“Wie man sich zum Holz macht” in 30 Minuten…

25. November 2012 at 17:57

…oder: warum wir dringend einen Knipser im Kader brauchen.

Irgendwann ist ja für alles irgendwie das erste Mal – und so trug es sich zu, dass ich tatsächlich am Freitag erstmals einen Heimspielbeginn am Liveticker verfolgen musste, obwohl ich mich quasi in der Nähe des HKS oder besser: auf dem Weg dorthin befand.  Schuld waren meine Freunde von der Deutschen Bahn, die es dank offenbar maroder Technik und daraus resultierender technischer Störung an der Strecke schafften, mich statt in 100 Minuten in etwa 3 Stunden in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt anreisen zu lassen. Aber gut, so bekam ich wenigstens (trotz Stechschritts auf den letzten Metern) mal die Gelegenheit, die Erhabenheit eines flutlichtbeleuchteten Stadions nebst Block-U-Fangesängen von außen zu erleben. Und was soll ich sagen: trotz des Ärgers über die Verspätung und den dadurch verpassten Spielbeginn gab es schon so ein bisschen Gänsehaut ;-).

Endlich am Stadion angekommen, musste ich mir erst mal einen dummen Spruch vom Ordner am Einlass gefallen lassen, der mich süffisant grinsend darüber informierte, dass ich gerade ein Tor verpasst hätte – angesichts des deutlich vernehmbaren lauten Jubels ungefähr 30 Sekunden vorher wäre ich da allerdings auch alleine drauf gekommen. Also Spruch geschluckt, Dauerkarte gezeigt und ab Richtung Nordtribüne, vorbei an unzähligen weißen Luftballons, die offensichtlich den letzten Rest oder die Überbleibsel einer Choreographie bildeten, die Block U mal wieder sensationell inszenierte und die im Stadion selbst folgendermaßen ausgesehen hat:

Pyrotechnik, so eingesetzt, ist übrigens kein Verbrechen, lieber DFB! Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich am Freitag irgendjemand, der im Stadion war, durch die Bengalos und die Choreo in irgendeiner Weise bedroht oder gefährdet gefühlt hat. In diesem Sinne an dieser Stelle, auch wenn ich selbst die Aktion eben knapp verpasst habe, einen Riesendank an die (vom DFB gern so bezeichneten) “Schwerverbrecher”, die für dieses super geile Bild der Nordtribüne gesorgt haben <3!

Zurück zum Spiel: auf der Nord angekommen, herrschte Euphorie pur, und das lag neben der Einlaufchoreo und der 1-0-Führung am Spiel und Auftreten der Blau-Weißen. Powerfussball vom allerfeinsten und Chancen über Chancen im Minutentakt. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt, wir spielen ein Trainingsspiel unter Flutlicht. Von Cottbus war gar nichts zu sehen, die Gegenwehr der Gäste stellte sogar noch das nahezu völlige spielerische und kämpferische Unvermögen eines gewissen Torgelower SV Greif in den Schatten. Nachdem dann folgerichtig auch das 2-0 fiel (Friebe, wer sonst) war eigentlich allen im Stadion klar: hier kann es heute im Prinzip nur darum gehen, ordentlich was für die Tordifferenz zu tun. Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild, was mich dann noch zu dem meinerseits dummen Spruch veranlasste, man könne doch eigentlich in unserer Verteidigungshälfte noch 2 Tore aufbauen und auf Kleinfeld spielen lassen, während die erste Mannschaft vorne den Ball um den Cottbuser Strafraum zirkulieren lässt. Hätte ich mal nur meine Klappe gehalten.

So ab der 55. Minute verflachte unser Spiel dann allmählich, und an der einen oder anderen Aktion war vielleicht auch abzulesen, dass man nun teilweise (Viteritti z.B.) doch ein wenig überheblich wurde. Die letzte Konsequenz fehlte, die Pässe wurden ein wenig schlampiger, und hier und da schlich sich der eine oder andere “Hacke-Spitze-1,2,3”-Versuch ein. Dazu wurden die Cottbuser jetzt wach, beziehungsweise wechselten vom Tief- in den leichten Schlaf. Nächster dummer Spruch meinerseits: “Wir müssten jetzt mal das 3-0 machen, so ein 2-0 ist immer irgendwie ein gefährlicher Spielstand.” Eine väterliche Weisheit, die ich bis dato nie richtig verstanden habe. Jetzt verstehe ich sie besser.

