Das war die Saison 2013/2014

31. Mai 2014 at 12:08

So. Die Saison ist – zumindest für die 1. Mannschaft des 1. FC Magdeburg – seit dem 25.05.2014 Geschichte und die Spieler befinden sich im wohl verdienten Urlaub. Der Fanschal hat bereits, wie nach jeder Saison üblich, den Weg in den Wäschekorb gefunden und somit ist es wohl auch hier im Blog an der Zeit, die Regionalligasaison 2013/2014 noch einmal Revue passieren zu lassen. 

Sparringspartner Meuselwitz oder: was sonst noch so wichtig war

27. April 2014 at 11:29

1. FC Magdeburg – ZFC Meuselwitz, 26.04.2014, 26. Spieltag

Es gab ja so allerlei (positive) Neuigkeiten beim Ersten FC Magdeburg im Vorfeld der Partie gegen den ZFC Meuselwitz, die wohl vor allem mit der inzwischen feststehenden Besetzung des Cheftrainerpostens zur neuen Saison zu tun haben dürften. So verkündete zum einen Christian Beck, dass er trotz der Perspektive “4. Liga” in der kommenden Saison seinen Vertrag bei den Größten der Welt erfüllen und definitiv auch in der neuen Spielzeit in blau-weiß auflaufen wird. Bester Mann. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass man vermuten darf, dass die Verpflichtung von Jens Härtel und die damit verbundene so genannte “zukünftige Ausrichtung” sicher keine unwesentliche Rolle gespielt haben dürften.

Winterpause!

15. Dezember 2013 at 10:59

Eben noch überlegt, wie man das wohl anstellen kann mit der Anreise zum Pokalspiel nach Sandersdorf und zack! ist unverhofft Winterpause. Grund: ebenjenes Landespokalspiel beim Oberligisten aus dem Süden Sachsen-Anhalts wäre das letzte Pflichtspiel des Ersten FC Magdeburg im Kalenderjahr 2013 gewesen, fiel nun aber der Witterung zum Opfer und soll am 01.02.2014 nachgeholt werden. Kenner der Szene wissen natürlich, dass es unwahrscheinlich bis utopisch ist, dass das Spiel dann an diesem Termin auch tatsächlich stattfinden wird, aber unsere Verbandsweisen werden sich sicherlich etwas dabei gedacht haben *hust*.

Nun, sei es drum, dann ist eben jetzt tatsächlich Schluss mit den Pflichtspielen in diesem Jahr; es beginnt also die ungeliebte Durststrecke, die, anders als die Sommerpause, für ungewisse Zeit andauern kann – je nachdem eben, wie gnädig Petrus dem Amateurfussball zu Beginn des neuen Jahres gestimmt ist. Die erste Männermannschaft hat das letzte Training jedenfalls bereits absolviert und sich in den wohl verdienten Urlaub verabschiedet, bis Trainer Petersen am 13.01.2014 zum offiziellen Outdoor-Aufgalopp in ein hoffentlich ebenso erfolgreiches neues Jahr bittet, wie das bald vergangene eins war. 

Der Sturm vor der Ruhe?

16. August 2013 at 13:16

(und ja, der Titel ist Absicht)

Der 1. FC Magdeburg vor dem ersten Regionalligaheimspiel der Saison 2013/2014

Es ist Stimmung in der Bude beim 1. FC Magdeburg. Und zwar keine der euphorischen oder unterhaltsamen Sorte. Vielmehr hängt der Haussegen schon vor dem ersten Liga-Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den VfB Germania Halberstadt gewaltig schief, wird gar von jetzt schon verpatztem Saisonstart gesprochen und von einigen eifrig über die vermeintlich unumgängliche Demission von Trainer Andreas Petersen diskutiert. Ja, die geneigte Leserschaft liest richtig – ebenjenem Trainer, der letzte Saison noch als Heilsbringer gefeiert wurde und die Mannschaft nach einer katastrophalen Vorsaison in der letzten Spielzeit auf einen respektablen sechsten Rang in der Abschlusstabelle geführt hat. Und ja, wir erleben all diese Diskussionen tatsächlich vor dem ersten Heimauftritt der Blau-Weißen in der Liga. Man muss ihn einfach lieben, diesen Verein, der scheinbar einfach kein ganzes Kalenderjahr ohne Polarisierungen innerhalb der Fanszene und eine gehörige Portion Drama überstehen kann. Was war also passiert?

Groß gekämpft und doch verloren

5. August 2013 at 10:12

1. FC Magdeburg – FC Energie Cottbus, DFB-Pokal 2013/2014, 1. Runde, 03.08.2013

Man kann ein Spiel ja immer so und so sehen. Im Falle des Spiels des Ersten FC Magdeburg in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Energie Cottbus könnte man demnach nun sagen: unnötige Niederlage, mega-ärgerlich, weil zeitweise mit einem Zweitligisten auf Augenhöhe und nur durch eine dumme Unkonzentriertheit ein Gegentor kassiert. Dazu genug eigene Möglichkeiten, sogar in Führung zu gehen.

Andererseits könnte es aber auch heißen: die erwartete Niederlage gegen einen zwei Spielklassen höher angesiedelten Gegner mit Ambitionen nach ganz oben, mit dem man lange mitgehalten hat und gegen den es eben – auch aufgrund der höheren individuellen Klasse auf so ziemlich jeder Position – einfach nicht ganz gereicht hat. Ich persönlich neige zu letzterer Lesart.

Die wundersame Wandlung des Ersten FC M

11. April 2013 at 17:42

1-2 zuhause in einem Nachhol-Flutlichtspiel gegen den Tabellenvorletzten. Und wenn man den zahlreichen Augenzeugen glauben darf, die sich per Ticker, Twitter und Fan-Forum zum Spiel gegen die 2. Mannschaft von Union Berlin am gestrigen Abend zu Wort gemeldet haben, eine durchaus verdiente Niederlage und eine über weite Strecken doch eher als ‘katastrophal’ einzustufenden Leistung. Dies sind erst mal die nüchternen Fakten, die mich dann aber doch langsam gewaltig nachdenklich stimmen, nachdem ich zuletzt ja noch dachte, die schwachen Auftritte in Meuselwitz und gegen Neustrelitz waren der langen Zwangspause geschuldete Ausrutscher. Wie ich darauf kam? Mal überlegen:

Nach der Hinrunde lag der FC Magdeburg auf einem respektablen fünften Tabellenplatz mit nicht unrealistischem Anschluss an die Spitzengruppe der Regionalliga Nordost. Im Großen und Ganzen wurde ordentlicher Fußball gezeigt, obwohl natürlich auch die – erwartbaren – schwachen Leistungen dabei waren, die aber zu einer Aufbausaison naturgemäß dazugehören. Auf dem Platz gab es so etwas wie eine Stamm- oder zumindest Kernformation mit Tischer im Tor, Neumann/Blume – Friebertshäuser – Schiller/Hackenberg – Butzen in der Verteidigung, Kurth – Burdenski/Boltze im (defensiven) Mittelfeld, Reinhard und Viteritti (Moslehe) auf den Flügeln und Beil – Krieger im Sturm. Moniert wurde oftmals die schlechte Chancenverwertung in der Offensive (Krieger!!!) und der Umstand, dass man häufig eben nicht über 90, sondern allenfalls 60, 70 Minuten Dampf machte. Es waren beherzte, leidenschaftliche, engagierte Auftritte dabei, die Mannschaft wollte und es machte nach der Graupensaison 11/12 endlich wieder Spaß, ins Stadion zu gehen, auch wenn längst noch nicht alles klappte. Der FCM war wieder da oder zumindest auf einem guten Weg. Die sportliche Leitung wurde gelobt und, und das war vielleicht das allerwichtigste, es war Ruhe im Verein (jedenfalls, soweit man das von außen beurteilen konnte).

So, dann kam die Winter(zwangs)pause und auch hier wurde eigentlich ganz vernünftig gearbeitet: es folgten ordentliche Hallenauftritte (was in der Vergangenheit ja auch nicht immer der Fall war) und mit der Verpflichtung von Beck, Teixeira (sofort) und Fuchs (ab der kommenden Saison) sinnvolle und qualitativ hochwertige Verstärkungen. Dazu kamen dann oft markige Worte des Trainers und, das sei an dieser Stelle explizit erwähnt, auch der Mannschaft in Form von Mannschaftskapitän Marco Kurth (“Ich will noch 2. werden!”). Es folgte das Lotteriespiel auf Schnee in Auerbach (2-0 für die Guten) und das 3-3 in Plauen. 4 Punkte aus 2 Spielen, beide auswärts – eigentlich okay. Soweit, so einfach.

