Auf jeden Fall nicht, ein Stehplatzverbot in Aussicht zu stellen und ganze Subkulturen in Sippenhaft zu nehmen. Auf jeden Fall auch nicht, die “der schlimme Fussballosten vs. einige Verirrte im ach so sauberen Bundesligazirkus”-Platte aufzulegen. Gut tun würde und ein Anfang wäre wahrscheinlich, wenn in solchen Fällen alle – Vereine, Fans, Politik und Medien sich an die eigene Nase fassen, gemeinsam an einem Strang ziehen und die Feindbilder da suchen würden, wo sie wahrscheinlich tatsächlich stecken – nämlich vor der eigenen Haustür. Ich glaube, dann wäre allen schon ein kleines Stück geholfen. Gewalt ist nämlich grundsätzlich scheisse. Immer und überall.

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“Zwölfhundert Magdeburger, schalalalala!” – Auswärtsspiel in Jena, 24.08.2012

Da war es also, das erste Auswärtsspiel der noch jungen Saison. Der Gastgeber hieß FC Carl Zeiss und spielt bekanntlich im schönen Jena. Schon mit dem Jenaer Abstieg am Ende der vergangenen Saison stand für mich fest, dass das Spiel einen festen Platz in meinem sonst eher spärlichen Auswärtsfahrtenprogramm bekommt. Dass es nun auch gleich noch ein Flutlichtspiel geworden ist – umso besser :-). Ort des Geschehens und Heimspielstätte der Thüringer ist das Ernst-Abbe-Sportfeld, ein schönes, altehrwürdiges Stadion, das noch nicht dem Modernisierungs- und Gleichmacherwahn zum Opfer gefallen ist – neben der traditionsreichen Paarung Jena-Magdeburg ein weiterer Grund für mich, dem Spiel unbedingt beiwohnen zu wollen.

So hieß es also am Freitagnachmittag: auf nach Thüringen! Ich hatte mir bei meinen speziellen Freunden von der Deutschen Bahn eine Verbindung rausgesucht, die mich um exakt 18:12 Uhr in Jena ankommen lassen sollte. Ich dachte mir noch, dass 48 Minuten ja wohl locker reichen würden, um die 1,4 Kilometer vom Bahnhof zum Stadion zu Fuß zurückzulegen und die sicher eher strengen Einlasskontrollen zu passieren. Da die Bahn allerdings so freundlich war, mir ihre Dienste unentgeltlich für 25 zusätzliche Minuten zur Verfügung zu stellen, kam ich natürlich mit erheblicher Verspätung und dem Ruhepuls von Hulk in grün in der Universitätsstadt an. Also schnell die Beine in die Hand genommen, ab durch einen recht schönen Park die Saale entlang und im Stechschritt Richtung Stadion. Schwer zu finden war es letztlich nicht, weil ich mich schnitzeljagdmäßig an der überaus zahlreich erschienenen Staatsmacht orientieren konnte, die sich sogar in Bachläufen (!!!) und hinter bzw. zwischen Büschen postiert hatte… Das Thema “Polizeipräsenznotwendigkeit und Fussballspiele” wird demnächst vielleicht mal einen eigenen Blogbeitrag wert sein.

Pünktlich um 18:57 Uhr traf ich dann im Stadion ein – begrüßt wurde ich am Einlass mit einem freundlichen “REGENSCHIRM DA HINTEN ABGEBEN!”, was ich dann aber zum Glück doch nicht tun musste. Das sollte sich auf dem Heimweg noch als Glücksfall erweisen, der wurde nämlich etwas feuchter. Die Einlasskontrolle ging dann eigentlich relativ fix, pünktlich zum Anpfiff stand ich im Block und dachte mir so: “Frühes Erscheinen sichert die besten Plätze!”. Die erste Halbzeit hab ich nämlich im Wesentlichen so gesehen:

Stimmungstechnisch war es auf jeden Fall wieder sensationell, auch wenn die Lust, kräftig mitzusingen, bei uns da in den hinteren Reihen allmählich ein wenig ausfranste. Interessanterweise kamen eigentlich die ganze erste Halbzeit noch Blau-Weiße hoch in den Block, der angeblich für 1.200 Leute ausgelegt sein soll. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass da gestern mehr Magdeburger am Start waren. Kurzum: es war voll!

