Finalfieber

26. Mai 2013 at 10:12

Die vergangene Katastrophensaison? Nahezu vergessen.

Die aktuelle Punktspielrunde? Gerade abgeschlossen mit einem 0:0 gegen den Fußball-Sportverein Zwickau. Mit insgesamt immerhin 45 Punkten, 42:41 Toren und einem respektablen 6. Tabellenplatz. Nach dem sang- und klanglosen Untergang als Tabellenletzter im Vorjahr – wer hätte das vor der Saison so erwartet?

Aber: alles egal.

Der einzige wirklich wichtige Termin im Spieljahr 2012/2013 ist der 31.05.2013. Um 18:30 Uhr erfolgt dann der Anstoß zum Finale um den Landespokal des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, ausgespielt wird er zwischen dem VfB Germania Halberstadt und dem Ersten Fußballclub Magdeburg. Es dürfte wohl für beide Mannschaften das wichtigste Spiel des Jahres sein, für die Germania möglicherweise sogar eins der bis dato bedeutendsten Spiele der Vereinsgeschichte. Dennoch, für uns Magdeburger ist dieses Finale eventuell noch dieses eine kleine bisschen wichtiger.

Warum? Nun, es geht ja nicht nur darum, einfach ein Fußballspiel zu gewinnen. Es geht allein schon aus finanziellen Gründen natürlich darum, durch den Pokalsieg in die erste Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Außerdem möchte man ja auch 2015 im europäischen Supercup in Tiflis auflaufen; ein DFB-Pokal-Sieg 2014 ist bei diesem Vorhaben selbstverständlich Grundbedingung ;-).

Und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Ehre und dem Magdeburger Selbstverständnis als Nummer Eins in Sachsen-Anhalt (ob da noch irgendwelche Randexistenzen in anderen, möglicherweise höheren Ligen ihr Unwesen treiben, ist an der Stelle nicht ganz so wichtig). Nicht nur würde es selbigem, also dem Selbstverständnis, äußerst gut tun, nach 4 Jahren endlich mal wieder im Pokal zu triumphieren. Nachdem uns Germania Halberstadt in dieser Saison bereits vier von sechs möglichen Punkten abgenommen hat, und zwar nicht mal unverdient, wird es außerdem mal wieder Zeit zu zeigen, wie das wirklich so beschaffen ist mit den Machtverhältnissen im Land.

So weit, so einfach. Dennoch erwartet uns am kommenden Freitag meiner bescheidenen Meinung nach ein Spiel, was vom Ausgang her völlig offen ist und aus diesem Grund auch eher für eine gehörige Portion An- statt Entspannung und Vorfreude sorgt, bei mir jedenfalls. Hat man die Germania in den vergangenen Jahren immer als zwar freundlichen, aber sportlich nicht wirklich ernstzunehmenden Nachbarn eher belächelt, haben sich Mannschaft und Verein mittlerweile zu einer echten Regionalligagröße entwickelt. Tatsächlich kann man inzwischen auch von so etwas wie einer organisierten, wenn auch kleinen Fanszene sprechen. Es gibt nicht wenige ExpertInnen im Magdeburger Umfeld, die diese Entwicklung gern in vollem Umfang dem derzeitigen Cheftrainer unserer Blau-Weißen, Andreas Petersen, zuschreiben möchten. Sicherlich ist Petersens Anteil an dem Standing, das sich der Verein inzwischen erarbeiten konnte, nicht von der Hand zu weisen, er hat dort ja schließlich lange genug gewirkt. Allerdings ist der gute Mann inzwischen auch bereits seit einer kompletten Punktspielrunde für die Geschicke der Größten der Welt verantwortlich und letzten Endes läuft es wahrscheinlich darauf hinaus, dass im Vorharz einfach generell gute und grundsolide Arbeit geleistet wird. Hut ab dafür, Germania! Der Pott bleibt deshalb aber bitte trotzdem in der Landeshauptstadt.

