Episode 42: Finishing Moves

24. Mai 2017 at 23:24

 

Da ist er also Geschichte, der letzte Spieltag der Drittliga-Saison 2016/2017. Zeit für uns im Podcast, Bilanz zu ziehen und den ersten Teil unseres Saisonrückblicks anzugehen (den zweiten gibt es in der nächsten Woche). Wir besprechen natürlich zunächst das letzte Punktspiel gegen die Sportfreunde Lotte ein wenig ausführlicher und schauen kurz auf das Landespokalfinale, bevor wir uns dann an einer Gesamteinschätzung der Spielzeit versuchen. Neben einem Blick auf die bisher feststehenden Abgänge beschäftigen wir uns außerdem mit den vom MDR ausgegebenen Spielerzeugnissen und stellen fest, dass es tatsächlich gar nicht so einfach ist, jeden Spieler mit einer Schulnote für die gesamte Saison zu versehen. Im “Sonstiges”-Segment geht es diesmal unter anderem um Dortmund und die EM, Zwickau und Pyro, den FCM und seinen Trainerstab und die diversen Relegationsspiele, die in den nächsten Tagen anstehen werden.

Auftakt nach Maß

23. Februar 2015 at 17:00

1. FC Magdeburg – VfB Germania Halberstadt, 17. Spieltag, 4-0 (3-0)

Auftakt ins Pflichtspieljahr 2015? Check. Und wie! Mit 4-0 behielten die Größten der Welt gegen den VfB Germania Halberstadt vor reichlichen 9.372 Zuschauern die Oberhand. 9.372 Zuschauer wohlgemerkt, die das Spiel bei knackigen Temperaturen auch bequem von der heimischen Couch aus hätten schauen können, weil der MDR die Partie nämlich live übertrug. Haben sie aber nicht, und so gab es für das erste Spiel nach 7 Wochen Winterpause gleich eine amtliche Kulisse, die unsere Blau-Weißen ordentlich für sich zu nutzen wussten. Spielerisch war dabei zwar noch einige Luft nach oben, aber wer will bei einem 4-0 schon meckern. Von Halberstadt war dagegen so gut wie gar nichts zu sehen; die Vorharzer präsentierten sich erschreckend schwach und werden in dieser Form sicherlich noch ganz schön beißen müssen, um die Klasse zu halten.

Spieltagsvorschau: Germania Halberstadt (H)

20. Februar 2015 at 15:30

Regionalliga Nordost, 17. Spieltag, 22.02.2015

Endlich ist es wieder soweit! Am Sonntag empfängt der 1. FC Magdeburg den Nachbarn aus Halberstadt zum lang ersehnten Auftakt ins Pflichtspieljahr 2015. Dass man nach der langen Winterpause in und um Magdeburg wieder bzw. weiterhin heiß ist auf blau-weißen Fußball erkennt man auch gut daran, dass der Verein über 430 Rückrunden-Dauerkarten absetzen konnte – und damit deutlich mehr als noch im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt. Nimmt man dann noch den ebenfalls ziemlich gut laufenden Tageskarten-Vorverkauf dazu, könnte es gegen die Mannschaft aus dem Harzvorland doch eine recht ordentliche Kulisse geben. Bleibt zu hoffen, dass der Magdeburger Anhang dann nach 90 Minuten auch zufrieden nach Hause geht.

Geschichte vom Hadern

10. August 2014 at 15:54

VfB Germania Halberstadt – 1. FC Magdeburg, 2. Spieltag, 4-2 (0-1)

Sommer – Urlaub – Auswärtsspiel. Allein diese drei Worte lassen an sich ja das Herz des geneigten Fußballfans höher schlagen, und so hatte auch ich eigentlich fest im Visier, meine Mannschaft am zweiten Spieltag der Regionalliga Nordost beim VfB Germania Halberstadt zu unterstützen. Kommt ja schließlich nur äußerst selten vor, dass sich der Besuch einer Auswärtspartie derart günstig anbietet. In eine Woche voller Vorfreude mischten sich dann aber irgendwann relativ manifeste Zweifel am Sinn dieses Vorhabens, und die hatten zunächst irgendwas mit Wetter, Gewitter und Unwetterwarnungen zu tun. 

“Und dann fangen wir von vorne wieder an, 2, 3, 4…”

27. Februar 2014 at 15:39

Huch! Kaum hat man sich richtig zuende gefreut über den verdienten 2-1-Heimerfolg gegen den Berliner Athletik Klub 07 zum Punktspielauftakt ins Jahr 2014 und sich die hoffentlich passenden Worte für den Blog einigermaßen zurechtgelegt, ist auch schon wieder Donnerstag und sind wenige Dinge so uninteressant wie Ereignisse am vergangenen Wochenende. Dabei gäbe es durchaus den einen oder anderen Aspekt aufzuarbeiten und zu betrachten. Zum Beispiel das erste FCM-Pflichtspiel des Christoph Siefkes, in dem er zwar sein Potential andeuten konnte, ihm doch aber noch merklich die Bindung zur Mannschaft fehlte und die Abstimmung der Laufwege noch durchaus verbesserungsbedürftig war. Oder die, ähm, interessante Schiedsrichterleistung mit der Verweigerung eines klaren Elfmeters und dem mehr als pünktlichen Abpfiff trotz reichlich Unterbrechungen in Halbzeit 2. Oder das journalistische Glanzstück des Uwe Tiedemann bezüglich der Zusammensetzung und des Innenlebens der Fanszene unseres Vereins.

Allein, darum soll es hier heute nicht gehen, sorgte doch eine andere Meldung unter der Woche für reichlich Aufregung und Gefühlsachterbahnen: der seitens der Gazette mit den vier Buchstaben als  bereits feststehend kolportierte Wechsel des Andreas Petersen zum VfB Germania Halberstadt (nachzulesen zum Beispiel bei mirko-fcm.de).

Der Sturm vor der Ruhe?

