No Offensivspiel, no party

4. Februar 2018 at 12:09

Würzburger Kickers – 1. FC Magdeburg, 23. Spieltag, 1:0 (1:0)

Es ist eine Szene aus der 85. Minute, die die Partie der Würzburger Kickers gegen den 1. FC Magdeburg an diesem 23. Spieltag aus Gästesicht ganz gut zusammenfasst: Dennis Erdmann schlägt einen langen Pass aus der Magdeburger Hälfte in Richtung Sechzehnmeterraum. Nach einigem Kopfball-Pingpong zwischen Julius Düker, Christian Beck und der Würzburger Abwehr landet der Ball schließlich bei Tobias Schwede, dem das Spielgerät in bester Schussposition an der Strafraumgrenze über den Schlappen rutscht. Trotzdem gelingt es Julius Düker noch, in Richtung Grundlinie und Marius Sowislo zu lupfen. Der Pass gerät aber ein Stückchen zu weit, sodass der Kapitän den Ball nur noch über Kopf in die Mitte spielen kann. Dort steht Würzburgs Keeper Drewes, der die Kugel schließlich sicher fängt. So oder so ähnlich sah es über weite Strecken aus, das Offensivspiel des Tabellenzweiten beim Zweitliga-Absteiger, der das Feld an diesem 23. Spieltag unter dem Strich vollkommen verdient als Sieger verließ. “Drei Spiele, ein Tor, ein Punkt” lautet nunmehr die bisherige Ausbeute des 1. FC Magdeburg im Jahr 2018. Zu wenig für die selbst formulierten Ansprüche.

Dabei sind es nicht nur die Ergebnisse, die den geneigten Stadiongänger die Stirn runzeln lassen. Es ist vor allem die Art und Weise, in der das Team derzeit Punkte liegen lässt. Um es gleich klar zu sagen: An Einstellung und Einsatz mangelt es nicht und das wäre auch schlimm, schließlich sind es genau diese beiden Eigenschaften, über die ein Großteil der Drittliga-Mannschaften zunächst versucht, zum Erfolg zu kommen. Filigraner Offensivfußball kommt häufig erst an zweiter Stelle; wir sprechen hier also von Basics, ohne die man in Deutschlands dritthöchster Spielklasse eigentlich gar nicht erst antreten muss. Was beim 1. FC Magdeburg derzeit eher auffällt, ist eine Besorgnis erregende Ideenarmut im Offensivspiel, die bereits in der zweiten Hälfte gegen Erfurt und Meppen ins Auge stach und sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, gegen Würzburg durch die gesamten 90 Minuten zog. Konnte man es gegen Meppen noch auf die schlechten Platzverhältnisse schieben, sind die Gründe gegen Würzburg wohl eher im eigenen Spiel zu suchen. Und wenn Jan Glinker im Tor der Spieler mit den gefühlt meisten Ballkontakten ist, der Gegner aber eigentlich auch nur wenige Abschlussmöglichkeiten hat, dann stimmt irgendetwas nicht.

Was genau das ist, ist schwer zu greifen und die nächsten Partien werden zeigen, inwiefern Mannschaft und Trainerteam eine Antwort auf den derzeitigen Hänger im Aufstiegsrennen finden. An jenem Nachmittag in Würzburg jedenfalls versuchte es Jens Härtel mit einem 4-2-3-1, bei dem vor Jan Glinker im Tor von links nach rechts Nico Hammann, Felix Schiller, Christopher Handke und Nils Butzen in der Viererkette verteidigten. Die Doppel-Sechs bildeten Richard Weil und Dennis Erdmann, vorn tauschten Michel Niemeyer, Philip Türpitz und Tobias Schwede fleißig die Positionen, Christian Beck gab die einzige echte Spitze. Besser ins Spiel kamen aber die Hausherren, und das (zumindest in Halbzeit 1) vornehmlich über die eigene rechte Offensivseite, die linke Abwehrseite der Größten der Welt also.