Und bei uns? Tja, keine Ahnung. Jedweder Versuch einer nüchternen Analyse scheitert irgendwie immer wieder an diesem dumpf-diffusen Bauchgefühl der Aufregung, gepaart mit Anspannung und einem kleinen bisschen Angst, dass das Spiel möglicherweise am Ende mit dem falschen Sieger endet. Von der Krönung einer in vielerlei Hinsicht ziemlich großartigen, wenn auch längst nicht perfekten Saison bis hin zur ultimativen Schmach, im Finale im eigenen Stadion dem ‚kleinen’ Nachbarn beim Jubeln zusehen zu müssen, ist wohl alles drin. Und das macht die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Wenn ich die Tendenz aus den beiden Punktspielen gegen Halberstadt als Grundlage nehmen müsste, wäre der Ausgang am Freitag klar: nach einer 0-2-Heimniederlage und einem 2-2 beim Rückspiel auswärts wäre es ja nur logisch, wenn wir nun unsererseits im heimischen HKS mit 2-0 triumphieren würden. Allein – so einfach ist es wohl nicht. Problematisch erscheint in der Tat, dass es Halberstadt in beiden Spielen gegen uns gelungen ist, jeweils 2 Tore zu erzielen. Dass man im letzten Aufeinandertreffen beide Tore kassierte, während der Gegner in Unterzahl war, ist außerdem ziemlich bedenklich. Ob das nun bedeutet, dass die Vorharzer einfach einen ziemlich guten Ball spielen oder dass unsere Abwehr einfach nicht immer auf der Höhe des Geschehens ist, mag jeder für sich selbst beurteilen. Nüchterner Fakt 1 aber trotzdem: unsere Abwehr möchte und muss am Freitag bitte einen Sahnetag erwischen und nicht erst nach Gegentoren, sondern wenn möglich schon beim Einlaufen aufwachen. Fernando Lenk (leider) und Stephan Neumann (yeah!) dürften wohl gesetzt sein, gleiches gilt sicher für Tobias Friebertshäuser in der Innenverteidigung. Neben Friebe kommen Philipp Blume, Peter Hackenberg (ist der schon wieder fit?) oder Kevin Nennhuber in Betracht, eventuell hat der junge Blume hier derzeit ein kleines bisschen die Nase vorn. So ein richtiges Urteil kann ich mir da aber momentan nicht erlauben, weil ich die letzten Spiele mit Blume als IV leider nicht live verfolgen konnte. Prinzipiell halte ich Kevin Nennhuber auch für die solidere, weil einfach erfahrenere Option. Allerdings strahlte er aber auch nicht immer die notwendige Sicherheit aus (um es mal diplomatisch zu formulieren). Naja, und Hacke mit der kürzlich erst wieder erlittenen Verletzung… ach, schwierig.

In der Offensive ist derweil die Sache ziemlich klar und hier sehe ich uns gegenüber unserem Kontrahenten auch recht deutlich im Vorteil. Mit Christian Beck haben wir endlich wieder einen Stürmer, der diese Bezeichnung auch verdient, und speziell gegen seinen alten Verein, den er nicht unbedingt im Guten verlassen hat, dürfte er sicher besonders motiviert sein. Dazu kommen Christopher Reinhard und Fabio Viteritti auf den Flügeln; qualitativ, bei allem Respekt für Germania, sicherlich insgesamt ein deutliches Plus für uns.