Was ich dann zwischen Köpfen und Händen – ab und an 😉 – so zu sehen bekam in den ersten 45 Minuten war weniger berauschend. Entgegen der Einschätzung des Tickermän und des Spielberichts von Sportfotos MD hatte ich doch den Eindruck, dass Jena das Spiel ganz gut im Griff hatte und unsereins größtenteils nur reagierte. Offensiv war jedenfalls vom FCM im ersten Durchgang wenig zu sehen, im Spielaufbau war der Ball zumeist nach 2, 3 Pässen in die Spitze wieder weg und Chancen dementsprechend Mangelware. Dafür hatte der Gastgeber zumindest eine sehr gute Möglichkeit durch einen wuchtigen Kopfball, der aber knapp über das Tor ging. Leider musste unser Ali Moslehe, bis dahin offensiv der Bemühteste und wacker kämpfend, nach etwa 27 Minuten verletzungsbedingt runter, für ihn kam Fabio Viteritti, was sich aber als nicht so schlechter Tausch herausstellen sollte. Ich hoffe nur, dass Ali sich nicht schwerwiegender verletzt hat, zumal er ja auch schon angeschlagen in das Spiel gegangen ist. Auf diesem Weg, obwohl ihn der Gruß wohl nie erreicht ;-), gute Besserung!

Zur Pause stand glücklicherweise die Null und für mich war es Zeit für die obligatorische Stadionwurst. Mit 1,90 EUR war man gut dabei und bekam eine sehr schmackhafte Thüringer Rostbratwurst vom Holzkohlengrill. Da kann sich der Caterer im heimischen HKS mehrere Scheiben von abschneiden, und zwar auf ganz unterschiedlichen Ebenen ;-).

Die zweite Halbzeit dann deutlich besser, und zwar von beiden Mannschaften. Einige Male hatten wir richtig Schwein, dass aus dem Gewühl heraus nicht der Gegentreffer fällt. Und einige weitere Male fühlte ich bei mir quasi die grauen Haare sprießen, als unsere Abwehr getreu dem Motto “Nimm Du ihn nicht, ich hab ihn sicher” den Ball einfach nicht hinten raus bekam. Irgendwie hatten wir aber eben gestern auch das Glück auf unserer Seite, sodass der Ball letztendlich nicht den Weg in das falsche Tor fand. Die vielleicht beste Möglichkeit für uns vergab der bereits schon erwähnte Fabio Viteritti nach einem schönen Konter, an dessen Ende er eigentlich einfach nur mal draufkirschen oder schneller abspielen muss. So blieb es letztlich, weil den Jenaern auch nichts Kreatives mehr einfiel, beim nicht unverdienten Punktgewinn auf fremdem Platz. Ich denke, das geht schon so in Ordnung, und mit einem Sieg gegen Zipsendorf am kommenden Wochenende stimmt auch meine Saisonauftaktprognose von 7 Punkten aus 3 Spielen ;-).

Fazit zum Spiel:

Ich denke, in der letzten Saison hätten wir das Ding noch verloren. Insgesamt hat die Mannschaft das doch recht ordentlich gemacht, ist nie wirklich dolle flatterig geworden und hat sich den Punkt letztendlich auch erkämpft. Auffällig war für mich, dass unser Mittelfeld defensiv sehr ordentlich mitarbeitet – symptomatisch dafür Moslehes Verletzung, die nach einer kompromisslosen Defensivaktion seinerseits in seiner Auswechslung mündete ;-). Ich glaube auch, jetzt schon sagen zu können, dass unsere rechte Seite mit Moslehe/Viteritti und Butzen in dieser Saison zu unserer “Schokoladenseite” werden könnte. Was der junge Butzen zeigt – und zwar saisonübergreifend seit den letzten Spielen der letzten Saison, in denen er endlich randurfte, ist nahezu sensationell. Wenn das so weitergeht, werden wir den jungen Mann aus Mühlhausen wohl in absehbarer Zeit in höheren Ligen sehen – allerdings vermutlich in einem anderen Trikot :-/. Offensiv ist noch einiges an Tuning nötig, so richtig dolle überzeugen konnten mich Maik Koschwitz und Florian Beil gestern nicht. Beide waren zwar sehr bemüht, aber etwas glücklos, da ist noch Luft nach oben. Bin mal gespannt, wie das Offensivspiel sich verändert, wenn Michel Harrer (wieder) dabei ist. Der eine oder andere sehr schöne Spielzug war aber schon dabei und ich bin mir sehr sicher, dass sich die ganze Geschichte im Laufe der Saison noch steigern wird.

