Episode 27: Verantwortung übernehmen!

8. Februar 2017 at 23:10

 

Ein weiteres interessantes Wochenende liegt hinter uns, an dem der 1. FC Magdeburg trotz bester Chancen nicht gegen den FSV Zwickau gewinnen konnte und an dem die Außerordentliche Mitgliederversammlung am 19.02. erneut ihre Schatten vorauswarf. Die aktive Fanszene hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und stellte am Samstag vor der Partie gegen Zwickau ihre Sichtweise auf die geplante Ausgliederung und auch auf die Stadionproblematik dar. Darüber, über das 1:1 am 21. Spieltag und über die Reise nach Paderborn sprechen wir in Ausgabe 27 des Podcasts. Diesmal zu Gast:Philipp und Karl von Block U, für deren Besuch wir uns ganz herzlich bedanken möchten! Natürlich küren wir auch wieder den Hörer der Woche, schauen in eine prall gefüllte “Sonstiges”-Rubrik und überlegen, ob wir nicht vielleicht eine Grüße-Ecke einführen sollen.

Episode 21: In blau-weißer Klamotte geht es ab nach Lotte

14. Dezember 2016 at 22:43

 

Platz 3, 30 Punkte und nur noch ein Spiel zu gehen bis zur Winterpause – klar, dass wir da im Podcast vor unserem Auftritt bei den Sportfreunden Lotte guter Dinge sind. In Episode 21 besprechen wir den 3:0-Heimsieg über den VfR Aalen und blicken zusammen mit Pascal, unserem Gast aus dem Lotteraner Lager, auf die Sportfreunde und das letzte Punktspiel 2016. Außerdem thematisieren wir den aus unserer Sicht derzeit unsäglichen Umgang mit Block U und plädieren dafür, Haltungen und Standpunkte einfach auch mal zu akzeptieren. Dazu noch im Gepäck: Die Hörerin der Woche, der wir diesmal unseren großartigen Sendungstitel zu verdanken haben und natürlich die Aufstellungs- und Ergebnistipps.

Die Sache mit dem kleinen Finger

10. Juli 2015 at 16:32

Mein Stammplatz im Heinz-Krügel-Stadion ist seit einigen Jahren der Block 3 auf unserer Nordtribüne. Ich fühle mich dort sehr wohl, mag die bunte Mischung aus jungen und alten, dicken und dünnen, großen und kleinen, lauten und nicht ganz so lauten Clubfans. Ich mag meine NachbarInnen im Block, schätze die Bekanntschaften, die über die Zeit entstanden sind und klar, auch die großartige Stimmung, die dank Block U im Stadion herrscht und natürlich auf unserer Tribüne, quasi im stimmungsmäßigen Epizentrum unseres Stadions, noch einmal auf eine ganz besondere Weise wirkt. Selbstverständlich beteilige ich mich am Support unserer Mannschaft, springe, brülle, singe, animiere meine Nebenleute zum Einhaken und bewege mich per Block-Polonaise rüber in Block U und wieder zurück an meinen Platz. Ich nehme mir aber manchmal auch das Recht, kurz Pause zu machen oder vielleicht bestimmte Lieder mal nicht mitzusingen, in denen es zum Beispiel um brennende Polizeiautos oder irgendwelche Tretminen geht, in die Menschen aus anderen Bundesländern doch nach Möglichkeit bitte reintreten sollen. Und ab und an, man glaubt es kaum, stehe ich einfach nur da und schaue gespannt das Spiel. 

Spieltagsvorschau: FSV Zwickau (H)

19. März 2015 at 19:15

Regionalliga Nordost, 21. Spieltag, 21.03.2015

Am 21. Spieltag nun also das absolute Spitzenspiel in der Regionalliga Nordost. Der zweitplatzierte 1. FC Magdeburg trifft dabei auf den Tabellenführer aus Zwickau, womit diejenigen beiden Mannschaften letztmalig in dieser Spielzeit gegeneinander antreten, die wohl am Ende auch den Staffelsieg unter sich ausmachen werden. Das Spiel ist zwar sicherlich nicht das alles entscheidende, aber doch ein sehr, sehr wichtiges auf dem Weg in die Relegation. Die Konstellation ist dabei klar: Bei einem Sieg übernimmt man mit einem Punkt Vorsprung die Tabellenführung und hat alles weitere dann selbst in der Hand. Bei einer Niederlage läge man 5 Punkte hinter den Zwickauern – noch kein Beinbruch, aber subtoptimal, müsste man in dem Fall schließlich auf zwei Ausrutscher der Sachsen hoffen. Bei einem Unentschieden bleibt es im weiteren Saisonverlauf ein Fernduell um die Spitze. Das Interesse am Spiel ist indes riesig, die Euphorie ebenso – bereits am Mittwoch (!) war die Vorverkaufsmarke von 10.000 abgesetzten Tickets geknackt. 