16. August 2013 at 13:16

(und ja, der Titel ist Absicht)

Der 1. FC Magdeburg vor dem ersten Regionalligaheimspiel der Saison 2013/2014

Es ist Stimmung in der Bude beim 1. FC Magdeburg. Und zwar keine der euphorischen oder unterhaltsamen Sorte. Vielmehr hängt der Haussegen schon vor dem ersten Liga-Heimspiel am kommenden Sonntag gegen den VfB Germania Halberstadt gewaltig schief, wird gar von jetzt schon verpatztem Saisonstart gesprochen und von einigen eifrig über die vermeintlich unumgängliche Demission von Trainer Andreas Petersen diskutiert. Ja, die geneigte Leserschaft liest richtig – ebenjenem Trainer, der letzte Saison noch als Heilsbringer gefeiert wurde und die Mannschaft nach einer katastrophalen Vorsaison in der letzten Spielzeit auf einen respektablen sechsten Rang in der Abschlusstabelle geführt hat. Und ja, wir erleben all diese Diskussionen tatsächlich vor dem ersten Heimauftritt der Blau-Weißen in der Liga. Man muss ihn einfach lieben, diesen Verein, der scheinbar einfach kein ganzes Kalenderjahr ohne Polarisierungen innerhalb der Fanszene und eine gehörige Portion Drama überstehen kann. Was war also passiert?

“Die Nummer Eins im Land sind wir!” – Landespokalsieger 2013

3. Juni 2013 at 18:56

Was für ein Tag, was für ein Spiel, was für ein Erlebnis! Auch mit zwei, fast drei vollen Tagen Abstand fällt es mir immer noch schwer, zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt nüchterne und einigermaßen objektive Worte zu finden. Daher: Scheiss drauf! Dann wird das jetzt eben kein analytisch-sachlicher, sondern ein eher emotional gefärbter Blogpost. Passt eh viel besser zu dem, was sich an diesem 31.05.2013 im Heinz-Krügel-Stadion zu Magdeburg ereignet hat.

Der Tag begann für mich arbeitsbedingt in der – abgesehen vom örtlichen Fußballverein – doch recht schönen Hansestadt Rostock, und schon beim Aufstehen war da dieses Kribbeln und so eine gewisse Grundnervosität, die sich zum einen aus dem abends anstehenden Pokalfinale als solchem und andererseits aus der Frage speiste, ob ich es wohl pünktlich zum Anpfiff ins Stadion schaffen würde. Schließlich war ich mal wieder auf die Deutsche Bahn angewiesen und hatte nur 1,5 Stunden Puffer zwischen der planmäßigen Ankunftszeit und dem planmäßigen Anpfiff im heimischen HKS. Mit lediglich 10 Minuten Verspätung und 65 (!!!) Prozent Handy-Restakku (was ich als ein gutes Omen wertete!) rollte ich schließlich in der Landeshauptstadt ein, sodass sogar noch Zeit war, die obligatorische Kräuterbratwurst sowie ein Kaltgetränk vor dem Stadion zu konsumieren. Das war auch gut so, denn im Stadion selbst war eine Verköstigung aufgrund eines völlig inakzeptablen Caterings (mal wieder…) so gut wie unmöglich – aber dazu später mehr.

Auch Mutter Natur hatte sich offenbar gedacht, ihren Teil zum großen Spektakel an diesem Abend beizutragen, denn schon auf dem Weg Richtung Stadion zeigte sich der Himmel von seiner episch-apokalyptischen Seite:

Keine 30 Sekunden, nachdem wir den Einlass passiert hatten, ging denn auch ein Wolkenbruch nieder, der eher so in die Kategorie ‚Weltuntergang’ einzuordnen war und spätestens jetzt war klar, dass das kein normales Fußballspiel werden würde. Beeindruckend für mich trotzdem, wie sich beide Mannschaften trotz massiven Niederschlags in aller Seelenruhe auf dem Platz warm machten. Und während ich da so zuschaute, dachte ich mir mehr als einmal, dass ich doch ganz froh bin, auf einer überdachten Tribüne stehen zu dürfen ;-).

Wenig verwunderlich wurde dann auch recht zügig bekannt gegeben, dass das Spiel aufgrund der Wetterlage erst um 19.00 Uhr angepfiffen werden würde, was die Nervosität und Anspannung nicht eben minderte. Vielleicht war das alles aber auch ganz gut so, denn so war Zeit für den Block-U-Vorsänger, die komplette Nordtribüne noch mal hinsichtlich der anstehenden Choreographie zu instruieren. Es galt nämlich, auf Kommando auf dem Platz bereits vorgefundene Plastiküberzüge überzustreifen, selbige die ganze erste Halbzeit anzubehalten und außerdem die ersten 45 Minuten stehen zu bleiben. Das Ergebnis konnte sich, wie ich dann später dank verschiedener Fotos und Videos auf Youtube rekonstruieren konnte, natürlich wieder sehen lassen. Wie immer: 

Vielleicht lag es am verspäteten Anpfiff, vielleicht an der ganzen Anspannung an den Tagen zuvor und am Spieltag selbst, vielleicht auch an den unheimlich engagierten Ansagen des Capos, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall entlud sich mit dem Anpfiff und der Choreo plötzlich eine Energie im Block, die ich wirklich lange nicht mehr erlebt hatte. Da musste wohl, auch bei mir, erst mal alles raus, und so kam es, dass die ganze (!) Nordtribüne ein Lied nach dem anderen donnerte und auch die Jungs auf dem Rasen loslegten, als ob es heute was zu gewinnen gäbe.

Zum Spiel selbst kann ich eigentlich gar nicht allzu viel berichten, da sind tatsächlich auch nach eingangs bereits erwähnten 2 Tagen Abstand nur fragmentarische Erinnerungsfetzen erhalten. Prägnant im Kopf geblieben ist mir zum Beispiel der (zugegebenermaßen auch in diesem Blog) häufig gescholtene Marius Sowislo, der im defensiven Mittelfeld im wahrsten Sinne des Wortes ein Riesenspiel machte. Wenn dieses Leistungsvermögen konstant abrufbar ist, wird mir auf der Position überhaupt nicht mehr bange.

