2:2 verloren

29. März 2018 at 13:14

1. FC Magdeburg – FSV Zwickau, 27. Spieltag (Nachholspiel), 2:2 (1:1)

2:2 im Heinz-Krügel-Stadion. Für den FSV Zwickau muss sich der Punktgewinn in etwa so anfühlen, wie wenn Du nach einer durchzechten Nacht im Bett irgendeiner unfassbar gut aussehenden Person aufwachst und Dich nur noch schemenhaft daran erinnern kannst, wie Du da hingekommen sein könntest. Der FCM war, um im Bild zu bleiben, auch feiern, schiebt aber einen ordentlichen Kater vor sich her und braucht nun erst einmal Kopfschmerztabletten. Dass diese Nachholpartie des 27. Spieltages überhaupt unentschieden ausgehen konnte, bleibt auch am Tag danach noch einigermaßen unfassbar. Fakt ist allerdings, dass der Club in einer intensiven Begegnung mit reichlich Abnutzungskampf, großartigen (Magdeburger) Torchancen und schönen Treffern völlig ohne Not zwei wichtige Punkte im Aufstiegskampf weggeschenkt hat. Das ist extrem ärgerlich und sollte in dieser Phase der Saison eigentlich nicht (mehr) passieren.

Jens Härtel hatte sich gegen die Westsachsen für insgesamt vier Änderungen in der Startformation entschieden: Dennis Erdmann und Steffen Schäfer rotierten raus aus der defensiven Dreierreihe, für sie spielten Nico Hammann links und Christopher Handke rechts. In der Mitte zeigte Andre Hainault erneut eine starke Partie, in der er insbesondere Zwickaus Sturmtank Ronny König völlig abmeldete. Das zentrale Mittelfeld bildeten Marius Sowislo (für Richard Weil) und Björn Rother, auf den Außenbahnen agierten, wie zuletzt, Tobias Schwede und Nils Butzen. In der offensiven Dreierreihe rutschte Philip Türpitz auf die linke Seite, rechts spielte Marcel Costly von Anfang an und ersetzte Florian Pick in der Startelf. Christian Beck gab, wie gewohnt, den Mittelstürmer.

Auf der Anzeigetafel waren die ersten 60 Sekunden der Partie noch gar nicht heruntergelaufen, als es eigentlich schon 1:0 für die Größten der Welt stehen muss. Von Rother und Beck nach starkem Umschaltspiel gut in Szene gesetzt, scheiterte Costly aber mit einem Flachschuss am glänzend aufgelegten Johannes Brinkies im Zwickauer Tor. Tobias Schwede setzte per Kopf nach, konnte den Ball dann aber nicht mehr auf den Kasten bringen. In der fünften Minute die nächste gute Strafraumszene für den Club: Nach einer Kopfballverlängerung von Christopher Handke wurde Kapitän Sowislo am Elfmeterpunkt von 2 Zwickauern ordentlich in die Mangel genommen, was allerdings Björn Rother dahinter Platz verschaffte. Seine artistische Hereingabe konnte dann aber von Nico Antonitsch aus der Gefahrenzone geköpft werden.

Sieht man von einem Zwickauer Freistoß von René Lange nach 6 Minuten, der im Toraus landete, mal ab, war von den Gästen in der ersten Viertelstunde offensiv überhaupt nichts zu sehen. Dafür stellte aber Blau-Weiß nach 9 Minuten und hochverdient auf 1:0. Nico Hammann gewinnt den Ball stark in der eigenen Hälfte, erneut wird gut umgeschaltet, über Marius Sowislo landet das Spielgerät schließlich bei Christian Beck auf dem linken Flügel. Der zeigt dort eine Flanke an, bedient dann aber den durchgelaufenen Hammann flach im Strafraum, der wiederum auf Marcel Costly weiterleiten kann. Der Winterneuzugang aus Mainz hat dann keine Mühe, am diesmal machtlosen Brinkies vorbei einzuschieben. Sehr schöner Spielzug, alles viel zu schnell für Zwickau und der zweite Saisontreffer für Costly. “Defense leads to offense”, würden die Amerikaner vermutlich sagen, so durfte es sehr gern weitergehen!