Umso unklarer ist eigentlich vor diesem Hintergrund die aktuelle Entwicklung mit nunmehr 3 weitestgehend inspirationslosen Auftritten gegen vermeintlich schwächere (Union II) oder potentiell als etwa gleichstark eingeschätzte Gegner (Meuselwitz, Neustrelitz). Die pauschale und auf der Hand liegende Frage “Was ist da los?” entfaltet sich dabei für mich bei genauerem Hinsehen eigentlich in drei konkreteren Fragestellungen, nämlich:

1. Was ist aus der Mannschaft und der Spielkultur aus der Hinrunde geworden?

Hier ist zunächst mal anzumerken, dass sich in der oben als “Stammformation” bezeichneten Aufstellung drei Dinge geändert haben:

Fernando Lenk, der in der Hinrunde allenfalls im Pokal mal eine Chance bekam und in den Punktspielen eigentlich, was Einsatzzeiten angeht, kein Land gesehen hat, scheint nunmehr auf der linken Verteidigerposition gesetzt. Mehr noch, er wird auch nach (meiner persönlichen Meinung nach) schwachen Auftritten vom Trainer über den grünen Klee gelobt (“Wer Lenk schwach gesehen hat, hat keine Ahnung vom Fußball”). Ich für meinen Teil habe Lenk jedenfalls in der Hinrunde nicht vermisst und fand uns eigentlich mit Neumann, später Blume oder wahlweise auch Reinhard hinten links recht gut aufgestellt, sodass die Hereinnahme von Lenk in die Mannschaft auf der Position aus meiner Sicht eigentlich ohne Not erfolgt ist. Verstehbar wird das Ganze eigentlich nur vor dem Hintergrund der Ansage der sportlichen Leitung, alle können sich in der Rückrunde noch für einen neuen Vertrag empfehlen. Dazu kommen wir aber gleich noch. Interessanterweise spielt Reinhard, seitdem Lenk hinter ihm absichert, weit unter seinen Möglichkeiten. Ich meine, ich habe ja laut Trainer keine Ahnung vom Fussball, aber vielleicht sollten Fernando und Christopher öfter mal ein Bier zusammen trinken gehen?

Zweitens: Marius Sowislo, eigentlich als (Flügel-)Stürmer geholt, bei transfermarkt.de interessanterweise als linker Mittelfeldspieler geführt und in der Hinrunde ebenfalls mit wenig Einsatzzeit, findet sich plötzlich in der Schaltzentrale im Mittelfeld wieder. Auf einer Position, für die wir mit Burdenski und Boltze bereits zwei Spieler mit mehr (Boltze) oder weniger (Burdenski) Potential haben und die bereits nachgewiesen haben, dass sie die Position auch ordentlich ausfüllen können. Also wieder ein Wechsel ohne Not, auch wenn, das muss man fairerweise dazusagen, der ideale Partner neben Kurth im Laufe der Hinrunde noch nicht gefunden wurde.

Die dritte Position betrifft den Wechsel von Chancentod Krieger auf Goalgetter Beck, bei dem Becks Quote, so denke ich, für sich sprechen dürfte. Hier war dringender Handlungsbedarf geboten, was sich auch bezahlt gemacht hat.

Was dann auch noch auffällt, ist eine gewisse Pomadigkeit (mir fehlt hier irgendwie ein besseres Wort) und der Mangel des absoluten Willens, das Spiel auch wirklich gewinnen zu wollen. Das sieht offenbar auch der Trainer so, der von “Enttäuschung” (Meuselwitz) sprach und davon, die Mannschaft wäre zeitweise “mausetot” gewesen (Neustrelitz). Bei allem Respekt, Andreas Petersen, aber die Mannschaft mit der richtigen Einstellung ins Spiel zu schicken ist Ihre Aufgabe als Cheftrainer. Und liebe Mannschaft: Ihr konntet wochenlang winterbedingt nicht ordentlich Fußball spielen – Ihr müsstet doch jetzt eigentlich ohne Ende Bock haben, vor der für Regionalligaverhältnisse sicherlich überdurchschnittlich großen Kulisse in Magdeburg wieder kicken zu können! Oder nicht?

2. Was ist aus der Ansage geworden, es gäbe für jeden Spieler noch die Möglichkeit, sich zu empfehlen?

Okay, wenn ein Fernando Lenk selbige Möglichkeit noch mal bekommen sollte, dann hatte er die jetzt. Stephan Neumann, der Lenks Position vor seiner schweren Verletzung ordentlich ausgefüllt hat, aber noch nicht. Und ja, es sind in den englischen Wochen noch ein paar Spiele zu absolvieren, aber warum darf sich Neumann bisher mal so gar nicht zeigen?

Gleiches gilt für Michel Harrer. An seiner Stelle würde ich mich ja langsam fragen, ob man mich eigentlich zu veräppeln gedenkt: da wird in der Winterpause öffentlichkeitswirksam verkündet, Dawid Krieger erhält nach der Saison keinen neuen Vertrag, und dann wird Mr. Chancentod himself dauernd eingewechselt, während der andere nominelle Stürmer, nämlich Harrer, drei Spiele lang gemütlich die Bank anwärmt. Ich meine, ich bin von Harrer nun auch nicht so wahnsinnig überzeugt – das kann aber auch daran liegen, dass ich ihn schlichtweg kaum habe spielen sehen bisher. Und mal ehrlich: das Chancen versemmeln hat Krieger zwar wirklich in beeindruckender Weise perfektioniert, aber das Tor NICHT zu treffen, traue ich Harrer durchaus auch zu. Für mich erklärt sich das nur so, dass Michel Harrer bereits abgeschrieben ist. Aber selbst dann setze ich doch zum Beispiel eher irgendeinen Nachwuchsspieler (von “vielversprechenden Nachwuchstalenten” wage ich auf der Position mal nicht zu sprechen) auf die Bank, als den Kaderplatz durch einen weiteren, möglicherweise bereits feststehenden Abgang zu blockieren.

Ebenso wenig schlau werde ich aus der Personalie Benjamin Boltze. Da wird erstmal über das Boulevardblatt mit den vier großen Buchstaben öffentlich ausgeteilt, Boltze hätte jetzt nur noch Endspiele und dann spielt, siehe oben: Marius Sowislo. Und noch nicht mal besonders gut. Oder Budde Burdenski mit der ihm eben eigenen, äh, “Qualität”. Okay, Boltze war gesundheitlich angeschlagen und so, aber wenn es für ganz passable 20 Minuten am Ende reicht, könnte man ihn ja eigentlich auch mal beginnen lassen. Allerdings kommt da womöglich wieder mein mangelnder Fußballsachverstand ins Spiel. Oder es gibt (das betrifft jetzt Burdenski), wie auch schon verschiedenerorts gemutmaßt wurde, tatsächlich Absprachen im Hintergrund, an denen Burdenski Senior maßgeblich beteiligt ist und die dem Sohnemann eben Einsatzminuten zusichern, die Benjamin Boltze dann natürlich fehlen.

3. Die ‘Causa Kurth’ und die Sache mit der Ruhe im Verein.

Kapitän Marco Kurth war, wie auf der Pressekonferenz nach dem Spiel und dann eben auch in der Presse heute zu vernehmen war, aus “sportlichen und disziplinarischen Gründen” gestern nicht im Kader. Gerüchten zufolge gab es da im Vorfeld wohl eine etwas lautstärkere Meinungsverschiedenheit zwischen Trainer Petersen und Kurth im Training, die eben in der Nicht-Berücksichtigung für das Union-Spiel gipfelte. Für mich klingt das erst mal plausibel und nachvollziehbar, schließlich gibt es für einen erfahrenen Spieler und Mannschaftskapitän wie Kurth sicher auch andere Möglichkeiten, Meinungsverschiedenheiten zur Sprache zu bringen bzw. macht sich Petersen ja lächerlich, wenn er sich von seinem Kapitän vor versammelter Mannschaft derart angehen lässt und dann keine Konsequenzen zieht. Auf der anderen Seite ist das natürlich aber auch ein gefährliches Spiel und es bleibt zu hoffen, dass die Angelegenheit nicht noch weitere Folgeerscheinungen nach sich zieht und sich nicht auf das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft insgesamt auswirkt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sich der wahre Charakter (und das betrifft jetzt sowohl Petersen, als auch Kurth) einer Person erst in Krisenzeiten zeigt und ich hoffe, beide haben genug Größe, mit der jetzt bestehenden Situation professionell umzugehen. Eine Disziplin- und Gefolgschaftsdebatte ist in der derzeitigen Situation jedenfalls so unnötig wie ein Kropf – insbesondere, weil ja in dieser Saison alle Instanzen richtigerweise immer betont haben, dass es nur dann wieder aufwärts gehen kann, wenn alle zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Dass solche Aussagen im Windschatten entsprechenden Erfolgs natürlich leichter über die Lippen kommen als im Moment, ist auch klar.