Es kam natürlich, wie es kommen musste: plötzlich steht es 2-1. Gut, nicht so wild, mein Tipp war ja ein 4-1, also alles noch im Plan. Außerdem war es ja nicht so, dass wir nicht weiter satte Chancen zu verzeichnen gehabt hätten. Oder plötzlich wirklich schlecht spielen würden. Nur wollte die Pille eben vorne nicht über die Linie. Andreas Petersen wechselte dann und brachte unter anderem Dawid Krieger, der Michel Harrer ersetzte, den ich allerdings am Freitag hätte durchspielen lassen. Die Lokalpresse sollte Harrers Auftritt später als “unglücklich” bezeichnen, ich fand aber, dass er ein gutes Spiel gezeigt hat und die Dinge gut erledigte, die man auch von einem Spielertypen wie ihm erwarten würde: Kopfballduelle gewinnen, den Ball abschirmen und auch mal tropfen lassen oder wahlweise vorne im Strafraum wühlen und versuchen, zum Abschluss zu kommen. Aber nun gut, ob Michel Harrer an diesem 23.11.2012 sein erstes Punktspieltor für den Ersten FC Magdeburg erzielt hätte, können wir an dieser Stelle nur mutmaßen. Für ihn also Krieger, der als Joker zuletzt in Rathenow traf und in den letzten Tagen unter anderem im Fanforum ganz schön Kritik einstecken musste, weil er eben einfach – allerdings ebenso wie alle seine Mitspieler – zu viele Chancen braucht, um sein Tor zu machen. Die stille Hoffnung meinerseits, dass in Rathenow möglicherweise der viel zitierte Knoten geplatzt war und Krieger das Spiel nun für uns nach hause schießt, erfüllte sich allerdings nicht. Neben einem schwer zu nehmenden Ball unmittelbar nach seiner Einwechslung versiebte er einen für einen Stürmer seiner vermeintlichen Güte einfachen Kopfball kläglich, später scheiterte er noch aus ungünstigem Winkel und in Rücklage mit einer weiteren Kopfballaktion.

Besser machten es da schon die Cottbuser, die nach einem Riesenbock von Tobias Friebertshäuser (der beim Versuch, einen langen Pass zu klären, eigentlich völlig frei am Ball vorbeigrätscht) und der darauf folgenden Konfusion im Magdeburger Strafraum das 2-2 markieren – das Spiel war binnen 25, 30 Minuten völlig auf den Kopf gestellt. Letzten Endes können wir sogar noch froh sein, wenigstens einen Punkt im HKS behalten zu haben, hatten die Gäste doch in den Schlussminuten noch einige Einschusschancen Marke “Hochkaräter”. Für unsere Farben gab es tatsächlich auch noch Möglichkeiten, aber, richtig: ohne zählbaren Erfolg. Und wie hätte ich es dem Cottbuser Torwart gegönnt, zum Schluss noch mal so ein richtig schönes Ding zu fangen: klar, Feuerzeuge schmeißen ist hirnlos, scheiße und einfach so unnötig wie ein Kropf, aber wie ein kleiner Junge, der petzend zu seiner Mama rennt und rumbarmt, wie gemein doch die anderen Kinder zu ihm sind und dass das doch nicht gehe und mimimimi, ist mindestens genauso peinlich. Solche überzogenen Einlagen, die noch dazu das Spiel unnötig verzögern, sind einfach das allerletzte und lächerlich. Und vielleicht, lieber Marvin Gladrow, wäre die Schauspielschule doch eher was für Dich, da es zu einer erfüllten Karriere als Profi-Torwart sehr wahrscheinlich sowieso nicht reichen wird.