Und das tat es auch: Nur wenig später hätte Nils Butzen auf 2:0 stellen können, nachdem er von Costly mit einem überragenden Pass in die Schnittstelle auf der rechten Seite freigespielt worden war. Im Zwickauer Tor steht mit Brinkies nun aber ein überdurchschnittlich guter Drittliga-Keeper, der schnell aus seinem Kasten kam, sich groß machte und Butzen, eher Defensiv-, als Offensivgeist, im Prinzip kaum Angebote machte. Kann Butzen den Ball da lupfen, steht es 2:0. So aber blieb der Zwickauer Keeper Sieger und betrug der Vorsprung weiter nur einen Treffer. In einer perfekten Welt hätten zu diesem Zeitpunkt (wir sprechen von den ersten 10 Minuten!) insgesamt schon 3 Tore fallen müssen.

Fallen tat dann aber erst einmal Zwickaus Daniel Gremsl. Christopher Handke hatte einen harmlosen Ball auf Jan Glinker zurückgespielt, bei dem die Konzentration kurzzeitig völlig ausgesetzt haben muss. Jedenfalls sah er Gremsl wohl nicht kommen, wurde seinen Vorderleuten aber auch nicht darauf hingewiesen, dass der Stürmer aggressiv anlaufen würde. Das Ende vom Lied war ein stark pressender Gremsl und ein Jan Glinker, der ersteren im Strafraum glasklar zu Fall brachte. Die völlig unstrittige Entscheidung konnte nur “Elfmeter” lauten. Bentley Baxter Bahn ließ sich diese Chance natürlich nicht entgehen und so war Zwickaus erster Abschluss ein Strafstoß, der aus heiterem Himmel den Ausgleich brachte. War das ärgerlich.

Aber: Club und Kurve ließen sich keinesfalls hängen, wenngleich der Gegentreffer das ganz hohe Tempo erst einmal aus der Partie nahm. Dafür legte das Spiel in Sachen Intensität gefühlt noch einmal einen Zacken zu und schenkten sich beide Seiten in den Zweikämpfen so absolut gar nichts, was phasenweise durchaus dem eingangs schon erwähnten Abnutzungskampf gleichkam. Chancen ergaben sich weiterhin nur für den 1. FC Magdeburg: Nach einem Hammann-Freistoß aus gut 35 Metern, den Brinkies nur prallen lassen konnte, ergab sich eine Kopfballmöglichkeit für Hainault, die Zwickaus Keeper auf der Linie entschärfen konnte (30. Minute). Dann schoß Tobias Schwede, im Strafraum klasse von Türpitz bedient, frei über das Tor (32.). Schwede war es auch, der hinsichtlich der Torchancen den Schlusspunkt hinter den ersten Durchgang setzte, als er in Spielminute 42 nach einem schönen Dribbling aus der zweiten Reihe ebenfalls ein Stück zu hoch zielte.

Und Zwickau? Tat das, was Zwickau eben so tut: Robust zu Werke gehen, immer an der Grenze des Erlaubten agieren und stellenweise auch ein ganz gutes Stück darüber hinaus schießen. Der Schiedsrichter ließ es halt laufen, was den Club (und das hätte man vermutlich vor einem Jahr noch nicht geschrieben) aber nicht sonderlich tangierte. Mit dem für Zwickau mehr als schmeichelhaften 1:1 ging es jedenfalls in die Pause, beunruhigt sein musste man aber eigentlich nicht: Einfach so weiterspielen, dann wäre das zweite Tor für die Guten nur eine Frage der Zeit.

Tatsächlich kam aber der FSV Zwickau besser aus der Kabine, was auch daran lag, dass die zweiten Bälle nun nicht mehr so häufig beim 1. FC Magdeburg landeten und man ergo nicht mehr ganz so schnell ins Umschaltspiel kam. Das war ärgerlich, weil die Sachsen zunächst überraschend hoch standen und dem Club damit eigentlich ganz gute Konterräume hätten anbieten können. Nur: Wenn Du nicht in Ballbesitz kommst, kannst Du ebenjene Räume halt auch nicht besetzen. Dafür verzeichneten die Gäste in der 50. Minute ihren einzigen (!) Torabschluss aus dem Spiel heraus. Ronny Königs Treffer wurde aufgrund einer Abseitsstellung allerdings zu Recht die Anerkennung verwehrt.