Wichtig war gestern, dass wir auch im zweiten Punktspiel ohne Gegentor geblieben sind (was der Abwehr Selbstvertrauen geben dürfte) und dass man gesehen hat, dass, wenn die Angriffe präzise und konsequent zu Ende gespielt werden, diese Truppe auf jeden Fall auch Tore erzielen kann. Wie schon oft geschrieben, wirkt eben gerade in dieser Hinsicht die letzte Saison noch nach, in der man oft das Gefühl hatte, wir würde keine Bude machen, selbst wenn der Gegner schon unter der Dusche ist. Absoluter Wahnsinn gestern auch wieder der Support aus der Kurve. Im Forum war zu lesen, dass selbst die Jenaer Fanbetreuung per SMS kundtat, dass das das Beste war, was man seit einigen Jahren im Ernst-Abbe-Sportfeld von den Gästefans zu sehen und zu hören bekam. Und (mind.) 1.200 Blau-Weiße an einem Freitagabend ist nun wirklich eine Hausnummer – Hut ab!

Für mich hat sich der gestrige Abend noch in ganz anderer Hinsicht gelohnt: nach dem Spiel ging es noch in eine gemütliche Jenaer Studentenkneipe auf ein Bier mit einem Kumpel, den ich vielleicht vor 3 oder 4 Jahren das letzte Mal gesehen hab :-). Danken muss ich an der Stelle auch mal explizit der Staatsmacht, die das gestern alles sehr souverän gelöst hat, das kennt man (zum Beispiel aus der hässlichen Stadt am stinkenden Fluss) auch ganz anders. Die Beamten waren, soweit ich das mitbekommen habe, insgesamt wirklich freundlich, konnten (zum Beispiel bei Fragen zum Abmarsch nach Spielende) kompetent Auskunft geben und ließen sich auch nicht von den notorischen Pöbler-Vollidioten, die es offenbar immer geben muss, aus der Ruhe bringen. Wir wurden nach dem Spiel mehr oder weniger geschlossen vom Stadion weggeleitet und konnten dann auch alsbald eigenverantwortlich unserer Wege gehen, ohne den Damen und Herren in Schwarz großartig erklären zu müssen, warum, wieso und weshalb man sich jetzt von der Gruppe entfernt. Sonst hätte mein Bier-Date im Grünowski wahrscheinlich gar nicht stattfinden können ;-).

Alles in allem also, auch wenn der erträumte Auswärtssieg nicht erreicht wurde, doch ein sehr gelungener Abend! Der nächste Gegner heißt nun Zipsendorfer Fussballclub Meuselwitz und gibt sich am kommenden Sonntag um 13:30 Uhr im heimischen HKS die Ehre. Da ich ausgerechnet für diesen Tag bereits sehr langfristig andere Pläne gemacht habe, werde ich dieses eine Heimspiel leider nicht im Stadion, sondern daheim vor dem Ticker erleben. Hatte ich auch lange nicht mehr und wird dann auch für den Rest der Spielzeit nicht wieder vorkommen. Hoffentlich. Aber auch (oder gerade 😉 ? ) ohne mich wird es gegen die Amateure vom Dorf für einen Heimsieg reichen, denn:

“KEINER WIRD ES WAGEN, KEINER WIRD ES WAGEN – UNS’REN FCM ZU SCHLAGEN!”

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„Der Ball rollt!“ – Punktspielauftakt 2012/13 gegen den VfB Auerbach,12.08.2012

Es dreht sich was in Magdeburg! Und zwar nicht nur in Bezug auf das Spielgerät, welches gegen den Verein für Bewegungsspiele Auerbach 1906 e.V. am vergangenen Sonntag nun endlich auch für unsere Rasenakrobaten erstmalig in der neuen Saison zum Einsatz kam. Nein, auch insgesamt ist nach dem erfolgreichen Saisonauftakt eine echte Aufbruchsstimmung spürbar, die zumindest ich länger nicht mehr wahrgenommen habe in und ums Heinz-Krügel-Stadion. Der 1-0-Erfolg unserer Elf zum Auftakt gegen die Gäste aus dem schönen Vogtland hatte daran natürlich nicht unwesentlich Anteil. Aber auch die Fans, hier namentlich die Ultrás von Block U, und der Verein selbst haben dazu einiges beigetragen. Was war passiert?