Spieltagsvorschau: VfB Auerbach (A)

2. Oktober 2014 at 15:34

Regionalliga Nordost, 9. Spieltag, 03.10.2014

Zweites von drei aufeinanderfolgenden Auswärtsspielen. Nach dem 1-2 beim Berliner AK stehen die Größten der Welt gegen den VfB Auerbach schon deutlich unter Zugzwang. Zugute kommt uns im Moment, dass an der Tabellenspitze kein Team so richtige Big Points landen kann; trotzdem führt für uns der Weg zum Platz an der Sonne nur über Konstanz (den Zustand, nicht die Stadt) und Punkte, die man nun mal auch auswärts einfahren muss. Neustrelitz hat es letzte Saison vorgemacht: in 15 Partien verließ der spätere Staffelsieger 9 Mal als Gewinner den Platz. Der 1. FC Magdeburg könnte diese Marke in der aktuellen Saison sogar noch toppen – 3 Punkte im Vogtland wären dafür eine gute Basis.

Nikosia statt Nordhausen

22. September 2014 at 18:52

oder: Tagträumen im Camp Nou

Urlaub in Barcelona. Und was macht der Fußballbekloppte nach erfolgreicher Flug- und Unterkunftsbuchung gleich als erstes? Richtig, er checkt die Spielpläne der ortsansässigen Erstligisten. Zur Auswahl stehen in Kataloniens Hauptstadt bekanntermaßen Espanyol und der FC Barcelona. Erstere warteten am einzigen Wochenende unseres Urlaubsaufenthaltes mit einem Heimspiel gegen den FC Málaga auf, Barca spielte auswärts beim UD Levante und davor unter der Woche in der Champions League gegen APOEL Nikosia. Die Wahl fiel bei diesem Angebot natürlich leicht und so hieß es Nikosia statt Nordhausen und Camp Nou statt HKS.

Dauerkartenverkaufsregelungsvergleich

7. Juli 2014 at 17:01

Sommerpause und Saisonvorbereitung stellen ja so Leute wie mich, die hin und wieder mal einen Text zum Fußballverein des Vertrauens verfassen und dabei halbwegs um Aktualität und interessante Themen bemüht sind, vor besondere Herausforderungen: es passiert im Wesentlichen überhaupt nichts Spannendes, das zweite Testspiel der Vorbereitung gegen Grün-Weiß Piesteritz ist so aufregend und Erkenntnis bringend wie die Information über den berühmten Sack Reis, der in China umgefallen sein soll und Skandale und Skandälchen gibt es gleich gar keine. Das Ganze verschärft sich dann noch, wenn der Verein bereits richtig gut gearbeitet hat und im Prinzip mit Trainingsbeginn auch schon der Kader für die neue Saison feststeht. Verdammt. So bleibt einem nicht mal mehr der Strohhalm, über spektakuläre Neuverpflichtungen oder offene Planstellen im Kader vor sich hin zu philosophieren.

Was also tun? Nun, wenn die Themen nicht zum Blogger kommen, muss der Blogger eben zum Thema. Oder so. Nachdem ich mich kürzlich schon für „120 Minuten – Lange Texte. Über den Fußball“ mit so genannten Feindbildern unter Fußballfans auseinandergesetzt und dabei natürlich auch auf den Ersten Fußballclub Magdeburg Bezug genommen hatte, soll es in diesem Beitrag nun um eine andere Thematik gehen, die ziemlich genau einmal im Jahr aufläuft und gut und gerne das Prädikat „Sommerpausenfüller“ verdient hat: das Thema ‚Dauerkarten’.

