Regionalitätsfragen

24. Juli 2016 at 18:23

1974 gewinnt der 1. FC Magdeburg gewissermaßen mit einer Bezirksauswahl den Europapokal der Pokalsieger. 2016 beendet mit Matthias Tischer das auf absehbare Zeit vielleicht letzte echte Magdeburger Urgestein seine aktive Karriere beim Club. Natürlich haben diese Ereignisse nichts miteinander zu tun; sie verweisen allerdings beide auf den gleichen fußballromantischen Zusammenhang: Auf die Vorstellung nämlich, dass der Herzensverein in einer perfekten Welt doch bitte nur mit den besten Spielern der Stadt und der Region bestückt sein möge, diese nicht nur für den eigenen Geldbeutel oder die Karriere, sondern vor allem für die eigenen Farben und die Heimatstadt alles geben und dabei auch noch auf dem höchstmöglichen Level erfolgreich sind. Im so genannten ‘modernen Fußball’, dem Profifußball noch dazu, ist das heutzutage sicherlich ein nicht mehr zu verwirklichender Traum und sind Spieler wie Matthias Tischer, die lieber die Töppen an den Nagel hängen, als noch einmal für einen anderen Verein aufzulaufen, die absolute Ausnahme. 

Hüpfen für Heinz

16. Juli 2016 at 14:53

Da behaupte mal noch einer, die Sommerpause wäre langweilig: Anstelle von nüchternen Wasserstandsmeldungen über Laktatwerte und Testspielergebnisse erreichen den geneigten Fan dauernd Meldungen von irgendwelchen Saisonvorbereitungs-Opfern, nebenbei wird im Heinz-Krügel-Stadion als weiterer Schritt zur vollumfänglichen Durchkommerzialisierung des Fußballspielbesuchs das bargeldlose Bezahlen eingeführt (wofür der Verein freilich nichts kann), die Marketingabteilung des 1. FC Magdeburg hält einen Vortrag in Odessa und dann droht aufgrund des übermäßigen Engagements der blau-weißen Fanszene auch noch das Stadion einzustürzen. Also, jetzt nicht sofort, aber perspektivisch. So in 7 Jahren. Helle Aufregung in der Lokalpresse (Problem! Schwingungen! Gefahr! Unglücke! Und: Gibt es überhaupt noch Garantie auf den Kram?), großes Lob aus dem Süden (“Hüpft weiter, FCM-Fans!”) und mittendrin eine irgendwie tiefenentspannte Stadt als Stadion-Eigentümerin, die erst einmal gar keine Veranlassung sieht, irgendwas zu unternehmen. Magdeburg halt.

Und während sich die Mitteldeutsche Zeitung mit innovativen Formaten und interessanten Beitragsideen so langsam anschickt, die Berichterstattungshoheit über den 1. FC Magdeburg zu erlangen, stopft man in der Volksstimme-Redaktion verzweifelt das Sommerloch.

Kartoffeltaktik

4. Juli 2016 at 20:54

“Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln” – so lässt sich das Verhalten des Deutschen Fußball-Bundes in Bezug auf die am 25.05.2016 gegen den 1. FC Magdeburg verhängte Strafe “wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger” wohl ganz gut beschreiben. Nüchtern betrachtet, macht der Verband einfach nur von denjenigen Instanzen der Sportgerichtsbarkeit Gebrauch, die er sich selbst gegeben hat. Gleichzeitig dokumentiert sein Handeln aber auch eine Einstellung, bei der man sich in Frankfurt eigentlich nicht wundern kann, dass die Fußballfans landauf, landab das Gebaren des größten nationalen Sport-Fachverbandes der Welt zunehmend, naja, eigentümlicher finden. Indem man erst eine Strafe verhängt, diese nach Einspruch des betroffenen Vereins umwandelt und anschließend – gewissermaßen gegen sich selbst – in Berufung geht, demonstriert man eindrucksvoll: Die Deutungshoheit über den Fußballsport und über das Verhalten derjenigen, die ihm leidenschaftlich anhängen, hat der Verband und nur der Verband allein. Das ist nicht nur gewaltig anmaßend und übergriffig, sondern auch gefährlich zu kurz gedacht.