Nachdem ja die Saisonpause insgesamt doch recht verheißungsvoll verlief (neuer Trainer, alle Neuzugänge vor Trainingsbeginn verpflichtet, sportliche Kompetenz im Präsidium etc.) und somit für zumindest verhalten positive Stimmung gesorgt war, standen die Räder auch vor dem Auerbach-Spiel nicht still. Im Gegenteil – Block U wartete mit der „Aktion 10.000“ auf und rief das ambitionierte Ziel aus, zum Punktspielauftakt 10.000 Blau-Weiße (und solche, die es noch werden sollen) ins Stadion zu locken. In Anbetracht der, naja, bescheidenen letzten Saison eine doch recht hoch gesteckte Zielsetzung. Dennoch – mit preisgestaltender Unterstützung des Vereins startete eine Gutscheinverteilaktion, die in der Clubgeschichte wohl beispiellos gewesen sein dürfte. Auf Eintrittskarten für den Punktspielauftakt gab es (je nach Block) bis zu 5 Euro Ermäßigung, und wer von der Aktion nichts mitbekommen hat, muss die letzten Wochen seine Wohnung nicht verlassen, keine Zeitung gelesen und nicht das Internet gecheckt haben. In (soweit ich das mitbekommen habe) vollständiger Eigenregie (!!!) wurden vom Block U Gutscheine gedruckt, verteilt und paketeweise zur Verfügung gestellt. Es gab eigens und offiziell organisierte Stände in der Magdeburger Innenstadt, Briefkastenaktionen, Kooperationen mit den üblichen lokalen Medien, und und und. Und jetzt erzähle mir bitte noch einer, Ultrás sind gewaltverherrlichende Vollidioten, die nichts auf die Reihe kriegen und sich nur mit der Polizei prügeln oder kleine Kinder mit Bengalos anstecken wollen. Nicht wahr, Herr Kerner?

Auch wenn die 10.000 nicht ganz erreicht wurden, hat die Aktion definitiv Früchte getragen: Vor dem Stadion war es so voll wie schon lange nicht mehr, ähnliche Schlangen an den Tageskassen gab es zuletzt vielleicht mal gegen die Hässletten aus Merseburg-Nord, definitiv aber nicht in den Heimspielen der letzten Rückrunde. Das Wetter spielte auch mit und irgendwie war beim geneigten Stadiongänger (mir zum Beispiel) so ein Kribbeln zu spüren, es war so ein Summen in der Luft, so eine verhaltene Euphorie, Vorfreude, keine Ahnung. Mir fehlen hier die rhetorischen Mittel, um das vernünftig in Worte zu fassen. Jedenfalls war die Stimmung rundweg positiv und man hatte den Eindruck: „hier geht wieder was“. Und das ist ziemlich bemerkenswert, wenn man einer der wenigen Bekloppten ist, die sich in der vergangenen Saison auch das letzte Heimspiel im HKS noch angetan und miterlebt haben, wie totengräbermäßig die Stimmung da war. Möchte und muss ich nicht noch mal haben.

Insgesamt fanden letztlich 7.899 Zuschauer den Weg ins HKS – eine ordentliche Hausnummer! Fairerweise muss man aber sagen, dass, wie oben schon erwähnt, der Verein selbst auch mit einem aus meiner Sicht sehr geschickten Schachzug zum gesteigerten Zuschauerinteresse beigetragen hat: das Stadionheft, sonst eigentlich nur im Stadion am Spieltag zu bekommen, lag als Sonderbeilage der aktuellen Ausgabe der lokalen Tageszeitung bei! Natürlich – nicht vergessen, wir reden hier von Magdeburg –  sorgte das nicht bei jedem für Hochstimmung. So beklagten sich einige Stadionheftesammler (allerdings berechtigterweise), dass die Materialqualität des Heftes als Zeitungsbeilage notgedrungen abgenommen hat und eine doch recht hohe Zeitungsauflage auch den Sammlerwert erheblich schmälern dürfte; von diesem Wermutstropfen abgesehen muss aber auch der größte Kritiker eingestehen, dass der FCM auf diese Weise nach eigener Angabe etwa 45.000 Haushalte erreicht und eben das Seinige zum gesteigerten Zuschauerinteresse beigetragen haben wird.