Abschied nehmen

26. Mai 2014 at 16:58

1. FC Magdeburg – VfB Auerbach, 24.05.2014, 30. Spieltag

Das war es nun also, das letzte Heimspiel der Saison 2013/2014 und gleichzeitig auch das letzte Punktspiel der diesjährigen Runde. Zu Gast zum Saison-Halali war mit dem VfB Auerbach jener Verein, der seinerzeit auch die erste Punktspielaufgabe des damals neuen und nun scheidenden FCM-Trainers Andreas Petersen darstellen sollte. Witzig, wie der Fußball manchmal Schicksal spielt und sich der Kreis letzten Endes schließt. Gut in Erinnerung habe ich auch noch die „Aktion 10.000“ unseres Block U zum Saisonstart 12/13 und den Versuch, trotz des miserablen Abschneidens in der Vorsaison 10.000 Magdeburger_innen zum Saisonauftakt gegen die Voigtländer ins Stadion zu locken. Ganz geklappt hatte es nicht (ich meine, es waren letztlich so um die 7.000), die Geschichte steht aber beispielhaft für die vielen schönen Aktionen, die sich unsere Ultras für den Verein und die Mannschaft immer wieder einfallen lassen.

“Die Nummer Eins im Land sind wir!” – Landespokalsieger 2013

3. Juni 2013 at 18:56

Was für ein Tag, was für ein Spiel, was für ein Erlebnis! Auch mit zwei, fast drei vollen Tagen Abstand fällt es mir immer noch schwer, zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt nüchterne und einigermaßen objektive Worte zu finden. Daher: Scheiss drauf! Dann wird das jetzt eben kein analytisch-sachlicher, sondern ein eher emotional gefärbter Blogpost. Passt eh viel besser zu dem, was sich an diesem 31.05.2013 im Heinz-Krügel-Stadion zu Magdeburg ereignet hat.

Der Tag begann für mich arbeitsbedingt in der – abgesehen vom örtlichen Fußballverein – doch recht schönen Hansestadt Rostock, und schon beim Aufstehen war da dieses Kribbeln und so eine gewisse Grundnervosität, die sich zum einen aus dem abends anstehenden Pokalfinale als solchem und andererseits aus der Frage speiste, ob ich es wohl pünktlich zum Anpfiff ins Stadion schaffen würde. Schließlich war ich mal wieder auf die Deutsche Bahn angewiesen und hatte nur 1,5 Stunden Puffer zwischen der planmäßigen Ankunftszeit und dem planmäßigen Anpfiff im heimischen HKS. Mit lediglich 10 Minuten Verspätung und 65 (!!!) Prozent Handy-Restakku (was ich als ein gutes Omen wertete!) rollte ich schließlich in der Landeshauptstadt ein, sodass sogar noch Zeit war, die obligatorische Kräuterbratwurst sowie ein Kaltgetränk vor dem Stadion zu konsumieren. Das war auch gut so, denn im Stadion selbst war eine Verköstigung aufgrund eines völlig inakzeptablen Caterings (mal wieder…) so gut wie unmöglich – aber dazu später mehr.

Auch Mutter Natur hatte sich offenbar gedacht, ihren Teil zum großen Spektakel an diesem Abend beizutragen, denn schon auf dem Weg Richtung Stadion zeigte sich der Himmel von seiner episch-apokalyptischen Seite:

Keine 30 Sekunden, nachdem wir den Einlass passiert hatten, ging denn auch ein Wolkenbruch nieder, der eher so in die Kategorie ‚Weltuntergang’ einzuordnen war und spätestens jetzt war klar, dass das kein normales Fußballspiel werden würde. Beeindruckend für mich trotzdem, wie sich beide Mannschaften trotz massiven Niederschlags in aller Seelenruhe auf dem Platz warm machten. Und während ich da so zuschaute, dachte ich mir mehr als einmal, dass ich doch ganz froh bin, auf einer überdachten Tribüne stehen zu dürfen ;-).

Wenig verwunderlich wurde dann auch recht zügig bekannt gegeben, dass das Spiel aufgrund der Wetterlage erst um 19.00 Uhr angepfiffen werden würde, was die Nervosität und Anspannung nicht eben minderte. Vielleicht war das alles aber auch ganz gut so, denn so war Zeit für den Block-U-Vorsänger, die komplette Nordtribüne noch mal hinsichtlich der anstehenden Choreographie zu instruieren. Es galt nämlich, auf Kommando auf dem Platz bereits vorgefundene Plastiküberzüge überzustreifen, selbige die ganze erste Halbzeit anzubehalten und außerdem die ersten 45 Minuten stehen zu bleiben. Das Ergebnis konnte sich, wie ich dann später dank verschiedener Fotos und Videos auf Youtube rekonstruieren konnte, natürlich wieder sehen lassen. Wie immer: 

