Kassensturz #3

31. März 2017 at 16:54

Kinder, wie die Zeit vergeht. Wieder ist ein Quartal vorbei und erneut hat sich beim 1. FC Magdeburg seit dem letzten Kassensturz so einiges getan. Spieler haben den Verein verlassen, neue sind dazugekommen, der Kern der Rückrundenmannschaft hat sich gefunden und punktet konstant und die ersten Vertragsverlängerungen für die neue Spielzeit sind unter Dach und Fach. Einzig der Tabellenplatz ist der gleiche geblieben – die Größten der Welt grüßen nach wie vor vom 2. Rang. All das und noch einige andere Sachen waren auch hier im Blog Thema in den ersten drei Monaten des Jahres 2017. Zeit, erneut eine Zwischenbilanz zu ziehen, wie es dem Projekt in dieser Zeit so ergangen ist. 

Von Fisch und Fleisch

26. März 2017 at 8:31

Holstein Kiel – 1. FC Magdeburg, 29. Spieltag, 1:1 (0:0)

Seit vier Spielen ungeschlagen, in ebenso vielen Begegnungen lediglich ein Gegentor kassiert, Tabellenplatz zwei 9 Runden vor Saisonende – und trotzdem steht so ein wenig die Frage im Raum, ob man mit dem 1:1 bei Holstein Kiel nun zufrieden oder unzufrieden sein soll. Eine Frage noch dazu, die sich aus Auswärtsfahrer-Perspektive gar nicht so einfach beantworten lässt, waren doch diesmal die Sicht eher mäßig und ein nicht unerheblicher Teil merklich alkoholisierter Clubfans im Gästeblock über die gesamten 90 Minuten irgendwann wirklich anstrengend. Nimmt man dann noch eine nicht nachvollziehbar hohe Anzahl an Polizeikräften nebst der üblichen “Einsatztaktik” und eine für 2.000 Clubfans nicht ansatzweise ausgelegte Speisen- und Getränkeversorgung dazu, erhält man einen Ausflug an die Förde, der in der nächsten Zeit jetzt nicht unbedingt nach einer Wiederholung schreit. Und damit ist das Sportliche noch gar nicht angesprochen. 

Im Gespräch mit: Markus Wuckel

24. März 2017 at 10:00
Es gibt für einen Nachwuchsstürmer sicherlich kleinere Fußstapfen als die von Joachim Streich. Trotzdem gelang dem damals 18jährigen Markus Wuckel im ersten Jahr nach dem Karriereende des DDR-Rekordtorschützen direkt der Sprung in die erste Mannschaft des 1. FC Magdeburg und ins Sturmzentrum der Größten der Welt. In 118 Oberliga-Partien, die er ab der Saison 1985/86 für Blau-Weiß bestritt, erzielte er 46 Tore und schoss sich so schon bald in die Herzen der Anhängerschaft. Nach dem Ende der DDR-Oberliga verschlug es Wuckel unter anderem nach Göttingen, Oldenburg, Essen und Bielefeld; heute trainiert er die Damen-Mannschaft des DSC Arminia in der 2. Bundesliga. Ich traf Markus Wuckel Anfang März 2017 auf der Bielefelder Alm zum Gespräch.

The show must go on

21. März 2017 at 11:59

Seit dem 20.03.2017 ist nun traurige Gewissheit, was in den Wochen davor, in denen man über den Fall so gar nichts mehr gehört hatte, leider schon zu vermuten war: Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat die Ermittlungen zum Tod von Hannes eingestellt. Als Ergebnis wurde der Öffentlichkeit die Erkenntnis präsentiert, dass er zwar an jenem verhängnisvollen 1. Oktober 2016 im Zug auf Personen aus der Fanszene des Halleschen FC getroffen sei, diese ihm gegenüber allerdings nicht gewalttätig geworden wären.

“Dennoch habe offenbar die Kulisse von gegnerischen Fans den jungen Mann dazu veranlasst, die Waggontür des bereits anfahrenden Zuges aufzudrücken und aus dem Waggon zu springen, so die Staatsanwaltschaft. Dabei sei Hannes gestürzt und mit dem Kopf auf einen Stein aufgeschlagen. Dass Dritte diesen Sturz verursacht haben, konnte laut Staatsanwaltschaft nicht festgestellt werden.” – mdr.de

Also alles nur ein tragischer Unglücksfall. Dumm gelaufen. Diese Version der Ereignisse ist nur schwer zu glauben. Und doch wird einem wohl nichts anderes übrig bleiben, als jetzt und nach monatelanger Ermittlungsarbeit mit diesem Ergebnis zu leben. Der Rechtsstaat hat schließlich gesprochen. Gleiches gilt für die wenig verwunderliche Erkenntnis, dass diejenigen Hallenser*innen, die an jenem 1.10.2016 dabei waren, sich wie die drei Affen verhalten: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen (wobei man sich natürlich auch die Frage stellen kann, inwiefern das bei umgekehrten Vorzeichen eigentlich anders gewesen wäre). Das Ergebnis macht wütend und lässt einen ohnmächtig zurück, auch wenn in irgendeinem abgefahrenen Paralleluniversum natürlich wirklich die Möglichkeit besteht, dass sich alles genau so zugetragen hat, wie es jetzt kommuniziert wurde. Geschenkt. Die Beteiligten schweigen oder sagen alle das Gleiche, die Akte ist geschlossen, das Leben geht weiter. Wenn es doch nur so einfach wäre.