Irgenwie sprach- und fassungslos und sicherlich auch enttäuscht verließen wir dann nach 90 Minuten das Stadion. Eigentlich kann man sich so wie an diesem Abend nicht zum Holz machen. Nicht gegen Cottbus II, den für mich ersten sicheren Absteiger aus der Regionalliga Nordost der Spielzeit 2012/2013. Kann man der Mannschaft groß einen Vorwurf machen? Hmmm, schwierig. Die Spielanlage war ja ordentlich, an Engagement und Willen hat es auch nicht gefehlt. Woran es allerdings tatsächlich gemangelt hat, ist eben ein Knipser. Einer, der mal nur 2 Chancen für 1 Tor braucht und nicht 10-15, wie Dawid Krieger. Ob man so einen findet und dann auch bezahlen kann und das vor allem möglichst schon in der Winterpause, ist mehr als fraglich. In der letzten Zeit wird ja der Name Christian Beck in Fankreisen recht hoch gehandelt, der immerhin eine Halberstädter Vergangenheit hat und ja wohl über gute Anlagen verfügen soll. Ich bin da ja eher skeptisch, zumal selbiger Herr Beck ja nun schon viel zu lange keine Spielpraxis mehr hatte, um uns schnell helfen zu können. Und wie es potentiellen Heilsbringer-Winterverpflichtungen so ergehen kann, hat ja zum Beispiel ein gewisser Shergo Biran vor nicht allzu langer Zeit mal eindrucksvoll unter Beweis gestellt…

Lustige Anekdote zum Schluss: der junge Mann, der die Mitfahrgelegenheit angeboten hatte, die mich letztlich ein wenig zu spät im Stadion ankommen ließ, war Teil der “Amateure Supporters”, also des Fanclubs der Zweiten Mannschaft von Energie, und auch mit Reiseziel “HKS” Richtung Magdeburg unterwegs. Das wusste ich vorher nicht, war aber trotzdem ganz lustig, weil wir dann auf unserer Verspätungsfahrt natürlich gut was zu erzählen hatten; unter anderem habe ich so erfahren, dass unser Dawid Krieger in seiner letzten Saison in Cottbus nach dem letzten Spiel für die anwesenden Fans Kartoffelsalat und Buletten servierte. Sympathisch ist er ja, unser Chancentod…

Zweite lustige Anekdote zum Schluss: selbiger Cottbuser Fan schrieb mir nach dem Spiel auf meine “Glückwunsch zum Punktgewinn”-SMS zurück, dass wohl das gesamte Spiel über irgendein Halberstädter die ganze Zeit den Gästeblock vermessen hätte O_O. Und da die Germania ja unser nächster Gegner am kommenden Samstag ist, darf man da wohl auf eine kleine Würstchen-Choreo gespannt sein :-P. Vielleicht bin ich ja dann auch wieder pünktlich im Stadion, um mir selbst ein Bild davon zu machen…

Das wohlige Bauchgefühl der Weiterentwicklung

18. November 2012 at 19:46

Tja, so ist das manchmal – kaum ist das Knaller-Heimspiel gegen RasenBallsport Leipzig vorbei und kaum hat man noch so gedacht:  “Geiler Tag, geiles Spiel – da kommt auf jeden Fall ein Blogbeitrag drüber!”, ist tatsächlich wieder eine Woche rum und auch das auf das Heimspiel folgende Auswärtsspiel schon wieder Geschichte. Ein Blick auf die aktuelle Situation beim Ersten FC Magdeburg unter dem im (Trainer)Team und Umfeld derzeit gern genutzten Stichwort ‘Weiterentwicklung’ rechtfertigt aber, so denke ich, trotzdem auch nach einer Woche noch mal einen Blick zurück auf den 11.11.2012 – gerade auch vor dem Hintergrund des letzten Spiels beim FSV Optik Rathenow am gestrigen Samstag. Und siehe da – die Aktualität im Blog ist damit gewissermaßen und wie von Zauberhand von hinten durch die Brust ins Auge wieder hergestellt. Heureka!

RasenBallsport also. Das Spiel, auf das ich mich aus ganz verschiedenen Gründen doch recht stark gefreut habe und ein Tag, der letzten Endes nicht enttäuschen sollte, auch wenn das reine Spielergebnis von 1-4 zunächst vielleicht etwas anderes vermuten lassen würde.