Es war also quasi alles angerichtet für das erste Punktspiel und die Pflichtspielpremiere der ersten Männermannschaft in 12/13.

Mit Spielbeginn zeigte Block U auch gleich in gewohnt beeindruckender Weise, dass die Jungs und Mädels nicht nur Gutscheine verteilen, sondern auch ordentlich Rabatz machen können, und stimmten gleich erst mal ein „Niemand wird es wagen, niemand wird es wagen, unsren FCM zu schlagen!“ an ;-). Die Auerbacher allerdings ließen sich davon nicht wirklich beeindrucken und machten in den ersten 10 Minuten richtig Dampf. Mit ein bisschen Pech (von dem wir ja nun in der vergangenen Spielzeit reichlich hatten) sind da schon 2-3 Tore auf der falschen Seite gefallen. Ich spare es mir jetzt, wie üblich, hier einen ausführlicheren Spielbericht zu verfassen, und verweise (der geneigte Leser kennt das schon) auf die Sportfreunde von Sportfotos MD. Vielleicht nur einige wenige (natürlich sehr subjektive) Anmerkungen von meiner Seite:

1.) Habemus Mannschaft! Es wurde sehr ordentlich füreinander gearbeitet, miteinander gesprochen, gegenseitig ausgeholfen und untereinander angespornt. Kein Vergleich mit dem leblosen „Nimm Du ihn nicht, ich hab ihn sicher!“-Haufen der letzten Spielzeit.

2.) Habemus mehr Qualität! Sicherlich ist es noch zu früh, hier schon gleich die großen Lobeshymnen auf einzelne Spieler anzustimmen, aber es war am Sonntag doch zu erkennen, dass da Spieler geholt wurden, die kicken können. Auch wenn er eher unauffällig gespielt hat, hat mir doch zum Beispiel ein Benjamin Boltze neben Marco Kurth sehr gut gefallen. Der eine oder andere kluge Pass war dabei, beim an Viteritti verschuldeten Elfer in der zweiten Halbzeit wollte er Verantwortung übernehmen (durfte dann aber nicht) und insgesamt hat er sich doch gut reingehauen. Das Gleiche gilt für Christopher Reinhard, der zwar den Elfmeter kläglich vergeben, aber auch die eine oder andere Chance der Auerbacher durch starken Einsatz verhindert hat. Auf rechts Ali Moslehe mit viel Dampf und aber Pech im Abschluss, als er zum Beispiel zweimal in Folge die Unwucht Oliver Dix im Kasten der Auerbacher anschießt. Aber okay, der füllt das Tor ja auch ein bisschen breiter aus als der Otto-Normal-Torhüter ;-). Zu guter Letzt ein Spieler, an dem wir hoffentlich noch viel Freude haben werden: Nils Butzen hinten rechts. Offensiv wie defensiv am Sonntag sehr ordentlich – okay, mit kleineren Schwächen hier und da, aber erstens ist der Bursche noch blutjung – also Welpenschutz – und zweitens galt die eine oder andere eher ungelungene Aktion auch für andere im Team.

3.) Habemus Trainer! Endlich mal einer, der sinnvoll wechselt! Ich glaube, das habe ich seit Paul Linz nicht mehr erlebt…. in einer sehr starken Phase und mit einem Tor Führung wird mal eben Offensive für Offensive getauscht in der Hoffnung, noch mal neue Impulse zu setzen und den Sack zuzumachen. Hat mir sehr gut gefallen! Zumal Dawid Krieger nach seiner Einwechselung auch einen für einen Stürmer sehr vorbildlichen Einsatz in der Ballzurückeroberung gezeigt hat. Das eine oder andere Mal hat es da richtig gescheppert – auch das fand ich klasse. Noch nicht lange her, da hätte man bei 1-0 für uns eher ein funktionierendes System zerschossen und Abwehrspieler gebracht, um auf Teufel komm raus das Ergebnis über die Zeit zu schaukeln… mit bekanntem Ausgang…

4.) Was war eigentlich mit „Lang-und-dolle“-Hackenberg los? Wenn die dem was in den Kaffee getan haben, kann er den gern öfter trinken. Hier und da blitze sowas wie Technik auf, und es wurden, wenn ich das richtig gesehen habe, mehr Bälle aus der Abwehr geSPIELT (und an den Mann gebracht!) als geHOLZT. Da hat einer geübt :-P.