“Die Offensive gewinnt Spiele…”

20. März 2017 at 10:58

1. FC Magdeburg – SV Wehen Wiesbaden, 28. Spieltag, 0:0 (0:0)

Am Ende sind es dann doch “nur” sieben anstatt der erhofften 9 Punkte geworden – wobei zwei Siege und ein Unentschieden in drei komplizierten Spielen in der vorletzten englischen Woche der Saison natürlich vollkommen in Ordnung sind. Torlos trennten sich in der 28. Runde jedenfalls der 1. FC Magdeburg und der SV Wehen Wiesbaden, wobei beide Teams gute Möglichkeiten liegen ließen und dem Club sogar das Kunststück hätte gelingen können, drei Spiele in Folge mit einem Elfmetertor für sich zu entscheiden. Da “hätte”, “wäre” und “könnte” im Fußball aber bekanntlich keine Punkte bringen, wandert eben nur ein zusätzlicher Zähler auf die Habenseite und beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz vor der schweren nächsten Aufgabe in Kiel trotzdem noch 3 Punkte (bzw. 2, lässt man den Punktabzug gegen den VfR Aalen mal außen vor). 

Nur noch 11

15. März 2017 at 11:43

SV Werder Bremen II – 1. FC Magdeburg, 27. Spieltag, 0:1 (0:0)

Es gibt Auswärtssiege, die sich einfach gut anfühlen, und dann gibt es Auswärtssiege, die einen auch Stunden nach dem Abpfiff beim Gedanken an die letzten Szenen des Spiels noch innerlich eskalieren lassen. Im deutlichen positiven Sinne. Der 1:0-Erfolg bei der Reserve des SV Werder Bremen gehört mit Sicherheit in diese Kategorie, bescherte doch erst ein souverän verwandelter Elfmeter von Richard Weil in der 93. (!) Spielminute den ersten dreifachen Punktgewinn auf fremdem Platz im Jahr 2017, ekstatische Ausbrüche unter den mitgereisten 1.000 knapp 1.500 Clubfans inklusive. “Wer solche Spiele zieht, steigt auf!” war danach von dem einen oder der anderen zu hören – nun sind zwar noch elf Partien zu gehen, ganz von der Hand zu weisen ist das Argument aber sicherlich nicht. Die Träume, in denen die 2. Fußball-Bundesliga einen prominenten Platz einnimmt, dürften mit diesem Ergebnis jedenfalls um einiges konkreter werden. 

Schweinedreier

11. März 2017 at 15:43

1. FC Magdeburg – SC Preußen Münster, 26. Spieltag, 1:0 (0:0)

Freitagsspiele unter Flutlicht sind großartig – und können gleichzeitig auch, je nach Tabellenkonstellation, ziemlich haarig werden. Der Großteil der anderen Mannschaften spielt am Samstag, die nahezu ungeteilte Aufmerksamkeit der Konkurrenz ist einem gewiss. Man kann die Chance nutzen und vorlegen – oder muss nach der eigenen Partie im schlechtesten Fall eben mit ansehen, wie die Kontrahenten im Auf- oder Abstiegskampf rechts und links vorbeiziehen. Der 1. FC Magdeburg entschied sich am 26. Spieltag nach einer insgesamt starken Partie für die erste Variante, schlug den SC Preußen Münster verdient mit 1:0 wird auch den nächsten Spieltag als Tabellenzweiter angehen. Trotz optischer Überlegenheit bedurfte es allerdings eines Elfmeters, um das Spiel zu eigenen Gunsten zu entscheiden – richtig hochkarätige Chancen blieben, wie auch schon gegen Mainz, Mangelware. Am Ende ist das freilich egal und bringt natürlich auch solch ein Ergebnis, das sich durchaus als  “Schweinedreier” bezeichnen lässt, die nötigen Punkte im Aufstiegsrennen.

Von Haken und Fallhöhen

5. März 2017 at 10:19

1. FC Magdeburg – 1. FSV Mainz 05 II, 25. Spieltag, 1:2 (1:1)

Tja, was soll man groß schreiben über ein Spiel, in dem die gegnerische Mannschaft zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle hatte, am Ende aber trotzdem mit drei Punkten im Gepäck die Heimreise antritt? “So ist der Fußball”? “Kann halt mal passieren”? “Dumm gelaufen”? Nee. Dafür fühlt sich die vollkommen unnötige Niederlage gegen die Zweitvertretung des 1. FSV Mainz 05 viel zu falsch an und sitzt die Enttäuschung über den Heimauftritt am 25. Spieltag doch deutlich zu tief. Es gibt halt Niederlagen, die kann man relativ schnell abhaken, und dann gibt es ab und an eben auch solche Partien. Dabei geht es gar nicht mal so sehr darum, dass man als Tabellenzweiter gegen den abgeschlagenen Letzten zuhause eine Niederlage kassierte (das kann in dieser Liga tatsächlich jederzeit passieren). Zum Haareraufen ist vielmehr, dass man (bei allem Respekt für die Mainzer) einen weitgehend harmlosen Gegner zweimal förmlich zum Toreschießen eingeladen hat, selbst über weite Strecken die letzte Konsequenz vermissen ließ und folgerichtig am Ende mit leeren Händen dasteht. Und das nach zwei tollen Auftritten gegen Osnabrück und in Duisburg, mithilfe derer man sich für den vermeintlich wichtigen Monat März zumindest so ein kleines bisschen Momentum aufbauen konnte.