Zum einen war da natürlich der Reiz, den souveränen Tabellenführer der Regionalliga Nordost ein wenig zu ärgern. Zum anderen gab es die Aussicht auf eine für diese Liga doch verhältnismäßig volle Hütte. Und schließlich sollte sich für mich an diesem Tag auch die Möglichkeit ergeben, einige dieser ‘Internetmenschen’ kennenzulernen, von denen man in der Vergangenheit schon so das eine oder andere gelesen und mit denen man auch schon die eine oder andere Diskussion im virtuellen Raum geführt hatte. Soziale Medien in Reinform quasi. Dass die sportliche Konstellation vor dem Spiel dank des alles andere als grandiosen Auftritts der Blau-Weißen im Zentralstadion am 31.10. nun nicht mehr ganz so günstig war – geschenkt. Und eigentlich war es, rückblickend betrachtet, auch gar nicht so schlimm, dass man sich ausgerechnet gegen die Lokomotive aus Probstheida den bis dato mit Abstand schlechtesten Saisonauftritt leistete, gab es doch in besagtem Heimspiel gegen den Ligaspitzenreiter die Möglichkeit, vor eigenem Publikum einiges wieder gut zu machen.

Die Anreise zum Spiel erfolgte diesmal völlig entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten, weil erstens mit dem Auto und zweitens, Achtung: mit Auswärtsfahrern! In anderen Konstellationen wäre so etwas vermutlich äußerst ungesund, vielleicht auch töricht, in diesem speziellen Fall war es aber wirklich angenehm. Oder, um mal einen (meinem Kenntnisstand nach vor allem im Leipziger Raum) weit verbreiteten T-Shirt-Spruch zu zitieren: “In den Farben getrennt – in der Sache vereint.” Nur dass ich mich an der Stelle eben nicht auf einen eher unreflektierten Hass gegen bestimmte Sportmarketingkonstrukte beziehe, sondern einfach auf ein gemeinsames Interesse am Fußballsport im Allgemeinen und einem guten Spiel an besagtem Tag im Speziellen. In anderen Sportarten sind solche Gepflogenheiten ja gang und gäbe und ich finde es eigentlich zunehmend belastender, dass sich der gemeine Fußballfan da im Normalfall so unheimlich einen abbricht (außer natürlich, es geht um das Gesocks aus Süd-Sachsen-Anhalt 😛 ). Vielleicht werde ich aber auch einfach nur alt ;-). Wie dem auch sei, ich hab die gemeinsame Anreise und den Austausch mit den Herren @rotebrauseblog und @axel_wird_gut jedenfalls nicht bereut und freue mich schon auf das Rückspiel im kommenden Jahr ;-).

Am Stadion angekommen, war relativ schnell klar, dass es heute ein wenig voller werden würde als sonst und auch Block U hatte sich eine schöne Geschichte ausgedacht, um den Auswärtsfahrern im Block gegenüber und der eigenen Mannschaft auf dem Rasen gleich mal zu zeigen, wer hier zumindest stimmlich und zahlenmäßig Herr im HKS ist (ein Video in besserer (Sound-)Qualität war ‘aus dem Stand’ leider nicht aufzutun):

Auch auf dem Rasen war, sehr zur Freude der gemeinen Anhängerschaft, ein druckvoller, einsatzfreudiger und kämpfender FCM zu sehen. Allein, das muss man an dieser Stelle eben auch mal sagen: die abgezocktere Truppe kam an diesem Tag aus Leipzig und wer aus relativ wenig Chancen derart trocken und humorlos 4 Tore macht, wird wohl am Ende der Saison auch mit einem komfortablen Vorsprung ganz oben stehen. Das größte (und vielleicht auch einzige gravierende) Manko der Blau-Weißen an diesem Tag war nämlich, wie leider bisher schon viel zu oft, die schlechte Chancenverwertung. Sicherlich ist das in gewisser Weise eine Qualitätsfrage, aber allein die Tatsache, in welcher Art und Weise die Torchancen für den FCM zustande kamen, lässt (Vor)Freude aufkommen und insbesondere die zweite Hälfte – vielleicht die bisher stärkste der ganzen Saison – hat mit Sicherheit nicht nur bei mir Lust auf mehr geweckt. Wenn nämlich im weiteren Entwicklungsverlauf der Mannschaft dann auch noch die Klasse dazukommt, vielleicht mal statt jeder gefühlten zehnten jede zweite Chance zu verwerten, muss uns um erfolgreichere Zeiten nicht bange werden.