Das nächste, was ich dann noch weiß, ist ein gewisser Spielzug unseres Gegners aus Halberstadt in der 87. Minute. Sagte ich vorher leise zu meinem Nebenmann und dann deutlich lauter in Richtung Rasen „DEN MÜSST IHR ABNEHMEN!“, sehe ich bloß aus dem Augenwinkel und zwischen der großen Block-Schwenkfahne hindurch jemanden abziehen und den Ball (von mir aus gesehen) rechts im Tor einschlagen. Die Worte, die nötig wären, um die Gefühlswelt nach diesem Treffer von Maik Georgi (ausgerechnet Georgi!) zu beschreiben, sind in der deutschen Sprache leider nicht verfügbar. Auf jeden Fall kann ich jetzt jeden verstehen, der beim Verfolgen eines Fußballspiels schon mal geheult hat, was ich bis dato immer völlig albern fand (‚Ist doch nur ein Spiel!’), aber fast am eigenen Leib erlebt hätte. Und gleich darauf der nächste beeindruckende Moment: Block U stimmt wieder an (wobei mir ehrlicherweise mal so überhaupt gar nicht nach singen zumute war) und versuchte, unsere Elf wieder nach vorne zu peitschen.

Tja, und als hätte die Mannschaft sofort verstanden, landete in der gefühlten 95. Minute (tatsächlich war es wohl die 90.) die Kugel plötzlich auf der anderen Seite im Netz, was dazu führte, dass die Nord völlig ausrastete. Auch das habe ich so wirklich lange nicht mehr erlebt. Was für ein Spiel!

Verlängerung also. Meine Fresse. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits gefühlte 20 Jahre älter, aber hätte mir jemand gesagt, was noch folgt, ich hätte ihm vermutlich einen Vogel gezeigt.

Erste Halbzeit der Verlängerung, Christian Beck kommt vor unserer Kurve im Strafraum zu Fall, der Schiedsrichter pfeift: Elfmeter! Es tritt an: Florian Beil, seines Zeichens Elfmeterschütze vom Dienst ohne einen Fehlschuss in der laufenden Saison. Bis zum Pokalfinale. Und da ja immer irgendwann das erste Mal ist und der gebürtige Halberstädter wohl der Meinung war, seinerseits ein bisschen Drama ins Spiel zu bringen, setzt Beil den Schuss ganz geschmeidig links am Tor vorbei. Es war nicht zu fassen. Die Mannschaft daraufhin eher verunsichert und hätte Halberstadt diesen Umstand ausgenutzt, hätte der FCM wohl nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen gehabt. Glücklicherweise kam es aber anders, weil der beste Mann auf dem Rasen, Marius Sowislo, kurze Zeit später nach einer schönen Flanke von rechts den Ball per Kopf ins lange Eck beförderte. Der FCM war wieder da, und wie! Der Rest ist dann eigentlich nur noch Rauschen, in dem wohl ein gewisser Florian Beil dann in der zweiten Halbzeit der Verlängerung noch das 3-1 erzielt und die Größten der Welt schließlich zum Landespokalsieger 2013 macht!

Es war schon ein insgesamt absolut geiles Finale, bei dem einfach wirklich alles dabei war, das an Dramatik nur noch durch ein Elfmeterschießen hätte überboten werden können und das auch deshalb so lief, wie es lief, weil mit Germania Halberstadt ein absolut würdiger Finalgegner auf dem Rasen stand. Auch die Worte vom Vereinspräsidenten am Ende mehr als fair, von daher noch mal großen Respekt an die Vorharzer und danke dafür, zu diesem denkwürdigen Abend beigetragen zu haben!

2 negative Randbemerkungen müssen trotz aller Freude aber doch noch sein:

Erstens, wie eingangs bereits erwähnt: das leidige Thema ‚Catering’: bei der Geschwindigkeit, mit der da am Getränkeausschank gearbeitet wurde, hätte man den Servierkörpern zwischen Bestellung und Bezahlung gut und gerne die ganze Vereinschronik auf den Arm tätowieren können. In Farbe. Eine absolute Katastrophe sowas und ich frage mich, wann wir im Heinz-Krügel-Stadion wohl mal fähiges, schnelles, freundliches und kompetentes Catering-Personal erleben dürfen. Bei dem Gedanken daran, dass das Saisoneröffnungsspiel gegen Dortmund am 08.07. so gut wie ausverkauft ist, wird mir jetzt schon Angst und Bange.

Zweitens: Thema ‚Platzsturm’: dass nach einem hoch emotionalen, gewonnenen Landespokalfinale die Anhänger auf den Rasen wollen, dürfte nun wirklich niemanden überraschen. Völlig unverständlich für mich daher, dass man da vereins-/verbandsseitig nicht einfach gelassener drauf eingestellt war und die Fans dann eben auf den Rasen lässt, zumal eigentlich im Moment des Triumphs ja nicht damit zu rechnen war, dass es zu irgendwelchen gewalttätigen Übergriffen kommt. Eigentlich. Und wenn man auf Nummer sicher gehen will, postiert man eben eine Handvoll Polizeibeamte vor dem Gästeblock und rein gar nichts wäre passiert. Also, außer, dass eben die Fans auf dem Rasen mit ihrer Mannschaft hätten feiern können.

Was sich stattdessen ereignete, war sowohl von den Männern und Frauen in Grün bzw. Schwarz, als auch von Teilen des Anhangs auf der Nordtribüne wahrlich keine Glanzleistung: völlig überforderte Beamte laufen erst mal konfrontativ vor der Nordtribüne auf, gleichzeitig scheinen sich ja offenbar immer irgendwelche Dillos zu finden, die nur auf solche Situationen warten und den angestauten Frust ihres traurigen Lebens an der Polizei auszulassen versuchen. Und sorry, liebe Beamte, aber: ich habe selten Einsatzkräfte gesehen, die so derart hilflos, unkoordiniert und dabei noch völlig überzogen aggressiv auf eine derartige Situation reagiert haben. Ein Armutszeugnis, wirklich, und ich hoffe inständig, Sachsen-Anhalts Innenminister war zu der Zeit noch im Stadion. Schade, dass ein großartiges Spiel mit solchen Begleiterscheinungen zu Ende gehen muss und schade auch, dass das insgesamt die Feierstimmung zu dem Zeitpunkt schon ein wenig trübte.