Soweit zur Bestandsaufnahme. Wie kann es jetzt weitergehen? Ganz dringend wichtig wäre erst einmal ein Erfolg beim Tabellenletzten aus Torgelow jetzt am kommenden Samstag. Egal wie. Sollte man sich auch dort blamieren, ist wohl richtig Feuer unterm Dach, was sich vor allem wohl auch zuschauerzahlentechnisch niederschlagen dürfte, und das jetzt, wo in der nächsten Zeit mit Lokomotive Leipzig und Carl Zeiss Jena dem Namen nach attraktive Gegner im HKS ihr Stelldichein geben werden. Wie sich ein Nicht-Sieg auf die weitere sportliche Entwicklung auswirken würde, möchte ich mir gar nicht ausmalen, zumal ja am 08.05. auch das Landespokal-Halbfinale in Elster ansteht und man bitte nicht schon dort die Chance verbocken sollte, den Pott dieses Jahr wieder in die Landeshauptstadt zu holen. Wo doch der Hässliche FC so freundlich war, sich als Drittligist und vermeintlicher Pokalsiegerfavorit bereits in Halberstadt aus dem Wettbewerb zu verabschieden.

Insgesamt würde ich immer noch sagen, dass man weiterhin Ruhe bewahren sollte, immerhin lief ja die Saison bisher für FCM-Verhältnisse merkwürdig glatt. Nun gibt es eben einen Einbruch und jetzt wird sich zeigen, was alles Gerede im Vorfeld wirklich wert war und wie gefestigt Mannschaft, sportliche Leitung und nicht zuletzt auch das Umfeld wirklich (schon) sind. Und möglicherweise erwartet uns ja bereits in Torgelow das Comeback derjenigen ersten Männermannschaft des Ersten FC Magdeburg, die uns in der Hinrunde bereits so viel Freude bereitet hat.

Und da sind sie wieder: Trainingsauftakt zur Rückrunde 2012/2013

6. Januar 2013 at 19:39

Längere Zeit war es nun schon recht ruhig hier im Blog, was zum Einen an der Absage des letzten Hinrundenspiels beim FSV Zwickau, zum anderen an der leidigen Winterpause als solcher und natürlich auch an den Weihnachts- und Silvesterfestivitäten lag. Die Fußballzwangspause diente derweil nicht nur der Bewältigung eines Wohnungswechsels des hier Bloggenden, sondern tatsächlich auch dem Abstand gewinnen zu einem doch recht ereignisreichen Fussballjahr 2012 aus blau-weißer Sicht. Stand am Ende der vergangenen Saison ein souveräner letzter Tabellenplatz, konnte sich die erste Männermannschaft unter neuer Führung in der just abgelaufenen Hinrunde viele Sympathien zurückerkämpfen und tatsächlich auch -erspielen und belegt vor dem Rückrundenstart mit besagtem noch ausstehenden Zwickau-Spiel einen respektablen 5. Rang. Morgen nun bittet Trainer Petersen seine Mannen zum Trainingsauftakt und zur Rückrundenvorbereitung – ein willkommener Anlass, auch hier mal wieder den einen oder anderen Gedanken festzuhalten und sich solchen Fragen zu widmen wie: Was gibt es aus der Winterpause an spannenden Neuigkeiten zu berichten? Wie schlugen sich retrospektiv die einzelnen Mannschaftsteile in der Hinrunde der Regionalligasaison 12/13? Was steht für die Rückrunde und für das Fussballjahr 2013 insgesamt auf dem Wunschzettel?

Gleich die erste Frage lässt sich sicherlich am schnellsten beantworten. Das einzige wirklich erwähnenswerte Ereignis der Winterpause kann eigentlich nur die – rückblickend nicht mehr wirklich überraschende – Verpflichtung von Christian Beck sein. Er verstärkt seit Jahresbeginn offiziell den Sturm unserer ersten Mannschaft und zeigte bereits beim Hallenturnier in der anderen Stadt im Süden eine ansprechende Leistung. Hängt er sich in der Vorbereitung rein und bleibt er gesund (mein erster FCM-bezogener Wunsch für 2013), wird man ihn sicherlich beim Punktspielauftakt in Auerbach in der ersten Elf sehen.
Tja, und ansonsten war es medial zwischen den Jahren mal angenehm ruhig rund um den ehemaligen Europapokalsieger der Pokalsieger. Lediglich die BLIND wusste jeden Tag etwas mehr oder weniger Spektakuläres zu berichten – die, naja, ‘seriöse’ Alternative ‘Volksstimme’ hielt sich aber zurück und folgte wohl der Maxime, nichts zu berichten, wo es auch nichts zu berichten gibt. Ich hab das für mich einfach mal als gutes Zeichen zum Jahresausklang gewertet, war doch das Theater um den Verein mit der ASAP-Farce, dem Treiben von Gurken-Ulli und dem spektakulären Scheitern im Punktspielbetrieb 11/12 groß genug. So also seit längerem mal wieder besinnliche Weihnachten und, wie oben schon beschrieben, auch die Möglichkeit zum Abschalten und zur Ruhe kommen.

Die zweite Frage nach den einzelnen Mannschaftsteilen bedarf einer etwas differenzierten Antwort, obwohl für die ganze Mannschaft definitiv festzuhalten gilt, dass sie im Großen und Ganzen wieder Spaß macht und man doch, trotz des einen oder anderen Rückschlages, auch endlich die viel beschworene Weiterentwicklung ausmachen kann.

Im Tor bestehen sicherlich die wenigsten Sorgen, hat doch Matthias Tischer wieder eine äußerst solide Hinrunde gespielt und sich als absolut unumstrittene Nummer 1 behauptet. Ein überdurchschnittlich guter Viertligatorwart, mit dem uns meiner Meinung nach auch in einer eventuell mal zu erreichenden dritten Liga nicht bange sein müsste. Danilo Dersewski als zweiter Torhüter hat aus meiner Sicht unter normalen Umständen eigentlich keine Chance, an Tischi vorbeizukommen, bildet aber, sollte mal etwas Unvorhergesehenes (Verletzung, Sperre) dazwischen kommen, zumindest eine brauchbare Alternative. Stammspieler wird er auf lange Sicht bei den Größten der Welt aber sicher nicht.

Die Abwehr war vielleicht der illusterste Mannschaftsteil der Hinrunde, was weniger an den ziemlich liga-durchschnittlichen 16 Gegentoren, als mehr am Torriecher unserer Innenverteidiger lag. Tobias Friebertshäuser (4 Tore) und Felix Schiller (3) liegen intern an zweiter und dritter Stelle der Torschützenliste und haben mit ihren Buden tatsächlich Spiele entschieden, mit ihren Aussetzern (hier vor allem Friebe) aber auch für den einen oder anderen Punktverlust gesorgt. Größter Pechvogel in diesem Mannschaftsteil ist definitiv Kevin Nennhuber, der mit einer langwierigen Bandscheibenverletzung die gesamte Hinrunde verpasst hat. Als Reaktion auf seinen langfristigen Ausfall wurde besagter Felix Schiller nachverpflichtet und macht seine Sache seither insgesamt sehr ordentlich, was es für Nennhuber schwer machen dürfte, wieder in die Mannschaft zu rutschen. Zu vergessen ist auch nicht, dass neben ihm auf der Bank noch ein gewisser Peter “Hacke” Hackenberg sitzt, der zwar derzeit ebenfalls verletzt ist, aber sicherlich auch höhere Ansprüche hat, als 90 Minuten die Bank zu drücken.
Von einer längeren Verletzung blieb auch der ewige Stephan Neumann nicht verschont, was vielleicht für die gesamte Mannschaft das größte Problem darstellte. Als Neumann nämlich zu Saisonbeginn noch hinten links auflief und Christopher Reinhard dadurch ins linke Mittelfeld vorrückte, haben wir aus meiner Sicht den attraktivsten und erfolgreichsten Fussball der Saison gespielt. Bleibt also zu hoffen, dass “Pipi” in der Rückrunde wieder/noch mal angreift und unser Spiel so wieder variabler wird. Auf seiner Position hat sich dann zuletzt Nachwuchsmann Philipp Blume ganz gut gemacht, dem ja auch gute Anlagen nachgesagt werden – was er mitunter auch schon unter Beweis stellen konnte.
Bester Abwehrspieler der Hinrunde und positivste Überraschung (wenn man von einer solchen überhaupt sprechen kann) ist auf jeden Fall Nils Butzen auf rechts, den wir, da bin ich mir sicher, im Laufe seiner Karriere noch deutlich höherklassiger spielen sehen werden. Ob auf lange Sicht mit dem Ersten Fussballclub Magdeburg sei allerdings mal dahingestellt, obwohl der Vertrag ja just um einige Jahre verlängert wurde…