Im Mittelfeld dürften Marco Kurth und Marius Sowislo wohl gesetzt sein, so dass insgesamt noch ein Plätzchen zu vergeben ist. Von der Aufstellung der letzten Spiele her zu urteilen, wird das sicherlich Florian Beil einnehmen, im Übrigen ein gebürtiger Halberstädter. Als geneigter Magdeburger Anhänger hätte man sich ja – nichts gegen Beil – gewünscht, dass Telmo Teixeira ein bisschen schneller die Bindung zum Magdeburger Spiel findet und eben lange vor dem Finale schon zur (offensiven) Schaltzentrale avanciert. Das ist bisher aber noch nicht so richtig eingetreten, sodass Telmo das Spiel vermutlich zunächst, wie eigentlich fast immer seit seinem Wechsel von den Hässlichen, von der Bank aus verfolgen dürfte. Viel wird insgesamt auch mal wieder von der Tagesform unseres Kapitäns Kurth abhängen; auch das ist ein Umstand, der mich die ganze Saison über eigentlich schon eher bedenklich stimmt. Für Marco Kurth gilt daher dasselbe wie für unseren Abwehrverbund: bitte am Freitag einen Sahnetag erwischen ;-).

Tja. Insgesamt also: Prunkstück Offensive, eher tagesformabhängiges Mittelfeld, Wackelkandidat Abwehr, was nun auch nach doch eher krampfhaft nüchterner Analyse immer noch nach einem klassischen Fifty-Fifty-Spiel aussieht. Und komme mir jetzt bitte keiner mit “offense wins games, defense wins championships”. Das kann ich jetzt grad gar nicht gebrauchen.

Was bleibt, ist dann eben letzten Endes doch dieses verdammte Gemisch aus Anspannung, Vorfreude und Nervosität, aber: so ist eben der Pokal. Und vielleicht, ja vielleicht gibt es ja am Freitagabend nach Abpfiff mal wieder einen ähnlichen Ausbruch wie diesen hier, an den ich mich immer wieder gern zurückerinnere:

(War das geil. Und krass unsportlich. Aber geil.)

Also, Jungs. Nur noch dieses eine Spiel. Im eigenen Wohnzimmer.

WIR! IHR! POKALSIEG!

Kaderplatzbingo, Teil 2: Kadervorschau Saison 2013/2014

20. Mai 2013 at 10:10

Nachdem es im ersten Teil des Kaderplatzbingo um die Vertragssituation derjenigen Spieler des Ersten FC Magdeburg ging, deren Verträge zum Saisonende auslaufen und die potentiell noch verlängert werden können, gibt es hier nun eine Kadervorschau für die Saison 2013/2014 insgesamt. Bis zum offiziellen Saisonstart am 01.07.2013 werde ich versuchen, je nach Vollzugsmeldungsstand des Clubs die Kaderliste für die neue Spielzeit in der Regionalliga Nordost entsprechend zu aktualisieren.

Mit Stand vom 19.06.2013 stehen die folgenden Spieler im Kader der ersten Männermannschaft des Ersten Fussballclubs Magdeburg für die Spielzeit 2013/2014:

Tor:

Matthias Tischer
Danilo Dersewski
Lucas CichosNeuzugang [eigene A-Jugend]

Abwehr

Nils Butzen
Tobias Friebertshäuser
Kevin Nennhuber
Stephan Neumann
Felix Schiller
Christopher HandkeNeuzugang [VfB Germania Halberstadt] Nico HammannNeuzugang [KSV Hessen Kassel] René LangeNeugzugang [Hansa Rostock II]

Mittelfeld

Patrick Bärje
Marco Kurth
Christopher Reinhard
Marius Sowislo
Telmo Teixeira-Rebelo
Fabio Viteritti
Sven Torge BremerNeuzugang [eigene A-Jugend] Steffen PuttkammerNeuzugang [SV Wilhelmshaven] Tino SchmunckNeuzugang [Hansa Rostock II]

Sturm

Christian Beck
Florian Beil
Lars FuchsNeuzugang [Hannover 96 II] Matthias SteinbornNeuzugang [BFC Dynamo Berlin]

Kaderplatzbingo

7. Mai 2013 at 19:42

Boah, Stress!