Nach ungefähr einer Stunde gab dann erneut – zumindest Chancen-technisch – nur der FCM den Ton an. Erst ist es Philip Türpitz, der einen schicken Ball von Rother hinter die Zwickauer Abwehrkette nicht mehr druckvoll genug verwerten kann (59.), danach setzte Marcel Costly einen schönen Schlenzer nur knapp links über das Tor (60.). In der 64. Minute ging der Club schließlich erneut absolut verdient in Führung. Costly findet Türpitz im Strafraum völlig frei, der nimmt 2, 3 Zwickauer Gegenspieler mit aufs Karussell und donnert den Ball schließlich aus zentraler Position zum 2:1 in die Maschen. Sehr, sehr geiles Tor; auf den Abschluss sollte “Torpedo” irgendwann vielleicht mal ein Patent anmelden.

So. Damit war eigentlich klar: Zwickau bietet außer Nicklichkeiten hier nichts an, mit ein bisschen Glück und der nötigen Ruhe spielst Du das kontrolliert zu Ende und mit einem verdienten Heimsieg im Gepäck sollte dann auch die lange Tour nach Unterhaching ein klitzekleines bisschen weniger anstrengend werden. Wohl auch mit Blick auf die Belastungssteuerung ersetzte Jens Härtel in der 67. Minute Björn Rother durch Richard Weil, vier Minuten später kam Florian Pick für Philip Türpitz und in der 76. Minute Julius Düker für Christian Beck. Um es klar zu sagen: Der Club machte das jetzt ganz ruhig und souverän, versuchte, den Ball so lange wie möglich in den einen Reihen zu halten und bot den Gästen im Prinzip nur noch ein einziges Mal ein wenig Raum an – was dann allerdings gleich mächtig teuer wurde.

Wir schreiben die 83. Spielminute, der Ball kommt nach einem Zwickauer Einwurf über König und Könnecke zum Ex-Magdeburger René Lange auf der völlig verwaisten linken Seite. Lange kann mit viel Tempo in den Strafraum gehen und tut das auch, während Florian Pick, Richard Weil und Nils Butzen gemeinschaftlich versuchen, den Linksverteidiger zu stellen. Lange schlägt einen Haken und dann im Strafraum lang hin (no pun intended) – schwierig aufzulösen, aber ein Kontakt von Nils Butzen war wohl vorhanden. Es gibt also erneut Elfmeter für Zwickau und mit dem zweiten Torschuss der Partie (Königs Abseitstor mal außen vor gelassen) erzielt der FSV tatsächlich das 2:2. Bitter, richtig bitter, aber wenn Du das Spiel vorher eben nicht wegpackst und dann sieben Minuten vor Schluss hinten einmal pennst, passieren halt solche Situationen.

Diesmal zeigte der erneute Ausgleich aus dem Nichts Wirkung, viel passierte danach nämlich nicht mehr und nach reichlichen 3 Minuten Nachspielzeit beendete Schiedsrichter Heft ein Spiel, das aus Magdeburger Perspektive nie und nimmer 2:2 enden darf. Ob wir diesen zwei verlorenen Punkte am Ende noch nachtrauern werden, bleibt aber abzuwarten, denn trotz der doch recht großen Enttäuschung hat der 1. FC Magdeburg immer noch alles komplett in der eigenen Hand. Hinzu kommt, dass wir derzeit offenbar in der Lage sind, auch gegen anstrengende Gegner wie Osnabrück und Zwickau verlässlich hochprozentige Torchancen herauszuspielen – das war in der Vergangenheit auch schon einmal anders. Die zwei Punkte in diesem Nachholspiel haben wir außerdem verloren, weil es zwei schlimme Aussetzer gab, womit unser Aussetzer-Kontingent für die Restsaison hoffentlich erschöpft ist. Will sagen: Klar, alles ärgerlich, aber erstens jetzt nicht mehr zu ändern und zweitens auch (noch) kein Weltuntergang. Gegen Unterhaching jetzt in die Erfolgsspur zurückfinden, dann Karlsruhe und Wiesbaden schlagen und zack! scheint in Magdeburg auch wieder die Sonne. Nur den Glauben sollte niemand verlieren – weder die Jungs auf dem Rasen, noch wir auf den Rängen. In diesem Sinne: Nur der FC Magdeburg!