Zunächst ist es in Spielminute drei aber ein langer Würzburger Pass tief aus der eigenen Hälfte, der die Magdeburger Defensive vor ungewohnte Probleme stellt. Nico Hammann, der im ersten Durchgang defensiv viele Wackler hatte und nach 45 Minuten für Marcel Costly ausgewechselt wurde, verpasst den hohen Ball, sodass Orhan Ademi freie Bahn in Richtung Magdeburger Tor hat. Felix Schiller gelingt es schließlich, den Ball noch abzulaufen. Die erste von lediglich 2 Torgelegenheiten für Blau-Weiß in Halbzeit 1 konnte nach 6 Minuten Michel Niemeyer verbuchen: Vom im Mittelfeld erneut sehr präsenten Richard Weil auf der linken Seite geschickt, setzt er den Ball knapp ans linke Außennetz. Offensiv trat danach bis zu einem Hammann-Freistoß in Minute 29 (Torgelegenheit 2) erst einmal nur Würzburg in Erscheinung, während der Club, wollte man es positiv formulieren, auf Fehler des Gegners lauerte.

In der 8. Minute kann Würzburgs Ahlschwede einen schönen Ball auf den starken Dominic Baumann spielen, der auf der rechten Offensivseite eigentlich machen konnte, was er wollte. Seine scharfe Flanke in die Mitte kann Christopher Handke schließlich zu Jan Glinker klären. In der 11. Minute beschert ein (Allerwelts-)Foul von Felix Schiller den Hausherren einen Freistoß aus zentraler Position, der knapp über den Kasten rauscht. 18 Minuten sind gespielt, als Würzburg infolge eines Fehlpasses von Nico Hammann zu einer Umschaltgelegenheit kommt, die wiederum Hammann im Strafraum zur Ecke klären kann. Nach 23 Minuten ist es ein zu kurzer Rückpass von Christopher Handke zu Jan Glinker, der diesen in Bedrängnis bringt; kurz danach führt ein Ballverlust auf links zu einer weiteren Würzburger Flanke in den Strafraum, die dank einer Abseitsposition des einschussbereiten Stürmers aber folgenlos bleibt.

Der erste vielversprechende Magdeburger Versuch, Fußball auch tatsächlich zu spielen, war in Minute 26 zu verzeichnen. Richard Weil ging am Mittelkreis mal ins Dribbling – ein Mittel, das man in jenem Spiel wirklich selten sah; auch, weil die Partie beispielsweise an einem Philip Türpitz, der diese Option in seinem Arsenal hat, weitestgehend vorbeilief. Der Vorstoß brachte Weil jedenfalls bis vor den Strafraum, wo dann der letzte Pass in den Sechzehner in der Würzburger Abwehr hängen blieb. Nach weiteren ganz guten Würzburger Ansätzen, die insgesamt die rundere Spielanlage auf den Platz brachten, fällt das Tor des Tages schließlich nach einem – berechtigten – Elfmeter in der 41. Minute. Würzburgs Patrick Göbel, vor der Saison aus Zwickau gekommen, wickelt sich im Strafraum schön um Christopher Handke, der sich letztlich nur mit einem Foul zu helfen weiß und Göbel von den Beinen holt. Unglückliche Szene für Handke, aber auch gut vorbereitet vom Würzburger Offensivmann, der den Kontakt letztlich clever nutzt. Orhan Ademi tritt an, guckt Jan Glinker aus und versenkt souverän flach rechts in die Ecke. Die Führung für die Hausherren, das kann man schon so sagen, zu diesem Zeitpunkt verdient; vom FCM war das insgesamt zu wenig, sowohl offensiv, als auch am eigenen Strafraum.

Halbzeit 2 begann mit dem oben schon erwähnten Wechsel; für Nico Hammann kam Winter-Neuzugang Marcel Costly in die Partie und zu seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz für seinen neuen Verein. Nils Butzen rutschte somit links auf die Hammann-Positition, während Costly fortan die rechte Seite beackern sollte und das, um dem Spiel auch etwas positives abzugewinnen, ausgesprochen gut machte. In der 51. Minute gab es nach einem Foul an Tobias Schwede eine Freistoß aus zentraler Position, in dessen Folge der Ball über Christian Beck bei Felix Schiller landet. Der versucht es vor dem Gästeblock mit einem Drehschuss aus Nahdistanz, scheitert aber am Keeper. Der Ball wird schließlich zur Ecke geklärt, die allerdings nichts einbrachte, genauso wie der überwiegende Teil der Standardsituationen in guter Position, aus denen der Club inzwischen fast schon traditionell viel zu wenig macht. Bestes Beispiel in diesem Spiel war ein Schwede-Freistoß acht Minuten vor dem Ende, der aus 35, 40 Metern direkt in die Arme des Torwarts segelte.