Letzten Endes ist es aber so, (hier kommen wieder die zwei Tage Abstand ins Spiel) dass auch diese beiden eher doofen Aspekte meine Freude über diesen wirklich großartigen Erfolg nicht mindern können. Danke für dieses geile Spiel, danke für diese insgesamt doch sehr gelungene Saison!

Und als brauchte es noch eine letzte Bestätigung für diesen längst schon mal beschlossenen Schritt, ging dann heute auch endlich der Mitgliedsantrag auf den Postweg gen Rötgerstraße 9 ;-).

Finalfieber

26. Mai 2013 at 10:12

Die vergangene Katastrophensaison? Nahezu vergessen.

Die aktuelle Punktspielrunde? Gerade abgeschlossen mit einem 0:0 gegen den Fußball-Sportverein Zwickau. Mit insgesamt immerhin 45 Punkten, 42:41 Toren und einem respektablen 6. Tabellenplatz. Nach dem sang- und klanglosen Untergang als Tabellenletzter im Vorjahr – wer hätte das vor der Saison so erwartet?

Aber: alles egal.

Der einzige wirklich wichtige Termin im Spieljahr 2012/2013 ist der 31.05.2013. Um 18:30 Uhr erfolgt dann der Anstoß zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, ausgespielt wird er zwischen dem VfB Germania Halberstadt und dem Ersten Fußballclub Magdeburg. Es dürfte wohl für beide Mannschaften das wichtigste Spiel des Jahres sein, für die Germania möglicherweise sogar eins der bis dato bedeutendsten Spiele der Vereinsgeschichte. Dennoch, für uns Magdeburger ist dieses Finale eventuell noch dieses eine kleine bisschen wichtiger.

Warum? Nun, es geht ja nicht nur darum, einfach ein Fußballspiel zu gewinnen. Es geht allein schon aus finanziellen Gründen natürlich darum, durch den Pokalsieg in die erste Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Außerdem möchte man ja auch 2015 im europäischen Supercup in Tiflis auflaufen; ein DFB-Pokal-Sieg 2014 ist bei diesem Vorhaben selbstverständlich Grundbedingung ;-).

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Ehre und dem Magdeburger Selbstverständnis als Nummer Eins in Sachsen-Anhalt (ob da noch irgendwelche Randexistenzen in anderen, möglicherweise höheren Ligen ihr Unwesen treiben, ist an der Stelle nicht ganz so wichtig). Nicht nur würde es selbigem, also dem Selbstverständnis, äußerst gut tun, nach 4 Jahren endlich mal wieder im Pokal zu triumphieren. Nachdem uns Germania Halberstadt in dieser Saison bereits vier von sechs möglichen Punkten abgenommen hat, und zwar nicht mal unverdient, wird es außerdem mal wieder Zeit zu zeigen, wie das wirklich so beschaffen ist mit den Machtverhältnissen im Land.

So weit, so einfach. Dennoch erwartet uns am kommenden Freitag meiner bescheidenen Meinung nach ein Spiel, was vom Ausgang her völlig offen ist und aus diesem Grund auch eher für eine gehörige Portion An- statt Entspannung und Vorfreude sorgt, bei mir jedenfalls. Hat man die Germania in den vergangenen Jahren immer als zwar freundlichen, aber sportlich nicht wirklich ernstzunehmenden Nachbarn eher belächelt, haben sich Mannschaft und Verein mittlerweile zu einer echten Regionalligagröße entwickelt. Tatsächlich kann man inzwischen auch von so etwas wie einer organisierten, wenn auch kleinen Fanszene sprechen. Es gibt nicht wenige ExpertInnen im Magdeburger Umfeld, die diese Entwicklung gern in vollem Umfang dem derzeitigen Cheftrainer unserer Blau-Weißen, Andreas Petersen, zuschreiben möchten. Sicherlich ist Petersens Anteil an dem Standing, das sich der Verein inzwischen erarbeiten konnte, nicht von der Hand zu weisen, er hat dort ja schließlich lange genug gewirkt. Allerdings ist der gute Mann inzwischen auch bereits seit einer kompletten Punktspielrunde für die Geschicke der Größten der Welt verantwortlich und letzten Endes läuft es wahrscheinlich darauf hinaus, dass im Vorharz einfach generell gute und grundsolide Arbeit geleistet wird. Hut ab dafür, Germania! Der Pott bleibt deshalb aber bitte trotzdem in der Landeshauptstadt.

Und bei uns? Tja, keine Ahnung. Jedweder Versuch einer nüchternen Analyse scheitert irgendwie immer wieder an diesem dumpf-diffusen Bauchgefühl der Aufregung, gepaart mit Anspannung und einem kleinen bisschen Angst, dass das Spiel möglicherweise am Ende mit dem falschen Sieger endet. Von der Krönung einer in vielerlei Hinsicht ziemlich großartigen, wenn auch längst nicht perfekten Saison bis hin zur ultimativen Schmach, im Finale im eigenen Stadion dem ‚kleinen’ Nachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen, ist wohl alles drin. Und das macht die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Wenn ich die Tendenz aus den beiden Punktspielen gegen Halberstadt als Grundlage nehmen müsste, wäre der Ausgang am Freitag klar: nach einer 0-2-Heimniederlage und einem 2-2 beim Rückspiel auswärts wäre es ja nur logisch, wenn wir nun unsererseits im heimischen HKS mit 2-0 triumphieren würden. Allein – so einfach ist es wohl nicht. Problematisch erscheint in der Tat, dass es Halberstadt in beiden Spielen gegen uns gelungen ist, jeweils 2 Tore zu erzielen. Dass man im letzten Aufeinandertreffen beide Tore kassierte, während der Gegner in Unterzahl war, ist außerdem ziemlich bedenklich. Ob das nun bedeutet, dass die Vorharzer einfach einen ziemlich guten Ball spielen oder dass unsere Abwehr einfach nicht immer auf der Höhe des Geschehens ist, mag jeder für sich selbst beurteilen. Nüchterner Fakt 1 aber trotzdem: unsere Abwehr möchte und muss am Freitag bitte einen Sahnetag erwischen und nicht erst nach Gegentoren, sondern wenn möglich schon beim Einlaufen aufwachen. Fernando Lenk (leider) und Stephan Neumann (yeah!) dürften wohl gesetzt sein, gleiches gilt sicher für Tobias Friebertshäuser in der Innenverteidigung. Neben Friebe kommen Philipp Blume, Peter Hackenberg (ist der schon wieder fit?) oder Kevin Nennhuber in Betracht, eventuell hat der junge Blume hier derzeit ein kleines bisschen die Nase vorn. So ein richtiges Urteil kann ich mir da aber momentan nicht erlauben, weil ich die letzten Spiele mit Blume als IV leider nicht live verfolgen konnte. Prinzipiell halte ich Kevin Nennhuber auch für die solidere, weil einfach erfahrenere Option. Allerdings strahlte er aber auch nicht immer die notwendige Sicherheit aus (um es mal diplomatisch zu formulieren). Naja, und Hacke mit der kürzlich erst wieder erlittenen Verletzung… ach, schwierig.