Fazit zur Abwehr: hier mache ich mir wenig Sorgen, sind doch nahezu alle Positionen auch von der Qualität her doppelt besetzt. Der sicherlich zukunftsfähigste Mannschaftsteil, der sich im weiteren Saisonverlauf eigentlich nur weiter stabilisieren und einspielen kann.

Das Mittelfeld stellt sich, wenn ich mir alle Spiele so ins Gedächtnis rufe, eher durchwachsen dar. Zu abhängig sind wir hier von Kapitän Marco Kurth und seiner Tagesform. Daneben spielte zuletzt Fabian Burdenski recht ordentlich, bezüglich seines Potentials bin ich mir allerdings nach wie vor äußerst unsicher. Äußerst starken Spielen wie gegen RB Leipzig stehen absolute Grottenauftritte entgegen, und so richtig überzeugt bin ich nicht, dass wir hier auf längere Sicht eine gute Alternative besitzen. Aber: es gibt ja noch 16 Spiele, in denen er mich eines Besseren belehren könnte.
Auf der linken Seite scheint Christopher Reinhard – aus meiner Sicht völlig berechtigt – gesetzt. Rechts spielte zuletzt immer wieder Allzweckwaffe Florian Beil, wobei hier mit Ali Moslehe eigentlich auch noch eine richtige Granate im Kader steht. Von ihm erwarte ich mir eigentlich in der zweiten Saisonhälfte noch deutlich mehr. Dass er ordentlich Potential hat und Dampf machen kann, hat er oft genug bewiesen. Schön wäre es nur, wenn er das jedes Spiel zeigen würde und könnte. Tja, und dann ist da ja auch noch Supertalent Fabio Viteritti. An guten Tagen genial, an schlechten zu verbissen und verkrampft. Vielleicht ist das auch alles eine Kopfsache bei ihm – wenn mir ständig große Bundesliganamen um die Ohren fliegen würden, würde ich vermutlich auch dauernd krampfhaft versuchen, alles richtig zu machen. Hier ist Andreas Petersen gefragt, seinen fussballerisch vielleicht am besten veranlagten Spieler gut zu führen und in der Rückrunde noch stärker zu machen.
Die größte Enttäuschung im Mittelfeld ist für mich insgesamt Benjamin Boltze. Keine Ahnung, was da los ist – kicken kann der Junge definitiv, aber eben auch sehr gut abtauchen oder, wie zuletzt, leistungsbedingt erst gar nicht auf dem Platz stehen. Mit 26 ist er auch nicht mehr so ganz jung, und wenn es irgendwann noch mal richtig nach vorne gehen soll, müsste Boltze langsam mal durchstarten. Die Perspektive ist ja da, schließlich ist Boltze aus dem aktuellen Kader meiner bescheidenen Meinung nach eigentlich der Spieler, der zumindest fussballerisch irgendwann mal die Nachfolge unseres derzeitigen Captains antreten kann. Bleibt zu hoffen, dass er (also Boltze, nicht Kurth) in der Rückrunde noch den Arsch hochkriegt und sich mit seinen zweifelsohne vorhandenen Fähigkeiten wieder in die Mannschaft spielt.

Fazit Mittelfeld: seit Jahren eine Dauerbaustelle mit einer permanenten Spielmacher-Vakanz. Auch perspektivisch gibt es hier noch ein bisschen was zu tun, in der Tiefe fehlt es dann nämlich doch an Klasse. Buschfunk, Spatzen und anderes Getier lassen hier im allgemeinen Grundrauschen aber verlauten, dass man das wohl erkannt hat und – viel wichtiger – hinter den Kulissen auch an einer Lösung, also an einer Neuverpflichtung, für die kommende Saison arbeitet. Ich bleibe gespannt, aber gewohnt skeptisch.

Tja, und der Mannschaftsteil “Sturm” kann eigentlich nur als laues Lüftchen bezeichnet werden. Insgesamt 19 Tore hat die Mannschaft erzielt, was in der Liga eher so medium gut ist. Erfolgreichster nomineller Stürmer im Kader ist derzeit Florian Beil mit fünf Treffern, von denen er allerdings drei per Elfmeter und alle im ersten Saisondrittel erzielte. Dawid Krieger macht zwar, wie an verschiedenen Stellen schon geschrieben, seinem Namen alle Ehre, trifft aber eben auch trotz klarster Chancen das Tor nicht. Dazu kommt eine gewisse Grundlangsamkeit, die er eigentlich durch gutes Stellungsspiel und zumindest eine weitere Waffe, Kopfballstärke zum Beispiel, wettmachen müsste – tut er aber nicht. Nach allem, was ich diese und letzte Saison gesehen habe, glaube ich mittlerweile, dass auch da leider die Klasse fehlt. In der Hinrunde standen als von der Bank kommende Alternativen noch Michel Harrer und Marius Sowislo zur Verfügung, die aber beide bei ihren Einsätzen eigentlich nie wirklich überzeugen konnten (wobei ich nach wie vor der Meinung bin, dass insbesondere Harrer eine gute Verstärkung sein kann). Hinzu kommt die leider sehr langwierige Schambeinverletzung von Maik Koschwitz, auf den ich mich diese Saison eigentlich extrem gefreut hab und für den ich inständig hoffe, dass er noch mal zurückkommen kann.

Fazit Sturm: Mit Christian Beck wurde mal wieder, glaubt man der einen oder anderen Aussage im Fanforum, ein vermeintlicher Heiland verpflichtet, der aber an sich bisher erst eine (also eine einzige) gute Saison in seiner Fussballervita stehen hat. Kann er die bei uns bestätigen, ist er definitiv eine Verstärkung. Hauptsache, er lässt sich vom Magdeburger Anspruchsdenken nicht verrückt machen…
Fakt ist auf jeden Fall, dass wir im Sturm auch perspektivisch den größten Handlungsbedarf haben. Ein zweiter Stürmer, der pro Saison konstant mindestens 10 Tore liefert, wäre hier sicher für die Zukunft wünschenswert. Der Koschwitz könnte so einer sein. Wenn er denn wieder auf die Beine kommt.

Insgesamt also noch viel Kader-Aufbau-Arbeit und viel Weiterentwicklungspotential, was aber angesichts des doch vorhandenen und einiges versprechenden Grundstocks positiv stimmt. Sicherlich ist es auch nicht von Nachteil, doch schon deutlich gegenüber Spitzenreiter RB Leipzig in Rückstand zu liegen und nach unten einen angenehmen Puffer zu haben, sodass die zweite Saisonhälfte tatsächlich zur sportlichen Konsolidierung und Entwicklung genutzt werden kann – womit wir auch schon bei der dritten Fragen nach den Wünschen für 2013 angekommen wären. Für das aktuelle Jahr wünsche ich mir:

  • dass tatsächlich frühzeitig auch rechnerisch der Klassenerhalt gesichert wird;
  • dass die Mannschaft weiterhin beherzt und engagiert auftritt und mit attraktivem und erfolgreichem Fussball zu überzeugen weiß;
  • dass der lächerliche Auftritt gegen die Lok aus Leipzig im Rückspiel souverän ausgemerzt wird;
  • dass wir eine Woche später mit mindestens 2.500 Mann das Zentralstadion rocken;
  • dass alle verletzten Spieler schnell wieder an Bord kommen und den Anschluss finden;
  • dass wir in der zweiten Saisonhälfte generell von Verletzungen verschont bleiben und
  • dass wir die Saison unter den besten 7 Mannschaften abschließen.