So aber wurde es die (zugegebenermaßen nicht unerwartete) Heimniederlage, wobei das Ergebnis sicherlich 2 Tore zu hoch ausfällt. Das 1-3 fällt in einer Phase, in dem wir dem Ausgleich recht nahe waren und ihn uns auch redlich verdient gehabt hätten und das 1-4 war ein Freistoßknaller mit Tor-des-Monats-Potential, was leider von einem der beiden Leipziger Akteure erzielt wurde, dem ich solche Aktionen mal so gar nicht gönne. Aber gut.

Ausgesprochen positiv fiel auf, dass auch in einer Phase, in der das Spiel mit 1-3 quasi entschieden war, konsequent weiter gekämpft, gegrätscht und gearbeitet wurde. Dafür bekommt diese Magdeburger Mannschaft von mir ein ganz dickes “Daumen hoch!” und auch in diesem Punkt ist eine deutliche Weiterentwicklung zum labilen Bocklos-Haufen der letzten Saison zu erkennen. Stichworte hier: Charakter und Leidenschaft, und diese beiden Aspekte wiegen dann auch mal vier Gegentore gegen den Tabellenführer auf. Und wenn selbst der Gegner ob des abgelieferten Spiels und der Stimmung lobende Worte übrig hat, kann man wahrlich nicht allzu viel falsch gemacht haben.

Die Heimreise am Sonntag stand dann ebenso wie die Hinfahrt im Zeichen der Pflege bis dato virtueller Kontakte, nur dass der Gesprächspartner diesmal ganz deutlich dem eigenen Lager zuzurechnen war ;-). Auch hier kann ich nur sagen: coole Rückfahrt, super Gespräche, vielen Dank für’s Mitnehmen – und noch mal einen schönen Gruß an die gute Frau auf der Autobahn, die der Meinung ist, mal eben mit 80 durch Sachsen-Anhalt gondeln zu müssen… ;-).

Gestern nun ging es für unser Rasenakrobaten nun also nach Rathenow zum dortigen FSV Optik. Die Frage lautete nun natürlich, wie die Mannschaft die Niederlage gegen beide Leipziger Vereine in den letzten Punktspielen verarbeitet hatte, ob das zu hohe Ergebnis gegen RasenBallsport richtig eingeordnet wurde und ob an die tolle Leistung vom vorhergehenden Spieltag angeknüpft werden konnte. Ich denke, ohne das Spiel live gesehen zu haben, dass ein Ergebnis von 3-0 diesbezüglich eine deutliche Sprache spricht. Offenbar lässt sich die Mannschaft durch Negativerlebnisse nicht mehr so einfach aus der Bahn werfen und Trainer Petersen gelingt es ganz offensichtlich, die Entwicklung der Truppe ganz unaufgeregt, aber konsequent voranzutreiben. Und das ist angesichts der vergangenen Spielzeiten irgendwie mehr wert, als man in Ergebnissen und Zahlen ausdrücken kann. Ich jedenfalls habe ein verdammt gutes Bauchgefühl und bin gespannt, wie der nächste Schritt, den die Mannschaft hoffentlich gegen die zweite Mannschaft des FC Energie Cottbus am kommenden Freitag unter Flutlicht gehen wird, wohl aussieht.

Was soll ich abschließend noch sagen – der FCM macht derzeit einfach wieder richtig Spaß :-)! Und das kann auch gern noch eine ganze Weile so bleiben.

Quo vadis, FCM?

1. November 2012 at 20:46

Da haben wir sie nun also, die erste – wenn man so will – ‘Minikrise’ des Ersten Fussballclubs Magdeburg in der Regionalligasaison 2012/2013. Was gegen fussballerisch arg limitierte Torgelower am 9. Spieltag noch gerade so gut ging, ging auswärts bei der Lokomotive aus Leipzig gründlich daneben. Die Schnittmenge beider Ereignisse bildet eine Personalien, die im erstgenannten Spiel gar nicht und im zweitgenannten vielleicht zu früh wieder auf dem Platz stand. Aber der Reihe nach.