In der Offensive ist derweil die Sache ziemlich klar und hier sehe ich uns gegenüber unserem Kontrahenten auch recht deutlich im Vorteil. Mit Christian Beck haben wir endlich wieder einen Stürmer, der diese Bezeichnung auch verdient, und speziell gegen seinen alten Verein, den er nicht unbedingt im Guten verlassen hat, dürfte er sicher besonders motiviert sein. Dazu kommen Christopher Reinhard und Fabio Viteritti auf den Flügeln; qualitativ, bei allem Respekt für Germania, sicherlich insgesamt ein deutliches Plus für uns.

Im Mittelfeld dürften Marco Kurth und Marius Sowislo wohl gesetzt sein, so dass insgesamt noch ein Plätzchen zu vergeben ist. Von der Aufstellung der letzten Spiele her zu urteilen, wird das sicherlich Florian Beil einnehmen, im Übrigen ein gebürtiger Halberstädter. Als geneigter Magdeburger Anhänger hätte man sich ja – nichts gegen Beil – gewünscht, dass Telmo Teixeira ein bisschen schneller die Bindung zum Magdeburger Spiel findet und eben lange vor dem Finale schon zur (offensiven) Schaltzentrale avanciert. Das ist bisher aber noch nicht so richtig eingetreten, sodass Telmo das Spiel vermutlich zunächst, wie eigentlich fast immer seit seinem Wechsel von den Hässlichen, von der Bank aus verfolgen dürfte. Viel wird insgesamt auch mal wieder von der Tagesform unseres Kapitäns Kurth abhängen; auch das ist ein Umstand, der mich die ganze Saison über eigentlich schon eher bedenklich stimmt. Für Marco Kurth gilt daher dasselbe wie für unseren Abwehrverbund: bitte am Freitag einen Sahnetag erwischen ;-).

Tja. Insgesamt also: Prunkstück Offensive, eher tagesformabhängiges Mittelfeld, Wackelkandidat Abwehr, was nun auch nach doch eher krampfhaft nüchterner Analyse immer noch nach einem klassischen Fifty-Fifty-Spiel aussieht. Und komme mir jetzt bitte keiner mit “offense wins games, defense wins championships”. Das kann ich jetzt grad gar nicht gebrauchen.

Was bleibt, ist dann eben letzten Endes doch dieses verdammte Gemisch aus Anspannung, Vorfreude und Nervosität, aber: so ist eben der Pokal. Und vielleicht, ja vielleicht gibt es ja am Freitagabend nach Abpfiff mal wieder einen ähnlichen Ausbruch wie diesen hier, an den ich mich immer wieder gern zurückerinnere:

(War das geil. Und krass unsportlich. Aber geil.)

Also, Jungs. Nur noch dieses eine Spiel. Im eigenen Wohnzimmer.

WIR! IHR! POKALSIEG!

Von Halberstädter Würstchen und Magdeburger Baustellen

2. Dezember 2012 at 20:49

Das war es nun also, das definitiv letzte Heimspiel im Kalenderjahr 2012 und auch das letzte der Hinrunde in der Regionalliga-Saison 2012/2013. Zu Gast waren die Würstchen aus Halberstadt nebst doch beträchtlichem Anhang im Gästeblock des HKS. Irgendwie hatte ich vor dem Spiel so gar kein Gefühl, wie es denn wohl ausgehen könnte, was ich eigentlich als gutes Zeichen deutete, war doch meine Stimmung vor den Spielen gegen Lokomotive Leipzig und Cottbus II eher euphorisch, der Spielausgang hingegen eher ernüchternd. Ausrichtung daher: verhalten optimistisch, vor allem, weil auch noch die fast schon sensationelle erste Hälfte des Cottbus-Spiels irgendwie im Hinterkopf umherspukte. Da diesmal auch die Deutsche Bahn die ausgesprochene Freundlichkeit besaß, ohne große Umwege und Verzögerungen in der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts einzurollen, war eigentlich alles angerichtet für einen zwar kalten, aber doch recht entspannten Fußballnachmittag gegen die Randharzer, die zwar vermutlich hoch motiviert sein würden (Stichworte: Spiel gegen den Ex-Trainer und die Causa Beck), fussballerisch aber eigentlich zu packen sein sollten.

Ja. Und dann war Anpfiff.

Ich weiß nicht so genau, ob es an der nicht vorhandenen akustischen Unterstützung zu Spielbeginn lag (Block U beteiligte sich an der bundesweiten Aktion “12:12 – Ohne Stimme keine Stimmung” nebst kluger Capo-Ansprache an die Kurve zu Spielbeginn), ob der Mannschaft einfach nur kalt war oder ob man womöglich dachte, nach dem phasenweisen Hurra-Fußball gegen Cottbus würde die Murmel schon alleine über die Torlinie rollen – zu sehen war recht grauenhafter Stocherfussball ohne erkennbaren Spielaufbau, ohne Ideen, mit wenig Druck und noch weniger Zug zum Tor, kurzum: ein richtig schlechtes Spiel unserer Elf. Was allerdings zu sehen war, als sowohl Heim-, als auch Gästeblock den Stimmungsboykott beendeten, war eine niedliche Choreo der Halberstädter Fans (“Ultras Halberstadt” und “Viva la Germania” :-P): es wurde eine große Blockfahne hochgezogen (was jetzt auch die Vermessungsaktion beim Cottbus-Spiel erklärt) und – au weia – drunter etwas Pyrotechnik gezündet. Wenn das mal nicht die Kürzung der täglichen Dosenwürstchen-Ration durch den NOFV zur Folge hat. Pöse, pöse Halberstädter und schlimme, gefährliche und gewalttätige Fankultur. Furchtbar sowas. Abschaffen! 250 Jahre Stadionverbot für die ganze Familie! Hier der Rest der Choreo:

Halberstadt-Pyro

Zurück zum Spiel: ein bisschen fühlte ich mich erinnert an den schlimmen Auftritt im Zentralstadion einige Wochen zuvor, weil auf unserer Seite einfach relativ wenig zusammenging. Die Halberstädter hingegen standen uns unheimlich engagiert auf den Füßen, haben geschickt die Räume eng gemacht und waren fast immer mit mehr als einem Mann auf dem ballführenden Spieler – ganz offensichtlich alles Dinge, die unserer jungen und in der Entwicklung befindlichen Mannschaft mal so gar nicht gefallen, was eben in Leipzig das erste Mal deutlich zu sehen war und sich gestern bestätigte. Der Mannschaft beizubringen, mit solchen Situationen besser umzugehen und sie spielerisch – und wenn es sein muss, eben auch mal kämpferisch – zu lösen, ist sicherlich eine der Baustellen, die sich im Laufe der Hinrunde für Andreas Petersen aufgetan haben.

Eine andere Aufgabe wird darin bestehen, neben Marco Kurth einen zweiten “Leitwolf” für die Zentrale zu finden, der in der Lage ist, unseren Kapitän zuverlässig zu ersetzen, falls er mal fehlt oder gesperrt ist (was gestern der Fall war). Bisher war ich eigentlich immer der Meinung, dass Benjamin Boltze so einer sein könnte, gestern hat er mich diesbezüglich aber tatsächlich bitter enttäuscht. Das erste mal so richtig wahrgenommen habe ich ihn erst irgendwann in der zweiten Halbzeit, als er einen öffnenden Pass auf den Flügel zum mittlerweile eingewechselten Ali Moslehe versuchte, diesen aber trotz verhältnismäßig viel Zeit viel zu lang schlägt und damit eine hoffnungsvolle Situation kläglich zunichte macht. Das war es dann aber auch schon mit Offensivakzenten. Ansonsten kam insbesondere von ihm, der laut Lokalpresse (und vermutlich auch laut System und Trainer) eigentlich den Kurth-Part übernehmen sollte, so gut wie gar nichts. Ärgerlich, weil er, dabei bleibe ich, fussballerisch sicher deutlich mehr drauf hat, es nur nicht abruft. Oder abrufen will. Besser machte das da schon der von mir gern gescholtene Fabian Burdenski, der aber mit der Spielmacher-/Spielaufbau-Rolle auch weitestgehend überfordert ist, aber zumindest mal Bälle gewinnt und eine Organisation des Spiels zumindest versucht.

Die erste Halbzeit war dementsprechend ereignisarm, weil auch Germania jetzt nicht unbedingt mit dem klaren, strukturierten und direkten Spiel bestach und unsere Abwehr eigentlich auch nicht wirklich auf die Probe stellte. Das muss sich auch unser Matthias Tischer gedacht haben, als er kurz nach Wiederanpfiff den Manuel Neuer geben und mit dem Ball am Fuß den nahenden Stürmer austanzen will. Ergebnis: eher so ein Notabschlag genau auf die Füße eines Halberstädter Spielers, ein schöner Schlenzer und quasi mit dem ersten ernstzunehmenden Torschuss auch gleich das 0-1 aus blau-weißer Sicht. Ein Ding, das sich unser normalerweise sehr ruhiger und sicherer Torhüter ganz geschmeidig selber reinlegt und das so unnötig war, wie ein Kropf.
Kurze Zeit später dann ein erneuter Halberstädter Angriff, Krontiris dribbelt an der Strafraumgrenze lang, unsere Abwehr guckt dem ehemaligen Bundesligaspieler ehrfurchtsvoll zu und der hat nichts besseres zu tun, als den Ball erneut ins Tor zu schlenzen. Verdeckter Schuss, aber auch hier sah (aus meiner Nordkurvenperspektive) Tischi nicht besonders gut aus. 0-2 nun also.

Was man der Mannschaft ja zugute halten muss, ist, dass jetzt ein regelrechtes Powerplay begann und man mit Macht auf den Anschlusstreffer drängte. Begünstigt wurde das durch einen sehr offensiven Dreierwechsel, der Dawid Krieger, Marius Sowislo und Ali Moslehe für Michél Harrer, Fabio Viteritti und Philipp Blume ins Spiel brachte. Chancen gab es nun im Minutentakt – allein, es fehlt der Spieler, der den Ball auch mal ins Tor zwingt. Dawid Krieger wird das nicht mehr, da lege ich mich jetzt einfach mal fest, und wenn selbst ein Ali Moslehe es nicht schafft, allein vor dem Torwart und mit aller Zeit der Welt die Kugel am Schlussmann vorbei- oder wenigstens auf das Tor zu schieben, dann muss man sich nicht wundern, wenn eben auch weiterhin die Null steht. Vorne, versteht sich. Zeitweise hatte ich, wie an anderer Stelle schon geschrieben, den Eindruck, ich sehe Slapstick. So kläglich kann man 1.000%ige Chancen eigentlich nicht vergeben. Und hier tut sich nun die schon länger bekannte Baustelle 3 auf: wir brauchen ganz, ganz dringend einen abgewichsten Stürmer, der in der Lage ist, die Pille schnörkel- und humorlos einfach mal in die Maschen zu donnern. Mit Torwart, wenn’s denn sein muss. Insofern darf man gespannt sein, ob trotz der durch die letzte Saison nicht gerade verbesserten Finanzlage noch mal im Offensivbereich investiert wird. Angesichts der Tatsache, dass Christian Beck aber immer noch mittrainiert und am Samstag auch auf der Tribüne saß, wird man die Spannung wohl nicht allzu lange aufrecht erhalten müssen.