Mit der einen oder anderen sinnvollen Verstärkung sollte dann in der kommenden Saison auch ein Platz unter den ersten 3 im Bereich des Möglichen liegen. Bis dahin wird allerdings ziemlich sicher noch viel Wasser die Elbe runterfließen – jetzt gilt es erst mal, wieder ordentlich loszulegen und für die verbleibenden 16 Punktspiele und den Landespokal die Grundlagen zu legen. In diesem Sinne: Sport frei und einen erfolgreichen Auftakt ins Jahr 2013!

Von Halberstädter Würstchen und Magdeburger Baustellen

2. Dezember 2012 at 20:49

Das war es nun also, das definitiv letzte Heimspiel im Kalenderjahr 2012 und auch das letzte der Hinrunde in der Regionalliga-Saison 2012/2013. Zu Gast waren die Würstchen aus Halberstadt nebst doch beträchtlichem Anhang im Gästeblock des HKS. Irgendwie hatte ich vor dem Spiel so gar kein Gefühl, wie es denn wohl ausgehen könnte, was ich eigentlich als gutes Zeichen deutete, war doch meine Stimmung vor den Spielen gegen Lokomotive Leipzig und Cottbus II eher euphorisch, der Spielausgang hingegen eher ernüchternd. Ausrichtung daher: verhalten optimistisch, vor allem, weil auch noch die fast schon sensationelle erste Hälfte des Cottbus-Spiels irgendwie im Hinterkopf umherspukte. Da diesmal auch die Deutsche Bahn die ausgesprochene Freundlichkeit besaß, ohne große Umwege und Verzögerungen in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts einzurollen, war eigentlich alles angerichtet für einen zwar kalten, aber doch recht entspannten Fußballnachmittag gegen die Randharzer, die zwar vermutlich hoch motiviert sein würden (Stichworte: Spiel gegen den Ex-Trainer und die Causa Beck), fussballerisch aber eigentlich zu packen sein sollten.

Ja. Und dann war Anpfiff.

Ich weiß nicht so genau, ob es an der nicht vorhandenen akustischen Unterstützung zu Spielbeginn lag (Block U beteiligte sich an der bundesweiten Aktion “12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung” nebst kluger Capo-Ansprache an die Kurve zu Spielbeginn), ob der Mannschaft einfach nur kalt war oder ob man womöglich dachte, nach dem phasenweisen Hurra-Fußball gegen Cottbus würde die Murmel schon alleine über die Torlinie rollen – zu sehen war recht grauenhafter Stocherfussball ohne erkennbaren Spielaufbau, ohne Ideen, mit wenig Druck und noch weniger Zug zum Tor, kurzum: ein richtig schlechtes Spiel unserer Elf. Was allerdings zu sehen war, als sowohl Heim-, als auch Gästeblock den Stimmungsboykott beendeten, war eine niedliche Choreo der Halberstädter Fans (“Ultras Halberstadt” und “Viva la Germania” :-P): es wurde eine große Blockfahne hochgezogen (was jetzt auch die Vermessungsaktion beim Cottbus-Spiel erklärt) und – au weia – drunter etwas Pyrotechnik gezündet. Wenn das mal nicht die Kürzung der täglichen Dosenwürstchen-Ration durch den NOFV zur Folge hat. Pöse, pöse Halberstädter und schlimme, gefährliche und gewalttätige Fankultur. Furchtbar sowas. Abschaffen! 250 Jahre Stadionverbot für die ganze Familie! Hier der Rest der Choreo:

Halberstadt-Pyro

Zurück zum Spiel: ein bisschen fühlte ich mich erinnert an den schlimmen Auftritt im Zentralstadion einige Wochen zuvor, weil auf unserer Seite einfach relativ wenig zusammenging. Die Halberstädter hingegen standen uns unheimlich engagiert auf den Füßen, haben geschickt die Räume eng gemacht und waren fast immer mit mehr als einem Mann auf dem ballführenden Spieler – ganz offensichtlich alles Dinge, die unserer jungen und in der Entwicklung befindlichen Mannschaft mal so gar nicht gefallen, was eben in Leipzig das erste Mal deutlich zu sehen war und sich gestern bestätigte. Der Mannschaft beizubringen, mit solchen Situationen besser umzugehen und sie spielerisch – und wenn es sein muss, eben auch mal kämpferisch – zu lösen, ist sicherlich eine der Baustellen, die sich im Laufe der Hinrunde für Andreas Petersen aufgetan haben.

Eine andere Aufgabe wird darin bestehen, neben Marco Kurth einen zweiten “Leitwolf” für die Zentrale zu finden, der in der Lage ist, unseren Kapitän zuverlässig zu ersetzen, falls er mal fehlt oder gesperrt ist (was gestern der Fall war). Bisher war ich eigentlich immer der Meinung, dass Benjamin Boltze so einer sein könnte, gestern hat er mich diesbezüglich aber tatsächlich bitter enttäuscht. Das erste mal so richtig wahrgenommen habe ich ihn erst irgendwann in der zweiten Halbzeit, als er einen öffnenden Pass auf den Flügel zum mittlerweile eingewechselten Ali Moslehe versuchte, diesen aber trotz verhältnismäßig viel Zeit viel zu lang schlägt und damit eine hoffnungsvolle Situation kläglich zunichte macht. Das war es dann aber auch schon mit Offensivakzenten. Ansonsten kam insbesondere von ihm, der laut Lokalpresse (und vermutlich auch laut System und Trainer) eigentlich den Kurth-Part übernehmen sollte, so gut wie gar nichts. Ärgerlich, weil er, dabei bleibe ich, fussballerisch sicher deutlich mehr drauf hat, es nur nicht abruft. Oder abrufen will. Besser machte das da schon der von mir gern gescholtene Fabian Burdenski, der aber mit der Spielmacher-/Spielaufbau-Rolle auch weitestgehend überfordert ist, aber zumindest mal Bälle gewinnt und eine Organisation des Spiels zumindest versucht.

Die erste Halbzeit war dementsprechend ereignisarm, weil auch Germania jetzt nicht unbedingt mit dem klaren, strukturierten und direkten Spiel bestach und unsere Abwehr eigentlich auch nicht wirklich auf die Probe stellte. Das muss sich auch unser Matthias Tischer gedacht haben, als er kurz nach Wiederanpfiff den Manuel Neuer geben und mit dem Ball am Fuß den nahenden Stürmer austanzen will. Ergebnis: eher so ein Notabschlag genau auf die Füße eines Halberstädter Spielers, ein schöner Schlenzer und quasi mit dem ersten ernstzunehmenden Torschuss auch gleich das 0-1 aus blau-weißer Sicht. Ein Ding, das sich unser normalerweise sehr ruhiger und sicherer Torhüter ganz geschmeidig selber reinlegt und das so unnötig war, wie ein Kropf.
Kurze Zeit später dann ein erneuter Halberstädter Angriff, Krontiris dribbelt an der Strafraumgrenze lang, unsere Abwehr guckt dem ehemaligen Bundesligaspieler ehrfurchtsvoll zu und der hat nichts besseres zu tun, als den Ball erneut ins Tor zu schlenzen. Verdeckter Schuss, aber auch hier sah (aus meiner Nordkurvenperspektive) Tischi nicht besonders gut aus. 0-2 nun also.