5.) Fabian Burdenski wurde eingewechselt und –  hat das Spiel tatsächlich auch zu Ende gespielt! Ohne gelbe oder rote Karte! 😉

Insgesamt – wenn auch noch längst nicht alles rund lief – eine Leistung, auf die man, zumindest phasenweise, auf jeden Fall aufbauen kann.

Unnötig zu erwähnen übrigens, dass der Club ja nicht der Club wäre, wenn nicht doch noch fast was schiefgelaufen wäre. Nach dem Rückpass – ich würde das jetzt mal nicht ‚geschossener Elfmeter’ nennen – begann nämlich wieder das große Zittern. Während sich die Jungs den Ball in der vergangenen Saison aber noch mit schlafwandlerischer Sicherheit irgendwann selbst reingehauen hätten, fiel der Ausgleich für die Auerbacher diesmal nicht – auch dank zweier sensationeller Paraden von Matthias Tischer! So blieb es beim 1-0-Heimsieg, was auch gleich wieder einen historischen Moment in der jüngeren Clubhistorie bedeutete: der erste Heimsieg zum Saisonauftakt seit der Regionalliga-Aufstiegssaison 05/06!

Ich jedenfalls hab das Heinz-Krügel-Stadion am Sonntag mal wieder zufrieden verlassen. Mit einigen grauen Haaren  mehr ob der Zitterpartie am Schluss, aber zufrieden. So kann es gern weitergehen. Am besten schon auswärts gegen den Fussballclub Carl Zeiss Jena am 24.08., meinem ersten Auswärtsspiel der Saison. Ich werde berichten…

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“Kein Bier für Block 4 – Block 5 und 3 sind auch dabei” – Saisoneröffnung gegen den FC Schalke 04, 27.07.2012

“Endlich wieder HKS!” hieß es am Freitag, den 27.07.2012. Das offizielle Saisoneröffnungsspiel gegen den FC Schalke 04 – letztjähriger Bundesligadritter und somit Champions-League-Teilnehmer – stand auf dem Programm.

Vereinseitig angekündigt war ein großes Fest mit entsprechendem Rahmenprogramm im Stadionumlauf, für mediale Präsenz der Größten der Welt war dank Sport1-Liveübertragung auch gesorgt, das Wetter ließ keine Wünsche (außer vielleicht dem nach etwas Abkühlung) offen, nach dem Spiel war noch eine “Blau-weiße After-Work-Party” im Alten Theater angekündigt; kurzum: es war angerichtet für den offiziellen Auftakt in eine hoffentlich erfolgreichere Saison als 2011/2012.

Meine Vorfreude auf das Spiel und den Tag insgesamt war groß, schließlich sollte es für mich die erste und einzige Gelegenheit sein, mir vor dem Punktspielstart live einen Eindruck der neuformierten Mannschaft zu verschaffen. Den bekam ich dann auch, in mehrfacher Hinsicht, doch dazu später mehr. Dementsprechend gut gelaunt ging es am Freitagmittag bereits auf in Richtung Festungsstadt.

Schon auf dem Weg zum Stadion wurde deutlich: hier geht heute was! Die leichte Aufbruchsstimmung, die vorher bereits in der Presse und hier und da im Forum bzw. auf Facebook zu vernehmen war, lag auch am Freitagnachmittag deutlich spürbar in der Luft. Von den leider obligatorischen vollasozialen Alkoholleichen in blau-weiß mal abgesehen, sah man vielerorts fröhliche und zuversichtliche Gesichter, viele Familien, Väter mit ihren Söhnen und nicht zuletzt auch etliche Anhänger der Königsblauen, die erwartungsschwanger Richtung Stadion pilgerten. Für mich recht überraschend ging es am Einlass relativ zügig, obwohl doch deutlich mehr Leute ins Stadion wollten, als bei den letzten Punktspielen ;-). Der erste leichte Schock dann am Bierstand: kleine (0,3 l) Hopfenkaltschale 2,50 €, ein großes (0,5 l) Kaltgetränk 4 €! Eindeutig: die Preise heute hier erstligareif. Darauf folgend dann gleich der nächste Schock, diesmal etwas größer: das dem Stadion derzeit seinen Namen leihende Unternehmen hatte offenbar in rauen Mengen Klatschpappen verteilt. Wer sich da drunter nichts vorstellen kann, klicke für ein Beispiel bitte hier. Als ich die Dinger sah, dachte ich wirklich kurz, ich bin im falschen Film. Als ob der Erste Fussballclub Magdeburg sowas nötig hätte, lächerlich! Ich kann wirklich nur hoffen, dass das Ganze eine einmalige Aktion war und sich zu den Punktspielen nicht wiederholt – das Stadion kriegen wir noch immer Kraft unserer Stimmen laut genug!