Tja, was soll man sonst noch sagen? Die Tatsache, dass Block U erstmals in dieser Saison auch etwa 10 Minuten vor Spielende schon die Unterstützung einstellte und das gellende Pfeifkonzert, das die Mannschaft in die Heimspiel-Winterpause verabschiedet hat, sprechen sicher Bände. Dennoch sollte der geneigte Fan weiterhin dran denken, dass wir uns immer noch in einer Aufbausaison befinden und nie die Rede davon war, dass wir jetzt in jedem Spiel jeden Gegner gnadenlos an die Wand kombinieren.

Ich denke insgesamt, dass die Baustellen, die zu bearbeiten sind, nach dem Halberstadt-Spiel noch mal recht deutlich wurden und bin außerdem der Meinung, dass wir eine sportliche Führung haben, die diese Baustellen sicher auch erkannt hat und handeln wird. Im Moment haben wir eben ‘nur’ diesen einen Kader, der stark genug sein wird für den Klassenerhalt (Stichwort: Saisonziel!) und schon mehr als einmal eindrucksvoll angedeutet hat, was in ihm steckt und was möglich ist, wenn man einfach in Ruhe weiterarbeitet und auf dem Teppich bleibt. Trotzdem (oder gerade deswegen?) sollte man sich aber nächste Woche in Zwickau – so das Spiel denn stattfindet – auch mit einer anständigen Leistung in eine dann hoffentlich besinnliche Winterpause verabschieden.

“Wie man sich zum Holz macht” in 30 Minuten…

25. November 2012 at 17:57

…oder: warum wir dringend einen Knipser im Kader brauchen.

Irgendwann ist ja für alles irgendwie das erste Mal – und so trug es sich zu, dass ich tatsächlich am Freitag erstmals einen Heimspielbeginn am Liveticker verfolgen musste, obwohl ich mich quasi in der Nähe des HKS oder besser: auf dem Weg dorthin befand.  Schuld waren meine Freunde von der Deutschen Bahn, die es dank offenbar maroder Technik und daraus resultierender technischer Störung an der Strecke schafften, mich statt in 100 Minuten in etwa 3 Stunden in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt anreisen zu lassen. Aber gut, so bekam ich wenigstens (trotz Stechschritts auf den letzten Metern) mal die Gelegenheit, die Erhabenheit eines flutlichtbeleuchteten Stadions nebst Block-U-Fangesängen von außen zu erleben. Und was soll ich sagen: trotz des Ärgers über die Verspätung und den dadurch verpassten Spielbeginn gab es schon so ein bisschen Gänsehaut ;-).

Endlich am Stadion angekommen, musste ich mir erst mal einen dummen Spruch vom Ordner am Einlass gefallen lassen, der mich süffisant grinsend darüber informierte, dass ich gerade ein Tor verpasst hätte – angesichts des deutlich vernehmbaren lauten Jubels ungefähr 30 Sekunden vorher wäre ich da allerdings auch alleine drauf gekommen. Also Spruch geschluckt, Dauerkarte gezeigt und ab Richtung Nordtribüne, vorbei an unzähligen weißen Luftballons, die offensichtlich den letzten Rest oder die Überbleibsel einer Choreographie bildeten, die Block U mal wieder sensationell inszenierte und die im Stadion selbst folgendermaßen ausgesehen hat:

Pyrotechnik, so eingesetzt, ist übrigens kein Verbrechen, lieber DFB! Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich am Freitag irgendjemand, der im Stadion war, durch die Bengalos und die Choreo in irgendeiner Weise bedroht oder gefährdet gefühlt hat. In diesem Sinne an dieser Stelle, auch wenn ich selbst die Aktion eben knapp verpasst habe, einen Riesendank an die (vom DFB gern so bezeichneten) “Schwerverbrecher”, die für dieses super geile Bild der Nordtribüne gesorgt haben <3!

Zurück zum Spiel: auf der Nord angekommen, herrschte Euphorie pur, und das lag neben der Einlaufchoreo und der 1-0-Führung am Spiel und Auftreten der Blau-Weißen. Powerfussball vom allerfeinsten und Chancen über Chancen im Minutentakt. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt, wir spielen ein Trainingsspiel unter Flutlicht. Von Cottbus war gar nichts zu sehen, die Gegenwehr der Gäste stellte sogar noch das nahezu völlige spielerische und kämpferische Unvermögen eines gewissen Torgelower SV Greif in den Schatten. Nachdem dann folgerichtig auch das 2-0 fiel (Friebe, wer sonst) war eigentlich allen im Stadion klar: hier kann es heute im Prinzip nur darum gehen, ordentlich was für die Tordifferenz zu tun. Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild, was mich dann noch zu dem meinerseits dummen Spruch veranlasste, man könne doch eigentlich in unserer Verteidigungshälfte noch 2 Tore aufbauen und auf Kleinfeld spielen lassen, während die erste Mannschaft vorne den Ball um den Cottbuser Strafraum zirkulieren lässt. Hätte ich mal nur meine Klappe gehalten.

So ab der 55. Minute verflachte unser Spiel dann allmählich, und an der einen oder anderen Aktion war vielleicht auch abzulesen, dass man nun teilweise (Viteritti z.B.) doch ein wenig überheblich wurde. Die letzte Konsequenz fehlte, die Pässe wurden ein wenig schlampiger, und hier und da schlich sich der eine oder andere “Hacke-Spitze-1,2,3”-Versuch ein. Dazu wurden die Cottbuser jetzt wach, beziehungsweise wechselten vom Tief- in den leichten Schlaf. Nächster dummer Spruch meinerseits: “Wir müssten jetzt mal das 3-0 machen, so ein 2-0 ist immer irgendwie ein gefährlicher Spielstand.” Eine väterliche Weisheit, die ich bis dato nie richtig verstanden habe. Jetzt verstehe ich sie besser.