Vielleicht lag es am verspäteten Anpfiff, vielleicht an der ganzen Anspannung an den Tagen zuvor und am Spieltag selbst, vielleicht auch an den unheimlich engagierten Ansagen des Capos, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall entlud sich mit dem Anpfiff und der Choreo plötzlich eine Energie im Block, die ich wirklich lange nicht mehr erlebt hatte. Da musste wohl, auch bei mir, erst mal alles raus, und so kam es, dass die ganze (!) Nordtribüne ein Lied nach dem anderen donnerte und auch die Jungs auf dem Rasen loslegten, als ob es heute was zu gewinnen gäbe.

Zum Spiel selbst kann ich eigentlich gar nicht allzu viel berichten, da sind tatsächlich auch nach eingangs bereits erwähnten 2 Tagen Abstand nur fragmentarische Erinnerungsfetzen erhalten. Prägnant im Kopf geblieben ist mir zum Beispiel der (zugegebenermaßen auch in diesem Blog) häufig gescholtene Marius Sowislo, der im defensiven Mittelfeld im wahrsten Sinne des Wortes ein Riesenspiel machte. Wenn dieses Leistungsvermögen konstant abrufbar ist, wird mir auf der Position überhaupt nicht mehr bange.

Das nächste, was ich dann noch weiß, ist ein gewisser Spielzug unseres Gegners aus Halberstadt in der 87. Minute. Sagte ich vorher leise zu meinem Nebenmann und dann deutlich lauter in Richtung Rasen „DEN MÜSST IHR ABNEHMEN!“, sehe ich bloß aus dem Augenwinkel und zwischen der großen Block-Schwenkfahne hindurch jemanden abziehen und den Ball (von mir aus gesehen) rechts im Tor einschlagen. Die Worte, die nötig wären, um die Gefühlswelt nach diesem Treffer von Maik Georgi (ausgerechnet Georgi!) zu beschreiben, sind in der deutschen Sprache leider nicht verfügbar. Auf jeden Fall kann ich jetzt jeden verstehen, der beim Verfolgen eines Fußballspiels schon mal geheult hat, was ich bis dato immer völlig albern fand (‚Ist doch nur ein Spiel!’), aber fast am eigenen Leib erlebt hätte. Und gleich darauf der nächste beeindruckende Moment: Block U stimmt wieder an (wobei mir ehrlicherweise mal so überhaupt gar nicht nach singen zumute war) und versuchte, unsere Elf wieder nach vorne zu peitschen.

Tja, und als hätte die Mannschaft sofort verstanden, landete in der gefühlten 95. Minute (tatsächlich war es wohl die 90.) die Kugel plötzlich auf der anderen Seite im Netz, was dazu führte, dass die Nord völlig ausrastete. Auch das habe ich so wirklich lange nicht mehr erlebt. Was für ein Spiel!

Verlängerung also. Meine Fresse. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits gefühlte 20 Jahre älter, aber hätte mir jemand gesagt, was noch folgt, ich hätte ihm vermutlich einen Vogel gezeigt.

Erste Halbzeit der Verlängerung, Christian Beck kommt vor unserer Kurve im Strafraum zu Fall, der Schiedsrichter pfeift: Elfmeter! Es tritt an: Florian Beil, seines Zeichens Elfmeterschütze vom Dienst ohne einen Fehlschuss in der laufenden Saison. Bis zum Pokalfinale. Und da ja immer irgendwann das erste Mal ist und der gebürtige Halberstädter wohl der Meinung war, seinerseits ein bisschen Drama ins Spiel zu bringen, setzt Beil den Schuss ganz geschmeidig links am Tor vorbei. Es war nicht zu fassen. Die Mannschaft daraufhin eher verunsichert und hätte Halberstadt diesen Umstand ausgenutzt, hätte der FCM wohl nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen gehabt. Glücklicherweise kam es aber anders, weil der beste Mann auf dem Rasen, Marius Sowislo, kurze Zeit später nach einer schönen Flanke von rechts den Ball per Kopf ins lange Eck beförderte. Der FCM war wieder da, und wie! Der Rest ist dann eigentlich nur noch Rauschen, in dem wohl ein gewisser Florian Beil dann in der zweiten Halbzeit der Verlängerung noch das 3-1 erzielt und die Größten der Welt schließlich zum Landespokalsieger 2013 macht!