Hier noch den Beitrag für die nächste Ausgabe von „OstDerby“ (ab 15.05.!) fertig schreiben, da noch die eine oder andere wichtige Angelegenheit im ‚echten Leben’ auf den Weg bringen bzw. (Achtung, Wortspiel!) auf die Schiene setzen, dazu wollen ja auch noch die Brötchen verdient werden und zack! sind – den nachholspielbedingten englischen Wochen sei Dank – schon wieder etliche Saisonspiele gespielt, ohne dass hier im Blog irgendwas passiert wäre.

Dabei hat sich der Erste Fussballclub Magdeburg in den vergangenen Wochen nach einer kleineren Schwächephase eigentlich ganz achtbar geschlagen: die Lokomotive aus Leipzig durfte nach einem 3-2-Heimsieg der Blau-Weißen ohne drei Punkte wieder nach Probstheida tuckern, danach gab es – sicherlich eher überraschend, wenngleich nicht minder verdient – einen 2-1-Heimerfolg gegen den FC Carl Zeiss Jena. Schließlich das Auswärtsspiel am vorvergangenen Sonntag bei Ligaprimus RB Leipzig, über das wir ergebnis- und spieltechnisch mal den Mantel des Schweigens legen wollen. Vielleicht nur so viel: auch in Bestbesetzung und mit absolutem Sahnetag wäre da für die Größten der Welt nichts zu holen gewesen, zu deutlich und mindestens um eine Spielklasse überlegen waren die Rasenballer unhöflicherweise just gegen uns. Auch zur Bewertung des Spiels, des Gegners und unserer Mannschaft im Anschluss an das Spiel durch Teile der Fan(forums)szene äußere ich mich an der Stelle lieber nicht. Muss ja nicht sein, dass einem innerhalb nur weniger Tage gleich mehrfach der Allerwerteste platzt.

Gut. Am vergangenen Donnerstag nun noch das Nachholspiel gegen den Berliner AK (1-1) und am letzten Samstag die Partie gegen den FSV Optik Rathenow (1-0). Für die entsprechenden einzelnen Spielberichte verweise ich an der Stelle auf die hervorragenden Texte der Jungs und Mädels von Sportfotos MD. Was mich in den vergangenen Tagen (sofern Zeit blieb, sich gedanklich mit dem Club zu beschäftigen) eher allgemeiner umgetrieben hat war (und ist, tatsächlich) die Frage, wer aus dem aktuellen Kader die noch zu vergebenden Verträge für die nächste Saison ergattert.

Mit 4 Spielern aus dem aktuellen Aufgebot wolle man noch verlängern, so jedenfalls die Ansage der sportlichen Leitung, die kürzlich über die Presse zu vernehmen war. Angesichts der bereits feststehenden Abgänge Dawid Krieger (Vertrag wird nicht verlängert) und Philipp Blume (wechselt zur zweiten Mannschaft von Hannover 96) sowie der unlängst verkündeten Vertragsverlängerung mit Ersatztorwart Danilo Dersewski (der mir persönlich gegen Rathenow in einigen Aspekten recht gut gefiel!) streiten also die folgenden Spieler mit auslaufenden Verträgen noch um drei verbliebene Plätze im Kader für die Saison 13/14:

Abwehr:

Fernando Lenk, Stephan Neumann, Peter Hackenberg

Mittelfeld:

Benjamin Boltze*, Fabian Burdenski, Marius Sowislo, Patrick Bärje

Sturm:

Michél Harrer, Maik Koschwitz.

„3 aus 9 8“ quasi. Und wenn man ganz ehrlich ist und die letzten Spiele aufmerksam verfolgt hat, kristallisieren sich die drei Kandidaten eigentlich auch schnell heraus, was auch bedeutet, dass mit Blick auf diejenigen, die keinen neuen Kontrakt erhalten werden, wohl auch einige recht unpopuläre Entscheidungen zu erwarten sind.