Da wäre zunächst das Heimspiel gegen den Torgelower SV Greif am 9. Spieltag. Wie im letzten Beitrag hier schon beschrieben, auf dem Papier eine klare Angelegenheit: Platz 2 gegen Platz 16. Die Aufstellung allerdings ließ bereits neugierig aufhorchen – anstelle von Kapitän Marco Kurth spielte, ich geb’s ja zu, mein ‘ganz spezieller Freund’ Fabian Burdenski von Anfang an. Kurth hatte sich im Training eine Verletzung zugezogen und war damit zum Zuschauen verdammt. Die Frage also lautete: wie geht die Mannschaft ohne ihren Leitwolf, der nicht nur fussballerisch, sondern auch verbal in dieser Saison auf dem Platz deutlich den Ton angibt, in dieses Spiel? Nun, um es mal vorweg zu nehmen: Burdenski machte keine so katastrophale Partie, wie befürchtet. Im Gegenteil: er spielte seinen Part sogar recht ordentlich. Nach all meiner (vornehmlich im Stadion geäußerten) Kritik an seinen bisher gezeigten Leistungen muss ich das vielleicht an dieser Stelle tatsächlich mal so deutlich hervorheben. Das Problem über die gesamten 90 Minuten allerdings war, daran konnte auch Dieters Sohn nichts ändern, dass dem Spiel der Blau-Weißen deutlich die Struktur, die Ordnung, und eigentlich auch die Ideen fehlte(n.) Man war individuell klar besser als der Gast aus Mecklenburg-Vorpommern (obwohl die tatsächlich einen Balotelli-Klon dabeihatten 😉 ), allerdings haperte es doch recht deutlich erkennbar an durchdachten und vor allem konsequent zu Ende gespielten Offensivaktionen (Stichwort: Chancenverwertung). Aber immerhin: es gab Chancen (das sollte sich im darauf folgenden Spiel ändern) und die Torgelower hätten sich eigentlich nicht beschweren können, deutlicher als 2-0 zu verlieren. Schöne Randnotiz: Dawid Krieger erzielte das 1.500ste Heimspieltor der Clubgeschichte, was ich ihm wirklich sehr gönne. Was der Mann im Spiel rackert und ackert, ist aller Ehren wert, und in diesem Fall kann man wirklich sagen: das Tor hat er sich mehr als erarbeitet. Und dennoch: zu den anderen, eben nicht verwerteten Chancen kamen offensichtliche Abstimmungsprobleme, was das In-Szene-setzen unserer Stürmer betraf, die – vor allem in Halbzeit zwei – sehr häufig in deutlich sichtbaren Abseitspositionen angespielt wurden.

Torgelow wurde das ganze Spiel über eigentlich nie so wirklich gefährlich, sprich: ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass wir das Ding ernstlich noch abschenken würden; allein, der 2. Treffer fiel und fiel und fiel nicht – bis letztendlich Ali Moslehe, der vorher (neben seinem unermüdlichen Bearbeiten der rechten Außenbahn) vor allem durch besagte Abseits-Pässe in Erscheinung trat, die für ihn in diesem Spiel vielleicht schwierigste Situation mit dem Treffer zum 2-0 löste. Gerade noch mal gut gegangen sozusagen – ich kann mich sehr gut an Spiele erinnern, in denen wir bei identischem Spielverlauf ziemlich sicher gegen Ende noch den Ausgleich kassiert hätten. Dennoch war das meiner Meinung nach die bis dato schwächste Saisonleistung. Wohl gemerkt: bis dato. Aber nun gut – die Mannschaft wurde nach dem Spiel von der Kurve erlöst gefeiert und mit einem klaren Auftrag in die Kabine geschickt: Auswärtssieg beim Derby gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig.