Es war schon ein insgesamt absolut geiles Finale, bei dem einfach wirklich alles dabei war, das an Dramatik nur noch durch ein Elfmeterschießen hätte überboten werden können und das auch deshalb so lief, wie es lief, weil mit Germania Halberstadt ein absolut würdiger Finalgegner auf dem Rasen stand. Auch die Worte vom Vereinspräsidenten am Ende mehr als fair, von daher noch mal großen Respekt an die Vorharzer und danke dafür, zu diesem denkwürdigen Abend beigetragen zu haben!

2 negative Randbemerkungen müssen trotz aller Freude aber doch noch sein:

Erstens, wie eingangs bereits erwähnt: das leidige Thema ‚Catering’: bei der Geschwindigkeit, mit der da am Getränkeausschank gearbeitet wurde, hätte man den Servierkörpern zwischen Bestellung und Bezahlung gut und gerne die ganze Vereinschronik auf den Arm tätowieren können. In Farbe. Eine absolute Katastrophe sowas und ich frage mich, wann wir im Heinz-Krügel-Stadion wohl mal fähiges, schnelles, freundliches und kompetentes Catering-Personal erleben dürfen. Bei dem Gedanken daran, dass das Saisoneröffnungsspiel gegen Dortmund am 08.07. so gut wie ausverkauft ist, wird mir jetzt schon Angst und Bange.

Zweitens: Thema ‚Platzsturm’: dass nach einem hoch emotionalen, gewonnenen Landespokalfinale die Anhänger auf den Rasen wollen, dürfte nun wirklich niemanden überraschen. Völlig unverständlich für mich daher, dass man da vereins-/verbandsseitig nicht einfach gelassener drauf eingestellt war und die Fans dann eben auf den Rasen lässt, zumal eigentlich im Moment des Triumphs ja nicht damit zu rechnen war, dass es zu irgendwelchen gewalttätigen Übergriffen kommt. Eigentlich. Und wenn man auf Nummer sicher gehen will, postiert man eben eine Handvoll Polizeibeamte vor dem Gästeblock und rein gar nichts wäre passiert. Also, außer, dass eben die Fans auf dem Rasen mit ihrer Mannschaft hätten feiern können.

Was sich stattdessen ereignete, war sowohl von den Männern und Frauen in Grün bzw. Schwarz, als auch von Teilen des Anhangs auf der Nordtribüne wahrlich keine Glanzleistung: völlig überforderte Beamte laufen erst mal konfrontativ vor der Nordtribüne auf, gleichzeitig scheinen sich ja offenbar immer irgendwelche Dillos zu finden, die nur auf solche Situationen warten und den angestauten Frust ihres traurigen Lebens an der Polizei auszulassen versuchen. Und sorry, liebe Beamte, aber: ich habe selten Einsatzkräfte gesehen, die so derart hilflos, unkoordiniert und dabei noch völlig überzogen aggressiv auf eine derartige Situation reagiert haben. Ein Armutszeugnis, wirklich, und ich hoffe inständig, Sachsen-Anhalts Innenminister war zu der Zeit noch im Stadion. Schade, dass ein großartiges Spiel mit solchen Begleiterscheinungen zu Ende gehen muss und schade auch, dass das insgesamt die Feierstimmung zu dem Zeitpunkt schon ein wenig trübte.

Letzten Endes ist es aber so, (hier kommen wieder die zwei Tage Abstand ins Spiel) dass auch diese beiden eher doofen Aspekte meine Freude über diesen wirklich großartigen Erfolg nicht mindern können. Danke für dieses geile Spiel, danke für diese insgesamt doch sehr gelungene Saison!

Und als brauchte es noch eine letzte Bestätigung für diesen längst schon mal beschlossenen Schritt, ging dann heute auch endlich der Mitgliedsantrag auf den Postweg gen Rötgerstraße 9 ;-).