Was man der Mannschaft ja zugute halten muss, ist, dass jetzt ein regelrechtes Powerplay begann und man mit Macht auf den Anschlusstreffer drängte. Begünstigt wurde das durch einen sehr offensiven Dreierwechsel, der Dawid Krieger, Marius Sowislo und Ali Moslehe für Michél Harrer, Fabio Viteritti und Philipp Blume ins Spiel brachte. Chancen gab es nun im Minutentakt – allein, es fehlt der Spieler, der den Ball auch mal ins Tor zwingt. Dawid Krieger wird das nicht mehr, da lege ich mich jetzt einfach mal fest, und wenn selbst ein Ali Moslehe es nicht schafft, allein vor dem Torwart und mit aller Zeit der Welt die Kugel am Schlussmann vorbei- oder wenigstens auf das Tor zu schieben, dann muss man sich nicht wundern, wenn eben auch weiterhin die Null steht. Vorne, versteht sich. Zeitweise hatte ich, wie an anderer Stelle schon geschrieben, den Eindruck, ich sehe Slapstick. So kläglich kann man 1.000%ige Chancen eigentlich nicht vergeben. Und hier tut sich nun die schon länger bekannte Baustelle 3 auf: wir brauchen ganz, ganz dringend einen abgewichsten Stürmer, der in der Lage ist, die Pille schnörkel- und humorlos einfach mal in die Maschen zu donnern. Mit Torwart, wenn’s denn sein muss. Insofern darf man gespannt sein, ob trotz der durch die letzte Saison nicht gerade verbesserten Finanzlage noch mal im Offensivbereich investiert wird. Angesichts der Tatsache, dass Christian Beck aber immer noch mittrainiert und am Samstag auch auf der Tribüne saß, wird man die Spannung wohl nicht allzu lange aufrecht erhalten müssen.

Tja, was soll man sonst noch sagen? Die Tatsache, dass Block U erstmals in dieser Saison auch etwa 10 Minuten vor Spielende schon die Unterstützung einstellte und das gellende Pfeifkonzert, das die Mannschaft in die Heimspiel-Winterpause verabschiedet hat, sprechen sicher Bände. Dennoch sollte der geneigte Fan weiterhin dran denken, dass wir uns immer noch in einer Aufbausaison befinden und nie die Rede davon war, dass wir jetzt in jedem Spiel jeden Gegner gnadenlos an die Wand kombinieren.

Ich denke insgesamt, dass die Baustellen, die zu bearbeiten sind, nach dem Halberstadt-Spiel noch mal recht deutlich wurden und bin außerdem der Meinung, dass wir eine sportliche Führung haben, die diese Baustellen sicher auch erkannt hat und handeln wird. Im Moment haben wir eben ‘nur’ diesen einen Kader, der stark genug sein wird für den Klassenerhalt (Stichwort: Saisonziel!) und schon mehr als einmal eindrucksvoll angedeutet hat, was in ihm steckt und was möglich ist, wenn man einfach in Ruhe weiterarbeitet und auf dem Teppich bleibt. Trotzdem (oder gerade deswegen?) sollte man sich aber nächste Woche in Zwickau – so das Spiel denn stattfindet – auch mit einer anständigen Leistung in eine dann hoffentlich besinnliche Winterpause verabschieden.

Quo vadis, FCM?

1. November 2012 at 20:46

Da haben wir sie nun also, die erste – wenn man so will – ‘Minikrise’ des Ersten Fussballclubs Magdeburg in der Regionalligasaison 2012/2013. Was gegen fussballerisch arg limitierte Torgelower am 9. Spieltag noch gerade so gut ging, ging auswärts bei der Lokomotive aus Leipzig gründlich daneben. Die Schnittmenge beider Ereignisse bildet eine Personalien, die im erstgenannten Spiel gar nicht und im zweitgenannten vielleicht zu früh wieder auf dem Platz stand. Aber der Reihe nach.

Da wäre zunächst das Heimspiel gegen den Torgelower SV Greif am 9. Spieltag. Wie im letzten Beitrag hier schon beschrieben, auf dem Papier eine klare Angelegenheit: Platz 2 gegen Platz 16. Die Aufstellung allerdings ließ bereits neugierig aufhorchen – anstelle von Kapitän Marco Kurth spielte, ich geb’s ja zu, mein ‘ganz spezieller Freund’ Fabian Burdenski von Anfang an. Kurth hatte sich im Training eine Verletzung zugezogen und war damit zum Zuschauen verdammt. Die Frage also lautete: wie geht die Mannschaft ohne ihren Leitwolf, der nicht nur fussballerisch, sondern auch verbal in dieser Saison auf dem Platz deutlich den Ton angibt, in dieses Spiel? Nun, um es mal vorweg zu nehmen: Burdenski machte keine so katastrophale Partie, wie befürchtet. Im Gegenteil: er spielte seinen Part sogar recht ordentlich. Nach all meiner (vornehmlich im Stadion geäußerten) Kritik an seinen bisher gezeigten Leistungen muss ich das vielleicht an dieser Stelle tatsächlich mal so deutlich hervorheben. Das Problem über die gesamten 90 Minuten allerdings war, daran konnte auch Dieters Sohn nichts ändern, dass dem Spiel der Blau-Weißen deutlich die Struktur, die Ordnung, und eigentlich auch die Ideen fehlte(n.) Man war individuell klar besser als der Gast aus Mecklenburg-Vorpommern (obwohl die tatsächlich einen Balotelli-Klon dabeihatten 😉 ), allerdings haperte es doch recht deutlich erkennbar an durchdachten und vor allem konsequent zu Ende gespielten Offensivaktionen (Stichwort: Chancenverwertung). Aber immerhin: es gab Chancen (das sollte sich im darauf folgenden Spiel ändern) und die Torgelower hätten sich eigentlich nicht beschweren können, deutlicher als 2-0 zu verlieren. Schöne Randnotiz: Dawid Krieger erzielte das 1.500ste Heimspieltor der Clubgeschichte, was ich ihm wirklich sehr gönne. Was der Mann im Spiel rackert und ackert, ist aller Ehren wert, und in diesem Fall kann man wirklich sagen: das Tor hat er sich mehr als erarbeitet. Und dennoch: zu den anderen, eben nicht verwerteten Chancen kamen offensichtliche Abstimmungsprobleme, was das In-Szene-setzen unserer Stürmer betraf, die – vor allem in Halbzeit zwei – sehr häufig in deutlich sichtbaren Abseitspositionen angespielt wurden.

Torgelow wurde das ganze Spiel über eigentlich nie so wirklich gefährlich, sprich: ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass wir das Ding ernstlich noch abschenken würden; allein, der 2. Treffer fiel und fiel und fiel nicht – bis letztendlich Ali Moslehe, der vorher (neben seinem unermüdlichen Bearbeiten der rechten Außenbahn) vor allem durch besagte Abseits-Pässe in Erscheinung trat, die für ihn in diesem Spiel vielleicht schwierigste Situation mit dem Treffer zum 2-0 löste. Gerade noch mal gut gegangen sozusagen – ich kann mich sehr gut an Spiele erinnern, in denen wir bei identischem Spielverlauf ziemlich sicher gegen Ende noch den Ausgleich kassiert hätten. Dennoch war das meiner Meinung nach die bis dato schwächste Saisonleistung. Wohl gemerkt: bis dato. Aber nun gut – die Mannschaft wurde nach dem Spiel von der Kurve erlöst gefeiert und mit einem klaren Auftrag in die Kabine geschickt: Auswärtssieg beim Derby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig.

Gestern hieß es dann nun also: alle ins Zentralstadion! Der Aufforderung folgten nach grober Schätzung ungefähr 2.500 Magdeburger, was, nebenbei bemerkt, bei einer Zuschauerzahl von knapp 5.300 Bände und nicht gerade für die selbst ernannten Bewahrer der Leipziger Fußballtradition aus Probstheida spricht. Überhaupt, die Zuschauer – was war das denn eigentlich bitte? Musste man zunächst befürchten, dass der Lok-Block (welch schöner Reim) nahezu vollständig leer bleibt (siehe nebenstehendes Bild) , bewegte sich etwa 20 Minuten vor Anpfiff eine Traube Hallenser Ackerbatzen in den Block – den hässlichen Lappen der “Saalefront”-Ultras vor sich her schleppend. Und wieder bezeichnenderweise waren auch vor allem diese, äh, Gestalten es, die das Spiel über offenbar im Block den Ton angaben. Mal ehrlich, Lok, wie armselig ist das denn? Da lasst Ihr Euch vom “großen Bruder” aus dem Ghetto an der Saale beim eigenen Heimspiel die Stimmungs-Butter vom Brot nehmen? Tief ist er gesunken, der angebliche Leipziger Traditionsfussball…

Naja, wie dem auch sei: viel kam da nicht von Lok. Vielleicht auch, weil da nicht mehr viel ist von Lok. Also, bis auf bestimmte Gruppierungen, auf die der Verein ganz offensichtlich nicht verzichten kann/will/darf (?): gemeint ist hier “Scenario LOK”. Nicht nur, dass es da wohl allzu offensichtliche Verbindungen in die rechtsextreme Szene gibt, nein, auch ein Spruchband durfte gezeigt werden:

“Man macht uns zu Verbrechern, zu finsteren Gestalten – doch selbst wenn Lok Leipzig fällt werden wir die Stellung halten. Scenario LOK”

Na dann ist ja alles klar…

Zurück zum Spiel: Kapitän Kurth durfte wieder mitmischen und im Mittelfeld die Fäden ziehen, ansonsten sahen wir die gleiche Truppe wie gegen Torgelow. Auch Benjamin Boltze, der im Heimspiel am Sonntag massiv auf die Knochen bekommen und trotzdem sein bestes Spiel im blau-weißen Dress abgeliefert hatte, konnte von Beginn an auflaufen. Was der FCM in diesem Spiel allerdings zeigte, war eigentlich schon fast eine Frechheit. Oder um es mit den Worten unseres Trainers zu sagen: “Es ging bei uns gar nichts. Es gibt so Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben und nichts anfassen. Ich entschuldige mich bei den Fans, die von diesem Ostklassiker zu Recht viel mehr erwartet hatten. Bereitschaft, Begeisterung, Einsatzwille – all das ist uns abhandengekommen.” (Volksstimme vom 01.11.2012)  Sorry Jungs, aber so kann man nicht in ein Derby gehen. So kann man in überhaupt gar kein Fussballspiel gehen. Und wir reden hier nicht von einer Übermannschaft, gegen die man hoffnungslos unterlegen war – wir reden vom 1. FC Lokomotive Leipzig 2012/2013, die für mich diese Saison definitiv ein Abstiegskandidat sind. Und dieses Spiel völlig verdient gewonnen haben. Weil, und hier muss man dem Gegner auch Respekt und Anerkennung zollen: was fussballerisch nicht ging, wurde durch Kampf, Einsatz und die richtige Einstellung wettgemacht. Kurz: Lok war einfach geiler auf 3 Punkte. Mehr möchte ich an der Stelle über unsere “Leistung” mal nicht schreiben, und da hab ich nun schon eine Nacht über das Erlebte geschlafen ;-). Ich denke außerdem auch, dass die Tweets vom gestern für sich sprechen – von einer Spur vorfreudiger Arroganz über Besorgnis bis hin zu blankem Entsetzen, aber so ist das nun mal, wenn die eigene Elf einen das erste Mal in dieser Saison wirklich enttäuscht. Was ich übrigens nicht verstehen konnte, war, dass die Mannschaft nach dem Schlusspfiff vor der Kurve noch beklatscht wurde – das war der Moment, in dem ich mich endgültig dazu entschieden hatte, dass es das für mich gestern gewesen sein sollte im Zentralstadion. Klar, wir sollen Geduld haben und nicht sofort meckern und so, ist auch alle richtig. Genauso richtig finde ich es dann aber auch, nach einem extrem schlechten Spiel, in dem vor allem die Einstellung nicht gestimmt hat, eben mal ein bisschen Liebesentzug zu geben ;-).

Okay, bei aller Enttäuschung: was lehren uns die beiden Partien und wohin bewegt sich der FCM im Moment?

Zunächst mal kann man wohl sagen, dass die Formkurve derzeit eher nach unten zeigt. Was schade ist, weil mit RB Leipzig im nächsten Heimspiel vielleicht das letzte Mal in dieser Hinrunde eine Mannschaft im HKS gastiert, die für eine verhältnismäßig volle Hütte sorgen kann. Nur wird man mit der gezeigten Leistung gegen Torgelow und vor allem jetzt gegen Lok all denen gute Argumente geliefert haben, die meinen, sich den FCM vorerst nicht live im Stadion angucken zu müssen.

Was wir auf jeden Fall auch noch gelernt haben ist, dass wir, wie schon oft gesagt, definitiv in dieser Saison nicht die Mannschaft sind, die RasenBallsport Leipzig da oben wirklich gefährlich werden kann. Insofern ist es vielleicht gut, Umfeld und Mannschaft durch die letzten beiden Spiele wieder ein wenig geerdet zu haben.

Letzter Punkt: die Spiele lieferten meiner bescheidenen Meinung nach interessante Erkenntnisse über unseren Kader:

Durch die Verletzung von Stephan Neumann fehlt uns hinten unser etatmäßiger Linksverteidiger, was bedeutet, dass Christopher Reinhard derzeit für die Position abonniert ist. Ist auch in Ordnung, das kann er spielen – aber noch bessere Wirkung hat er diese Saison als linker Mittelfeldspieler entfaltet – mit ebenjenem Pipi Neumann als Absicherung dahinter. Offenbar gibt unser Kader diese Variante mit einem anderen Linksverteidiger als Neumann nicht her – das raubt uns Offensivkraft und Kreativität.

Dann ist es nach längerem Überlegen doch relativ bedenklich, wie abhängig wir von Kapitän Kurth sind: spielt er nicht, so wie gegen Torgelow, fehlt es unserem Spiel an Ordnung und Struktur. Spielt er schlecht, so wie gestern, macht er die ganze Mannschaft schlechter. Warum? Was gestern oft passierte, war, dass Kurth zwar die Bälle im Mittelfeld forderte, dann aber entweder das Spiel häufig unnötig verlangsamt oder eben beim Weiterspielen oft die falschen Entscheidungen getroffen hat. So kam es zum Beispiel, dass unser bisher recht ordentliches Flügelspiel kaum stattgefunden hat, weil die dazu benötigten Bälle einfach viel zu selten kamen. Kamen sie doch, wurden sie entweder von Lok clever abgelaufen oder aber im ‘klein-klein’ leichtfertig wieder hergeschenkt. Das soll jetzt nicht heissen, dass die gestrige Niederlage allein auf Marco Kurths Kappe ging – außer Torwart Tischer, der bei allen drei Toren machtlos war, hat eigentlich kein Spieler so etwas wie Normalform erreicht – aber es fällt eben doch auf, dass wir auf der neuralgischen Position im Mittelfeld keine Alternative aufbieten können, wenn der Käpt’n mal einen schlechten Tag erwischt. Und ganz ehrlich: ich sehe momentan auf der Bank niemanden, der kurzfristig in diese Position hineinwachsen könnte. Burdenski nicht, und Podrygala, die einzige wirklich große Enttäuschung bei den vielen Neuzugängen, schon gleich gar nicht.

Und um abschließend noch mal auf den Titel des Beitrags zurückzukommen: der Weg des Ersten Fussballclubs Magdeburg durch die Regionalligasaison 2012/2013 wird sehr wahrscheinlich doch eine größere Achterbahnfahrt, als der Saisonauftakt erhoffen ließ. Das Schöne ist aber, dass uns der Spielplan am Sonntag gleich die nächste Bewährungsprobe beschert, wenn unsere Magdeburger Jungs im Landespokal auf den TSV Völpke treffen. Also nicht viel Zeit, um groß zu grübeln, aber genügend Zeit, um trotzig zu bleiben und gleich eine ordentliche Reaktion zu zeigen. Also:

“Auf geht’s, Blau-Weiß, kämpfen und siegen!”

Die Größten der Welt zu Gast in Wolfen – FSA-Pokal, 2. Runde, 08.09.2012

10. September 2012 at 15:12

Landespokal also. Nachdem ich ja nun den großartigen Sieg über den in der Vergangenheit nahezu übermächtigen Zipsendorfer Fussballclub Meuselwitz und die damit verbundene Tabellenführung (!!!) nach dem 3. Spieltag nicht live im Stadion erleben konnte, machte ich mich am vergangenen Samstag auf ins schö-, naja, ähm, also nach Wolfen. Hier sollten die Größten der Welt in der 2. Runde des Landespokals gegen den frisch gegründeten 1. FC Bitterfeld-Wolfen im Jahnsta-, naja, ähm, also jedenfalls auf einem Rasenplatz antreten. Wolfen begrüßte mich wetter- und ortschaftstechnisch eher trostlos und per pedes ging es vom Bahnhof in Richtung Spielstätte. Lustig wurde es das erste Mal beim Versuch, den Eingang zum Gästebereich zu finden. Über einen mehr schlecht als recht gepflasterten Weg, gesäumt von Dickicht, Büschen und einem kleinen Mannschaftsbus von Team Green mit seeeeeehr entspannten Staatsdienern (“Hier geht’s lang!” – “Ist das Euer Ernst?!” – “Naja da können wir ja nun nix für!” *raucht weiter auf den Fahrersitz gelümmelt an ihrer Zigarette*) sowie einen Trampelpfad ging es zum Einlass. Dort wurde der geneigte Fan von Security-Personal empfangen, was den Anabolika- und Steroide-Handel in und um Wolfen sicher florieren lässt. Kurzzeitig dachte ich, ich wäre im Krieg oder in Halle, aber nach einer recht gründlichen Kontrolle durfte ich für fanfreundliche 6 Euro dann doch aufs Geläuf. Was ich zunächst für den Neben- oder Aufwärmplatz hielt, stellte sich bei genauerem Hinsehen als der tatsächliche Ort des späteren Geschehens heraus. Kurzum: willkommen in der ganz üblen Fussballprovinz. Der Gedanke, der an diesem Nachmittag bei mir mehr als einmal aufkam, lautete: Bitte, lieber Fussballgott, lass die Größten der Welt hier NIE, NIE, NIEMALS zu einem Punktspiel antreten müssen.