Vor Anpfiff füllte sich dann der Stadionumlauf mehr und mehr und schnell war klar, dass die Akquise von Kaltgetränken und Speisen heute eine etwas längerfristige Angelegenheit werden könnte: irgendjemand kam nämlich auf die grandiose Idee, genau so viele Bierwagen und Bratwurststände wie zu normalen Punktspielen aufzubauen. Nur dass da halt 4.000 Menschen erscheinen, und nicht 12.000+. Wer dazu dann noch weiß, wie unheimlich fähig, stressresistent, freundlich und schnell ein Großteil des Bierwagenpersonals im normalen Punktspielbetrieb ist – nämlich tendenziell eher nicht so – dem schwante schon Übles. Also noch schnell ne Wurst besorgt, den Becher eingetauscht und ab auf die Ränge, die schon lange nicht mehr so voll waren. Gegengerade FCM - Schalke

Der FC Schalke 04 überraschte positiv mit einer sehr gut besetzten ersten Elf, der Fussballclub Magdeburg spielte mit der erwarteten Aufstellung und etlichen Neuen in der Startelf. Für weitere Infos zum Spiel selbst verweise ich mal wieder auf die Jungs und Mädels von Sportfotos MD, die das mit dem Spielbericht deutlich besser können als ich ;-). Widmen wir uns daher wieder dem “Drumherum”: 45 unterhaltsame Minuten später – es stand nur 0-1 aus Magdeburger Sicht, was okay war – standen wir nämlich wieder im Stadionumlauf und waren ob der heißen Temperaturen recht durstig. Genau wie ungefähr alle anderen Nordtribünenbesucher. Dumm nur, dass die hohen Bierpreise den gemeinen Clubfan offenbar bis zum Halbzeitpfiff nicht davon abgehalten haben, getränketechnisch kräftig reinzuhauen – das Bier war alle O_O! Angesichts der Tatsache, dass der Club mit dem Spiel kräftig Werbung machen und den einen oder anderen auch für die Punktspiele (wieder) ins Stadion locken wollte, ein unverzeihlicher Fauxpas. Schnell machten natürlich die üblichen sarkastischen Bemerkungen die Runde: “Magdeburg halt”, “typisch FCM”. Schlimmer aber noch so etwas wie “Na, hier komm ich nicht noch mal her, wenn es hier nicht mal was Kaltes zu trinken gibt”. Mittlerweile hat der Club eine Stellungnahme zu den katastrophalen Cateringverhältnissen abgegeben – offenbar war nicht nur die Bierversorgung ein Problem, sondern auch die Versorgung von Kindern mit Cola, Wasser usw. und vor allem die unheimliche Frechheit manch einer/eines Schankangestellten. Berichtet wurde unter anderem von Bemerkungen wie “Wenn Sie was trinken wollen, gehen Sie doch nach hause!” usw.. An dieser Stelle und in dem Zusammenhang möchte ich explizit anmerken, dass der Club, wie ich auch erst jetzt weiß, selbst keinen Einfluss auf das Catering hat. D.h., verantwortlich zu machen sind nur der Caterer selbst und die Betreibergesellschaft, die solche Amateure einkauft. Trotzdem bleibt ein schlechter Eindruck, der den Club sicher einige hundert Zuschauer für das erste Punktspiel zuhause gegen Auerbach gekostet haben wird. Andererseits: der Club wäre halt auch einfach nicht der Club, wenn er eine solche Chance wie am Freitag nicht mit Anlauf verballern würde – und diesmal sogar, ohne etwas dafür zu können <3.

Kann man eigentlich einen Caterer und/oder die MVGM wegen vereinsschädigendem Verhalten verklagen?