Der erste, der aus meiner ganz persönlichen Sicht wohl auch nächste Saison noch unser Trikot überstreifen wird, ist Fernando Lenk. In der Hinrunde noch (und meiner Meinung nach auch völlig berechtigt) nahezu überhaupt nicht berücksichtig, ist er quasi in jedem Spiel der bisherigen Rückrunde gesetzt. Ein weiteres Indiz dafür, dass er wohl ein neues Angebot erhält: als sich im letzten Spiel gegen Rathenow mit Peter Hackenberg ein etatmäßiger Innenverteidiger verletzt, kommt nicht etwa Kevin Nennhuber, seines Zeichens ebenfalls IV, ins Spiel, sondern besagter Lenk, der aber als Außenverteidiger geführt wird. Jetzt muss das nicht allzu viel heißen, weil ja schließlich morgen in Elster im Pokal gespielt wird und man sich ja gegen Rathenow allgemein für die Variante „Schonkur“ entschieden hat, aber trotzdem. Mein Bauchgefühl sagt, Lenk bleibt drin. Der Trainer wird seine Gründe dafür haben und sieht den Genossen ja auch jeden Tag im Training – auf Basis der Spiele, die ich von ihm gesehen habe, kann ich die Entscheidung jedenfalls überhaupt nicht nachvollziehen. Muss ich zum Glück aber auch nicht.

Zweiter Kandidat für zumindest ein Angebot ist sicherlich Patrick Bärje, trotz seiner unglaublichen Verletzungsgeschichte. Dass Trainer Petersen große Stücke auf ihn hält, ist kein Geheimnis, und dass Bärje ein ganz feiner Fußballer ist, kann jeder erkennen, der ihn in dieser Rückrunde hat spielen sehen. Bleibt er fit, erhöht er definitiv die Kaderqualität, was ja das erklärte Ziel der sportlichen Leitung mit Blick auf einen möglichen Angriff auf die Tabellenspitze in ein, zwei Jahren darstellt. Für mich also auf jeden Fall derjenige Spieler aus dem aktuellen Kader, bei dem die Frage der Vertragsverlängerung am ehesten eigentlich keine ist.

Bleibt noch Kaderplatz 3, um den sich nunmehr noch 7 Spieler streiten. Die Nase vorn hat hier meiner Meinung nach Marius Sowislo, was ich auch wieder allein aus der Tatsache folgere, dass er jetzt in der Rückrunde bei jedem Spiel dabei war. Das Frappierende daran: er spielte vorwiegend im defensiven Mittelfeld, wo mit den Kollegen Boltze und Burdenski von der Position her eigentlich zwei Leute vor ihm sein müssten (Sowislo ist für mich eher in der Offensive zuhause) und demnach ohnehin ein Überangebot herrschen müsste. Warum also dort einen Spieler (kontinuierlich) spielen lassen, der dort ursprünglich eigentlich gar nicht zuhause ist, wenn man nicht mit ihm weiterarbeiten möchte? Ich muss zugeben, dass mir die Idee, auf der Position einen (tendenziell) offensiv denkenden und agierenden Spieler aufzustellen, gar nicht so schlecht gefällt – wären da nicht die Grottenspiele, die Sowislo auf der Position zum Teil abgeliefert hat. Allerdings erfasst mich da möglicherweise auch die ‚Magdeburger Krankheit’, die sich vor allem durch völliges Unverständnis für Trainerentscheidungen bei nicht sofort eintretendem Erfolg charakterisieren lässt. Das Spiel gegen den BAK und auch seine paar Minuten gegen Rathenow (als Ersatz für Kapitän Kurth) waren nämlich recht ordentlich und es wäre ja in der Geschichte des Fußballsports nun beileibe nicht das erste Mal, dass ein Spieler auf eine neue Position quasi ‚umschult’.