Es kam natürlich, wie es kommen musste: plötzlich steht es 2-1. Gut, nicht so wild, mein Tipp war ja ein 4-1, also alles noch im Plan. Außerdem war es ja nicht so, dass wir nicht weiter satte Chancen zu verzeichnen gehabt hätten. Oder plötzlich wirklich schlecht spielen würden. Nur wollte die Pille eben vorne nicht über die Linie. Andreas Petersen wechselte dann und brachte unter anderem Dawid Krieger, der Michel Harrer ersetzte, den ich allerdings am Freitag hätte durchspielen lassen. Die Lokalpresse sollte Harrers Auftritt später als “unglücklich” bezeichnen, ich fand aber, dass er ein gutes Spiel gezeigt hat und die Dinge gut erledigte, die man auch von einem Spielertypen wie ihm erwarten würde: Kopfballduelle gewinnen, den Ball abschirmen und auch mal tropfen lassen oder wahlweise vorne im Strafraum wühlen und versuchen, zum Abschluss zu kommen. Aber nun gut, ob Michel Harrer an diesem 23.11.2012 sein erstes Punktspieltor für den Ersten FC Magdeburg erzielt hätte, können wir an dieser Stelle nur mutmaßen. Für ihn also Krieger, der als Joker zuletzt in Rathenow traf und in den letzten Tagen unter anderem im Fanforum ganz schön Kritik einstecken musste, weil er eben einfach – allerdings ebenso wie alle seine Mitspieler – zu viele Chancen braucht, um sein Tor zu machen. Die stille Hoffnung meinerseits, dass in Rathenow möglicherweise der viel zitierte Knoten geplatzt war und Krieger das Spiel nun für uns nach hause schießt, erfüllte sich allerdings nicht. Neben einem schwer zu nehmenden Ball unmittelbar nach seiner Einwechslung versiebte er einen für einen Stürmer seiner vermeintlichen Güte einfachen Kopfball kläglich, später scheiterte er noch aus ungünstigem Winkel und in Rücklage mit einer weiteren Kopfballaktion.

Besser machten es da schon die Cottbuser, die nach einem Riesenbock von Tobias Friebertshäuser (der beim Versuch, einen langen Pass zu klären, eigentlich völlig frei am Ball vorbeigrätscht) und der darauf folgenden Konfusion im Magdeburger Strafraum das 2-2 markieren – das Spiel war binnen 25, 30 Minuten völlig auf den Kopf gestellt. Letzten Endes können wir sogar noch froh sein, wenigstens einen Punkt im HKS behalten zu haben, hatten die Gäste doch in den Schlussminuten noch einige Einschusschancen Marke “Hochkaräter”. Für unsere Farben gab es tatsächlich auch noch Möglichkeiten, aber, richtig: ohne zählbaren Erfolg. Und wie hätte ich es dem Cottbuser Torwart gegönnt, zum Schluss noch mal so ein richtig schönes Ding zu fangen: klar, Feuerzeuge schmeißen ist hirnlos, scheiße und einfach so unnötig wie ein Kropf, aber wie ein kleiner Junge, der petzend zu seiner Mama rennt und rumbarmt, wie gemein doch die anderen Kinder zu ihm sind und dass das doch nicht gehe und mimimimi, ist mindestens genauso peinlich. Solche überzogenen Einlagen, die noch dazu das Spiel unnötig verzögern, sind einfach das allerletzte und lächerlich. Und vielleicht, lieber Marvin Gladrow, wäre die Schauspielschule doch eher was für Dich, da es zu einer erfüllten Karriere als Profi-Torwart sehr wahrscheinlich sowieso nicht reichen wird.

Irgenwie sprach- und fassungslos und sicherlich auch enttäuscht verließen wir dann nach 90 Minuten das Stadion. Eigentlich kann man sich so wie an diesem Abend nicht zum Holz machen. Nicht gegen Cottbus II, den für mich ersten sicheren Absteiger aus der Regionalliga Nordost der Spielzeit 2012/2013. Kann man der Mannschaft groß einen Vorwurf machen? Hmmm, schwierig. Die Spielanlage war ja ordentlich, an Engagement und Willen hat es auch nicht gefehlt. Woran es allerdings tatsächlich gemangelt hat, ist eben ein Knipser. Einer, der mal nur 2 Chancen für 1 Tor braucht und nicht 10-15, wie Dawid Krieger. Ob man so einen findet und dann auch bezahlen kann und das vor allem möglichst schon in der Winterpause, ist mehr als fraglich. In der letzten Zeit wird ja der Name Christian Beck in Fankreisen recht hoch gehandelt, der immerhin eine Halberstädter Vergangenheit hat und ja wohl über gute Anlagen verfügen soll. Ich bin da ja eher skeptisch, zumal selbiger Herr Beck ja nun schon viel zu lange keine Spielpraxis mehr hatte, um uns schnell helfen zu können. Und wie es potentiellen Heilsbringer-Winterverpflichtungen so ergehen kann, hat ja zum Beispiel ein gewisser Shergo Biran vor nicht allzu langer Zeit mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt…

Lustige Anekdote zum Schluss: der junge Mann, der die Mitfahrgelegenheit angeboten hatte, die mich letztlich ein wenig zu spät im Stadion ankommen ließ, war Teil der “Amateure Supporters”, also des Fanclubs der Zweiten Mannschaft von Energie, und auch mit Reiseziel “HKS” Richtung Magdeburg unterwegs. Das wusste ich vorher nicht, war aber trotzdem ganz lustig, weil wir dann auf unserer Verspätungsfahrt natürlich gut was zu erzählen hatten; unter anderem habe ich so erfahren, dass unser Dawid Krieger in seiner letzten Saison in Cottbus nach dem letzten Spiel für die anwesenden Fans Kartoffelsalat und Buletten servierte. Sympathisch ist er ja, unser Chancentod…

Zweite lustige Anekdote zum Schluss: selbiger Cottbuser Fan schrieb mir nach dem Spiel auf meine “Glückwunsch zum Punktgewinn”-SMS zurück, dass wohl das gesamte Spiel über irgendein Halberstädter die ganze Zeit den Gästeblock vermessen hätte O_O. Und da die Germania ja unser nächster Gegner am kommenden Samstag ist, darf man da wohl auf eine kleine Würstchen-Choreo gespannt sein :-P. Vielleicht bin ich ja dann auch wieder pünktlich im Stadion, um mir selbst ein Bild davon zu machen…