Medien-Retrospektive: KW 4/2016

31. Januar 2016 at 19:40

Die erste ‚volle‘ Fußballwoche nach der Winterpause hielt trotz (oder vielleicht gerade wegen) des Derbys und des dann folgenden ersten Heimspiels 2016 eine überraschend geringe Themenvielfalt bereit. Allerdings bleibt zwischen Spieltagsnach- und -vorbereitung nebst Spielberichten der nächsten Partie vermutlich einfach nicht genügend Zeit für Geschichten über die Essgewohnheiten der Spieler oder die privaten Belange des einen oder anderen neuen Akteurs. Ein paar interessante Beiträge gab es aber natürlich trotzdem zwischen Derby, Personalfragen, Vorberichten und Zusammenfassung. Die Medien-Retrospektive für die vierte Kalenderwoche in 2016.

Los ging es natürlich mit etlichen Spielberichten zum großartigen Sieg der Größten der Welt in Süd-Sachsen-Anhalt. Während die BILD den 1. FC Magdeburg durch Neuzugang Sebastian Ernst „vom Aufstieg träumen“ lässt, stellt die Volksstimme zunächst erst einmal nur nüchtern fest, dass man aufseiten der Blau-Weißen den Sieg beim Erzrivalen genießen würde. Natürlich, was auch sonst? liga3-online.de hat irgendwas mit einer märchenhaften Fortsetzung und einem weiterlebenden Traum, während „Alles rund um die 3. Liga“ mit einer sehr lesenswerten, weil detaillierten und ausführlichen Analyse des Spiels aufwartet. Die BILD hat derweil bei Michel Niemeyer ein wenig genauer hingeschaut und ist der Meinung, dass dieser gegen den Halleschen FC ordentlich Lehrgeld bezahlt hätte (eine Äußerung, die im Übrigen in der Pressekonferenz nach der Partie gegen Bremens U23 prompt noch einmal aufgegriffen wurde). Halles Toni Lindenhahn gestand der Mitteldeutschen Zeitung, dass die Heimmannschaft sehr geknickt sei, außerdem dürfen sich noch einige andere Akteure zu Wort melden und ihre Meinung zur Begegnung kundtun.

Leider kommt offenbar kein Derby ohne Nebenschauplätze aus und so berichtet die Volksstimme darüber, dass die Polizei nach etlichen Delikten (darunter eine ordentliche Schlägerei am Bahnhof in Dessau) unter anderem wegen Landfriedensbruchs ermitteln würde. In eine ähnliche Richtung geht es beim Mitteldeutschen Rundfunk, der informiert, dass im Hallenser Stadtgebiet Autos beschädigt wurden und Zeugen und Geschädigte gebeten werden, sich bei der örtlichen Polizei zu melden. Selbiger MDR dann noch mit einer zugegebenermaßen traurigen, allerdings auch ziemlich pathetisch aufgemachten Geschichte über einen in Halle wohnenden Clubfan, der vor dem Spiel Opfer eines Überfalls durch HFC-Anhänger wurde. Die MZ hingegen ließ sich von einem der Geschädigten noch einmal erzählen, was am Dessauer Hauptbahnhof los war und zitiert den 15jährigen (!) mit den Worten, dass das, was er da erlebt hat, wie Krieg gewesen sei. Mitunter fehlen einem einfach die Worte, was bestimmte Menschen so unter „zum Fußball fahren“ verstehen – und damit meine ich explizit nicht den 15jährigen HFC-Fan (der mit der Wahl seiner Lieblingsmannschaft ja ohnehin schon genug gestraft ist).

Auch der Sache mit den durch Clubfans erworbenen Tickets für den Heimbereich wird in der Mitteldeutschen Zeitung noch einmal ein längerer Text gewidmet, in dem unsere Freunde aus dem Süden wahrlich nicht sonderlich gut wegkommen. Dabei war die Aufregung innerhalb der rot-weißen Fanszene offenbar ohnehin nur in Ansätzen begründet, denn: „Selbst in der vergangenen Woche [also der des Derbys] gab es in Halle noch Restkarten.“ Das sagt so viel auf so vielen verschiedenen Ebenen, dass man mehr Worte diesbezüglich eigentlich auch nicht mehr verlieren muss.

Die Volksstimme schließlich noch mit einem kurzen Feature zu Derbyheld Sebastian Ernst; abgerundet wird das Thema ‚Landesderby‘ von einem sehr lesenswerten Bericht auf turus.net, der sich dem Geschehen rund um das Kurt-Wabbel-Stadion aus neutraler Perspektive nähert.

Auch Kalenderwoche 4 wartete natürlich wieder mit einer besonderen Meldung auf: der Verpflichtung von Nico Hammann vom SV Sandhausen nämlich. Sowohl die Volksstimme als auch die BILD mit entsprechenden Meldungen und den ganzen üblichen Phrasen, die man in selbige dann eben reinschreibt. Interessant ist ein Hinweis in der BILD, dem zufolge Hammann wohl nach Erfurt gewechselt wäre, wenn es mit dem 1. FC Magdeburg nicht geklappt hätte. Nicht auszumalen, was dann hier los gewesen wäre. So aber entwickelte sich die ganze Geschichte schnell zu einem mächtigen Hype, den man durchaus auch kritisch sehen kann. Erneut in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben darf der Defensiv-Neuzugang von seinem neuen alten Verein schwärmen, während die Volksstimme O-Töne dahingehend einfängt, dass sich die Rückkehr anfühle, als wäre er nie wirklich weg gewesen. Das obligatorische Interview zum Thema führte diesmal liga3-online.de.