Die Sowislo-Situation (das wäre irgendwie auch ein cooler Filmtitel 😉 ) führt uns auch gleich nahtlos zu den Kandidaten, die wohl eher schlechte Karten haben dürften, nächste Saison noch für uns aufzulaufen. Da wäre zum einen Benjamin Boltze, für mich einsatzminutentechnisch die absolute Enttäuschung der Saison – leistungstechnisch nicht, wohlgemerkt, denn er durfte ja einfach kaum ran in den vergangenen Wochen, in denen es in Sachen Verträge um die viel zitierte Wurst geht. An Boltzes Stelle würde ich es ja als schallende Ohrfeige empfinden, als gelernter und sicherlich eher höher veranlagter Mittelfeldspieler entweder gar nicht zu spielen, oder, wie gegen Rathenow gesehen, als linker Verteidiger (!!!) auflaufen zu müssen. Obwohl er seine Sache auf der Position gar nicht mal schlecht gemacht hat. Hier verhält es sich aber anders als bei ‚Umschüler’ Sowislo: man hat bei Boltze so ein bisschen den Eindruck, als wären diese Ausflüge auf die Außenverteidigerposition eher sowas wie ‚Almoseneinsätze’. Auf seiner angestammten Position im Mittelfeld erhält noch dazu Fabian Burdenski im Zweifelsfall den Vorzug, was dann sozusagen die Schelle für Boltzes anderes Ohr darstellt. Seine vermeintliche Klasse hat Burdenski für mich in dieser Saison genau ein Mal nachgewiesen, und das war bei seinem hervorragenden Spiel zuhause gegen RB Leipzig, was allerdings auch 1-4 verloren ging. Ein gutes Spiel pro Saison reicht aber nicht, um dauerhaft einen Kaderplatz in einer Regionalligamannschaft zu belegen, sodass ich eine Entscheidung gegen Burdenski durchaus nachvollziehen könnte. Bei Boltze eher weniger, aber möglicherweise spielen da ja auch noch andere Faktoren eine Rolle. Eine gute Integration in eine Mannschaft gelänge nämlich zum Beispiel bestimmt deutlich besser, wenn man vor Ort wohnen würde, aber das ist nur so ein Gedanke.

*Edit: das Thema ‘Boltze’ hat sich, quasi während dieser Text hier entstand, schon erledigt. 

In der oben beschriebenen Konstellation ebenfalls keine neuen Verträge erhalten würden Peter Hackenberg und Stephan Neumann. Während es bei „Hacke“ zwar durchaus schade, aber qualitativ sicher zu verschmerzen wäre (Ersatz-Innenverteidiger mit einer Qualität, die in der Regionalliga zumindest zum Mitspielen reicht, wird man wohl auftun können), würde man mit Neumann gewissermaßen eine Instanz und ein kleines „Generation Amateurfußball“-Denkmal in die Wüste und vielleicht sogar in Rente schicken. Stephan Neumann ist nicht nur bei weitem dienstältester FCM- Kicker, er IST gewissermaßen ein Stück Erster FC Magdeburg. Ein Kader ohne ihn ist für mich eigentlich gar nicht denkbar, immerhin war Neumann immer dabei, solange ich die Geschicke des Clubs näher verfolge. Aber gut. Für derartige Sentimentalitäten ist eventuell im Fußballgeschäft dann doch kein Platz und es soll ja in der Vergangenheit schon vorgekommen sein, dass man im Verein verdiente und/oder äußerst beliebte Spieler irgendwie, naja, einfach vor die Tür setzte. Schauen wir mal – zumindest emotional wäre das schon ein herber Verlust, aber möglicherweise bietet sich ja eine Perspektive als Führungsspieler in der zweiten Mannschaft (ggf. ja in der Oberliga) an oder so. Rein sportlich, das ist ja auch kein Geheimnis, ist Neumann für mich die optimale Absicherung für Christopher Reinhard auf links. Aber man soll ja nie „nie“ sagen, nachher wird der Über-LV verpflichtet und in einigen Jahren spricht niemand mehr von einem „Charly“ Neumann. Wir werden sehen.