Auch wenn der 1. FC Magdeburg in Halbzeit 2 insgesamt etwas mutiger spielte und zwischen der 58. und 72. Minute so etwas wie eine kleine Drangphase hatte, blieb es dabei, dass häufig hintenrum der Weg über Jan Glinker gesucht wurde und Angriffsbemühungen meist relativ schnell verpufften. Zu wenig Ideen, zu wenig Zug und zu wenig Bewegung waren im Magdeburger Spiel, sodass die Würzburger Kickers ihren Vorsprung eigentlich nur verwalten mussten und es vollkommen ausreichte, die Abstände zum eigenen Mann und zum Gegenspieler zu halten, um Torgelegenheiten zu verhindern. Wenn es auf Gästeseite welche gab, dann aus der zweiten Reihe: In der 53. Minute schießt Dennis Erdmann aus dem Rückraum über das Tor, in Minute 80 ist es Richard Weil, dessen Abschluss aus 20 Metern für Patrick Drewes im Würzburger Tor leichte Beute wurde.

Auf der anderen Seite gab es derweil noch zwei, drei Gelegenheiten, das Spiel zu entscheiden. In Minute 54 kann sich Patrick Göbel auf rechts gut gegen Nils Butzen durchsetzen und in den Strafraum dribbeln; sein Pass von der Grundlinie findet dann allerdings keinen Abnehmer. In Minute 62 fälscht Tobias Schwede eine Flanke aus dem Halbfeld noch ab, sodass Dominic Baumann im Strafraum zum Schuss kommt, dabei allerdings zu Boden geht, den Elfmeterpfiff glücklicherweise aber nicht bekommt. In Spielminute 78 schließlich die letzte Gelegenheit für die Gäste, als Kai Wagner stark in Slalom-Manier links in den Strafraum marschieren kann und mit seinem Schuss nur das linke Außennetz trifft. Beim FCM waren inzwischen Julius Düker für den blassen Philip Türpitz und Marius Sowislo für den stark gelb-rot-gefährdeten Felix Schiller gekommen; Akzente vermochten beide allerdings nicht mehr zu setzen. Die eingangs geschilderte Szene bildete dann schließlich den Schlusspunkt unter eine Partie, die von Schiedsrichter Henry Müller nach 93 insgesamt frustrierenden Minuten abgepfiffen wurde.

Was also bleibt nach dem 3. Spiel ohne Sieg im Jahr 2018? Zunächst einmal der beruhigende Blick auf die Tabelle, die auf die drittplatzierten Wiesbadener immer noch 4 Punkte Vorsprung ausweist. Dann die Erkenntnis, dass Marcel Costly durchaus eine Bereicherung für die Mannschaft ist und dass Richard Weil auf der vorgezogenen Position im defensiven Mittelfeld derzeit eine ausgesprochen gute Figur abgibt. Außerdem die Hoffnung, dass es eventuell wirklich nur Kleinigkeiten sind, an denen zu drehen ist, um zumindest die Offensiv-Zahnräder wieder besser ineinander greifen zu lassen. Schließlich eine gute Portion Zweckoptimismus, kommt doch mit Preußen Münster am kommenden Wochenende eine Mannschaft ins Heinz-Krügel-Stadion, die dem FCM eigentlich liegt und die bereits im vergangenen Jahr so etwas wie ein Dosenöffner war – damals allerdings in der Hinrunde, als man in Münster mit 3:2 gewann und anschließend eine Mini-Serie von insgesamt vier Siegen in Folge starten konnte.

Fatal wäre es allerdings, nun den Stab über der Mannschaft zu brechen und bei einem eventuell suboptimalen Spielverlauf am kommenden Samstag die Unterstützung zu versagen oder gar in Unmutsbekundungen umschlagen zu lassen. Jetzt, gerade jetzt, wird es darauf ankommen, der viel zitierte 12. Mann zu sein, dem Team vollen Rückhalt zu geben und gemeinsam endlich den ersten Dreier 2018 einzufahren. Vor dem Spiel gegen Meppen hieß es sinngemäß, dass wir alle ein gemeinsames, großes Ziel haben, bis hierher schon viel erreichen konnten und die nächste Schritte auch nur zusammen werden bewältigen können. Es kann am kommenden Samstag dementsprechend nur ein Motto geben: Alle ins Stadion, alles für die Mannschaft und dann finden wir auch gemeinsam (!) wieder zurück in die Erfolgsspur. Ihr auf dem Rasen – wir auf den Rängen. Nur der FC Magdeburg!

Die Pressekonferenz nach dem Spiel (via YouTube)