Vom Glück, dass ein Spiel tatsächlich 90 Minuten dauert

8. April 2013 at 19:07

1. FC Magdeburg – TSG Neustrelitz, 23. Spieltag, 06.04.2013

Auch mit zwei Nächten und anderthalb Tagen Abstand weiß ich noch nicht so richtig, wie ich diesen Beitrag zum ersten Heimspiel der Größten der Welt im Kalenderjahr 2013 gegen die Turn- und Sportgemeinschaft Neustrelitz eigentlich beginnen soll. Ursprünglich wollte ja ich von dem Gefühl schreiben, das mich beschlich, als ich nach über 3 Monaten wieder in die obligatorische und stets leckere Kräuter-Bratwurst biss, die zum Stadionbesuch dazugehört wie das Altern um mehrere Jahre, wenn der Club mal wieder eine Großchance versiebt. Oder über das Kribbeln im Bauch, wenn man etwa 20 Minuten vor Anpfiff die Stufen der Nordtribüne erklimmt, in freudiger Erwartung dessen, was gleich passiert. Anders gesagt: darüber, wie mir solche Kleinigkeiten sofort wieder ins Bewusstsein rufen, wie sehr ich neben dem Stadionbesuch selbst auch die kleinen Rituale drumherum vermisst habe in den letzten Monaten, ohne es zu merken. Von den ganzen Leuten, die man schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat, mal ganz abgesehen. Irgendwie liegt mir aber der Samstagnachmittag immer noch ein bisschen quer, ohne so wirklich zu kneifen, aber eben auch ohne wohliges (Erfolgs)Bauchgefühl – und das liegt, soviel sei schon mal gesagt, definitiv nicht an dem konsumierten Fleischerzeugnis. Vielleicht fange ich am besten erst einmal so an, nämlich mit einer Betrachtung der Rahmenbedingungen im Vorfeld des Spiels:

Nach der gefühlt längsten Winterpause aller Zeiten und insgesamt 3 abgesagten Heimbegegnungen (Jena, Union II, BAK) sollte nun also an diesem 06.04.2013 endlich alles gut werden – endlich wieder Live-Fußball im Wohnzimmer:FotoVereinsseitig wurde für dieses ‚Homecoming’ auch gleich ein toller Rahmen geschaffen, stand doch an diesem Datum auch der 4. Behindertentag an. Eine großartige Aktion, wie ich finde, und eine tolle Möglichkeit, auch Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen die Gelegenheit zu geben, ihrer blau-weißen Leidenschaft live im Stadion frönen zu können :-).

Die Mannschaft ihrerseits hatte bereits am vorhergehenden Mittwoch in Meuselwitz die Gelegenheit, die werte Anhängerschaft für das erste Heimspiel des Jahres so richtig heiß zu machen und so eine kleine Anfangseuphorie mit in den ersten Heimauftritt zu nehmen – und hat diese Gelegenheit gleich mal ordentlich verbockt. 0-2 gab es auf die Mütze, und wenn man den Augenzeugenberichten der vor Ort Gewesenen glauben darf, lieferte unsere Elf dort auf dem Dorf ihre bis dato schlechteste Saisonleistung ab. Umso gelegener sollte da ja eigentlich das Neustrelitz-Spiel gekommen sein, bieten doch englische Wochen in der Regel eine gute Gelegenheit, Negativerlebnisse innerhalb kürzester Zeit durch entsprechende Erfolgserlebnisse neutralisieren zu können.

So war jedenfalls alles angerichtet für ein ordentliches Fußballfest, und auch die Aufstellung mit Telmo Teixeira im offensiven Mittelfeld von Beginn an ließ den gemeinen Anhänger hoffen, dass es heute ordentlich, offensiv und vor allem attraktiv zu Werke gehen sollte.

Ja, und dann wurde angepfiffen.

Was dann folgte, lässt sich zumindest für mich recht schwer in vernünftige Worte gießen. Entgegen vieler anderer fand ich die erste Halbzeit nämlich eigentlich so super schlecht gar nicht. Man spielte eigentlich recht gefällig, kam auch immer wieder in Strafraumnähe, allein, die letzte Konzentration, der letzte vernünftige Pass und damit auch die zwingenden Torchancen blieben schlichtweg aus. Anders die TSG, die scheiterte nämlich im Verlauf der ersten Halbzeit (zunächst) vor allem am eigenen Unvermögen. Teixeira für mich mit zwar durchwachsenem, aber letztlich vielleicht auch erwartbarem Startelf-Debüt. Er probierte viel und man konnte schon gut erkennen, dass und auf welcher Weise er uns definitiv weiterhelfen wird. Allerdings war eben auch auffällig, dass die so oft zitierte ‚Bindung zum Spiel bzw. zur Mannschaft’ schon noch fehlt und einige Aktionen einfach unglücklich aussahen, weil die Laufwege (noch) nicht stimmten. Hier gilt es also, noch viel Trainingsarbeit zu investieren, aber dafür befinden wir uns ja auch in einer Aufbau- und Entwicklungssaison. Und wer jetzt erwartet hat, mit Teixeira kommt sofort der Tiki-Taka-Fußball barcelonascher Prägung (Grüße an dieser Stelle, aus Gründen, an den rotebrauseblogger), der hat wohl einfach recht schnell vergessen, wie es noch vor einem Jahr um die Spielkultur beim Ersten FC Magdeburg bestellt war.