Während sich die Mannschaften warm machten, gab es erst mal eine leckere, ungekühlte Cola, gefolgt von der Suche nach einem guten Platz, von dem aus ich das Spiel später gut würde verfolgen können. Ich möchte mal so sagen: der Riesenandrang herrschte jetzt nicht:

Platz und Gesellschaft fand ich dann auf der Gegengerade, an derem (von meinem Standpunkt aus) rechten Ende sich auch Block U samt Zaunfahnen positionierte. Supportet wurde, wie bei den ersten Pokalrunden üblich, allerdings nicht. Das hatte aber auch seine Vorteile, wie überhaupt die Tatsache, dass sich lediglich etwa 530 Interessierte auf dem Jahnsportplatz versammelt hatten: man war nah dran am Geschehen auf dem Platz und konnte gut, oder jedenfalls anders als auf den Rängen im heimischen HKS üblicherweise, die Anweisungen und Abstimmungen der Spieler untereinander verfolgen. Irgendwie noch mal eine andere, nicht unangenehme Art, Fußball live zu gucken.

Die erste Hälfte begann Blau-Weiß der Aufstellung nach sehr offensiv mit Harrer und Krieger im Sturmzentrum, dazu Viteritti und Beil auf den Flügeln. Podrygala erhielt seine Chance im zentralen Mittelfeld neben Kapitän Marco Kurth, auf den Außenverteidigerpositionen anders als in den vorhergehenden Punktspielen Charly Neumann (links) und Fernando Lenk (rechts), letzte Saison noch Stammspieler, nun aber nur noch die Nummer 2 auf der Position hinter Nils Butzen. In der Innenverteidigung mit Hackenberg und Friebertshäuser die üblichen Verdächtigen, Dersewski ersetzte – wie im Pokal mitunter üblich, Stammtorhüter Tischer. Also quasi so etwas wie die zweite Garnitur, was auch damit zu tun hatte, dass einige Stammkräfte verletzungsbedingt ausfielen. Besonders gefreut hatte ich mich eigentlich auf Michel Harrer, der in der Vorbereitung einige Tore erzielt hatte, dann aber kurz vor Saisonbeginn verletzungsbedingt ausfiel und sich jetzt langsam wieder in die Mannschaft zu kämpfen versucht. Leider konnte er mich in der ersten Halbzeit nicht überzeugen und nahm in der zweiten dann auf der Bank Platz. Es war aber zu erkennen, wie das Spiel mit einem bulligen Stürmer wie Harrer aussehen kann, der vorne Bälle behauptet und auch mal abtropfen lassen kann. Die Abstimmung passte an diesem Tag aber noch nicht so gut, es gab viele Missverständnisse und eigentlich in der ganzen ersten Halbzeit nicht eine vernünftig herausgespielte Torgelegenheit. Das jetzt ausschließlich Michel Harrer anzulasten, wäre natürlich großer Blödsinn; auffällig war aber, dass sich unser Spiel in Halbzeit zwei mit Boltze für Harrer und Krieger und Beil dann im Sturmzentrum deutlich verbesserte. Ich schiebe das jetzt aber mal auf Harzers geringe Spielpraxis und die Tatsache, dass wir in HZ 2 unsere “etablierte” Offensivabteilung auf dem Platz hatten (auch wenn Krieger bisher immer nur eingewechselt wurde). Da passen die Laufwege natürlich schon eher. Trotzdem, noch mal, gefällt mir auch die Variante mit einem spielenden (Koschwitz, Beil, ansatzweise auch Krieger) Stürmer und einem ‘Brecher’ wie Harrer und ich glaube, das wird auch im Verlauf der Saison noch eine echte Alternative.

Für einen Paukenschlag sorgte in der ersten Halbzeit aber erst mal der Gastgeber, der nach gut 12 Minuten und einem blitzsauber vorgetragenen Konter nebst schönem (Lupfer-)Abschluss das 1-0 erzielte. Hier sahen sowohl Lenk als auch Dersewski nicht sonderlich gut aus, wobei die Hauptverantwortung hier bei Lenk gelegen haben dürfte, der den Angriff eigentlich unterbinden kann, den Spieler aber geschmeidig laufen lässt und dem technisch gut gemachten Abschluss ehrfürchtig hinterherschaut. Also Führung Bitterfeld-Wolfen. Der FCM zwar mit viel Initiative, aber eben auch ohne Ideen und, wie schon erwähnt, mit nicht einer ordentlich herausgespielten Torchance im ersten Durchgang. Nach 2 Podrygala-Freistößen und mit noch 2 min. auf der Uhr ging es für mich erst mal Richtung Würstchenstand. Und es kam, wie es kommen musste: kaum bin ich in der Schlange, höre ich unsere Seite jubeln – Krieger hatte in der 45. Minute zum Ausgleich eingenetzt. Mit einem nicht ganz so miesen Gefühl ging es damit also in die zweite Halbzeit.

Hier ist die Geschichte schnell erzählt: ein völlig verwandelter Erster Fussballclub Magdeburg ließ den Gastgeber aus Bitterfeld-Wolfen noch 4 Tore fressen und gewann letzten Endes standesgemäß mit 5-1. Besonders gut gefallen hat mir über das gesamte Spiel hinweg unser Kapitän, der lautstark seine Leute stellte, Hinweise und Anschisse (“Vitti, was soll das?! Was suchst Du denn da?!”, “Man ey, Lenker!!”) verteilte und eine sehr engagierte Figur abgab. Positiv auch Peter Hackenberg, der die Abwehr gut dirigierte und eigentlich jedes Kopfballduell für sich entscheiden konnte (meine Fresse, kann der Mann hoch springen!). Positiv auf jeden Fall auch, dass alle Tore der Blau-Weißen von Stürmern erzielt wurden. Letzte Saison wäre das noch fast einem Wunder gleichgekommen :-P. Auch Marcel Brendel, von der Spielweise her ja (ich geb’s ja zu) einer meiner Lieblingsspieler, mit ein paar guten Szenen nach seiner Einwechslung, nur leider ohne Fortune beim Abschluss.

Eher weniger positiv dürfte die Erkenntnis sein, dass unser zweiter Anzug noch nicht wirklich passt und Spieler wie Podrygala, Lenk und auch Dersewski (noch) keine vollwertigen Alternativen zum derzeitigen Stammpersonal sind. Ich hoffe aber und wünsche es dem derzeitig auf “Bank” abonnierten Personal, dass die Jungs im Laufe der Saison noch einen Sprung machen und zeigen, was sie zweifelsohne drauf haben. Insofern ist es vielleicht auch gar nicht schlecht, dass wir dank unseres ehemaligen Super-Sportdirektors noch ein paar Sinnlos-Altlasten-Testspiele haben, in denen der 1b-Kader mit Sicherheit noch Gelegenheit bekommt, Spielpraxis zu sammeln und sich zu zeigen.

Insgesamt kann ich den Ausflug nach Wolfen dann wohl doch als gelungenen Fussballnachmittag bezeichnen. Ich bin gespannt, wo uns das Los im Achtelfinale hinführt und würde mich freuen, wenn uns der Hässliche FC aus dem Süden noch die eine oder andere Runde erspart bleiben würde. An manchen Mannschaften muss man sich einfach nicht die Finger schmutzig machen, vielleicht erledigt das für uns ja auch eine der anderen noch verbliebenen sachsen-anhaltinischen Fussballgroßmächte :-D.