Gestern hieß es dann nun also: alle ins Zentralstadion! Der Aufforderung folgten nach grober Schätzung ungefähr 2.500 Magdeburger, was, nebenbei bemerkt, bei einer Zuschauerzahl von knapp 5.300 Bände und nicht gerade für die selbst ernannten Bewahrer der Leipziger Fußballtradition aus Probstheida spricht. Überhaupt, die Zuschauer – was war das denn eigentlich bitte? Musste man zunächst befürchten, dass der Lok-Block (welch schöner Reim) nahezu vollständig leer bleibt (siehe nebenstehendes Bild) , bewegte sich etwa 20 Minuten vor Anpfiff eine Traube Hallenser Ackerbatzen in den Block – den hässlichen Lappen der “Saalefront”-Ultras vor sich her schleppend. Und wieder bezeichnenderweise waren auch vor allem diese, äh, Gestalten es, die das Spiel über offenbar im Block den Ton angaben. Mal ehrlich, Lok, wie armselig ist das denn? Da lasst Ihr Euch vom “großen Bruder” aus dem Ghetto an der Saale beim eigenen Heimspiel die Stimmungs-Butter vom Brot nehmen? Tief ist er gesunken, der angebliche Leipziger Traditionsfussball…

Naja, wie dem auch sei: viel kam da nicht von Lok. Vielleicht auch, weil da nicht mehr viel ist von Lok. Also, bis auf bestimmte Gruppierungen, auf die der Verein ganz offensichtlich nicht verzichten kann/will/darf (?): gemeint ist hier “Scenario LOK”. Nicht nur, dass es da wohl allzu offensichtliche Verbindungen in die rechtsextreme Szene gibt, nein, auch ein Spruchband durfte gezeigt werden:

“Man macht uns zu Verbrechern, zu finsteren Gestalten – doch selbst wenn Lok Leipzig fällt werden wir die Stellung halten. Scenario LOK”

Na dann ist ja alles klar…

Zurück zum Spiel: Kapitän Kurth durfte wieder mitmischen und im Mittelfeld die Fäden ziehen, ansonsten sahen wir die gleiche Truppe wie gegen Torgelow. Auch Benjamin Boltze, der im Heimspiel am Sonntag massiv auf die Knochen bekommen und trotzdem sein bestes Spiel im blau-weißen Dress abgeliefert hatte, konnte von Beginn an auflaufen. Was der FCM in diesem Spiel allerdings zeigte, war eigentlich schon fast eine Frechheit. Oder um es mit den Worten unseres Trainers zu sagen: “Es ging bei uns gar nichts. Es gibt so Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben und nichts anfassen. Ich entschuldige mich bei den Fans, die von diesem Ostklassiker zu Recht viel mehr erwartet hatten. Bereitschaft, Begeisterung, Einsatzwille – all das ist uns abhandengekommen.” (Volksstimme vom 01.11.2012)  Sorry Jungs, aber so kann man nicht in ein Derby gehen. So kann man in überhaupt gar kein Fussballspiel gehen. Und wir reden hier nicht von einer Übermannschaft, gegen die man hoffnungslos unterlegen war – wir reden vom 1. FC Lokomotive Leipzig 2012/2013, die für mich diese Saison definitiv ein Abstiegskandidat sind. Und dieses Spiel völlig verdient gewonnen haben. Weil, und hier muss man dem Gegner auch Respekt und Anerkennung zollen: was fussballerisch nicht ging, wurde durch Kampf, Einsatz und die richtige Einstellung wettgemacht. Kurz: Lok war einfach geiler auf 3 Punkte. Mehr möchte ich an der Stelle über unsere “Leistung” mal nicht schreiben, und da hab ich nun schon eine Nacht über das Erlebte geschlafen ;-). Ich denke außerdem auch, dass die Tweets vom gestern für sich sprechen – von einer Spur vorfreudiger Arroganz über Besorgnis bis hin zu blankem Entsetzen, aber so ist das nun mal, wenn die eigene Elf einen das erste Mal in dieser Saison wirklich enttäuscht. Was ich übrigens nicht verstehen konnte, war, dass die Mannschaft nach dem Schlusspfiff vor der Kurve noch beklatscht wurde – das war der Moment, in dem ich mich endgültig dazu entschieden hatte, dass es das für mich gestern gewesen sein sollte im Zentralstadion. Klar, wir sollen Geduld haben und nicht sofort meckern und so, ist auch alle richtig. Genauso richtig finde ich es dann aber auch, nach einem extrem schlechten Spiel, in dem vor allem die Einstellung nicht gestimmt hat, eben mal ein bisschen Liebesentzug zu geben ;-).