Was den Angriff und die Spieler dort mit auslaufenden Verträgen angeht, bin ich eigentlich recht emotionslos. Michél Harrer war ja die ganze Saison irgendwie nie so richtig wahrnehmbar Teil der ersten Mannschaft und hatte sicherlich auch Pech, dass er sich nach vielversprechendem Start in die Saisonvorbereitung heftig verletzte. Alles andere als ein Abschied aus Magdeburg würde mich doch sehr überraschen. Ähnlich verhält es sich mit Maik Koschwitz, den ich zwar nach wie vor für ein großes Talent halte, der aber mit Christian Beck, Florian Beil und ab der kommenden Spielzeit Lars Fuchs (zu) starke Konkurrenz vor sich hat und zudem mit einer fiesen Schambeinverletzung ewig außer Gefecht war. Und auch hier verbietet sich eigentlich ein Vergleich zu Patrick Bärje, weil letzterer eben seine Klasse bereits nachweisen konnte und man da einigermaßen gut wusste, was man kriegt, wenn er wieder fit ist. Koschwitz (in gesundem Zustand) wäre ein spannendes Entwicklungsprojekt für die erste Mannschaft gewesen; so allerdings könnte man ihn allenfalls über einen Stammplatz in der zweiten Mannschaft noch mal ganz in Ruhe aufbauen. Sollte die Truppe tatsächlich in die Oberliga aufsteigen, wäre das aber sicherlich eine interessante Option.

Soweit mal mein Senf zu aktuellen Vertragspoker-Spekulationen – ich bin jetzt schon sehr gespannt, inwiefern mich die Bekanntgaben des Vereins in den kommenden Tagen und Wochen möglicherweise heftig widerlegen werden ;-).

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass der aktuelle Kader morgen seine Aufgabe in Elster ordentlich löst und einen weiteren Schritt Richtung „Tiflis 2015“ macht – denn auch für künftige Neuzugänge ist die Aussicht, den FC Bayern München im DFB-Pokal auszuschalten, sicherlich verlockend. Soll ja alles schon mal vorgekommen sein.

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[UPDATE: 15.05.2013]

Wie heute aus der Magdeburger Volksstimme zu erfahren war, verabschiedet sich der Erste Fussballclub Magdeburg zur neuen Saison neben Dawid Krieger (stand ja schon fest) auch noch von Peter Hackenberg, Michél Harrer (wenig überraschend) und – für mich, wie oben nachzulesen, doch eher unerwartet – tatsächlich auch von Fernando Lenk!

Stephan Neumann hat dagegen ebenso einen neuen Vertrag erhalten wie Marius Sowislo. Patrick Bärje hat bis 2015 unterschrieben, Burdenski und Koschwitz sollen bleiben.  Somit werden uns nicht nur 3, sondern 5 der oben eingangs genannten Spieler erhalten bleiben, sofern auch Budde Burdenski und Maik Koschwitz noch unterschreiben. Macht insgesamt dann einen 17er-Kader, der laut Volksstimme-Artikel noch auf 22-23 Spieler aufgebaut werden soll, was 5-6 Neuzugänge bedeutet. Lars Fuchs steht als solcher schon fest, außerdem wird mit Torge Bremer noch ein Nachwuchsspieler für das defensive Mittelfeld hochgezogen – was auch die Frage aufwirft, was wir dann eigentlich mit Burdenski wollen (zumal ja gerüchteweise auch Steffen Puttkammer für die neue Saison schon unterschrieben haben soll).

Insgesamt sieht mir das aber auf jeden Fall schon mal nach einer doch ordentlichen Kaderplanung aus. Jetzt noch 2, 3 weitere Neue, die die Qualität der Mannschaft heben, und es wird ein schöner Sommer mit viel Vorfreude auf die Spielzeit 2013/2014.