Keine gute Figur machte von meiner Warte aus in der ersten Halbzeit (später wurde das besser) da eher Fernando Lenk, der auf seiner Abwehrseite irgendwie immer zu weit weg oder einfach zu schlecht stand, sodass ich, sobald Neustrelitz schnell über rechts (also unsere linke Abwehrseite) spielte, immer gleich etwas unruhig wurde. Fairerweise muss man aber sagen, dass auch Kollege Butzen auf rechts nicht seinen besten Tag hatte. Das erste Tor fiel dann tatsächlich auch über den linken Flügel der Gäste und war wieder so ein Ding, dass einen einfach nur wahnsinnig werden lässt: nach blau-weißem Ballverlust in der eigenen Angriffshälfte kombinieren sich drei Neustrelitzer gegen 8,9 Blau-Weiße in einen Konter, spielen den Ball auf die völlig blanke linke Seite und lässt der den Ball erlaufende TSG-Stürmer unserem Matthias Tischer im Tor mit einem platzierten Schuss keine Chance. Ein Tor, das schon in seiner Entstehung so nie und nimmer fallen darf. Aber okay.

So, und wir wären ja nun nicht in Magdeburg, wenn dieses Gegentor kurz vor der Pause und der Umstand, dass man nicht gleich in den ersten 45 Minuten die totale Dominanz zeigte, nicht zu einem ordentlichen Pfeifkonzert führen würde, das die Mannschaft in die Kabine begleitete. Ich fand das übertrieben, zumal man auch nicht vergessen sollte, dass Neustrelitz beileibe kein Fallobst, sondern Tabellennachbar ist – die können also auch kicken.

Unsere Mannschaft war dann nach der Halbzeitpause als erste wieder auf dem Rasen und Coach Petersen nahm zwei Veränderungen vor, brachte Bärje für Reinhard und Dawid Krieger für Telmo Teixeira. ‚Interessant’ ist die beste Beschreibung, die mir im ersten Moment einfiel und ich hoffe inständig, der Draht zwischen Trainer und Spielmacher Teixeira ist derart gut, dass die Auswechslung nicht gleich in der Anfangszeit zu fundamentalen Verstimmungen führt. Dass Teixeira ein Typ ist, der von seiner derzeitigen Teilzeittätigkeit allzu begeistert ist, kann ich mir nämlich beim besten Willen nicht vorstellen.

Auch Kriegers Einwechslung rief auf der Tribüne jetzt keine allzu große Euphorie hervor, schließlich hatten wir ja nur noch 45 Minuten für (mindestens) ein Tor. Krieger als nomineller Stürmer netzt im Schnitt in dieser Saison aber nur alle 452 Minuten…

Naja und was soll man groß sagen: es waren im zweiten Abschnitt keine 10 Minuten gespielt, als der Ball schon wieder im Tor zappelte, nur leider im falschen. Diouf traf nach einer Ecke am kurzen Pfosten – erneut völlig blank – zum 0-2. Hier war unsere Defensive wohl noch kollektiv in der Halbzeitpause, denn entweder hat Tischer den Ball vorher oder IRGENDEIN Abwehrspieler steht dem Diouf so auf den Füßen, dass der gar keine Lust mehr hat, sich Richtung Tor zu bewegen.

Die beste Szene des Spiels folgte gleich im Anschluss nicht auf dem Rasen, sondern auf der Tribüne, genauer gesagt auf dem Vorsängerpodest von Block U. Was da von irgendeinem Trottel auf der Tribüne genau gerufen wurde, habe ich nicht verstanden, vermute aber, dass sich da jemand lautstark und politisch unkorrekt über den zugegebenermaßen doch recht provokativen (und auch mit Gelb geahndeten) Torjubel des dunkelhäutigen TSG-Stürmers aufgeregt hat. Berichte anderer nach dem Spiel bestätigen diese Vermutung. Ein dickes „Daumen hoch“ in dem Zusammenhang an den Capo des Block U und seine klare, sinngemäße Ansage, so etwas gefälligst zu unterlassen oder in Zukunft vielleicht lieber zum Fußball gucken nach Halle zu fahren. Genau so und nicht anders – danke, Block U!