Okay, bei aller Enttäuschung: was lehren uns die beiden Partien und wohin bewegt sich der FCM im Moment?

Zunächst mal kann man wohl sagen, dass die Formkurve derzeit eher nach unten zeigt. Was schade ist, weil mit RB Leipzig im nächsten Heimspiel vielleicht das letzte Mal in dieser Hinrunde eine Mannschaft im HKS gastiert, die für eine verhältnismäßig volle Hütte sorgen kann. Nur wird man mit der gezeigten Leistung gegen Torgelow und vor allem jetzt gegen Lok all denen gute Argumente geliefert haben, die meinen, sich den FCM vorerst nicht live im Stadion angucken zu müssen.

Was wir auf jeden Fall auch noch gelernt haben ist, dass wir, wie schon oft gesagt, definitiv in dieser Saison nicht die Mannschaft sind, die RasenBallsport Leipzig da oben wirklich gefährlich werden kann. Insofern ist es vielleicht gut, Umfeld und Mannschaft durch die letzten beiden Spiele wieder ein wenig geerdet zu haben.

Letzter Punkt: die Spiele lieferten meiner bescheidenen Meinung nach interessante Erkenntnisse über unseren Kader:

Durch die Verletzung von Stephan Neumann fehlt uns hinten unser etatmäßiger Linksverteidiger, was bedeutet, dass Christopher Reinhard derzeit für die Position abonniert ist. Ist auch in Ordnung, das kann er spielen – aber noch bessere Wirkung hat er diese Saison als linker Mittelfeldspieler entfaltet – mit ebenjenem Pipi Neumann als Absicherung dahinter. Offenbar gibt unser Kader diese Variante mit einem anderen Linksverteidiger als Neumann nicht her – das raubt uns Offensivkraft und Kreativität.

Dann ist es nach längerem Überlegen doch relativ bedenklich, wie abhängig wir von Kapitän Kurth sind: spielt er nicht, so wie gegen Torgelow, fehlt es unserem Spiel an Ordnung und Struktur. Spielt er schlecht, so wie gestern, macht er die ganze Mannschaft schlechter. Warum? Was gestern oft passierte, war, dass Kurth zwar die Bälle im Mittelfeld forderte, dann aber entweder das Spiel häufig unnötig verlangsamt oder eben beim Weiterspielen oft die falschen Entscheidungen getroffen hat. So kam es zum Beispiel, dass unser bisher recht ordentliches Flügelspiel kaum stattgefunden hat, weil die dazu benötigten Bälle einfach viel zu selten kamen. Kamen sie doch, wurden sie entweder von Lok clever abgelaufen oder aber im ‘klein-klein’ leichtfertig wieder hergeschenkt. Das soll jetzt nicht heissen, dass die gestrige Niederlage allein auf Marco Kurths Kappe ging – außer Torwart Tischer, der bei allen drei Toren machtlos war, hat eigentlich kein Spieler so etwas wie Normalform erreicht – aber es fällt eben doch auf, dass wir auf der neuralgischen Position im Mittelfeld keine Alternative aufbieten können, wenn der Käpt’n mal einen schlechten Tag erwischt. Und ganz ehrlich: ich sehe momentan auf der Bank niemanden, der kurzfristig in diese Position hineinwachsen könnte. Burdenski nicht, und Podrygala, die einzige wirklich große Enttäuschung bei den vielen Neuzugängen, schon gleich gar nicht.

Und um abschließend noch mal auf den Titel des Beitrags zurückzukommen: der Weg des Ersten Fussballclubs Magdeburg durch die Regionalligasaison 2012/2013 wird sehr wahrscheinlich doch eine größere Achterbahnfahrt, als der Saisonauftakt erhoffen ließ. Das Schöne ist aber, dass uns der Spielplan am Sonntag gleich die nächste Bewährungsprobe beschert, wenn unsere Magdeburger Jungs im Landespokal auf den TSV Völpke treffen. Also nicht viel Zeit, um groß zu grübeln, aber genügend Zeit, um trotzig zu bleiben und gleich eine ordentliche Reaktion zu zeigen. Also:

“Auf geht’s, Blau-Weiß, kämpfen und siegen!”