Wie dem auch sei, kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit und statt Getränk mit der zweiten Bratwurst des Tages auf der Faust waren wir dann wieder an unseren Plätzen. In den zweiten 45 Minuten wurde kräftig gewechselt und leider rappelte es dann auch noch 4x in der Bude, allerdings leider in der falschen. So gewann schließlich der Champions-League-Teilnehmer aus Gelsenkirchen standesgemäß mit 5-0 gegen den Regionalligisten aus der Elbestadt. Insgesamt muss ich aber sagen, dass trotz des deutlichen Klassenunterschiedes von unseren Spielern in dem Spiel am Freitag bereits deutlich mehr Fussball gezeigt wurde, als gefühlt in der ganzen letzten Saison. Der eine oder andere ganz gefällige Ansatz war zu sehen, die Truppe hat gekämpft und gerackert und hatte sogar noch eine sehr gute Torchance – allein, Maik Koschwitz spitzelte den Ball liegend um wenige Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Dementsprechend zufrieden war ich nach dem Spiel auch und freue mich jetzt schon auf den 12.08., wenn es dann gegen Auerbach endlich wieder um Punkte geht!

Kurz berichtet sei auch noch von der anschließenden “After-Work-Party” im Alten Theater, die wir uns natürlich für 4,65 € Eintritt (inklusive eines aktuellen Mannschaftsposters und eines 5€-Gutscheins für den FanLaden) nicht nehmen ließen. Leider folgten diesem Gedanken nicht allzu viele weitere Blau-Weiße, sodass die “Lokäischn” doch weitestgehend leer blieb und sich die wenigen Gäste mehr oder weniger verloren. Gründe dafür gibt es sicher einige, aber wahrscheinlich ist es auch müßig, da im Nachhinein und an dieser Stelle groß drüber zu philosophieren. Die Veranstalter, da bin ich mir ganz sicher, werden schon die entsprechend richtigen Schlüsse aus der Veranstaltung ziehen. Dabei hatte der Abend an sich viel Potential – eine Live-Band war organisiert, die Songs der Ärzte und der Toten Hosen coverte (und das ausgesprochen ordentlich!), eine Bikini-Modenschau war versprochen 😛 und, und das war an sich für mich das größere Highlight – die komplette Mannschaft inklusive Betreuerstab hat vorbeigeschaut. Mannschaftsfoto Altes TheaterMan begab sich auf die Bühne, jeder Neuzugang stellte sich kurz persönlich vor und richtete einige Worte an die anwesenden Fans. Super Idee, die sehr gut ankam und sicher nicht nur bei mir für eine ganz andere Verbundenheit mit der Mannschaft sorgt ;-).

Im Anschluss gab es noch Gelegenheit, mit den Spielern ins Gespräch zu kommen und sich das Mannschaftsposter signieren zu lassen. Wer weiß, vielleicht ist das ja mal richtig viel Geld wert, wenn die Truppe wider Erwarten den Aufstieg und anschließenden Durchmarsch in die Zweite Liga perfekt macht ;-). Ja ja. Man muss halt auch noch Träume haben dürfen :-P.

Besonders auffällig war für mich der super Umgang der Jungs miteinander. Man hat das Gefühl, dass das wieder eine richtige Truppe ist, die sich gut versteht und zusammenhält. Klasse auch Benjamin Boltze, der ja nun aufgrund seiner Irrungen und Wirrungen bei der Wahl der vorherigen Vereine möglicherweise eine etwas schwerere Hypothek mit sich rumträgt ;-). Ich kann aber definitiv sagen, dass das ein richtig Sympathischer ist, der wohl weiß, dass er für die gleiche Anerkennung innerhalb der Fanszene sicher etwas mehr arbeiten muss als seine Kollegen, aber diese Geschichte, denke ich mal, auch annimmt. Und spätestens, wenn er die Randmerseburger irgendwann in der Saison für uns mit einem Tor aus dem Landespokal kegelt, fragt kein Mensch mehr danach, wo er letzte Saison gespielt hat ;-).

Der nächste Pflichttermin ist, wie schon geschrieben, der 12.08.. Dann geht es gegen Auerbach sowohl um die ersten drei Punkte der Saison als auch um ein weiteres großes Ziel: mindestens 10.000 Zuschauer ins heimische HKS zu locken! Ich hab schon getan, was ich konnte, und kann mindestens eine zusätzliche Stadionbesucherin vermelden, die sonst definitiv nie zum Fussball geht ;-).  Wie es ausgeht, was weiter passiert und ob tatsächlich 10.000+ das erste Punktspiel der neuen Saison live erlebt haben, wird dann zu gegebener Zeit an dieser Stelle zu lesen sein :-)!