Mittlerweile lagen wir also null zu zwei zurück und nun war es spannend zu sehen, wie die Mannschaft wohl reagieren würden. Und sie tat zunächst mal das, was wir von der letzten Saison schon allzu gut kannten, nämlich: völlig verunsichert über den Rasen flattern. Ein bisschen mehr Glück und ein Quäntchen mehr Kaltschnäuzigkeit und Neustrelitz macht in dieser Phase den Sack mit 0-3 oder sogar 0-4 zu. Taten sie aber nicht, und so schlug nach gut 60 Minuten Spielzeit die Stunde des Christian Beck. Zwei blitzsaubere Tore innerhalb weniger Minuten bescherten den Ausgleich und stellten den Spielverlauf, zumindest bis dato in der 2. Hälfte, eigentlich völlig auf den Kopf. Die gute Nachricht lautet aber: offenbar haben wir (mittlerweile) zumindest so viel Qualität auf dem Platz, dass wir eben auch einen 2-Tore-Rückstand wieder wettmachen können. In dem Zusammenhang wage ich auch zu behaupten, dass sich die Verpflichtung von Beck jetzt schon gelohnt hat. Ob sich einer unserer anderen Stürmer dazu bewogen gefühlt hätte, die Kugel derart humorlos und zielstrebig im Tor unterzubringen?

Überhaupt, dieser Christian Beck: vorbildlicher Einsatz, gute Mitarbeit in der Defensive, vorne eigentlich immer anspielbar UND, was noch viel wichtiger ist, mit vielen guten Ideen, die Mitspieler vorne auch in Szene zu setzen. Dass noch nicht alles klappt, ist klar (siehe Teixeira), aber die durch seine Verpflichtung dazugewonnene Qualität ist unübersehbar.

Das Spiel endete schließlich mit einem für uns doch eher schmeichelhaften 2-2, auch, weil wir in den insgesamt ordentlichen letzten 30 Minuten das eine oder andere Mal Pech hatten (Latte, Pfosten) und Neustrelitz seinerseits die oft gut herausgespielten Chancen nicht nutzen konnte. Was mich aber bis jetzt noch beschäftigt: Warum pumpt ein Fabio Viteritti nach 70 Minuten schon wie ein Maikäfer, muss aber bei einem noch möglichen Wechsel trotzdem durchspielen? Und was hatte Marius Sowislo eigentlich auf dieser Position vor der Abwehr zu suchen? Wobei ich mir ja mal hab sagen lassen, dass Spieler, die auf der Position das ganze Spiel über in keiner Weise im Gedächtnis bleiben, ihre Sache wohl sehr gut gemacht haben sollen…

Kleine Randnotiz noch, weil sie sich im Spiel einfach aufgedrängt hat und man ja auch mal auffällige Gegenspieler positiv hervorheben kann: was macht eigentlich Neustrelitz’ Nummer 3, Christian Schönwälder, nächsten Sommer? Ich fand, dass der Kollege auf Seiten der Gäste ein sehr, sehr ordentliches Spiel gezeigt hat und vor allem ein sehr gepflegtes Stellungsspiel an den Tag legte, was den einen oder anderen potentiell vielversprechenden blau-weißen Angriff schon in der Entstehung unterbunden hat. Vielleicht hat es ihm ja gefallen im schönen HKS…

Weiter geht es für Blau-Weiß schon am kommenden Mittwoch im Flutlicht-Nachholspiel zuhause gegen die Zweitvertretung von Eisern Union, was ich leider nur am Ticker verfolgen kann. Man darf sehr gespannt sein, wie die Mannschaft dann auftritt und ob man die letzten 30 Minuten des Neustrelitz-Spiels vielleicht auf starke 90 Minuten gegen Berlin ausbauen kann. Bis dahin täten alle, meine Wenigkeit eingeschlossen, erst mal noch gut daran, den Frustball flachzuhalten und immer schön dran zu denken: wir bauen auf und entwickeln. Immer noch. Und es ist ganz stark davon auszugehen, dass sich das auch bis Saisonende nicht mehr ändern wird.