Allerlei Meldungen gab es außerdem noch rund um den großen Themenblock ‚Personal‘. So war in der Volksstimme zu lesen, dass der Club in der aktuellen Situation auf Probespieler verzichten würde, weil schlichtweg die Zeit fehle, diese im laufenden Betrieb vernünftig zu testen. Dafür wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht und wurde noch David Kinsombi vom Karlsruher SC ausgeliehen. Dieser hatte den jungen Innenverteidiger eigentlich Eintracht Frankfurt abgenommen, ihn aber gleich in die 3. Liga weitergeschickt, wo er für die kommenden Zweitligasaison beim KSC Spielpraxis sammeln soll. Laut kicker.de kam der Deal maßgeblich durch Maik Franz zustande, der sowohl zur Frankfurter Eintracht als auch zum Karlsruher SC noch beste Kontakte unterhält. Auch die MDR-Wechselbörse hielt eine kurze Notiz zum Kinsombi-Wechsel bereit; der Volksstimme erzählte der Neuzugang, dass er vom Club mächtig beeindruckt sei, was die BILD zu irgendwas mit „ist der Fans wegen gewechselt“ verarbeitet. Die Volksstimme noch mit der Information, dass Nico Hammann trotz seines Wechsels nach Sandhausen im Sommer weiterhin Club-Mitglied blieb, einem Blick auf Sebastian Ernst nach seinem tollen Debüt und ein paar Gedanken zu Michel Niemeyer, der Burak Altiparmak erst einmal aus der Startelf verdrängt hat und sich im Spiel gegen den HFC kontinuierlich steigern konnte. Schließlich will die BILD noch erfahren haben, dass es Ex-Hannover-Trainer Tayfun Korkut gewesen sei, der Trainer Jens Härtel zur Verpflichtung von Sebastian Ernst geraten hätte. Unwahrscheinlich ist das nicht, weil sich beide von der DFB-Trainerausbildung gut kennen dürften.

Irgendwann richtete sich der mediale Fokus dann auch auf den nächsten Spieltag; Volksstimme und BILD dementsprechend auch mit dem einen oder anderen Vorbericht zum Spiel. Das Boulevard-Blatt zusätzlich zu den üblichen Texten noch mit der Aussage, dass Christopher Handke gegen Bremen noch eine Rechnung zu begleichen hätte, weil er im Hinspiel den Schuss von Levent Aycicek mit der allerletzten Aktion des Spiels noch unglücklich zum 1-1-Ausgleich abfälschte. Vor der neuen Konkurrenz im Defensivbereich hat Handke übrigens keine Angst, weil er bisher stets an seinen Aufgaben gewachsen sei.

Der Ausgang der Begegnung gegen Bremen ist mittlerweile bekannt, die verfügbaren Spielberichte sind sich zumindest dahingehend einig, dass der 1. FC Magdeburg die bessere Mannschaft war und die Punkteteilung eher unglücklich zustande kam. Interessanterweise schreibt uns der MDR schon ins Aufstiegsrennen, ähnlich wie die BILD, die die Schuld des Spielausgangs außerdem überwiegend beim Schiedsrichter sucht. Eine angenehm nüchterne Analyse hat kicker.de, während die Volksstimme das „Ende eines Höhenfluges“ ausgemacht haben will. Klar, nach 6 ungeschlagenen Spielen in Folge und insgesamt recht überzeugendem Fußball macht das durchaus Sinn. Aus Bremer Perspektive widmet sich der Weser-Kurier der Begegnung und hält vor allem fest, dass es für die junge Mannschaft darum ging, in dem Spiel ein paar Dinge zu lernen. Das sei insbesondere hinsichtlich der Kulisse mit knapp 16.000 enthusiastischen Magdeburger Fans auch gut gelungen.

Unter die Rubrik „Sonstiges“ fällt wohl die Information des MDR, dass der 1. FC Magdeburg auch die Lizenz für die 2. Liga beantragen wird. Einen wirklichen Neuigkeitswert hat das nicht, schließlich wurde dieser Umstand vereinsseitig bereits vor Weihnachten kommuniziert. Interessanter schon ein Text zum gleichen Thema in der BILD, in der Mario Kallnik sehr deutlich macht, dass man sich gegen einen überraschenden Aufstieg natürlich nicht wehren würde, allerdings derzeit weder personell noch finanziell in Liga 2 überleben könnte. Schön, jemanden am Ruder zu haben, der die Lage nüchtern und sachlich analysiert und klipp und klar sagt, was Sache ist – auch wenn die Aussagen in der BILD gefallen sind.

Zum Abschluss noch die Märkische Allgemeine mit der Nachricht, dass zwei ältere Clubfans im Nachgang eines Hallenturniers mit verschiedenen Traditionsmannschaften (!) in Brandenburg auf dem Parkplatz in ihrem Auto sitzend (!!) überfallen wurden und unter anderem eine Zaunfahne und mehrere Schals abgeben mussten. Und auch wenn man so einen feigen Angriff nur verurteilen kann: Passt auf Euer Zeug auf! Idioten gibt es leider überall…

Die Beiträge im chronologischen Überblick

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Beitragsbild: „Zeitung Medien“ von blu-news.org, Lizenz CC BY-SA 2.0